15:45:45 | Montag, 27. Oktober 2008
Diese Ideologie wird schon lang nicht mehr mit Argumenten, sondern nur noch mit roher Gewalt verteidigt. Von Dr. med. Stephan Puls.
(kreuz.net) Der Brite Michael Reiss (48) ist Professor für Biologie, Journalist und ordinierter Pastor
der Anglikanischen Gemeinschaft.
Bis zum 16. September war er auch Leiter der Abteilung für Wissenschaftsunterricht
in der 350-Jahre alten ‘Königlich Britischen Akademie der Wissenschaften’.
Reiss ist ferner Professor
am Institut für Fachdidaktik der Universität London.
Dabei ist er alles andere als ein Kritiker der
Evolutionsideologie.
Er hat immer wieder klargemacht, daß für ihn jede Form von Kreationismus oder
Intellligent Design Ideologie oder – wie er es formuliert – eine „Weltanschauung“ und „keine Wissenschaft“
sei.
Der Kreationismus ist das Bestreben, naturwissenschaftliche Befunde über das Leben und dessen Vergangenheit
unter der Voraussetzung eines Schöpfers zu erklären.
Die Theorie vom
intelligenten Designer geht von
einem vernunftbegabten Urheber – einem sogenannten „Designer“ aus –, der die komplexen Lebensformen konstruiert
hat.
Auch die anglikanische Hochkirche, wo Reiss nebenberuflich als Pastor wirkt, hat ihre anfängliche
Opposition gegen die Evolutionsideologie von Charles Darwin († 1882) schon mehrfach bedauert.
Zunächst
war alles ruhigDoch dann geschah es: Am 11. September hielt Reiss einen Vortrag mit dem Titel „Should
creationism be a part of the science curriculum?“ – Sollte der Kreationismus Teil des schulischen Naturwissenschaftsunterrichtes
sein?
Anlaß dazu war das jährliche Treffen der „British Association for the Advancement of Science“.
Reiss sprach sich in seinen Ausführungen in keiner Weise für den Kreationismus aus.
Es ging ihm vielmehr
um die Frage, wie ein Lehrer eventuelle kreationistische Gedanken der Schüler am besten widerlegt, so
daß die Schüler lernen, wie „echte“ – das heißt: evolutionsideologische – Wissenschaft funktioniere.
Der Text des Vortrages von Reiss ist
online verfügbar.
Nach dem Vortrag gab es zunächst keine ungewöhnlichen
Reaktionen – schon gar nicht im Konferenzsaal.
Der Skandal wurde erst von den Massenmedien erzeugt. Sie
verdrehten die Aussagen von Reiss nach Strich und Faden.
Die Tageszeitung ‘Financial Times’ titelte „Call
for creationism in the classroom“ – Ruf nach Kreatinismus im Klassenzimmer.
Das Blatt ‘Daily Mail’ verbreitete
die Schlagzeile „Children should be taught about creatinionism“ – Kinder sollten über den Kreatinismus
unterrichtet werden.
Religion rausSo wurde der Eindruck verbreitet, daß sich Reiss für den Unterricht
des Kreationismus an britischen Schulen starkgemacht hätte. Dieser Vorwurf war sachlich – leider – völlig
unberechtigt.
Die ‘Königlich Britische Akademie der Wissenschaften’ stellte sich am Anfang noch hinter
ihren Mann.
Doch dann entdeckten die Medien noch eine zweite Angriffsfläche – die Nebentätigkeit von
Reiss als ordinierter anglikanischer Pastor.
Prominente Mitglieder der ‘Akademie der Wissenschaften’ –
darunter mehrere Nobelpreisträger – sahen darin und im Echo der Massenmedien einen hinreichenden Grund,
brieflich seine Entfernung von seiner Schlüsselposition zu fordern.
Der Grund war simpel: Religion habe
in der Wissenschaft einfach nichts zu suchen – mag sie sich auch noch so evolutionsideologisch geben,
wie sie will.
Am 16. September wurde Reiss mit augenblicklicher Wirkung von seiner Aufgabe entbunden.
Die Begründung: Seine Äußerungen seien für Mißverständnis offen gewesen.
Auch wenn das nicht seine
Absicht gewesen sei, habe er trotzdem den Ruf der Akademie beschädigt.
Daß der Evolutionist Reiss in
seiner beruflichen Laufbahn schwer beschädigt wurde, ist ein evolutionsideologisch in kauf zu nehmender
Kollateralschaden. Denn auch dort überlebt nur der Stärkere.
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