10:36:22 | Donnerstag, 30. Oktober 2008

Der ermordete Jesuit Pater Otto Messmer im Gespräch mit Erzbischof Józef Wesołowski, Juni 2006 bei
der Bischofsweihe des Bruders des Ermordeten, Mons. Nikolaus Messmer.
© Claudio-Josef Schmid, Kirche
in Not(kreuz.net/
Kirche in Not) Wir gedenken der unschuldig getöteten Jesuiten Pater Otto und Pater Viktor.
In ihrem pastoralen Dienst haben sie bei Beerdigungs-Messen das soeben gehörte Evangelium vermutlich
oft vorgetragen und damit die Familien von Verstorbenen getröstet.
Möge dieses Evangelium auch uns
heute trösten – die leibliche Schwester von Pater Otto, Schwester Lina, und uns, Brüder und Schwestern
in Christus.
Jesus sagt zu Martha, der Schwester des Lazarus: „Dein Bruder wird auferstehen“.
Ein völlig
unerwartetes BekenntnisMartha bezeugt daraufhin ihren Glauben an Jesus Christus – den Glauben an die
Auferstehung der Toten: „Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.“
Es ist wichtig zu wissen, daß sich diese Szene zu Lebzeiten Christi ereignet hat. Der Heiland war noch
nicht gestorben und nicht von den Toten auferstanden.
Jesus hat seinen Jüngern oft erklärt: Der Menschensohn
muß leiden, er wird getötet werden und am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.
Aber die Jünger
verstanden nicht, wovon er sprach.
Vor diesem Hintergrund her strahlt das Bekenntnis der Martha besonders
hervor: Ich weiß, daß er auferstehen wird.
Nach ihrem Glaubensbekenntnis verkündete Christus feierlich
folgende wichtige Worte:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“.

Pater Otto Messmer R.I.P.
© Claudio-Josef Schmid, Kirche in Not Abrupter Wechsel
der PerspektiveHier spricht er bereits nicht mehr vom Glauben der Martha.
Er spricht vom Glauben des
Lazarus – des Verstorbenen: Wenn du an mich glaubst, auch wenn du stirbst, wirst du leben.
Er spricht
von unserem Glauben: Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.
Möge der Tod der
Priester Pater Otto und Pater Viktor unseren Glauben an Jesus Christus wiederbeleben, der Glaube an das
Ewige Leben ohne räumliche und zeitliche Grenzen.
„Jeder, der lebt und an Mich glaubt, wird auf ewig
nicht sterben!“ Verstehen wir, was das bedeutet?
Das meiste, was uns wichtig ist, zählt nichtsDas
bedeutet, daß Reichtum, Armut, Ruhm, Schmach, Gesundheit, Krankheit, Leben oder Tod – dies alles zählt
nicht und macht keinerlei Unterschied, wenn wir wissen, daß jeder der lebt und an Jesus Christus glaubt
für immer nicht stirbt.
Deshalb sind alle Leiden dieses Lebens nichts im Vergleich zur ewigen Herrlichkeit
mit Christus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ereignete sich in Deutschland eine entsetzliche Tragödie:
Während eines Busausfluges von Novizen der Jesuiten passierte ein Unfall. Das gesamte Noviziat der Jesuiten
kam dabei ums Leben.
Diese Tragödie hat die gesamte Kirche in Deutschland erschüttert. Im nächsten
Jahr kamen zu den Jesuiten so viele Kandidaten, daß kaum Platz mehr für sie war.
Das Feuer, das sie
riefenDer Tod der zwei Jesuiten hat den Orden in Rußland und in der ganzen Welt erschüttert.
In letzter
Zeit während ihrer Zusammenkünfte, sprachen die Jesuiten immer öfter davon, daß in ihrem Dienst doch
mehr das ignatianische Feuer entbrennen muß, daß der apostolische Eifer sich stärker entzünden muß.
Doch wie schwer ist es, dieses Feuer am brennen zu halten.
Heute habe ich bereits mehrmals gehört:
Die Jesuiten in Rußland sind ab heute andere Jesuiten.
Aber wir?
Kirche im TiefschlafVor vielen Jahren
kam in Krasnojarsk Pater Jan Fratzkevitz ums Leben – und wir blieben dieselben.
Danach wurde ein Priester
in Astrachan umgebracht – und wir blieben dieselben.
Vor zwei Jahren wurde ein alter Priester in der
Moskauer Diözese von Heranwachsenden umgebracht – und wir blieben dieselben.
Heute – nach dem Tod von
Pater Otto und von Pater Viktor – bleiben wir immer noch dieselben?
Wie viele Opfer braucht es noch,
damit die Kirche in Rußland, in Sibirien vom Schlaf erwacht?
Sie lebten und starbenWir sagen, wir
bauen heute auf dem Fundament der Märtyrer des 20. Jahrhunderts.
Aber diese Märtyrer lebten und starben
schon vor vielen Jahren. Wer von uns hat sie noch gekannt?
Der Tod der beiden Priester, die wir persönlich
kannten, die wir gesehen haben – manche von uns haben vor drei Tagen noch mit ihnen telefoniert – wird
dieser Tod uns endlich doch verändern?
Die Neugetöteten Pater Otto und Pater Viktor mögen doch vor
Gott für uns bitten.
Wir beten für ihre Seelen: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht
leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden. Amen.
Bischof Joseph Werth SJ von Nowosibirsk ist Vorsitzender
der russischen Bischofskonferenz Bischof der Diözese Verklärung des Herrn und Ordinarius für die Katholiken
des byzantinischen Ritus in Rußland.
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