10:53:18 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
Benedikt XVI.
Wir waren mehr als vierzig junge Männer, die sich gemeinsam auf die Priesterweihe vorbereitet hatten. Der Papstbruder im Interview.

Die Brüder Ratzinger im Sommerurlaub
(kreuz.net) Die Ratzinger-Brüder waren in ihrer Kindheit keine Freunde des Sports. Das erklärte Prälat
Georg Ratzinger (84) – der Bruder von Papst Benedikt XVI. – in einem großen Interview, das am Montag
in der Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’ veröffentlicht wurde:
„Ich kann sagen, daß weder ich noch
mein Bruder ein Talent für den Sport hatten“ – so Prälat Ratzinger:
„Das ist vielleicht darauf zurückzuführen,
daß wir keine robusten Konstitutionen besaßen. Wir waren vielmehr die kleinsten und Schwächsten in
unseren jeweiligen Klassen.
Deshalb waren wir nicht in der Lage mit unseren Kameraden mitzuhalten.“
Im KriegDer Zweite Weltkrieg traf die Familie Ratzinger schwer: „Die Nahrung reichte nur knapp.“
„Wir
besaßen monatliche Lebensmittelmarken, mit denen man nur gewisse Nahrungsmittel kaufen konnte – wie Zucker,
Butter, Fett und ein bißchen Fleisch.“
„Am Abend mußte man die Fenster verdunkeln, damit das Licht
nicht nach außen drang und von den Flugzeugen der Alliierten gesehen wurden.
Ich wurde zuerst zum Arbeitsdienst
und dann zum Militärdienst eingezogen.
Mein Bruder Joseph wurde einige Zeit nach mir eingezogen. Wir
besaßen Ziele und Ideale, die jenen Hitlers entgegengesetzt waren, aber wir waren trotzdem Soldaten.
Wir konnten die Stunde kaum erwarten, bis der Krieg zu Ende ging.“
Der Vater an der Zither„In unserem
Haus liebten alle die Musik. Unser Vater spielte am Abend häufig auf der Zither. Wir sangen zusammen.
Für uns war das immer ein besonderer Anlaß.
In Marktl am Inn gab es eine Musikkapelle, die mich sehr
faszinierte. Ich habe immer gedacht, daß die Musik eines der schönsten Dinge ist, die Gott geschaffen
hat.
Auch mein Bruder hat die Musik immer geliebt. Vielleicht habe ich ihn angesteckt.“
Ein Jubeltag
An den 29. Juni 1951 – das Datum der Priesterweihe der Ratzinger-Brüder – erinnert sich Prälat Ratzinger
als einen „sehr fröhlichen Tag, der uns zutiefst bewegte.“
„Das gute Wetter hatte uns in gute Stimmung
versetzt. Wir waren mehr als vierzig junge Männer, die sich gemeinsam auf die Priesterweihe vorbereitet
hatten.“
„Alle waren wir glücklich, weil wir das Ziel erreichten, auf das wir uns über Jahre vorbereitet
hatten. Jetzt wurde alles Wirklichkeit.“
„Wir zogen in den Dom von Freising ein, dessen große Glocke,
die den Namen des Heiligen Korbinian trägt, die ganze Stadt schon am frühen Morgen geweckt und eine
festliche Atmosphäre verbreitet hatte.“
„Die ganze Familie war mit uns – unsere Eltern, unsere ältere
Schwester: Das war ein unvergeßlicher Tag.“
Nichts gewußtZu Juden hatte die Familie Ratzinger keine
direkten Kontakte – erinnert sich der Prälat auf eine entsprechende Frage:
Es sei aber eine theologische
Tatsache, daß die Juden das auserwählte Volk Gottes seien – erklärt er: „Aus diesem Volk wurde Jesus
geboren.“
„Aber ich muß zugeben, daß wir in dieser Zeit von der Existenz der Juden nur aus dem Religionsunterricht
wußten.
In unserer Gegend gab es keine Juden, weshalb wir weder Kontakte noch Erfahrung mit ihnen hatten.
Wir wußten nichts über die Pogrome gegen die Juden und auch nicht über die Ungerechtigkeiten, die
ihnen von den National-Sozialisten angetan wurden. Wir waren über alles im dunkeln.“
Nächste Mal: Einige
haben den Sprung in die neue Liturgie nicht geschafft
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#5
Amanda 15:21:11 | Mittwoch, 1. Oktober 2008
#2
Jesuit † 11:22:18 | Mittwoch, 1. Oktober 2008