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Dienstag, 8. März 2005 13:43
Polnische Prominente gegen die Handkommunion
Mitte Februar wandte sich eine Gruppe von polnischen Intellektuellen in einem Offenen Brief gegen die Einführung der Handkommunion in ihrem Heimatland. Unter ihnen befindet sich die Ärztin Wanda Póltawska, eine enge Weggefährtin von Papst Johannes Paul II. Der Brief im Wortlaut.
(kreuz.net) Im Oktober 2004 sprach sich herum, daß die polnische Bischofskonferenz angeblich erwägt, neben der bisherigen Praxis der Mundkommunion den Empfang der Kommunion auf die Hand einzuführen. Jetzt wurde bekannt, daß die Frage von der Diskussions- in die Entscheidungsphase übergegangen ist. Darauf weist die vor kurzem veröffentlichte Entscheidung des Primas von Polen, die neue Art des Kommunionempfangs auf dem Gebiet seiner Warschauer Erzdiözese einzuführen.

Wir sind nur gewöhnliche Gläubige der Katholischen Kirche. Uns steht nicht zu, die Entscheidungen unserer Hirten zu beurteilen, die im Rahmen ihrer Amtsgewalt handeln. Nach reiflicher Überlegung und mit Gottesfurcht haben wir uns dennoch entschlossen, das Wort zu ergreifen, um auf folgende Tatsachen hinzuweisen:

1. Es gibt kein einziges Dokument des Apostolischen Stuhls, das die Praxis der Handkommunion loben, zu ihrer Ausbreitung auffordern oder die Handkommunion als etwas behandeln würde, das der traditionellen liturgischen Praxis gleichgestellt wäre. Die Einführung der Handkommunion in Polen kann darum nicht als Anpassung an weltkirchliche Normen hingestellt werden.

2. In der Lehre der Katholischen Kirche gibt es in Sachen Handkommunion nicht Lob und Ermutigung, sondern vielmehr ernsthafte Bedenken. Diese Einwände sind nicht zweitrangig, sondern sie berühren das Wesen des Glaubens und der Religion. Von Anfang an hat die Kirche davor gewarnt, daß die Einführung der Handkommunion eine „Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarsakrament, seine Profanierung sowie eine Verfälschung der rechten Lehre“ nach sich ziehen kann (Instruktion der Gottesdienstkongregation „Memoriale Domini“ aus dem Jahre 1969).

3. Jahre nach der Einführung der neuen Praxis in Westeuropa beschrieb der Heilige Vater, Johannes Paul II., die Situation folgendermaßen: „In einigen Ländern hat sich die Handkommunion eingebürgert. Diese Praxis wurde von den Bischofskonferenzen verlangt und auf ihr Ansuchen vom Apostolischen Stuhl approbiert. Es wurden aber krasse Fälle von Verunehrungen der Heiligen Hostien bekannt. Das belastet nicht nur die Personen, die solcher Handlungen schuldig sind, sondern auch die Hirten der Kirche, die zu wenig auf die Haltung der Gläubigen gegenüber der Eucharistie geachtet haben“ (Papst Johannes Paul II im Brief Dominicae Caenae aus dem Jahre 1980).

Heute steht einwandfrei fest, daß das Dokument des Apostolischen Stuhls aus dem Jahr 1969 die Gefahren völlig zurecht genannt hat. Dort, wo man die Handkommunion einführte, entstand eine zusätzliche Gelegenheit zur Sünde gegen den eucharistischen Christus.

4. Der einzige offizielle Grund, der vom Apostolischen Stuhl für die Approbierung der Handkommunion durch die jeweiligen Bischofskonferenzen genannt wird, ist die Absicht, die Krise zu überwinden, die in jenen Ländern entstand, wo sich die Handkommunion aufgrund der „schwierigen Lage“ nach dem II. Vatikanischen Konzil illegal ausgebreitet hatte (vgl. Memoriale Domini). Es ist offensichtlich, daß wir damit in Polen zum Glück nicht konfrontiert sind. Bei uns gab es die Praxis der Handkommunion nie, weder vor Jahrhunderten, noch in den letzten Jahrzehnten.

5. Wo die Handkommunion durchgesetzt und legalisiert wurde, erinnert der Apostolische Stuhl an die mit dieser Praxis verbundenen Gefahren und hat für den Kommunionspender sogar eine spezifische Gewissensklausel verfügt. 1999 erklärte die Gottesdienstkongregation in einer Antwort, die in ihrem offiziellen Organ veröffentlicht wurde: „Alle sollen daran denken, daß die Mundkommunion eine uralte Tradition darstellt. Falls eine Gefahr der Profanierung besteht, darf der zelebrierende Priester den Gläubigen die Kommunion nicht in die Hand legen und soll sie über die Gründe unterrichten, warum er so handelt.“ („Notitiae“, März-April 1999).

Eine identische Verfügung beinhaltete die Instruktion der Gottesdienstkongregation „Redemptionis Sacramentum 92“ („Über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind „) aus dem Jahre 2004.

6. Zu beachten ist auch, daß der Apostolische Stuhl im Jahre 1996 dem Bischof von San Luis in Argentinien, Mons. Juan Rodolfo Laise, unterstützte, als dieser sich weigerte, die Handkommunion in seiner Diözese einzuführen, obwohl diese Praxis von der argentinischen Bischofskonferenz beschlossen wurde. In einem Brief an Bischof Laise schrieb der damalige Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Jorge Medina Estevez, daß die Inanspruchnahme des Rechts auf „das Erlassen von Verordnungen nach eigenem Gewissen und eigener pastoraler Umsicht“ keine „Beleidigung der Bischofskonferenz“ sei. Diese habe keine Kompetenz, „den Bischöfen auf diesem Gebiet eine konkrete Praxis aufzuzwingen“ (Brief vom 17.01.1997, Prot. 1978/96/L – vgl. das Faksimile des Briefes in: Mons. Juan Rodolfo Laise, La communion dans la main. Documents et histoire, Paris 1999, 11).

Der damalige Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, Erzbischof Tarcisio Bertone, präzisierte in seinem Brief an Bischof Laise, daß „ein eingehendes Studium der Dokumente des Heiligen Stuhls klar zeigt, daß Sie mit ihrem Entschluß, die Tradition der Austeilung der Heiligen Kommunion in den Mund unverändert fortzusetzen, rechtmäßig gehandelt und die Kirchengemeinschaft keinesfalls gebrochen haben. Sie haben in Wirklichkeit nichts anderes getan, als sich an die Verpflichtungen zu halten, welche die Instruktion „De modo Sanctam Communionem ministrandi“ jedem Bischof auferlegt. Die Instruktion verlangt, die Folgen zu beachten, die eine Änderung der geltenden eucharistischen Praxis für die Gläubigen nach sich ziehen könnte“ (der Brief vom 7.10.1996, Prot. 511/56-02978 – die Faksimile des Briefes ebenda, S. 10).

Die Vertreter des Apostolischen Stuhls beriefen sich auf einen Pastoralbrief der Gottesdienstkongregation, welcher der Instruktion „Memoriale Domini“ aus dem Jahr 1969 beilag. Darin wird erklärt, daß ein Diözesanbischof dort, wo die Bischofskonferenz vom Apostolischen Stuhl eine Einwilligung zur Austeilung der Handkommunion erhalten hat, „die Erlaubnis zur Einführung der neuen Art der Kommunionausteilung nach seinem Urteil und Gewissen erteilen kann, wobei eine Verwirrung der Gläubigen und jede Gefahr einer Verminderung der Ehrfurcht vor der Eucharistie vermieden werden soll.“

Im Licht der angeführten Tatsachen können wir als Söhne der Kirche nur unser ehrliches Bedauern darüber ausdrücken, daß die Praxis der Handkommunion, die in den westlichen Ländern auf einer Welle der Verwirrung im Verständnis von Eucharistie und Priestertum durchgesetzt wurde, jetzt auch in die polnischen Kirchen eingeführt werden soll. Diese Praxis beinhaltet so viele zusätzliche Gefahren für den Glauben und die Religion. Oft ist sie mit einer Verletzung der Ehrfurcht vor Christus selbst verbunden. Darum stößt sie im Gewissen vieler Gläubigen und Priester, die jetzt verpflichtet sind, die Handkommunion auszuteilen, auf Widerstand.

Wir möchten offen erklären, daß wir diese Entscheidung und die für sie angegebenen Gründe nicht verstehen. Wir können auch keine Vorteile erkennen, welche die Gefahren, die im Falle der Handkommunion handgreiflich sind, überwiegen würden. Wir anerkennen die väterliche Autorität unserer Bischöfe und bleiben ihnen gegenüber loyal. Gerade kraft dieser Loyalität sprechen wir hier offen und mit Liebe aus, was viele denken und fühlen.

In der Zeit einer tiefen Umwandlung in den 60-er und 70-er Jahre hatte die polnische Kirche den Mut, anders und traditionstreuer zu sein. Diese Haltung bewirkte keine Krise, im Gegenteil. Sie erzeugte einen großen Dynamismus. Diese Kirche brachte Papst Johannes Paul II. und zahlreiche Priester- und Ordensberufungen hervor und erfreut sich eines blühenden Glaubenslebens.

Wir sind darüber in Sorge und Unruhe, daß das Jahr der Eucharistie nicht als Jahr der Minderung der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Altarsakrament in die Geschichte der polnischen Kirche eingehen möge.

Pawel Milcarek
Philosoph und Publizist

Wanda Póltawska
Arzt

Andrzej Póltawski
Philosoph

Marek Jurek
Abgeordneter des polnischen Parlamentes

Arkadiusz Robaczewski
Philosoph und Publizist

Marcin Libicki
Abgeordneter des Europäischen Parlamentes

Pawel; Nowacki
Autor von Radio- und Fernsehsendungen

Jacek Kowalski
Kunsthistoriker und Sänger

Jacek Bartyzel
Theaterwissenschaftler und Politologe

Konrad Szymanski
Abgeordneter des Europäischen Parlamentes

Tomasz Bartosinski
Jurist

Janusz Kotanski
Historiker, Dichter

Barbara Polak
Biologe

Jan M. Ruman
Journalist

Boguslaw Kiernicki
Herausgeber

Grzegorz Kucharczyk
Historiker

Piotr Semka
Publizist

Jan Pospieszalski
Musiker und Fernsehjournalist

Dariusz Karlowicz
Philosoph

Jan Zaryn
Historiker
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 7 Lesermeinungen:
Sonntag, 24. Juli 2005 12:33
Lilith: Ja oder Nein…
Die Handkommunion hat sich bei uns eingebürgert und ich kenne es gar nicht anders. Ich würde eine Änderung auch nur ganz schwer akzeptieren können und es bedürfte einiger Zeit bis ich damit klarkäme. So geht es, denke ich, auch den Polen in diesen Tagen, da ihre Art des Kommunionempfanges zur Diskussion steht. Ich halte es für falsch heutzutage hierbei noch Änderungen vorzunehmen. Selbst Einzelpersonen können ja noch Ausnahmen darstellen, so dass heutzutage Priester auf alles eingestellt sind.
Eine feste Regelung würde eigentlich nur alles durcheinander werfen.
Donnerstag, 14. April 2005 06:39
Uwe Schmidt: GerdEric
Der typische Pole bezieht sein Weltbild aus der Reaktion, so nach dem Motto: „wenn die anderen Völker gegen Gott und Kirche sind, das sind wir dafür!“, „wenn die anderen Modernisierungen einführen, dann sind wir dagegen!“. Die polnischen Bischöfe hatten nach dem II. Vatikanum Sondergenehmigungen für das Fleischverbot am Freitag und die ausschließliche Mundkommunion eingerecht und erhalten.
Dass dies seit dem Beitritt zur EU langsam aufzuweichen beginnt, ruft eben auch viele besonders patriotisch-nationalkatholische Kritik aus dem Radio-Maria-Milieu auf den Plan.
Donnerstag, 10. März 2005 11:47
GerdEric: das kann ich mir nicht vorstelle
Sulpicius: Mehr … als die heutigen Theologen bestimmt.

die katholische Kirche eine Laientruppe?

(naserümpf)
Donnerstag, 10. März 2005 11:36
Sulpicius: Mehr …
… als die heutigen Theologen bestimmt.
Donnerstag, 10. März 2005 08:12
haben
Publizisten,
Journalisten,
Künstler,
Abgeordnet,
Historiker


mehr theologisches Wissen als Theologen?
Das wundert mich schon sehr…

oder ist da eine Volksfrömmigkeit,
die entscheiden will?
Donnerstag, 10. März 2005 06:43
Uwe Schmidt: primas glemp
Also Primas Glemp ist alles andere als ein moderner, fortschrittlicher Katholik. Wenn der jetzt die Handkommunion in seinem Warschauer Bistum erlaubt, dann geschieht das mit Sicherheit durch Druck von oben, wahrscheinlich von Rom aus.
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