09:39:46 | Dienstag, 14. Oktober 2008
Eine jüngste Aufklärungs-Offensive gottloser Witzbolde bestand unter anderem darin, daß Jesus Christus sein Leben auf einem 14teiligen Bilderzyklus in einem Domina-Studio lassen muß.

Der Kabarettist Leo Lukas zeigt in einem Video auf ‘YouTube’, was er über den Papst und die Religion denkt.
(kreuz.net) Die jüngste Verleihung „1. Kunstpreis Blasphemie – Frecher Mario 2008“ in München hat den
Kulturjournalisten Alexander Kissler an die verbale Kraftmeierei einer Teenagerparty erinnerte.
Das berichtete
er am 13. Oktober in der ‘Süddeutschen Zeitung’.
Zu dem Treffen intellektueller Halbwüchsiger hatten
der sogenannte ‘Bund für Geistesfreiheit’, der ‘Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten’
und die ‘Giordano-Bruno-Stiftung’ eingeladen.
Die Gottlosen wollten damit ein „bedeutsames kulturpolitisches
Signal“ setzen.
Aus 600 Einsendungen wurden die lästerlichsten ausgewählt.
Der Jury gehörten unter
anderem die bayrische Kabarettistin Lisa Fitz (57) und der bayrische Regisseur Hanns Christian Müller
(59) an.
Die Generation der PfarrgemeinderäteDer Anlaß fand in einem Privattheater statt. Nach Angaben
von Kissler erschien ein Publikum, daß sich äußerlich wenig von einem Pfarrgemeinderat unterschied:
„Die Generation »50 plus« dominierte und mit ihr der buntfarbige Wollpullover.“
Vereinzelt konnte
der Journalist auch Leibchen mit gottlosen Schlachtrufen – „Für Trennung von Staat und Kirche“ oder „Gott
ist tot! Gott bleibt tot!“ – ausmachen.
Bei den kirchenfeindlichen Liedern des Rahmenprogramms skandierte
das mutige Auditorium angstfrei den Refrain: „Kreuz-Kruzifix, Kreuz-Kruzifix“:
„Islamischer Fundamentalismus
und päpstliche Allgegenwart schaffen ein Bedürfnis nach zugespitzter Religionskritik“ – fängt Kissler
die Atmosphäre ein.
Dann schlug die Stunde des Atheismus-Erweckungspredigers
Michael Schmidt-Salomon :
„Seine Standardrede »Glaubst du noch oder denkst du schon?« hatte der Vorstandssprecher der Bruno-Stiftung
zwar nicht im Gepäck, auch nicht sein »Manifest des evolutionären Humanismus«, in dem er die christliche
Paradiesvorstellung
»eine Art jenseitiges Auschwitz« nennt, »mit Engeln als Selektionären an der himmlischen
Rampe«“ – kommentiert Kissler.
Dafür rühmte er die Preisträger: „Selbstverständlich ist es legitim,
religiöse Gefühle zu verletzen, wenn dies zur Durchsetzung einer
aufgeklärteren und humaneren Sichtweise
erforderlich ist.“
Probleme mit der UntehoseKissler weist darauf hin, daß Schmidt-Salomon in zwanzig
Minuten zwölfmal von der „Aufklärung“ – in deren Namen er das Wort führte – und dreimal von einer „Gegenaufklärung“
unter dem Banner „obskurer Glaubensvorstellungen“ sprach.
Wie man sich die „neoatheistische Aufklärungsoffensive“
vorzustellen hat, sieht Kissler an den Theaterwänden, wo eine Auswahl jener Bilder ausgestellt ist, die
es nicht auf die vorderen Plätze geschafft haben:
„Etwa die Hälfte illustriert die Gewalt- und Sexualphantasien
der Aufklärer, die verschiedenen Vertretern der monotheistischen Religionen zugeschrieben wurden.“
Entsprechend
ging der sogenannte Ehrenpreis des „Frechen Mario“ an einen 14teiligen Bilderzyklus, auf dessen Stationen
ein greiser Gallerist namens Gerd Hedler (78) Jesus von Nazareth in einem Domina-Studio sterben läßt.
Immerhin stellt Kissler fest: „Von etwas weniger infantilem Kaliber sind der zweite und der erste Preis.“
Lieber rauchen als weihrauchenDer zweitplatzierte Leo Lukas – Kabarettist aus Graz – richtete sich
an die Moslems, bat sie, den Sprengstoffgürtel abzulegen und ihre Gesundheit mit ihm rauchend aufs Spiel
zu setzen.
Der aufklärerische Höhepunkt des Liedleins: „Bei allem Respekt vor eurer Kultur / will i
net ins Mittelalter retour“.
Als „Sieger aller Klassen“ wurde der französische Publizist und Aktionskünstler
Salvatore Pertutti gekürt. Doch Kissler bleibt kritisch: „An der Gedankenarbeit wurde indes geknausert.“
Pertutti beweist in seinem Liedlein, daß jede Religion „voller Unsinn“ sei und nur auf Gewalt und Unterdrückung
beruhe. Die Menschheit solle lieber der Wissenschaft vertrauen.
Dicke LuftFazit: „Dergleichen undifferenzierte
und also antiaufklärerische Polarisierungen sind nach des Preisredners Geschmack“ – so Kissler mit Blick
auf Schmidt-Salomon.
Er bezeugte in seiner Ansprache einen beinahe übermenschlichen Glauben an die Aufklärungsideologie
und bezeichnete den Menschen als eine „zufällig entstandene“ Trockennasenaffenart:
„Daß dieser naturalistische
Humanismus eher ein Animalismus ist, wurde schon verschiedentlich bemerkt“ – fügt Kissler an: „Der versammelten
Gemeinde gefiel es.“
Doch Kissler bleibt kritisch: „Wer schließt sich schon gerne einer Weltanschauungspartei
an, deren Kernkompetenz die Rüpelei ist?“
„An einem kalten Münchner Herbstabend spendete erst der Gang
ins Freie frische Luft.“
‘Youtube’: Video über den ersten Preisträger‘Youtube’: Video über den zweiten
Preisträger
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#26
Mic 22:35:56 | Dienstag, 14. Oktober 2008
#13
Hesse 13:21:25 | Dienstag, 14. Oktober 2008
#12
apex 12:58:05 | Dienstag, 14. Oktober 2008
#5
apex 11:22:04 | Dienstag, 14. Oktober 2008