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Ein Antidepressivum für trübe Herbstabende
Gegenwärtig erleben ein Konvertit und seine Bücher eine spektakuläre Renaissance. Von Friederika Priemer.
Exponat der Nonni-Ausstellung
Exponat der Nonni-Ausstellung
(kreuz.net) Bis zum 30. Oktober findet in Hamburg eine Photo-Ausstellung über den weltbekannten isländischen Jesuiten und Schriftsteller, Pater Jón Svensson SJ († 1944), statt.

Der Jesuit wurde unter dem von ihm in seinen autobiographischen Büchern verwendeten Namen ‘Nonni’ – ein isländischer Kosename für seinen eigenen Namen Jón – weltberühmt.

Die Ausstellung ist im Hamburger Goethe-Institut zu sehen. Dieses befindet sich im sechsten Stock des rotbraunen Gebäudes des Hamburger Kulturzentrums ‘Hühnerposten’. Auch die Zentralbibliothek ist in diesem Kulturzentrum untergebracht.

Initiator der Hamburger Ausstellung ist die dortige ‘Gesellschaft der Freunde Islands’ unter ihrem Vorsitzenden und isländischen Honorarkonsul Norbert Deiters.

Deiters hat am 25. Oktober persönlich aus Nonni-Büchern vorgelesen. Damit dürfte er sicherlich angesichts der traurigen Schlagzeilen über das Land Pater Svensson auch als positiven Botschafter Islands zu Wort melden.

Nonni-Ausstellung
Das Hamburger Kulturzentrums 'Hühnerposten', wo derzeit die Nonni-Ausstellung zu sehen ist.Eingang zur AusstellungWerbeplakat

Die Hamburger Ausstellung war anläßlich von Nonnis 150. Geburtstag im Jahr 2007 bereits in Reykjavik, Akureyri und Köln zu sehen.

Sowohl die Kölner Ausstellung vom November 2007 als auch die Hamburger Ausstellung wurden vom Botschafter der Republik Island in Deutschland, Ólafur Davídsson, eröffnet.

Auf dem Plakat im Eingang des Kulturzentrums steht das folgende Svensson-Zitat:

„Ich bin dem Herrgott sehr dankbar für die Wanderlust und den Wandermut, den er mir ins Blut gesenkt hat. Denn ich habe dadurch viel gesehen und viel erlebt und konnte darum alt und jung viel erzählen und vielen Menschen damit Freude bereiten.“

Sensationell ist auch die Tatsache, daß die gleiche Ausstellung in japanischer Sprache am 14. Oktober auch in Tokyo eröffnet wurde.

Anlaß dafür war der siebzigste Jahrestag von Nonnis Abreise aus Japan, nachdem der greise Jesuit dort im Rahmen einer Weltreise ein ganzes Jahr zugebracht hatte. In dieser Zeit hielt er etwa fünfzig Vorträge auf Englisch oder Französisch, die häufig simultan auf Japanisch übersetzt wurden.

Der japanischen Ausstellung machte sogar Prinzessin Kiko (42) – die Frau des zweiten Sohnes des japanischen Kaisers – ihre Aufwartung.

Im Laufe der Zeit wurden die Nonni-Bücher in über vierzig zum Teil exotische Sprachen übersetzt.

Heute sind die zwölf legendären Nonni-Bücher im deutschen Buchhandel nicht mehr erhältlich.

Doch in den bekannten Online-Antiquariaten findet man sie noch alle in den verschiedensten Ausgaben – bis hin zu Taschenbüchern.

Auch viele fremdsprachige Titel werden dort angeboten.

Der Herder-Verlag hat im Jubiläumsjahr 2007 zum 150. Geburtstag des Autors den Sammel-Band „Nonni und Manni. Abenteuer auf Island“ herausgebracht. Er beinhaltet spannende Geschichten aus verschiedenen Nonni-Büchern.

Im Juni 2008 erschien der Folgeband „Neue Abenteuer auf Island mit Nonni und Manni“.
Außerdem ist die erfolgreiche ZDF-Weihnachtsserie „Nonni und Manni. Die Jungen von der Feuerinsel“ aus dem Jahr 1988 inzwischen auf DVD erhältlich.

Diesen Mai erschien sie in dritter Auflage als Single-DVD. Das gleichnamige Buch mit Photos aus dem Film gibt es recht günstig online.

Ein Schmankerl ist der Dokumentarfilm von Jürgen Grundmann „Wie Nonni sein Glück fand“. Er wurde am 7. Januar 1989 vom ZDF ausgestrahlt und kann jetzt beim ZDF-Programmservice als DVD bestellt werden.

Der Film gibt nicht nur ein sehr anschauliches Bild von Island, sondern erzählt sehr liebevoll Nonnis Lebensgeschichte.

Ich halte es nicht für angemessen, Pater Jón Svensson als bloßen Kinderbuchautor abzustempeln.

Die Kindheitserlebnisse des jungen Nonni machen nämlich nur die Hälfte der Svensson-Werke aus.

Von den anderen seiner Werke fallen mir ein: „Nonni erzählt“, „Wie Nonni das Glück fand“, „Die Feuerinsel im Nordmeer“, „Zwischen Eis und Feuer“, „Nonni in Amerika“ oder „Nonni in Japan“.

Besonders sein Buch „Aus Island. Erlebnisse und Erinnerungen“ ist ein meisterlich und poesievoll geschriebenes Loblied auf seine Heimat, die „herrliche Feuerinsel im brausenden Meere“.

Diese Werke sind weit mehr als nur Kinderbücher. Sie stellen auch eine lesens- und liebenswerte Lektüre für Erwachsene dar – auch aus historischen Gründen.

Im übrigen hat der Autor oft betont, mit seinen Büchern nicht nur Kinder erfreuen zu wollen. Auch Erwachsene seien oft deprimiert und hätten die Freude am Leben verloren.

Pater Svensson begann seine schriftstellerische Tätigkeit zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als er wegen gesundheitlicher Probleme seinen Lehrberuf und seine Arbeit als Missionar in Dänemark aufgeben mußte.

Sein erstes Buch „Nonni – Erlebnisse eines jungen Isländers, von ihm selbst erzählt“ – das Pater Svensson weltbekannt machte – erschien im Jahr 1913 in Deutschland.

Sein letztes Buch „Nonni in Japan“ entstand nach seiner Rückkehr nach Europa unter schwierigsten Bedingungen im Zweiten Weltkrieg.

Der Jesuit wußte darum, wovon er redete, wenn er sagte, daß er die Menschen mit seinen Büchern aufheitern wollte.

Darin sah er eine ihm von Gott geschickte Mission, die er bis heute erfüllt.

Die zahlreichen Kerzen und Blumen, die an Allerseelen auf sein Grab auf dem Kölner Melatenfriedhof niedergelegt werden, sind ein beredtes Zeugnis dafür. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Seefeldt   23:49:01 | Dienstag, 28. Oktober 2008
Name doch richtig, …
denn Jón Sveinsson lebte lange Zeit in Deutschland und veröffentlichte dort viele Bücher unter eben dem Namen Jon Svensson.
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#1   juergen   15:22:23 | Dienstag, 28. Oktober 2008
Name falsch
Nichtmals den Namen kann kreuznet richtig schreiben.
Der Pater heisst nicht „Jón Svensson“, sondern Jón Stefán Sveinsson.
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