[ « 96 97 98 99 100 » ]
Donnerstag, 9. Oktober 2008 13:42
Vor fünfzig Jahren forderten Kirche und Welt: „Santo Subito“
Am 9. Oktober 1958 starb Papst Pius XII. – ein angeblich rigider Antimodernist, Verteidiger der Juden – die ihm später ins Gesicht spuckten – und Feind der Ökumene. Pressesplitter.
Pius XII. zelebrierte täglich die Alte Messe.
Pius XII. zelebrierte täglich die Alte Messe.
Hitler befahl die Entführung

„Der Handlungsspielraum eines Papstes war 1943 nicht sehr viel größer als sein 0,44 Quadratkilometer großes Staatsterritorium. In den Akten der Heiligsprechungskongregation liegt eine Anhörung durch die Erzdiözese München des SS-Obergruppenführers Karl Wolff aus dem Jahr 1972. Hitler, so Wolff, habe ihm persönlich am 9. September 1943 den Befehl erteilt, die Vatikanstadt zu besetzen und den Papst über die Alpen zu entführen. So schreibt es der Autor Michael Hesemann in seinem in diesen Tagen erscheinenden Buch „Der Papst, der Hitler trotzte“.“

Aus einem Bericht von Alexander Smoltczyk für ‘Spiegel Online’

Mit der Ökumene wenig am Hut

Die vatikanischen Archive „zeigten, daß der Heilige Stuhl vielen Juden half. In Italien gelang es, die Rassengesetzgebung zu mildern und Deportationen zu verhindern; die Razzia vom 16. Oktober 1943 im römischen Ghetto wurde auf Initiative des Papstes bald eingestellt. Viele Juden überlebten dank kirchlicher Hilfe, versteckt in Klöstern, in kirchlichen Häusern, aber auch im Vatikan selbst. Trotz der politischen Wirren setzte der Pacelli-Papst mit zahlreichen Lehrschreiben viele neue kirchlichen Akzente. […] Wenig Zugang hatte der Pacelli-Papst zur neuen ökumenischen Bewegung.“

Aus einem Bericht der deutschen katholischen Nachrichtenagentur ‘KNA’

Pius XII. als Nuntius in Deutschland und als PapstPius XII. als Nuntius in Deutschland und als PapstKlicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 8 Bildern zu starten.

Kontakte zum deutschen Widerstand

„Nach jüngsten Erkenntnissen (noch sind nicht alle Vatikan-Dokumente freigegeben) soll Pius XII. sogar Kontakt zum deutschen Widerstand gehabt haben. Spätestens das wäre bei Bekanntwerden das Vernichtungsurteil gewesen.“

Aus einem Bericht von Lothar Schröder für die Regionalzeitung ‘Rheinische Post’.

Technischer Modernismus

„Die Feststellung eines »rigiden Antimodernismus« ist – jenseits mancher theologischen Positionen – für den technikbegeisterten Diplomaten Pacelli jedenfalls nicht zutreffend. Matthias Erzberger wußte schon, bei welchem Nuntius er mit dem fabrikneuen Mercedes-Benz Eindruck machen könnte, den er zur Ankunft 1917 vor die Münchener Nuntiatur gestellt hatte. Pacellis Interesse für das neue Leichtflugzeug der Firma Junkers, das er sich auf einem Probeflug von München nach Oberammergau vorführen ließ, war stärker als seine ursprüngliche Flugangst.“

Aus einem Artikel von Karl-Joseph Hummel für die katholische Zeitung ‘Tagespost’.

Das gleiche noch einmal

„Angenommen, er könnte mit all seinem heutigen Wissen Pius XII. zur Zeit der Naziherrschaft beraten – würde er ihm empfehlen, etwas anders zu machen, den Holocaust offen anzuprangern? »Absolut nicht«, sagt Pater Gumpel [der Postulator des Seligsprechungsprozesses für Pius XII.]. »Öffentliche Proteste hätten keinen Sinn gehabt.« Sie hätten vielmehr die stille Hilfe des Papstes etwa für Tausende von der Deportation bedrohte Juden Roms gefährdet.“

Aus einem Bericht in der Tageszeitung ‘Süddeutsche Zeitung’.

Santo subito

„Als Pius XII. 1958 starb, schrieb die israelische Außenministerin und spätere Premierministerin Golda Meier: »Wir trauern. Wir haben einen Diener des Friedens verloren. Die Stimme des Papstes war während der Nazizeit klar, und sie verteidigte die Opfer.« Auch zeitgenössische Zeitungskommentare erwecken den Eindruck, als habe die ganze Welt damals dasselbe gefordert, wie zuletzt bei Johannes Paul II.: »Santo subito!« – »Sofort heilig sprechen!«“

Aus einem Bericht von Martin Zöller für die deutsche Zageszeitung ‘Die Welt’.

Verschwiegene Wahrheit

„Ich erinnere mich, wie der Heilige Vater zur Mittagszeit in die Küche kam und zwei mit der Hand beschriebene Blätter mitbrachte. Sie enthalten, so sagte er, meinen Protest gegen die grausame Verfolgung der Juden, und ich wollte sie eigentlich heute Abend im ‘Osservatore’ veröffentlichen lassen. Aber ich denke jetzt: Wenn der Hirtenbrief der Bischöfe 40.000 Menschenleben gekostet hat, dann kann mein eigener Protest … leicht das Leben von 200 000 Juden kosten. Eine so schwere Verantwortung kann ich nicht auf mich nehmen. Es ist besser, in der Öffentlichkeit zu schweigen und insgeheim alles Erdenkliche zu tun.“

Das Zeugnis der päpstlichen Haushälterin, Schwester Pasqualina Lehnert, über ein vernichtetes Dokument im Buch „Der Papst, der geschwiegen hat“ (1999) von John Cornwell.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 63 Lesermeinungen:
Freitag, 10. Oktober 2008 20:27
iustus: Überdies
sind das ganz neue Töne von Herrn Berens. Bisher dachte ich immer, er gehört der Fraktion an, die glaubt, es kämen ohnehin alle Menschen zu Gott. Auf einmal hält er es für möglich, dass es Menschen gibt, die nicht dorthin gelangen.

Ein echter Fortschritt!
Freitag, 10. Oktober 2008 20:12
Benedikt: @ josberens
Bleiben wir doch mal auf dem Teppich und gehen die Sache mal ganz ruhig an.

Gerne.

Fakt ist doch, daß eine Heiligsprechung bedeuten soll, daß die betreffende Person hundertprozentig bei Gott ist und ab dem Zeitpunkt der Heiligsprechung als Fürsprecher bei Gott angerufen und öffentlicht verehrt werden kann.

Richtig.

Das ein Mensch sich anmaßt, eine derartige Entscheidung zu fällen,

Wieder falsch. Es wird nicht entschieden, dass jemand im Himmel ist. Haben Sie es immer noch nicht verstanden? Es kommt nur eine allgemeine Überzeugung zum Ausdruck. Es bestimmt dies auch nicht einfach der Papst. Befassen Sie sich mal mit den einzelnen Prozessen. Zunächst muss ein diözesaner Prozess eingeleitet werden. Der geht regelmäßig auf Bitten des Gottesvolks zurück. Man kann davon ausgehen, dass dieses Volk ohnehin schon der Meinung ist, dass sich der Betreffende im Himmel befindet. Die Hierarchen leiten dann den Prozess ein und überprüfen das Leben des Dahingeschiedenen. Wunder gelten als Anzeichen, dass der Betreffende tatsächlich Fürsprache bei Gott leisten kann. Sie werden aber streng überprüft. Erst am Ende steht die Seligsprechung an sich. Das ist also nichts, was sich der Papst beim Frühstücksei ausdenkt.
Freitag, 10. Oktober 2008 20:07
Bernd Stromberg: @Benedikt
Ganz ehrlich, ich bewundere Ihre Geduld. Sie wären wirklich ein sehr guter Lehrer (sofern Sie das nicht bereits sind).

Es ist das Problem einer völlig schablonenhaften Art zu denken: JoBerens hat eine extrem festgefügte Meinung, die aus Parolen und Phrasen besteht, die er zwar austauschen und kombinieren, nicht aber revidieren kann. Er ist offenbar nicht in der Lage, auf Einwürfe und andere Sichtweisen einzugehen. Unter dieser Voraussetzung sind Diskussionen mit JoBerens unmöglich, ungefähr so wie mit manchen Sedisvakantisten.
Freitag, 10. Oktober 2008 20:04
joberens: Benedikt Selig- Heiligsprechungen
Bleiben wir doch mal auf dem Teppich und gehen die Sache mal ganz ruhig an. Fakt ist doch, daß eine Heiligsprechung bedeuten soll, daß die betreffende Person hundertprozentig bei Gott ist und ab dem Zeitpunkt der Heiligsprechung als Fürsprecher bei Gott angerufen und öffentlicht verehrt werden kann.

Das es so ist, bestimmt ein, im Verhältnis zu Gott doch winzig kleiner Mensch.

Das ein Mensch sich anmaßt, eine derartige Entscheidung zu fällen, die in Wirklichkeit nur Gott betrifft, halte ich für eine übertriebene Amtsanmaßung Gott gegenüber und ist für mich Beweis dafür, daß dieser Mensch den Größen- und Standesunterschied Gott und Mensch nicht mehr vor Augen hat.

Das hat auch nicht das Geringste mit Jesus unddem Evangelium zu tun.

Josef Berens
(als einfacher, denkender Katholik)
Freitag, 10. Oktober 2008 19:28
Benedikt: @ Josberens
Sollte man nicht wieder mehr Respekt vor der Größe Gotte beweisen und es ihm ganz allein überlassen, ob er diesen Papst bei sich haben will oder nicht. Sind wir doch mal ehrlich. Das Ganze sind doch nur Spekulationen und nicht mehr und nicht weniger.

Ich fasse es nicht. Ich habe Ihnen hier erläutert, dass eine Seligsprechung nicht bedeutet, dass jemand zu Gott gelassen wird. Sie haben dies auch gelesen (und darauf um 18:31 Uhr geantwortet). Dennoch behaupten Sie hier weiter, die Seligsprechung sei eine Anmaßung, weil sie Gott vorschreibe, wen er zu sich nehme.

Sie handeln offenbar nach der Prämisse „Ich bleibe bei meiner Meinung, verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen!“ Sie sind alles mögliche, aber kein Denkender.
Freitag, 10. Oktober 2008 19:22
joberens: Wozu das ganze Gezedere Seligsprechung
Es ist doch eigentlich alles, mehr oder weniger Spinnerei ist, was hier so für und wider die Seligsprechung dieses Papstes betrieben wird.

Sollte man nicht wieder mehr Respekt vor der Größe Gotte beweisen und es ihm ganz allein überlassen, ob er diesen Papst bei sich haben will oder nicht. Sind wir doch mal ehrlich. Das Ganze sind doch nur Spekulationen und nicht mehr und nicht weniger.

Josef Berens
(als einfacher, denkender Katholik)
Alle Lesermeinungen anzeigen 57 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2009 kreuz.net