18:26:09 | Montag, 13. Oktober 2008
Pius XII.
Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, daß eine jüdische Organisation ihre Stimme gegen die Schwarze Legende über Papst Pius XII. erhebt. Von Ingo Langner.

Pius XII. vor der Ikone der Salus Populi Romani, der Beschützerin des römischen Volkes.
(kreuz.net) Nach der Veröffentlichung des Theaterstücks „Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth (77) im Jahr
1963 entstanden zwei Visionen des rechten Verhaltens von Pius XII.
Nach Vision Nr. 1 hätte Papst Pius
XII. gleich nach seiner Wahl 1939 auf die Mittelloge des Petersdomes treten und dem an seinem Volksempfänger
in der Reichskanzlei atemlos lauschenden Katholiken Adolf Hitler so heftig ins Gewissen reden sollen,
daß dem Reichskanzler gar nichts anderes übriggeblieben wäre, als schluchzend seine sofortige Demission
zu erklären und sich für immer in ein alpenländisches Benediktinerkloster zurückzuziehen, um dort
fürderhin nur noch für ora et labora die Hände zu rühren und nie mehr zum abscheulichen Hitlergruß.
Bekanntlich traten am 20. Februar 1942 hochrangige Nationalsozialisten am Berliner Wannsee zusammen,
um unter dem Vorsitz von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich († 1942) den bereits begonnenen Holocaust
im Detail zu organisieren.
Nach Vision Nr. 2 hätte
sich Papst Pius XII. demnach spätestens am darauffolgenden Sonntag in Rom mit einem gelben Stern auf
der Brust in die Hände einer Nazi-Soldateska verfügen sollen, um in Auschwitz demonstrativ einen Märtyrertod
zu sterben.
Das wäre ein Opfer gewesen, das der ganzen Welt Pacellis Lauterkeit vor Augen geführt,
aber sicherlich Hitlers Völkermord nicht gestoppt hätte.
Möglicherweise hätte ein solcher Ablauf
aber einen anderen Dramatiker dazu herausgefordert, ein anderes antikatholisches Lügendrama zu schreiben.
Diesmal hätte die Anklage nicht auf „Schweigen“ gelautet, sondern diesmal wäre die „nutzlose päpstliche
Eitelkeitsshow“ an den Pranger gestellt worden, die vom „satanischen“ Eugenio Pacelli nur deshalb inszeniert
worden sei, um sich und seine ganze elende Katholische Kirche im Lichte der Nachwelt gut aussehen zu lassen.
Fazit: Einem Mann wie Rolf Hochhuth und allen, die auf Teufel komm raus so denken wollen wie er, kann
es ein Papst niemals recht machen.
Solche Leute wollen nicht begreifen, daß es seit Jesu Kreuzestod
und Auferstehung die vordringlichste Aufgabe eines christlichen Papstes und seiner Kirche ist, den Menschen
die heiligen Sakramente zu spenden und ihnen jenseits der Hölle den rechten Weg in den Himmel zu weisen.
„Wenn es sich darum handeln würde, auch nur eine einzige Seele zu retten, einen größeren Schaden von
den Seelen abzuwenden, so würden wir den Mut aufbringen, sogar mit dem Teufel in Person zu verhandeln.“
Diese Worte stammen von Papst Pius XI. († 1939), aber sein Nachfolger, Eugenio Pacelli, hätte sie ebenso
gut aussprechen können. Denn er hat genau so gedacht.
Um Seelen zu retten hat Pacelli mit Benito Mussolini,
Josef Stalin und Adolf Hitler verhandelt. „Dabei ging es dem Stellvertreter Christi auf Erden“, wie der
Frankfurter Kirchenhistoriker Hw. Hubert Wolf (49) schreibt, „stets primär um das Seelenheil der Gläubigen
und um Garantien für die ungehinderte Seelsorge der Katholischen Kirche.“
Mir ist wohl bewußt, daß
solche Sätze all jenen ein Stachel im Fleisch sein müssen, die in der Katholischen Kirche und Ihren
Priestern nichts anderes sehen können, als eine politische Partei und ein Machtinstrument der Reaktion
zur Verdummung der Menschen.
Doch wer so denkt, wer Vernunft und Glauben nicht als unauflösbare Einheit
begreift, bei dem sind ohnehin alle vernünftigen Argumente in den Wind gesprochen.
Oder um es mit dem
Apostel Johannes zu sagen: „Und das Licht leuchtete in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht
erfaßt.“
Aber weil ein Christ bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben sollte, sei hier zum Schluß eine
Grundsatzerklärung erwähnt, die kürzlich veröffentlicht worden ist. „Pius XII. war ein mutiger Papst,
der viele Juden rettete.“
Mit diesem Satz wird das Ergebnis einer Tagung zusammengefaßt, die im September
2008 eine Woche lang in Rom stattfand und die Rolle zum Thema hatte, die Pius XII. bei der Verteidigung
und Rettung von Tausenden von Juden vor dem sicheren Tod einnahm.
Organisiert wurde das Unternehmen von
der jüdischen Stiftung „Pave the Way“. Der Präsident der Stiftung Garry L. Krupp hatte im Vorfeld der
Tagung erklärt, daß er in der Meinung aufgewachsen sei, daß Pius XII. ein Kollaborateur der Nationalsozialisten
und ein antisemitischer Papst gewesen sei.
Er sei schockiert gewesen, als er durch Dokumentationen und
aus dem Mund von Überlebenden erfahren hatte, daß die Wirklichkeit völlig anders war.
An dem römischen
Kongreß nahmen viele Gelehrte aus den Vereinigten Staaten teil.
Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten,
daß eine jüdische Organisation ihre Stimme gegen die „Schwarze Legende“ über den „Papst Hitlers“ und
„Antisemiten Pius XII.“ erhebt.
Der Verfasser ist ein Berliner Dokumentarfilmer und Publizist.
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HBR 20:28:43 | Montag, 13. Oktober 2008