Benedikt XVI.
Über alles im dunkeln
Wir waren mehr als vierzig junge Männer, die sich gemeinsam auf die Priesterweihe vorbereitet hatten. Der Papstbruder im Interview.
Die Brüder Ratzinger im Sommerurlaub
Die Brüder Ratzinger im Sommerurlaub
(kreuz.net) Die Ratzinger-Brüder waren in ihrer Kindheit keine Freunde des Sports. Das erklärte Prälat Georg Ratzinger (84) – der Bruder von Papst Benedikt XVI. – in einem großen Interview, das am Montag in der Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’ veröffentlicht wurde:

„Ich kann sagen, daß weder ich noch mein Bruder ein Talent für den Sport hatten“ – so Prälat Ratzinger:

„Das ist vielleicht darauf zurückzuführen, daß wir keine robusten Konstitutionen besaßen. Wir waren vielmehr die kleinsten und Schwächsten in unseren jeweiligen Klassen.

Deshalb waren wir nicht in der Lage mit unseren Kameraden mitzuhalten.“

Im Krieg

Der Zweite Weltkrieg traf die Familie Ratzinger schwer: „Die Nahrung reichte nur knapp.“

„Wir besaßen monatliche Lebensmittelmarken, mit denen man nur gewisse Nahrungsmittel kaufen konnte – wie Zucker, Butter, Fett und ein bißchen Fleisch.“

„Am Abend mußte man die Fenster verdunkeln, damit das Licht nicht nach außen drang und von den Flugzeugen der Alliierten gesehen wurden.

Ich wurde zuerst zum Arbeitsdienst und dann zum Militärdienst eingezogen.

Mein Bruder Joseph wurde einige Zeit nach mir eingezogen. Wir besaßen Ziele und Ideale, die jenen Hitlers entgegengesetzt waren, aber wir waren trotzdem Soldaten.

Wir konnten die Stunde kaum erwarten, bis der Krieg zu Ende ging.“

Der Vater an der Zither

„In unserem Haus liebten alle die Musik. Unser Vater spielte am Abend häufig auf der Zither. Wir sangen zusammen. Für uns war das immer ein besonderer Anlaß.

In Marktl am Inn gab es eine Musikkapelle, die mich sehr faszinierte. Ich habe immer gedacht, daß die Musik eines der schönsten Dinge ist, die Gott geschaffen hat.

Auch mein Bruder hat die Musik immer geliebt. Vielleicht habe ich ihn angesteckt.“

Ein Jubeltag

An den 29. Juni 1951 – das Datum der Priesterweihe der Ratzinger-Brüder – erinnert sich Prälat Ratzinger als einen „sehr fröhlichen Tag, der uns zutiefst bewegte.“

„Das gute Wetter hatte uns in gute Stimmung versetzt. Wir waren mehr als vierzig junge Männer, die sich gemeinsam auf die Priesterweihe vorbereitet hatten.“

„Alle waren wir glücklich, weil wir das Ziel erreichten, auf das wir uns über Jahre vorbereitet hatten. Jetzt wurde alles Wirklichkeit.“

„Wir zogen in den Dom von Freising ein, dessen große Glocke, die den Namen des Heiligen Korbinian trägt, die ganze Stadt schon am frühen Morgen geweckt und eine festliche Atmosphäre verbreitet hatte.“

„Die ganze Familie war mit uns – unsere Eltern, unsere ältere Schwester: Das war ein unvergeßlicher Tag.“

Nichts gewußt

Zu Juden hatte die Familie Ratzinger keine direkten Kontakte – erinnert sich der Prälat auf eine entsprechende Frage:

Es sei aber eine theologische Tatsache, daß die Juden das auserwählte Volk Gottes seien – erklärt er: „Aus diesem Volk wurde Jesus geboren.“

„Aber ich muß zugeben, daß wir in dieser Zeit von der Existenz der Juden nur aus dem Religionsunterricht wußten.

In unserer Gegend gab es keine Juden, weshalb wir weder Kontakte noch Erfahrung mit ihnen hatten.

Wir wußten nichts über die Pogrome gegen die Juden und auch nicht über die Ungerechtigkeiten, die ihnen von den National-Sozialisten angetan wurden. Wir waren über alles im dunkeln.“

Nächste Mal: Einige haben den Sprung in die neue Liturgie nicht geschafft
      
6 Lesermeinungen
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#7   Colombe de la paix   19:36:19 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
Scheib doch
mal etwas über Seminaristen!
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#5   Amanda   15:21:11 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
Wenigstens hat man
aus der „Zitter“ wieder eine „Zither“ gemacht.
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#4   Gratias Agamus   12:30:59 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
So funktioniert’s
Genau so, „rechter Weg“, konnte es doch nur funktionieren: Dadurch, dass zu viele Menschen gesagt haben: „Ich bin zwar dagegen, aber ich mache mit.“
Wenn Sie das „3. Reich“ wirklich als „große gemeinsame Sache“ betrachten, hinter die alle persönliche Belange zurücktreten mussten, wünsche ich Ihnen eine gute Reise in eine der Diktaturen dieser Welt. Ich hoffe, dass sich schon eine Staatsanwaltschaft Ihrer Sache angenommen hat.
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#3   Gehe den rechten Weg   12:22:28 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
Vorbilder

„Wir besaßen Ziele und Ideale, die jenen Hitlers
entgegengesetzt waren, aber wir waren trotzdem Soldaten.“
Diese Einstellung lobe ich mir!
Manchmal müssen persönliche Belange und Hirngespinste
eben hinter der großen gemeinsamen Sache zurück stehen.
Dies sollte man den egomanen, gottlosen Individualisten der heutigen Jugend mal als leuchtendes Beispiel um die Ohren schlagen.
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#2   Jesuit †   11:22:18 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
Was sagen denn jetzt die
Obernazis von hetz.net dazu???????
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#1   freddie schenk   10:57:24 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
Hinter die Ohren schreiben
Vielleicht sollten sich das, was Prälat Ratzinger hier gesagt hat, einige mal hinter die Ohren schreiben:
Es sei aber eine theologische Tatsache, daß die Juden das auserwählte Volk Gottes seien – erklärt er: „Aus diesem Volk wurde Jesus geboren.“
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