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Mittwoch, 8. Oktober 2008 13:56
Den Kardinal versteckte man hinter einer Eisentüre
„Eine Jugend, der nichts mehr heilig, die keine Ehrfurcht kennt, ist nicht wert und auch nicht fähig, die Geschicke des deutschen Volkes bestimmend zu gestalten.“
Theodor Kardinal Innitzer, von 1932 bis 1955 Erzbischof von Wien
Theodor Kardinal Innitzer, von 1932 bis 1955 Erzbischof von Wien
(kreuz.net) Am Abend des 7. Oktobers 1938 zelebrierte Theodor Kardinal Innitzer von Wien eine Rosenkranz-Messe für die katholische Jugend.

Doch schon vierundzwanzig Stunden später übte die Hitlerjugend bittere Rache. Das mußte sogar die üblicherweise kirchenfeindliche Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’ eingestehen.

Nach Einbruch der Dunkelheit – der Stephansdom war schon geschlossen – stürmte eine Hitler-Meute am 8. Oktober 1938 das nebenan gelegene Palais des Erzbischofs.

Im ersten Stock wurde alles zerschlagen, was nicht niet- und nagelfest war. Tische, Sessel, Bilder, Kleider, Birette, Tischdecken warf man auf die Straße und zündete sie an.

Nach dem Überfall wurden 1245 zerschlagene Fensterscheiben gezählt.

Kardinal Innitzer im Jahr 1933
Kardinal Innitzer im Jahr 1933
Gescheiterte Mordversuche

Der Kardinal befand sich mit seinem Zeremoniär und späteren Erzbischof-Koadjutor, Hw. Franz Jachym († 1984), und Sekretär und späteren Weihbischof, Hw. Jakob Weinbacher († 1985), im Arbeitszimmer.

Als der Lärm immer näher kam, versteckten die beiden Priester den Kardinal im Matrikelarchiv und verschlossen die Eisentür. Die anwesenden Ordensfrauen wurden auf den Dachboden gebracht.

Dann waren die Rowdys schon da. Hw. Jachym wurde im Handgemenge verletzt. Hw. Weinbacher zerrten sie zum Fenster: „Den Hund schmeiß’ ma auße!“

Der Priester in Todesangst wehrte sich erfolgreich.

Gegenüber im Kaffeehaus saß Polizeipräsident Otto Steinhäusl († 1940). Er gab erst nach Ablauf einer festgesetzten Zeit den Einsatzbefehl.

Inzwischen war die Schlägertruppe hinüber zum Curhaus – der Residenz der Dompriester – gestürmt.

Domkurat Johannes Krawarik († 1968) war der Erste, den die Attentäter in ihre Gewalt bekamen.

Sie warfen ihn aus dem Fenster im ersten Stock. Der Geistliche hatte Glück im Unglück. Ein Bauschutthaufen milderte den Aufprall. Hw. Krawarik brach sich beide Beine und mußte bis zum Lebensende Medikamente nehmen.

Vergebliche Proteste
Am nächsten Tag wurden die Spuren des Überfalls in aller Früh von Gemeindearbeitern beseitigt.

Das kirchliche Personal mußte unterschreiben, über die Verbrechen zu schweigen.

Der Päpstliche Nuntius protestierte nach Berlin. Doch Reichskanzler Adolf Hitler schickte ihm nicht einmal eine Antwort.

Abgefallene Katholiken hetzten gegen den Klerus
Für den 13. Oktober mobilisierte der abgefallene Katholik und Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich Josef Bürckel († 1944) etwa 200.000 National-Sozialisten zu einer Kundgebung auf dem Wiener Heldenplatz.

Die Lautsprecher verbreiteten – die auch von den zeitgenössischen Medien bekannten – antiklerikalen Haßrede.

So war von „verlogenen Volksverrätern“, von einer „herrschsüchtigen, machtlüsternen und blutrünstigen Priesterschaft“, von „Herrn Innitzer“ als „verworrensten und heimtückischsten aller politisierenden Kleriker“ die Rede.

Im Jahr 1941 schrieb der Kardinal nach weiteren Attacken der Hitler-Jugend an den national-sozialistischen Reichsstatthalter Baldur von Schirach († 1974):

„Ich kann in den gemachten Erfahrungen nur sehr ernste Symptome für die Zukunft des deutschen Volkes erblicken. Eine Jugend, der nichts mehr heilig, die keine Ehrfurcht kennt, ist nicht wert und auch nicht fähig, die Geschicke des deutschen Volkes bestimmend zu gestalten.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 81 Lesermeinungen:
Samstag, 22. November 2008 00:41
timpressum: Jaja, der Herr Innitzer…
…der hat vorher auch anders gedacht:

„Viel Kritik rief sein Verhalten nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich hervor. Er sprach sich vor der Volksabstimmung über den Anschluss am 10. April 1938 für diesen aus, stattete Adolf Hitler am 15. März 1938 im Hotel Imperial einen Höflichkeitsbesuch ab und unterzeichnete am 18. März gemeinsam mit den Bischöfen eine von Gauleiter Bürckel verfasste Feierliche Erklärung, die den Anschluss Österreichs befürwortete. Von Bürckel beraten, unterschrieb Innitzer das Begleitschreiben handschriftlich mit der Formel … und Heil Hitler!. Diese Erklärung wurde zusammen mit einer Kopie dieses Hitlergrußes ohne Zustimmung der Bischöfe im ganzen Deutschen Reich durch Plakate verbreitet.“

Soweit aus dem gleichnamigen Wikipedia-Artikel…
Freitag, 10. Oktober 2008 20:13
Benedikt: @ josberens
Zu den Widersprüchen. Liest Du den wirklich nur streng kath. Zeitungen?

Wie wär’s wenn Sie die Frage beantworten? Ich verrate Ihnen dann auch, welche Zeitungen ich lese.
Freitag, 10. Oktober 2008 20:10
joberens: Benedikt Selig- Heiligsprechungen
Zu den Widersprüchen. Liest Du den wirklich nur streng kath. Zeitungen?

Josef Berens
als einfacher, denkender Katholik)
Freitag, 10. Oktober 2008 16:51
Seefeldt: Peter und Paul
Extrembeispiel eines Heiligen mit sehr dunkler Vergangenheit ist der heilige Paulus, der zunächst die Christen blutig verfolgte, nach seiner Bekehrung aber einer der größten Heiligen wurde.

Einer der größten Heiligen ist auch der Heilige Petrus, der aber Christus nach dessen Gefangennahme schmählich verleugnete.
Freitag, 10. Oktober 2008 13:56
Benedikt: @ josberens
Es gibt hier so viele Widersprüche

So? Welche denn?

Zudem müssen Päpste, die ja sündige, fehlbare Menschen wie jeder andere sind, ja auch nicht unbedingt heilig gesprochen werden.

Wo steht denn geschrieben, dass es sich bei Heiligen um unfehlbare und sündelose Menschen handelt? Erneut wird deutlich, dass Sie auf diesem Themengebiet nur ein ausgeprägtes Unwissen vorzuweisen haben.
Freitag, 10. Oktober 2008 10:57
joberens: Pius XII
Es gibt hier so viele Widersprüche und es wäre sicherlich ratsam, die betriebene Seligsprechung zumindest vorläufig auf Eis zu legen, von dem allgemeinen Sinn und Wert der Selig- und Heiligsprechungen ganz zu schweigen.

Zudem müssen Päpste, die ja sündige, fehlbare Menschen wie jeder andere sind, ja auch nicht unbedingt heilig gesprochen werden.

Josef Berens
(als einfacher, denkender Katholik)
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