19:24:22 | Mittwoch, 24. September 2008
Für die Produktion von Theaterstücken und Fernsehshows oder für den Empfang von Staatsoberhäuptern wird ein gewaltiger Aufwand betrieben. Von Monika Rheinschmitt.

Der Bedarf an Schulungen für die Alte Messe ist größer als das Angebot.
(kreuz.net) Das Ziel des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ ist, die Alte Messe allen Katholiken zugänglich
zu machen, das heißt, sie in jeder größeren Stadt in einer zentralen Kirche zu ermöglichen.
Dazu
gehören nicht nur ein Kirchenraum, sondern auch Priester, Ministranten und eine Choralschola, die ihre
Aufgaben gemäß den Rubriken erfüllen.
Da diese Fähigkeiten nach einer fast vierzigjährigen Unterbrechung
weder bei den Älteren – die den Alten Ritus nur aus ihrer Jugend kennen – noch bei den Jüngeren – die
ihn nie erlebt haben – vorausgesetzt werden können, fanden in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt
zehn liturgische Schulungen statt, die von der ‘Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus’
oder von der Priesterbruderschaft St. Petrus organisiert wurden.
Doch der Bedarf wäre bei weitem größer.
Leider finden nicht alle für eine Meßfeier im klassischen römischen Ritus Engagierten Zeit für einen
drei- bis fünftägigen Kurs sowie für Übungen zu Hause, um das Gelernte zu vertiefen.
Andere wiederum
befürchten übles Gerede und andere Nachteile, wenn sie an einer liturgischen Schulung teilnehmen und
sich anschließend für solche Meßfeiern zur Verfügung stellen.
Dadurch wird an manchen Orten die Heilige
Messe im klassischen römischen Ritus zwar mit viel gutem Willen, aber nicht so schön und feierlich zelebriert,
wie dies angemessen wäre.
In seiner Ansprache an die Bischöfe sagte Papst Benedkit XVI in Lourdes:
„Hört nicht auf, mit dem heiligen Pfarrer von Ars, einem Sohn Eures Landes und Patron aller Pfarrer
der ganzen Welt, zu wiederholen, daß ein Mensch nichts Größeres tun kann, als den Gläubigen den Leib
und das Blut Jesu zu reichen und die Sünden zu vergeben.“
Welcher Aufwand an Proben und Vorbereitungen
wird für ein Theaterstück getrieben, für die Produktion einer Fernsehshow, für den Empfang eines Staatsoberhaupts:
Wie genau wird Regie geführt, das Protokoll eingehalten!
In jeder Heiligen Messe geschieht etwas viel
Gewaltigeres als im Theater, in einer Fernsehshow oder bei einem Staatsbesuch: Der Sohn Gottes – eines
Wesens mit dem Allmächtigen Vater – wird auf dem Altar präsent und schenkt sich den Gläubigen in der
heiligen Kommunion.
Darum sollten Priester wie Laien alles in ihrer Macht Stehende tun, diese Feier so
schön und würdig zu gestalten, wie es nur irgend möglich ist.
Dazu gehören der geeignete Raum, die
Gewänder, die Musik, Weihrauch, Blumen, selbstverständlich auch die jahrhundertelang gewachsene und
bewährte Form der Gebete.
Das Bewußtsein des ungeheuerlichen Geschehens in der Heiligen Messe ist vielerorts
verlorengegangen. Oft stehen die Menschen, die angebliche Gemeinschaft unter den Gläubigen oder die persönliche
Profilierung von Priestern oder Laien im Vordergrund.
Unter diesen Umständen ist es auch nicht so wichtig,
eine bestimmte Form einzuhalten.
Das Tremendum, das ehrfurchtgebietende Geheimnis, wieder erahnbar zu
machen, die göttliche Majestät wieder in den Mittelpunkt zu stellen, ist ein Ziel des Motu Proprio.
Wie werden diese Ziele in Deutschland und seinen Nachbarländern umgesetzt?
Luc Perrin, Professor für
Kirchengeschichte an der Universität Straßburg, sagte Ende Juli in einem Interview: „Die französischen
Bischöfe betreiben eine ‘Eindämmungspolitik’.“
Deren Ziel sei eine Praxis wie in den Jahren 1984 (Quattuor
Abhinc Annos) bis 1988 (Ecclesia Dei Afflicta) aufrecht zu erhalten: „Die Bischöfe wollen sich über
die Rechte, die der Papst den Pfarrern und Gemeindepriestern gewährt hat, hinwegsetzen und es sich vorbehalten,
die Feier der außerordentlichen Form zu erlauben oder zu verbieten.“
Nur eine Minderheit der französischen
Bischöfe sei wirklich offen für eine bereitwillige Umsetzung des Motu Proprio.
Die Webseite ‘summorum-pontificum.de’
stellt fest, daß das ziemlich exakt der deutschen Situation entspricht:
„Die Indulte von 1984 und 1988,
welche die Entscheidung über den Gebrauch des alten Ritus in die Hände der Bischöfe legten und diese
zur Großzügigkeit aufforderten, wurden von den meisten deutschen Bischöfen rundweg ignoriert.“
Nachdem
der Papst den Bischöfen mit dem Motu Proprio diese Entscheidungsgewalt genommen habe, würden sie versuchen,
wenigstens den Status der Jahre 1984 bis 2007 zu retten:
Die Bischöfe wollten es sich vorbehalten, die
Feier der außerordentlichen Form zu erlauben oder zu verbieten.
„Wie so oft geht es nicht um Theologie
oder das Heil der Seelen, sondern um Macht.“
Für den Vatikanisten Armin Schwibach bleibt die teilweise
vehemente negative Reaktion vieler Bischöfe unverständlich.
Jahrzehntelang sei jeder auch noch so extremen
Form von Mißbräuchen der Liturgie schweigend stattgegeben worden:
„Wovor also macht der Alte Ritus
Angst? Daß der Christ sich bewußt wird, daß er gegenüber dem unerfaßbaren Ereignis des Altares in
Schweigen zu versinken hat?“
Nach fast vierzigjähriger quasi-Unterbrechung könne jetzt ein Neubeginn
stattfinden, der sich bemüht, Fehlentwicklungen aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts
zu vermeiden.
Die Verfasserin ist Vorsitzende der Vereinigung ‘Pro Missa Tridentina’.
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