Zweites Vatikanum
Kardinal in der Konzilsumnachtung
Ein untrügliches Symptom der kirchlichen Dekadenz besteht darin, daß höchste kirchliche Funktionsträger vorwiegend mit Wortmüll um sich werfen. Das Ziel der Rede besteht darin, nichts zu sagen.
(kreuz.net) Er hält die umstrittene Pastoralkonstitution ‘Gaudium et Spes über die Kirche in der Welt von heute’ für „prophetisch“.

Das erklärte der neokonservative Erzbischof von Bologna, Carlo Kardinal Caffarra (70), am 9. Oktober in einem Interview mit der Webseite ‘Nuovo diario messaggero’.

‘Gaudium et Spes’ ist ein Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils, das der Gedankenwelt der frühen 60er Jahre des letzten Jahrhunderts verpflichtet ist.

Trotzdem glaubt Kardinal Caffarra, daß das Dokument die Wege gewiesen habe, auf denen die Kirche heute das Evangelium verkünden solle.

Die angeblich prophetische Bedeutung von ‘Gaudium et Spes’ leitet der Kardinal von den meist zeremoniellen Zitationen des Textes durch die Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und die Bischofssynoden ab.

Der Erzbischof von Bologna, Carlo Kardinal Caffarra (70)
Der Erzbischof von Bologna, Carlo Kardinal Caffarra (70)
Auf die Frage, was ‘Gaudium et Spes’ unter dem Begriff „Welt“ verstehe, antwortet der Kardinal wortreich: „die Wirklichkeit des menschlichen Lebens sowohl in seiner im engen Sinne personalen Dimension als auch in seiner sozialen Dimension“.

Dann begibt er sich auf die Spielwiese sinnfreier Wortkombinationen: Die Kirche sei konstitutiv mit der Welt und dem Menschen verbunden, weil Christus das auch sei.

Es gebe nicht zwei getrennte Wirklichkeiten, das Evangelium und die Welt:

„Im göttlichen Plan ist der Mensch schon in Christus gedacht und darum besteht die Aufgabe der Kirche darin, den Menschen dieser ewigen Vorherbestimmung in Christus bewußt werden zu lassen und ihm zu helfen, sein Menschsein nach diesem göttlichen Projekt zu leben“ – müllt der Kardinal den ihn interviewenden Journalisten zu.

Man dürfe nicht vergessen, daß die Kirche in den einzelnen Lokalkirchen gegenwärtig und tätig sei: „Das konziliare Lehramt wird dann durch das Lehramt, das Zeugnis und den Einsatz der Teilkirchen Leben des Gottesvolkes“ – entschwindet Kardinal Caffarra mehr und mehr in die Umnachtung.

Dann kommt er auf die Diözesansynode in Bologna zu sprechen.

Diese habe die Aufgabe, „die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils im Lichte des besonderen historischen, menschlichen und sozialen Kontextes auszuarbeiten, in dem die Ortskirche eingebettet ist und lebt.“

Die grundlegenden Instrumente, um dorthin zu gelangen, seien das ernsthafte und gründliche Nachdenken, das jede Diözesansynode beinhalte: „Dann eine wahrhafte Teilnahme aller einzelnen Gläubigen an diesem Unternehmen“.

Das sei die „Erfahrung der Gemeinschaft – die Kirche ist – welche die Art und Weise darstellt, in welcher die Ortskirche ‘Gaudium et Spes’ und im allgemeinen, das Zweite Vatikanische Konzil verwirklicht.“ Das ist das Ende der verbalen Schaumproduktion des Kirchenfürsten.
      
15 Lesermeinungen
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#15   Confiteor   18:45:47 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Was tut der Kardinalshut im Bild daaa!
Über das Bild zum Artikel ist offenbar immer noch niemand in Ohnmacht gefallen.
Was tut der Kardinalshut eigentlich da…?
Oder traut sich niemand, Stellung zu beziehen und den Untergang des Abendlandes zu verkündigen… ^-^ o^/ ^-^ o^/ ^-^ o^/
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#14   HBR   17:02:10 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
LandorganistII
Ich bemühe mich eben um eine diplomatische Ausdrucksweise ;-)
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#13   Confiteor   16:48:44 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Kardinals-Kopfbedeckung?
Allein schon das Picture ist ein Skandal. Was geschieht denn da mit der Kardinals-Kopfbedeckung. Die sollte eigentlich ja als Kopfbedeckung benutzt werden und nicht anderen Körperbereich zum Schutz dienen.
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#12   Kritikaster   15:42:16 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Skandal…
…ein Kardinal der römisch-katholischen Kirche lobt ein ökumenisches Konzil seiner Kirche. Ein Riesenskandal. :-D
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#11   Gotthard   15:03:27 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Konzilsumnachtung
die Titel-Produzenten scheinen auch in einer geistigen oder intellektuellen Umnachtung zu versinken…
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#10   catharina   14:43:08 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Wortmüll und Schaumproduktion
„(…) müllt der Kardinal den ihn interviewenden Journalisten zu. (…) entschwindet Kardinal Caffarra mehr und mehr in die Umnachtung. (…) Das ist das Ende der verbalen Schaumproduktion des Kirchenfürsten.“
Und es ist auch für dieses Mal das Ende des kreuz.net-Geschwafels.
Fragen:
– Wie „müllt“ man jemanden „zu“? In meinem Wörterbuch findet sich der Ausdruck nicht. Gehört er nicht selbst in die Kategorie „Sprachmüll“?
– Wie wird aus Müll plötzlich Schaum („verbale Schaumproduktion“)? Bewirkt die geistige Umnachtung diese bemerkenswerte Metamorphose?
– Reicht es schon aus, mit jemandes Sicht der Dinge nicht einverstanden zu sein, um ihm geistige Umnachtung zuzuschreiben?
Fazit: Der Artikel überzeugt weder inhaltlich noch sprachlich.
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#9   LandorganistII   14:31:59 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
@HBR…
„Kirchenferne“ ist aber sehr gelinde ausgedrückt.
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#8   HBR   14:03:27 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
@Przybislav
Sie scheinen auch in Kirchenferne zu leben, wenn Sie einen Papst als Frevler bezeichnen. :-S
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#7   Przybislav Iamesseblo   13:57:12 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Pacem in terris im Hintergrund
Hintergrund von „Gaudi und Spesen“ ist „Pacem in terris“ des Frevlers Roncalli.
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#6   solideo   13:00:08 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
An Gunsenum,Sirilo
Sie sind natürlich im Recht wenn Sie behaupten daß die Katholken eine Sorte Tiere mit besonders niedriegem Intelligenzquozienten ist ,die nicht einmal zwei gegensätzliche Aussagen vesöhnen können,was für einen Normalaufgeklärten wegen hyperorbitalen Gehirnleistung gar kein Problem darstellt
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#5   HBR   12:59:58 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Der Schreiberling dieses Artikels ist bestimmt…
…einer der sogenannten „Altgläubigen“, wenn nicht sogar der Sektierer der Piusbruderschaft. Anders kann man dieses Pamphlet nicht erklären
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#4   Gunsenum   12:46:32 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Ich aber sage,
daß die Kritiker schlichtweg nicht geistig rege genug sind, den Ausführungen des Kardinals zu folgen. Wo ist denn die fehlende Stringenz? Wo die inhaltliche Leere, die ja angeblich vorliege?
Schon „shabby“…
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#3   Sirilo   12:20:09 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Gedankenwelt
Folgt man der Logik des Artikels, dann sind die Dokumente des Ersten Vatikanums der Gedankenwelt des 19. Jahrhunderts verpflichtet, und – o weh – die Dokumente des Tridentinums (incl. tridentinische Messe) sind gar der Gedankenwelt des 16. Jahrhunderts verpflichtet…
Ich wage gar nicht daran zu denken, welcher Gedankenwelt die Evangelien und die Apostelbriefe verpflichtet sind!
Warum Kreuz.net bei Kardinal Caffarra Umnachtung diagnostiziert, ist völlig unerfindlich.
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#2   Strepto von Kokke   11:52:01 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
@aha …
Das Ziel der Rede besteht darin, nichts zu sagen.
Jetzt weiss ich, wo Joberens in die Schule gegangen ist …
Wo steckt er eigentlich unser kleiner Josef? Hat Mami ihm verboten mit uns noch zu spielen? :-D
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#1   Dr. Otterbeck   11:20:36 | Donnerstag, 16. Oktober 2008
Man lese GS 22.
Trotz alledem. Einer der stärksten Texte aller Konzilien insgesamt.
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