Ökumene
Sanktionen gegen Ökumenismus-Pater
Ein Ökumeneprofessor trieb an der katholischen Universität in Lublin jahrzehntelang sein Unwesen. Gegen Ende seines Lebens wird der Vatikan auf einmal gegen ihn aktiv.
Pater Waclaw Hryniewicz
Pater Waclaw Hryniewicz
(kreuz.net, Vatikan) Der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Angelo Amato, hat den polnischen Ökumeniker Pater Waclaw Hryniewicz (72) verwarnt.

Das berichtete der Nachrichtendienst der US-Bischofskonferenz ‘Catholic News Service’.

Pater Hryniewicz gehört zum Missionsorden der Oblati Mariae Immaculatae, die in Deutschland auch „Hünfelder Oblaten“ genannt werden.

Er lehrte bis 2005 an der katholischen Universität in Lublin ökumenische Theologie. Seine Publikationsliste umfaßt über 820 Bücher und Artikel. Der Pater hat auch in sechs verschiedenen Ländern unterrichtet. Diesen Sommer mußte er sich einer Krebsoperation unterziehen.

Frontal gegen die katholische Lehre

Im September 2007 veröffentlichte der Geistliche einen Artikel gegen das Dokument der Glaubenskongregation vom Juli 2007 über „Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“.

Der Text mit 1.100 Wörtern erschien in dem umstrittenen theologischen Onlinemagazin ‘Open Theology’.

Pater Hryniewicz jammerte darin, daß die Glaubenskongregation „viele Theologen enttäuscht“ habe. Die Erklärung unterstreiche das Trennende statt des Verbindenden.

Der Pater warnte vor einem angeblichen „gravierenden Rückschritt“.

Das Zweite Vatikanum werde im „Geist der vorkonziliaren Lehre“ interpretiert – ideologisierte er: Die Kirche gehe zurück zur alten Ekklesiologie und wünsche ein Monopol auf die Wahrheit zu besitzen.

Reaktion der Glaubenskongreagtion

Der Sekretär der Glaubenskongregation, Mons. Amato, verwarnte Pater Hryniewicz daraufhin im Januar 2008.

Der Erzbischof forderte ihn auf, innerhalb von drei Monaten einen von seinen Oberen genehmigten Widerruf zu veröffentlichen.

Erzbischof Amato kritisiert, daß Pater Hryniewicz eine emotionale Sprache benützt habe. Es fehle ihm auch die wissenschaftliche und methodische Strenge.

Keine Einsicht

Pater Hryniewicz weigerte sich, eine Korrektur zu veröffentlichen. Das erklärte er in seiner Antwort vom 27. März.

Er sei in den Prozeß der „ökumenischen Versöhnung“ tief eingebunden und teile die Schmerzen und Sorgen der Nichtkatholiken, die vom Dokument der Glaubenskongregation angeblich „tief verletzt“ worden seien – schürte er wiederum Emotionen.

Künftig werde er keine Dokumente der Glaubenskongregation mehr kommentieren. Er sei durch das gegenwärtige Beispiel „ausreichend entmutigt“.

Bevorstehende Sanktionen?

Laut ‘Catholic News Agency’ drohen dem Pater nun ein Veröffentlichungsverbot oder sogar die Suspendierung. Die Agentur beruft sich auf ungenannte polnische Quellen.

Pater Hryniewicz erklärte am Telephon, daß er dem Tod nahe sei: „Ich sehe nicht, wie ich jetzt mit Klarstellungen und Berichtigungen gegen mein Gewissen handeln kann.“

Disziplinare Drohungen lassen den Pater kalt.

Er macht sich nur Sorgen, daß eine Verurteilung auch seine vergangene Arbeit überschatte, in der er ähnliche Ansichten und Überzeugungen vertreten habe.

Eine Sprecherin der Universität von Lublin erklärte, daß Pater Hryniewicz für seine „kontroversen“ Thesen bekannt gewesen sei.
      
10 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#10   karljosef   22:12:20 | Montag, 22. September 2008
Die alten
haben doch am meisten rebelliert und die Krise hebeigeführt. Die alten haben das Durcheinander und 68 gemacht.
Redaktion benachrichtigen
#9   Bernd-Jupp   18:30:48 | Sonntag, 21. September 2008
Warum immer die Alten?
Es ist für mich schon verwunderlich, dass es zumeist die Älteren unter den theologischen Wissenschaftlern sind, die offen aussprechen, was viele andere zwar sagen, aber nie öffentlich unterschreiben würden. Anscheinend haben Die Alten nichts mehr an Rang und Namen zu verlieren und sind deshalb freier in ihrer Meinungsäußerung. Allerdings geht aus dem Artikel überhaupt nicht hervor, was denn die römische Inquisition überhaupt zu beanstanden hat!!!
Redaktion benachrichtigen
#8   Marcelus   12:18:16 | Sonntag, 21. September 2008
Geistliche, die nicht ihre geistliche Uniform tragen,
sondern wie Weltliche gekleidet sind, sollten ohnehin streng diszipliniert, und bei Nichtgehorchen suspendiert werden,
obwohl das Ablehnen der geistlichen Uniform bereits ein wichtiger Hinweis auf innerlichen Glaubensabfall und Häresie ist.
Redaktion benachrichtigen
#7   karljosef   07:47:29 | Sonntag, 21. September 2008
die Sachlage ist klar.
Im Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche steht (Abschnitt 171) zum Thema „Ausserhalb der Kirche kein Heil:
„ Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die wissen dass die Kirche von Christus gegründet wurde und zum Heil notwendig ist, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen.“
Wenn der Professor eine andere Meinung hat, ist sie nicht katholisch. Warum sollte er dann im Namen der Kirche und von ihr bezahlt gegen die Kirchliche Lehre unterrichten dürfen?
Redaktion benachrichtigen
#6   Colombe de la paix   20:55:39 | Samstag, 20. September 2008
Gute Nacht
:(3 :(3 :)3 :(3 :)3 :(3 :)3 :(3 :(3 :)3 :(3 :(3 :)3 :(3 :&) :)3
:-] alle zusammen ! Ich wünsche allen einen gesegneten
Sonntag und viel Freude mit der Familie ! :(3
Redaktion benachrichtigen
#5   Elijahu †   19:03:20 | Samstag, 20. September 2008
Es gibt keine absolute Wissenschaftsfreiheit in einer Glaubensgemeinschaft
Theologen sind keine Wissenschaftler in dem Sinne, dass es für sie Wissenschaftsfreiheit gäbe. Sie sind gebunden an Schrift, Tradition und Lehramt.
Wem das nicht gefällt, der kann seine wissenschaftliche Laufbahn ausserhalb der Kirche fortsetzen. Niemand hindert ihn daran.
Der Betroffene unterscheidet zwischen einer vorkonziliaren und nachkonziliaren Ekklesiologie, das ist schlicht falsch; die vorkonziliare Ekklesiologie war immer gültig, auch wenn einige „Theologen“ meinen, sie könnten die verworrenen Texte des 2. Vatikanums anders interpretieren.
Redaktion benachrichtigen
#4   Gunsenum   17:28:45 | Samstag, 20. September 2008
Was genau kritisiert…
…die Kongragation eigentlich? Das ein Wissenschaftler faktisch argumentiert? ist die Meinung wohl nichr angenehm?
Redaktion benachrichtigen
#3   Schüttel   17:01:28 | Samstag, 20. September 2008
Recht hat der gute Pater!
Und die Inquisitoren werden einmal fürchterlich gerichtet werden!
Redaktion benachrichtigen
#2   Elijahu †   16:59:50 | Samstag, 20. September 2008
Der „Geist der vorkonziliaren Lehre“…
…ist der Heilige Geist. Das ist unseren im Rauch Satans befindlichen 68-er „Theologen“ natürlich ein gewaltiger Dorn im Auge, wenn da plötzlich jemand die Lehre der Kirche nicht mehr mit Schlangenzungen, sondern im Licht des Heiligen Geistes interpretiert.
Zurecht, aber zu spät, verwarnt.
Redaktion benachrichtigen
#1   Franz Kappes   16:47:34 | Samstag, 20. September 2008
Die Wahrheit
Die Kirche gehe zurück zur alten Ekklesiologie und wünsche ein Monopol auf die Wahrheit zu besitzen.
Sie wünscht ein Monopol auf die Wahrheit zu besitzen? Hat er das so gesagt?
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
ÖkumeneDie üblichen Seiltänze PapsthasserOberpeinliche Mitleidstour ÖkumeneKatholiken und Lutheraner glauben an die reale Gegenwart Jesu in Brot und Wein ÖkumeneVerbale Umweltverschmutzung ÖkumeneSelbstgezimmerter Glaube ÖkumeneMinderwertige Kirche ÖkumeneSchon damals wurde die Messe verboten ÖkumeneNicht richtig und nicht falsch ÖkumeneNoch vor einigen Jahren undenkbar Protestant zu AllerheiligenDie Heiligen sind eine Erfindung des Mittelalters Ökumene„Wir sind evangelisch-katholisch“ ÖkumeneJa oder doch eher nein ÖkumeneChristus ist für alle Menschen gestorben – außer für die Juden ÖkumeneHat der Ökumenismus theologisch kapituliert? Prof. HilberathDer Professor leidet
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net