Österreich
Späte Einsicht?
Der Wiener Kardinal ist nicht für seinen Mut bekannt. Doch in diesem Frühjahr war er mutig genug, um seinen Amtsvorgängern Mutlosigkeit vorzuwerfen.
Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn
Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn
© F.J. Rupprecht, Pressebild der Erzdiözese Wien
(kreuz.net) „Ich möchte euch etwas sagen, das ich im Herzen trage. Ich denke, es ist ein Wort des Heiligen Geistes, das ich aussprechen muß.“

Das erklärte Christoph Kardinal Schönbon von Wien dieses Frühjahr effektvoll bei einer Predigt in der Abendmahls-Kapelle der Franziskaner in Jerusalem.

Der Kardinal sprach im Rahmen eines „Gemeinschaftstages der Bischöfe Europas“. Das Treffen fand vom 24. bis 29. März 2008 im Heiligen Land statt.

Nach seiner Ankündigung fuhr der Kardinal weiter: „Worin besteht die Schuld Europas? Seine Hauptschuld ist das Nein zum Leben“.

Kardinal Schönborn ist in der Vergangenheit öffentlich als Verteidiger der Fristentötung und Gegner von Lebensschützern aufgetreten.

Im weiteren Verlauf der Predigt erklärte er, im Fernsehen darauf hingewiesen zu haben, daß Europa in den letzten vierzig Jahren dreimal nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt habe:

„Das erste Mal im Jahr 1968 – wir feiern jetzt vierzig Jahre – durch das Ablehnen von Humanae vitae. Das zweite Mal im Jahr 1975, als die Abtreibungsgesetze Europa überschwemmt haben. Und das dritte Mal: Gerade gestern habe ich die Nachricht bekommen, daß in Österreich die Regierung der »homosexuellen Ehe« zuzustimmen plant.“

Dann weist Kardinal Schönborn hin, „daß das Nein zum Leben auch ein Sünde von uns Bischöfen ist“, wobei er schnell einschränkend hinzufügt – „selbst wenn niemand von uns im Jahr 1968 Bischof war.“

Der Kirchenfürst zeigt deklamatorisch mit dem Finger auf seine Mitbrüder: „Wir hatten nicht den Mut, ein klares ‘Ja’ zu Humane vitae zu sagen.“

In Deutschland sei die ‘Königsteiner Erklärung’ erschienen, „welche die katholische Kirche in Deutschland geschwächt hat, das Ja zum Leben zu sagen.“

„Aber wir Bischöfe hatten keinen Mut“ – drückt Kardinal Schönborn weiter auf die Tränendrüse:

„Aus Angst verschlossen wir uns hinter den Türen, nicht aus Angst vor den Juden, sondern wegen der Presse und auch wegen des Unverständnisses unserer Gläubigen.“

„Weil wir keinen Mut hatten, veröffentlichten wir in Österreich die ‘Mariatroster Erklärung’ – so wie in Deutschland die ‘Königsteiner Erklärung’.“

Auch diese habe im Volk Gottes „den Sinn für das Leben geschwächt und die Kirche entmutigt, sich für das Leben zu öffnen.“

Als dann die „Welle der Abtreibung“ kam, war die Kirche – so Kardinal Schönborn – geschwächt, „da sie den Mut des Widerstandes nicht gelernt hatte“.

Eilig bemüht sich Kardinal Schönborn, sich von der Schar der Mutlosen auszunehmen:

„Ich denke, auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, so müssen wir diese Sünde des europäischen Episkopats bereuen, eines Episkopats, der nicht den Mut hatte, Paul VI. kraftvoll zu unterstützen.“

Bis heute würden wir alle in unseren Kirchen und in unseren Diözesen die Last der Konsequenzen dieser Sünde tragen:

„Wenn wir die Konsequenzen dieses »Nein« zum Leben gekannt hätten, hätten wir niemals »Nein« zu Humanae vitae gesagt“ – insistiert der Kardinal: „Aber wir hatten keinen Mut.“

Dann kam er auf die Beichte zu sprechen: „Wir kennen alle aus dem Sakrament der Buße den großen Schmerz, wenn die Sünde der Abtreibung gebeichtet wird, und die Traurigkeit, die aus dem »Nein« zum Leben hervorgeht“: „Wir sind mitverantwortlich für diese Traurigkeit Europas.“

Anschließend erwähnte der Kardinal die Familien des Neokatechumenalen Weges, deren Vertreter offenbar bei der Messe anwesend waren. Er lobt ihren Einsatz für die Familie:

„Ich selber komme aus einer geschiedenen Familie, meine Eltern waren geschieden, mein Großvater war geschieden, meine zwei Brüder sind geschieden. Ich kenne die Wirklichkeit der Scheidung.“

Abschließend hat der Kardinal sogar eine persönliche Einsicht: „Auch ich bin nicht immer sehr mutig, um die Schwachen, die Verfolgten zu stützen.“

Er spricht in diesem Zusammenhang von „Spannungen“, die auch heilsam seien, weil sie uns wachrütteln:

„Uns hat in den letzten vierzig Jahren der Mut zum »Ja zum Leben« gefehlt. Möge uns der Herr den Mangel an Mut verzeihen“.
      
21 Lesermeinungen
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#21   Earendil   16:48:55 | Freitag, 17. Oktober 2008
schön gesagt…
Dann weist Kardinal Schönborn hin, „daß das Nein zum Leben auch ein Sünde von uns Bischöfen ist“
Freut mich, dass auch eine konservative Granate wie Schönborn mal offen benennt, dass das rigorose Sexverbot für Bischöfe sündhaft ist. :-D :-D :-D
@kritischer Geisteszustand:
„Auch ich bin nicht immer sehr mutig, um die Schwachen, die Verfolgten zu stützen.“
Ein derartiger Typ hat das Kardinalspurpur nicht verdient.
Genau wie schon dieser Versager Petrus, hm?
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#20   franziskus   07:30:31 | Freitag, 17. Oktober 2008
Rülpser im US-Vorwahlampf?
Gelegentlich konnte man mitbekommen, dass +net Ableger einer konservativen amerikanischen Plattform ist.
Man hat sich wohl das besorgte Outung des Herzens eines europäischen Kardinals monatelang aufgespart bis zum richtigen Augenblick. ^-^
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#19   Chrysostomos   18:32:54 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Wirklich späte Einsicht???
Na ja aus der Position von kreuz.net kann man leicht Kardinal Schönborn Mutlosigkeit vorwerfen. Vielleicht wird der Autor dieser Zeilen mal selbst Metropolit von Wien, dann kann er ja sein Mütchen an den gesellschaftlichen Zeiterscheinungen abkühlen! :-D
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#18   franziskus   18:14:47 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Arme Amtsvorgänger?
Also Schönborn hatte ja meines Wissens seit 1955 nur zwei Vorgänger, den pädophilen Groer und den weltoffenen König.
Da muss er wohl noch andere Bischöfe europaweit gemeint haben.
Aber vielleicht überschätzt wir die Einflussmöglichkeiten der Kirche auf den Staat oder die Politiker?
In welcher Partei sind wirklich die meisten überzeugten Christen?
Müssen sich Bischöfe nicht manchmal wie nützliche Idioten vorkommen?
Die Kirche hat immer den schwarzen Peter, weil man ihr Einseitigkeit oder Schüffelei in den Betten vorwerfen kann.
>:)
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#17   Gerard   15:11:47 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Augiasstall
Typisch, dass er das in kleinstem Kreise sagt.
In seinem Kirchenblatt „Der Sonntag“ – einer Jubelpostille für alles Mögliche – liest man darüber nichts.
Oder müsste er (auch) dort einmal ausmisten?
Ja, ein Augiasstall verlangt einen Herakles.
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#16   Dr. Otterbeck   11:16:57 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Auch nicht in die FPÖ!
Und auch nicht grünwärts…
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#15   stat crux   10:55:52 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
@Franz
Zitierst Du Ste. Thérèse?? Je vous aime?
Ihr kriegt den Kardinal trotzdem nicht ins BZÖ…
:&)
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#14   Franz Kappes   07:47:33 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
@Christoph Kardinal Schönborn
„Worin besteht die Schuld Europas? Seine Hauptschuld ist das Nein zum Leben“
Ich liebe Sie.
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#13   Biene Maja   22:58:17 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Gotthard
ja aber dafür werde ich nicht geliebt lesen Sie meine Mails
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#12   Gotthard   22:48:34 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
@alle Selbstgerechten
@bienemaja + @kritischerbeobachter
was habt Ihr lautstark gegen den zigtausenden Tod von Kindern unternommen?
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#11   Biene Maja   21:53:09 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Späte Reue…
jetzt wo zig tausende Kinder gestorben sind was muß
noch passieren wir werden sehen was er zustande bringt
ob er sein täglich Brot umsonst isst.
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#10   kritischerbeobachter   21:05:45 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Zitat des Herrn Schönborn:
Abschließend hat der Kardinal sogar eine persönliche Einsicht: „Auch ich bin nicht immer sehr mutig, um die Schwachen, die Verfolgten zu stützen.“
Ein derartiger Typ hat das Kardinalspurpur nicht verdient.
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#9   Colombe de la paix   20:54:48 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Bonifatius
Was meinst Du damit?
Ich habe nur zitiert! Im anderen Thread!!!
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#8   bonifatius   20:52:58 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
@derLeser
Ins Schwarze getroffen! :)3
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#7   HeinrichvonOfterdingen   20:52:20 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Oh je,
ratzeputz ist offenbar der Kolumnist von gestern.
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#6   derLeser   20:48:18 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Einsicht
ist der erste Weg zur Besserung.
Persönlich kann ich keinen Grund für diese Mutlosigkeit erkennen. Man wird heute nichtmal umgebracht wenn man sich gegen den mächtigen Zeitgeist stellt, höchstens medial verdammt und ins gesellschaftliche Abseits gestellt.
Wie rechtfertigen sie sich gegenüer Jenen welche die Wahrheit trotz ÄUSSERSTER Bedrohung um Leib und Leben hochhielten.
Martyrium geschieht in unserer Zeit unblutig durch mediale und gesellschftliche Verfemung. Wären sie kühn und unerschrocken, die Scharen der Jugend und aller Suchenden wären ihnen sicher und die Machthaber würden erzittern.
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#5   ratzeputz †   20:44:09 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Auch den Mangel an Mut,
gegen einen Unmenschen wie carlosroberto hier aufzustehen!
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#4   Elijahu †   20:43:22 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Ein Heuchler sondergleichen
Dann könnte er ja bei den Schwulensegnungen in seiner eigenen Diözese anfangen und da mal ein Zeichen setzen. Da wurden bis heute keine Konsequenzen gezogen.
Wasser predigen, Wein trinken, Schönborn.
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#3   bonifatius   20:41:51 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
„Möge uns der Herr den Mangel an Mut verzeihen“.
Gott wird ihm sicher verzeihen, wenn er nicht nur Worthülsen produziert sondern wie Petrus nach seiner Reue wirkungsvoll zur Tat schreitet und den Saustall in der österreichischen Kirche mutig bekämpft.
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#2   HeinrichvonOfterdingen   20:41:41 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Lieber Sirilo,
Gegenfrage: Wieso bringt focus.de diese Nachricht: Link www.focus.de/…fern_aid_340858.html! Auch wenn das neu ist hat es deutlich weniger Nachrichtenwert als die „alte“ Nachricht auf kreuz.net. Oder mal anders herum: Aktualität ist der Gipfel der Bedeutungslosigkeit (Nicolás Gómez Dávila). Nun aktuell ist die Nachricht auf kreuz.net nicht, dass sie deshalb bedeutungsvoll ist, ist damit zwar noch nicht gesagt; aber es ist dies schon mal ein Anfang. :-D
Ausserdem kleiner Hinweis: Sie brauchen nicht lesen, was Sie nicht lesen wollen.
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#1   Sirilo   20:31:09 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
NACHRICHTEN?
Warum bringen die „Katholischen NACHRICHTEN“ diese Nachricht erst 7 Monate nach dem Ereignis? Damit ist sie keine Nachricht mehr, höchstens eine Reminiszenz.
Dafür weiß Kreuz.net offensichtlich noch nichts über das bevorstehende („antikirchliche“) Papst-Musical in München.
Tja, immer gemächlich hinter der Zeit hinterher!
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