19:57:29 | Mittwoch, 15. Oktober 2008
Der Wiener Kardinal ist nicht für seinen Mut bekannt. Doch in diesem Frühjahr war er mutig genug, um seinen Amtsvorgängern Mutlosigkeit vorzuwerfen.

Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn
© F.J. Rupprecht, Pressebild der Erzdiözese Wien(kreuz.net) „Ich möchte euch etwas sagen, das ich im Herzen trage. Ich denke, es ist ein Wort des Heiligen
Geistes, das ich aussprechen muß.“
Das erklärte Christoph Kardinal Schönbon von Wien dieses Frühjahr
effektvoll bei einer Predigt in der Abendmahls-Kapelle der Franziskaner in Jerusalem.
Der Kardinal sprach
im Rahmen eines „Gemeinschaftstages der Bischöfe Europas“. Das Treffen fand vom 24. bis 29. März 2008
im Heiligen Land statt.
Nach seiner Ankündigung fuhr der Kardinal weiter: „Worin besteht die Schuld
Europas? Seine Hauptschuld ist das Nein zum Leben“.
Kardinal Schönborn ist in der Vergangenheit öffentlich
als
Verteidiger der Fristentötung und
Gegner von Lebensschützern aufgetreten.
Im weiteren Verlauf der
Predigt erklärte er, im Fernsehen darauf hingewiesen zu haben, daß Europa in den letzten vierzig Jahren
dreimal nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt habe:
„Das erste Mal im Jahr 1968 – wir feiern jetzt vierzig
Jahre – durch das Ablehnen von Humanae vitae. Das zweite Mal im Jahr 1975, als die Abtreibungsgesetze
Europa überschwemmt haben. Und das dritte Mal: Gerade gestern habe ich die Nachricht bekommen, daß in
Österreich die Regierung der »homosexuellen Ehe« zuzustimmen plant.“
Dann weist Kardinal Schönborn
hin, „daß das Nein zum Leben auch ein Sünde von uns Bischöfen ist“, wobei er schnell einschränkend
hinzufügt – „selbst wenn niemand von uns im Jahr 1968 Bischof war.“
Der Kirchenfürst zeigt deklamatorisch
mit dem Finger auf seine Mitbrüder: „Wir hatten nicht den Mut, ein klares ‘Ja’ zu Humane vitae zu sagen.“
In Deutschland sei die
‘Königsteiner Erklärung’ erschienen, „welche die katholische Kirche in Deutschland
geschwächt hat, das Ja zum Leben zu sagen.“
„Aber wir Bischöfe hatten keinen Mut“ – drückt Kardinal
Schönborn weiter auf die Tränendrüse:
„Aus Angst verschlossen wir uns hinter den Türen, nicht aus
Angst vor den Juden, sondern wegen der Presse und auch wegen des Unverständnisses unserer Gläubigen.“
„Weil wir keinen Mut hatten, veröffentlichten wir in Österreich die
‘Mariatroster Erklärung’ – so
wie in Deutschland die ‘Königsteiner Erklärung’.“
Auch diese habe im Volk Gottes „den Sinn für das
Leben geschwächt und die Kirche entmutigt, sich für das Leben zu öffnen.“
Als dann die „Welle der
Abtreibung“ kam, war die Kirche – so Kardinal Schönborn – geschwächt, „da sie den Mut des Widerstandes
nicht gelernt hatte“.
Eilig bemüht sich Kardinal Schönborn, sich von der Schar der Mutlosen auszunehmen:
„Ich denke, auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, so müssen wir diese Sünde des europäischen
Episkopats bereuen, eines Episkopats, der nicht den Mut hatte, Paul VI. kraftvoll zu unterstützen.“
Bis heute würden wir alle in unseren Kirchen und in unseren Diözesen die Last der Konsequenzen dieser
Sünde tragen:
„Wenn wir die Konsequenzen dieses »Nein« zum Leben gekannt hätten, hätten wir niemals
»Nein« zu Humanae vitae gesagt“ – insistiert der Kardinal: „Aber wir hatten keinen Mut.“
Dann kam er
auf die Beichte zu sprechen: „Wir kennen alle aus dem Sakrament der Buße den großen Schmerz, wenn die
Sünde der Abtreibung gebeichtet wird, und die Traurigkeit, die aus dem »Nein« zum Leben hervorgeht“:
„Wir sind mitverantwortlich für diese Traurigkeit Europas.“
Anschließend erwähnte der Kardinal die
Familien des Neokatechumenalen Weges, deren Vertreter offenbar bei der Messe anwesend waren. Er lobt ihren
Einsatz für die Familie:
„Ich selber komme aus einer geschiedenen Familie, meine Eltern waren geschieden,
mein Großvater war geschieden, meine zwei Brüder sind geschieden. Ich kenne die Wirklichkeit der Scheidung.“
Abschließend hat der Kardinal sogar eine persönliche Einsicht: „Auch ich bin nicht immer sehr mutig,
um die Schwachen, die Verfolgten zu stützen.“
Er spricht in diesem Zusammenhang von „Spannungen“, die
auch heilsam seien, weil sie uns wachrütteln:
„Uns hat in den letzten vierzig Jahren der Mut zum »Ja
zum Leben« gefehlt. Möge uns der Herr den Mangel an Mut verzeihen“.
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