Mitte Februar wandte sich eine Gruppe von polnischen Intellektuellen in einem Offenen Brief gegen die Einführung der Handkommunion in ihrem Heimatland. Unter ihnen befindet sich die Ärztin Wanda Póltawska, eine enge Weggefährtin von Papst Johannes Paul II. Der Brief im Wortlaut.
(kreuz.net) Im Oktober 2004 sprach sich herum, daß die polnische Bischofskonferenz angeblich erwägt,
neben der bisherigen Praxis der Mundkommunion den Empfang der Kommunion auf die Hand einzuführen. Jetzt
wurde bekannt, daß die Frage von der Diskussions- in die Entscheidungsphase übergegangen ist. Darauf
weist die vor kurzem veröffentlichte Entscheidung des Primas von Polen, die neue Art des Kommunionempfangs
auf dem Gebiet seiner Warschauer Erzdiözese einzuführen.
Wir sind nur gewöhnliche Gläubige der Katholischen
Kirche. Uns steht nicht zu, die Entscheidungen unserer Hirten zu beurteilen, die im Rahmen ihrer Amtsgewalt
handeln. Nach reiflicher Überlegung und mit Gottesfurcht haben wir uns dennoch entschlossen, das Wort
zu ergreifen, um auf folgende Tatsachen hinzuweisen:
1. Es gibt kein einziges Dokument des Apostolischen
Stuhls, das die Praxis der Handkommunion loben, zu ihrer Ausbreitung auffordern oder die Handkommunion
als etwas behandeln würde, das der traditionellen liturgischen Praxis gleichgestellt wäre. Die Einführung
der Handkommunion in Polen kann darum nicht als Anpassung an weltkirchliche Normen hingestellt werden.
2. In der Lehre der Katholischen Kirche gibt es in Sachen Handkommunion nicht Lob und Ermutigung, sondern
vielmehr ernsthafte Bedenken. Diese Einwände sind nicht zweitrangig, sondern sie berühren das Wesen
des Glaubens und der Religion. Von Anfang an hat die Kirche davor gewarnt, daß die Einführung der Handkommunion
eine „Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarsakrament, seine Profanierung sowie eine Verfälschung
der rechten Lehre“ nach sich ziehen kann (Instruktion der Gottesdienstkongregation „Memoriale Domini“
aus dem Jahre 1969).
3. Jahre nach der Einführung der neuen Praxis in Westeuropa beschrieb der Heilige
Vater, Johannes Paul II., die Situation folgendermaßen: „In einigen Ländern hat sich die Handkommunion
eingebürgert. Diese Praxis wurde von den Bischofskonferenzen verlangt und auf ihr Ansuchen vom Apostolischen
Stuhl approbiert. Es wurden aber krasse Fälle von Verunehrungen der Heiligen Hostien bekannt. Das belastet
nicht nur die Personen, die solcher Handlungen schuldig sind, sondern auch die Hirten der Kirche, die
zu wenig auf die Haltung der Gläubigen gegenüber der Eucharistie geachtet haben“ (Papst Johannes Paul
II im Brief Dominicae Caenae aus dem Jahre 1980).
Heute steht einwandfrei fest, daß das Dokument des
Apostolischen Stuhls aus dem Jahr 1969 die Gefahren völlig zurecht genannt hat. Dort, wo man die Handkommunion
einführte, entstand eine zusätzliche Gelegenheit zur Sünde gegen den eucharistischen Christus.
4.
Der einzige offizielle Grund, der vom Apostolischen Stuhl für die Approbierung der Handkommunion durch
die jeweiligen Bischofskonferenzen genannt wird, ist die Absicht, die Krise zu überwinden, die in jenen
Ländern entstand, wo sich die Handkommunion aufgrund der „schwierigen Lage“ nach dem II. Vatikanischen
Konzil illegal ausgebreitet hatte (vgl. Memoriale Domini). Es ist offensichtlich, daß wir damit in Polen
zum Glück nicht konfrontiert sind. Bei uns gab es die Praxis der Handkommunion nie, weder vor Jahrhunderten,
noch in den letzten Jahrzehnten.
5. Wo die Handkommunion durchgesetzt und legalisiert wurde, erinnert
der Apostolische Stuhl an die mit dieser Praxis verbundenen Gefahren und hat für den Kommunionspender
sogar eine spezifische Gewissensklausel verfügt. 1999 erklärte die Gottesdienstkongregation in einer
Antwort, die in ihrem offiziellen Organ veröffentlicht wurde: „Alle sollen daran denken, daß die Mundkommunion
eine uralte Tradition darstellt. Falls eine Gefahr der Profanierung besteht, darf der zelebrierende Priester
den Gläubigen die Kommunion nicht in die Hand legen und soll sie über die Gründe unterrichten, warum
er so handelt.“ („Notitiae“, März-April 1999).
Eine identische Verfügung beinhaltete die Instruktion
der Gottesdienstkongregation „Redemptionis Sacramentum 92“ („Über einige Dinge bezüglich der heiligsten
Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind „) aus dem Jahre 2004.
6. Zu beachten ist auch, daß
der Apostolische Stuhl im Jahre 1996 dem Bischof von San Luis in Argentinien, Mons. Juan Rodolfo Laise,
unterstützte, als dieser sich weigerte, die Handkommunion in seiner Diözese einzuführen, obwohl diese
Praxis von der argentinischen Bischofskonferenz beschlossen wurde. In einem Brief an Bischof Laise schrieb
der damalige Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Jorge Medina Estevez, daß die Inanspruchnahme
des Rechts auf „das Erlassen von Verordnungen nach eigenem Gewissen und eigener pastoraler Umsicht“ keine
„Beleidigung der Bischofskonferenz“ sei. Diese habe keine Kompetenz, „den Bischöfen auf diesem Gebiet
eine konkrete Praxis aufzuzwingen“ (Brief vom 17.01.1997, Prot. 1978/96/L – vgl. das Faksimile des Briefes
in: Mons. Juan Rodolfo Laise, La communion dans la main. Documents et histoire, Paris 1999, 11).
Der
damalige Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, Erzbischof Tarcisio Bertone, präzisierte
in seinem Brief an Bischof Laise, daß „ein eingehendes Studium der Dokumente des Heiligen Stuhls klar
zeigt, daß Sie mit ihrem Entschluß, die Tradition der Austeilung der Heiligen Kommunion in den Mund
unverändert fortzusetzen, rechtmäßig gehandelt und die Kirchengemeinschaft keinesfalls gebrochen haben.
Sie haben in Wirklichkeit nichts anderes getan, als sich an die Verpflichtungen zu halten, welche die
Instruktion „De modo Sanctam Communionem ministrandi“ jedem Bischof auferlegt. Die Instruktion verlangt,
die Folgen zu beachten, die eine Änderung der geltenden eucharistischen Praxis für die Gläubigen nach
sich ziehen könnte“ (der Brief vom 7.10.1996, Prot. 511/56-02978 – die Faksimile des Briefes ebenda,
S. 10).
Die Vertreter des Apostolischen Stuhls beriefen sich auf einen Pastoralbrief der Gottesdienstkongregation,
welcher der Instruktion „Memoriale Domini“ aus dem Jahr 1969 beilag. Darin wird erklärt, daß ein Diözesanbischof
dort, wo die Bischofskonferenz vom Apostolischen Stuhl eine Einwilligung zur Austeilung der Handkommunion
erhalten hat, „die Erlaubnis zur Einführung der neuen Art der Kommunionausteilung nach seinem Urteil
und Gewissen erteilen kann, wobei eine Verwirrung der Gläubigen und jede Gefahr einer Verminderung der
Ehrfurcht vor der Eucharistie vermieden werden soll.“
Im Licht der angeführten Tatsachen können wir
als Söhne der Kirche nur unser ehrliches Bedauern darüber ausdrücken, daß die Praxis der Handkommunion,
die in den westlichen Ländern auf einer Welle der Verwirrung im Verständnis von Eucharistie und Priestertum
durchgesetzt wurde, jetzt auch in die polnischen Kirchen eingeführt werden soll. Diese Praxis beinhaltet
so viele zusätzliche Gefahren für den Glauben und die Religion. Oft ist sie mit einer Verletzung der
Ehrfurcht vor Christus selbst verbunden. Darum stößt sie im Gewissen vieler Gläubigen und Priester,
die jetzt verpflichtet sind, die Handkommunion auszuteilen, auf Widerstand.
Wir möchten offen erklären,
daß wir diese Entscheidung und die für sie angegebenen Gründe nicht verstehen. Wir können auch keine
Vorteile erkennen, welche die Gefahren, die im Falle der Handkommunion handgreiflich sind, überwiegen
würden. Wir anerkennen die väterliche Autorität unserer Bischöfe und bleiben ihnen gegenüber loyal.
Gerade kraft dieser Loyalität sprechen wir hier offen und mit Liebe aus, was viele denken und fühlen.
In der Zeit einer tiefen Umwandlung in den 60-er und 70-er Jahre hatte die polnische Kirche den Mut,
anders und traditionstreuer zu sein. Diese Haltung bewirkte keine Krise, im Gegenteil. Sie erzeugte einen
großen Dynamismus. Diese Kirche brachte Papst Johannes Paul II. und zahlreiche Priester- und Ordensberufungen
hervor und erfreut sich eines blühenden Glaubenslebens.
Wir sind darüber in Sorge und Unruhe, daß
das Jahr der Eucharistie nicht als Jahr der Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarsakrament
in die Geschichte der polnischen Kirche eingehen möge.
Pawel Milcarek Philosoph und Publizist
Wanda
Póltawska Arzt
Andrzej Póltawski Philosoph
Marek Jurek Abgeordneter des polnischen Parlamentes
Arkadiusz
Robaczewski Philosoph und Publizist
Marcin Libicki Abgeordneter des Europäischen Parlamentes
Pawel;
Nowacki Autor von Radio- und Fernsehsendungen
Jacek Kowalski Kunsthistoriker und Sänger
Jacek Bartyzel
Theaterwissenschaftler und Politologe
Konrad Szymanski Abgeordneter des Europäischen Parlamentes
Tomasz
Bartosinski Jurist
Janusz Kotanski Historiker, Dichter
Barbara Polak Biologe
Jan M. Ruman Journalist
Boguslaw Kiernicki Herausgeber
Grzegorz Kucharczyk Historiker
Piotr Semka Publizist
Jan Pospieszalski
Musiker und Fernsehjournalist
Dariusz Karlowicz Philosoph
Jan Zaryn Historiker
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7 Lesermeinungen
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Ja oder Nein… Die Handkommunion hat sich bei uns eingebürgert und ich kenne es gar nicht anders. Ich
würde eine Änderung auch nur ganz schwer akzeptieren können und es bedürfte einiger Zeit bis ich damit
klarkäme. So geht es, denke ich, auch den Polen in diesen Tagen, da ihre Art des Kommunionempfanges zur
Diskussion steht. Ich halte es für falsch heutzutage hierbei noch Änderungen vorzunehmen. Selbst Einzelpersonen
können ja noch Ausnahmen darstellen, so dass heutzutage Priester auf alles eingestellt sind. Eine feste
Regelung würde eigentlich nur alles durcheinander werfen.
#6 Uwe Schmidt 06:39:48 | Donnerstag, 14. April 2005
GerdEric Der typische Pole bezieht sein Weltbild aus der Reaktion, so nach dem Motto: „wenn die anderen
Völker gegen Gott und Kirche sind, das sind wir dafür!“, „wenn die anderen Modernisierungen einführen,
dann sind wir dagegen!“. Die polnischen Bischöfe hatten nach dem II. Vatikanum Sondergenehmigungen für
das Fleischverbot am Freitag und die ausschließliche Mundkommunion eingerecht und erhalten. Dass dies
seit dem Beitritt zur EU langsam aufzuweichen beginnt, ruft eben auch viele besonders patriotisch-nationalkatholische
Kritik aus dem Radio-Maria-Milieu auf den Plan.
ups haben Publizisten, Journalisten, Künstler, Abgeordnet, Historiker … mehr theologisches Wissen als
Theologen? Das wundert mich schon sehr… oder ist da eine Volksfrömmigkeit, die entscheiden will?
#2 Uwe Schmidt 06:43:14 | Donnerstag, 10. März 2005
primas glemp Also Primas Glemp ist alles andere als ein moderner, fortschrittlicher Katholik. Wenn der
jetzt die Handkommunion in seinem Warschauer Bistum erlaubt, dann geschieht das mit Sicherheit durch Druck
von oben, wahrscheinlich von Rom aus.
Darf man pessimistisch sein… … und die Prognose wagen, dieses Schreiben werde nicht viel ausrichten?
Im Anschluß an die sog. Liturgiereform hatten Prominente von ganz anderer Berühmtheit einen Brief nach
Rom geschickt. Immerhin wurde dadurch das legendäre „Agatha Christie-Indult“ ermöglicht. Aber an der
allgemeinen Lage änderte sich dadurch nicht viel. Man braucht nicht pessimistisch, nur realistisch zu
sein, um dem (gelungenen) Schreiben aus Polen ein ähnliches Schicksal zu prophezeien.