11:13:10 | Montag, 7. März 2005
Lange baten jene, die für das Leben von Frau Terri Schiavo kämpfen, den örtlichen Diözesanbischof um eine Stellungnahme. Sie kam nach langem Warten. Jetzt wünschen sich die Lebensschützer, daß der Bischof geschwiegen hätte.
(kreuz.net, St. Petersburg/Florida) Seit langem hatten sich Familienmitglieder und Freunde von Terri Schiavo
gewünscht, daß der örtliche Bischof stärker am Schicksal der Wachkomapatientin Anteil nehmen würde.
Frau Schiavo leidet seit ihrem Zusammenbruch im Jahre 1990 an einem schweren Gehirnschaden. Sie lebt
seitdem in einem Pflegeheim auf dem Gebiet der Diözese St. Petersburg in Florida. In wenigen Tagen soll
Terri auf Wunsch ihres entfremdeten Ehemanns
vom Pflegepersonal dem Hungertod überlassen werden. Terris
Eltern wehren sich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen.
Lange hat der örtliche Diözesanbischof, Mons.
Robert N. Lynch, zu diesem Rechtsstreit auf Leben und Tod geschwiegen. Jetzt hat er sich zu einer schriftlichen
Erklärung aufgerafft, die ungefähr eine A4-Seite umfaßt. Sie ist beschämend und schockierend zugleich.
Zu Beginn seines Schreibens wäscht sich der Bischof die Hände in einer unverbindlichen Überparteilichkeit.
Er wolle seine Erklärung als Diözesanbischof und Hirte „aller hier betroffenen Familienteile“ machen,
schreibt der Bischof, und vergißt im weiteren den Überlebenskampf von Terri.
Die letzte Entscheidung
für die Einstellung der künstlichen Ernährung von Frau Terri Schiavo gehöre, so der Bischof, ihrem
„Gatten Michael“ und nicht den Gerichten. Damit bleibe die Entscheidung nach Ansicht des Bischofs „innerhalb
der Familie“.
Lebensschützer rätseln aber, wie der Bischof von „innerhalb der Familie“ sprechen kann,
da die Person, die er „Gatte Michael“ nennt, die Familiengemeinschaft aufgekündigt hat und seine wehrlose
Ehefrau seit Jahren mit einer Konkubine betrügt. Mit seiner Konkubine hat Schiavo auch zwei uneheliche
Kinder gezeugt.
Gegen die leiblichen Eltern seiner von ihm betrogenen Ehefrau führt Schiavo außerdem
einen erbitterten Rechtsstreit. Schiavo will die Tötung seiner Frau um jeden Preis durchsetzen, obwohl
Terris Eltern bereit wären, sich um die Pflege ihrer Tochter zu kümmern.
Doch es scheint, daß Schiavo
an seiner verratenen Frau ein juristisches Exempel statuieren will. Die erfolgreiche Tötung von Terri
würde der Euthanasie im ganzen Gebiet der USA Vorschub leisten. All das scheint Bischof Lynch nicht zu
bedrücken.
Der Bischof sieht das Problem eher auf der Beziehungsebene. Die Euthanasierung von Frau Schiavo
scheint er als unausweichliches Faktum in Kauf zu nehmen. Der Bischof wünscht sich, daß vor der „Endgültigkeit“ –
so nennt er die Aushungerung von Frau Schiavo – innerhalb der Familie ‘Einvernehmen’ zustande kommt. Der
kirchliche Oberhirte übt sich in Gemeinplätzen:
„Am Ende des Lebens kommen die Familie eines Sterbenden
gewöhnlich überein, daß es Zeit ist, dem Herrn zu erlauben, einen geliebten Menschen zu sich zu rufen,
weil sie spüren, daß sie alles unternommen haben, um eine Alternative zum Tod aufzuzeigen. Jede mögliche
hilfreiche Behandlung wurde versucht. Es gibt Frieden.“
Angesichts dessen, was sich im Falle von Frau
Terri Schiavo abspielt, sind diese salbungsvollen Worte von einem kaum zu überbietenden Sarkasmus. Der
entfremdete Ehemann besitzt die volle rechtliche Verfügungsgewalt über Terri. Eisern hat er jeden Kompromiß
abgelehnt, um Terri ein Weiterleben im Kreise ihrer Eltern und Geschwister zu ermöglichen. Gezielt hat
er auf eine Tötung seiner Frau hingearbeitet und ihr jede Form der therapeutischen Rehabilitation verweigert.
Auf solche Details geht der Bischof freilich nicht ein. Dagegen kommt er in seiner tragischen Erklärung
zur Erkenntnis, daß es in den Familien von Terri Schiavo derzeit wegen einer scheinbaren „Unversöhnlichkeit
beider Seiten“, keinen Frieden gibt. Er werde darum beten, daß die zwei Parteien einen kleinen Schritt
zurück machen und in diesen letzten Stunden eine Vereinbarung finden mögen.
Der Bischof spricht davon,
daß Frau Schiavo, die für ihn so gut wie tot ist, keine gegenseitigen Beschuldigungen als Nachlaß hinterlassen
möge. Vielmehr wünscht er sich „einen heroischen Augenblick der Sorge für die Gefühle aller Parteien“.
Das einzige Ziel bestehe darin, anhand von moralischen und ethischen Überlegungen das beste Ergebnis
für Terri zu erreichen.
Um die Rettung des Lebens von Terri scheint sich Bischof Lynch keine Sorgen
zu machen. Eine ähnliche Gleichgültigkeit legte er bereits an den Tag, als der rechtliche Ehemann von
Terri einem Priester verbot, Terri zu besuchen und ihr die heilige Kommunion zu bringen.
Auch zur angestrebten
direkten Tötung des Lebens von Terri fällt dem Bischof nichts ein. Die Ernährung eines Wachkomapatienten
durch eine Magensonde stellt keine außerordentliche lebensrettende Maßnahme dar und gehört zur normalen
Krankenpflege, die keinem lebenden Menschen verweigert werden darf. Das hat selbst die Bischofskonferenz
von Florida erklärt.
Das Aushungern eines Patienten ist ein schwer unmoralischer Akt. Dieses Faktum
scheint Bischof Lynch angesichts seiner Sorge um eine illusorische Versöhnung zwischen Tod und Leben
auf tragische Weise aus den Augen zu verlieren.
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