Requiem
Und wir änderten uns nicht
Ein Bischof fand bei einem Requiem für die zwei in Moskau ermordeten Jesuiten erschütternde Worte. Von Bischof Joseph Werth von Nowosibirsk.
Der ermordete Jesuit Pater Otto Messmer im Gespräch mit Erzbischof Józef Wesołowski, Juni 2006 bei der Bischofsweihe des Bruders des Ermordeten, Mons. Nikolaus Messmer.
Der ermordete Jesuit Pater Otto Messmer im Gespräch mit Erzbischof Józef Wesołowski, Juni 2006 bei der Bischofsweihe des Bruders des Ermordeten, Mons. Nikolaus Messmer.
© Claudio-Josef Schmid, Kirche in Not
(kreuz.net/ Kirche in Not) Wir gedenken der unschuldig getöteten Jesuiten Pater Otto und Pater Viktor.

In ihrem pastoralen Dienst haben sie bei Beerdigungs-Messen das soeben gehörte Evangelium vermutlich oft vorgetragen und damit die Familien von Verstorbenen getröstet.

Möge dieses Evangelium auch uns heute trösten – die leibliche Schwester von Pater Otto, Schwester Lina, und uns, Brüder und Schwestern in Christus.

Jesus sagt zu Martha, der Schwester des Lazarus: „Dein Bruder wird auferstehen“.

Ein völlig unerwartetes Bekenntnis

Martha bezeugt daraufhin ihren Glauben an Jesus Christus – den Glauben an die Auferstehung der Toten: „Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.“

Es ist wichtig zu wissen, daß sich diese Szene zu Lebzeiten Christi ereignet hat. Der Heiland war noch nicht gestorben und nicht von den Toten auferstanden.

Jesus hat seinen Jüngern oft erklärt: Der Menschensohn muß leiden, er wird getötet werden und am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.

Aber die Jünger verstanden nicht, wovon er sprach.

Vor diesem Hintergrund her strahlt das Bekenntnis der Martha besonders hervor: Ich weiß, daß er auferstehen wird.

Nach ihrem Glaubensbekenntnis verkündete Christus feierlich folgende wichtige Worte:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“.

Pater Otto Messmer R.I.P.
Pater Otto Messmer R.I.P.
© Claudio-Josef Schmid, Kirche in Not
Abrupter Wechsel der Perspektive

Hier spricht er bereits nicht mehr vom Glauben der Martha.

Er spricht vom Glauben des Lazarus – des Verstorbenen: Wenn du an mich glaubst, auch wenn du stirbst, wirst du leben.

Er spricht von unserem Glauben: Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.

Möge der Tod der Priester Pater Otto und Pater Viktor unseren Glauben an Jesus Christus wiederbeleben, der Glaube an das Ewige Leben ohne räumliche und zeitliche Grenzen.

„Jeder, der lebt und an Mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben!“ Verstehen wir, was das bedeutet?

Das meiste, was uns wichtig ist, zählt nichts

Das bedeutet, daß Reichtum, Armut, Ruhm, Schmach, Gesundheit, Krankheit, Leben oder Tod – dies alles zählt nicht und macht keinerlei Unterschied, wenn wir wissen, daß jeder der lebt und an Jesus Christus glaubt für immer nicht stirbt.

Deshalb sind alle Leiden dieses Lebens nichts im Vergleich zur ewigen Herrlichkeit mit Christus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ereignete sich in Deutschland eine entsetzliche Tragödie:

Während eines Busausfluges von Novizen der Jesuiten passierte ein Unfall. Das gesamte Noviziat der Jesuiten kam dabei ums Leben.

Diese Tragödie hat die gesamte Kirche in Deutschland erschüttert. Im nächsten Jahr kamen zu den Jesuiten so viele Kandidaten, daß kaum Platz mehr für sie war.

Das Feuer, das sie riefen

Der Tod der zwei Jesuiten hat den Orden in Rußland und in der ganzen Welt erschüttert.

In letzter Zeit während ihrer Zusammenkünfte, sprachen die Jesuiten immer öfter davon, daß in ihrem Dienst doch mehr das ignatianische Feuer entbrennen muß, daß der apostolische Eifer sich stärker entzünden muß.

Doch wie schwer ist es, dieses Feuer am brennen zu halten.

Heute habe ich bereits mehrmals gehört: Die Jesuiten in Rußland sind ab heute andere Jesuiten.

Aber wir?

Kirche im Tiefschlaf

Vor vielen Jahren kam in Krasnojarsk Pater Jan Fratzkevitz ums Leben – und wir blieben dieselben.

Danach wurde ein Priester in Astrachan umgebracht – und wir blieben dieselben.

Vor zwei Jahren wurde ein alter Priester in der Moskauer Diözese von Heranwachsenden umgebracht – und wir blieben dieselben.

Heute – nach dem Tod von Pater Otto und von Pater Viktor – bleiben wir immer noch dieselben?

Wie viele Opfer braucht es noch, damit die Kirche in Rußland, in Sibirien vom Schlaf erwacht?

Sie lebten und starben

Wir sagen, wir bauen heute auf dem Fundament der Märtyrer des 20. Jahrhunderts.

Aber diese Märtyrer lebten und starben schon vor vielen Jahren. Wer von uns hat sie noch gekannt?

Der Tod der beiden Priester, die wir persönlich kannten, die wir gesehen haben – manche von uns haben vor drei Tagen noch mit ihnen telefoniert – wird dieser Tod uns endlich doch verändern?

Die Neugetöteten Pater Otto und Pater Viktor mögen doch vor Gott für uns bitten.

Wir beten für ihre Seelen: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden. Amen.

Bischof Joseph Werth SJ von Nowosibirsk ist Vorsitzender der russischen Bischofskonferenz Bischof der Diözese Verklärung des Herrn und Ordinarius für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Rußland.
      
3 Lesermeinungen
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#3   Josef Preßlmayer   09:56:31 | Sonntag, 2. November 2008
Wie recht Sie haben „derLeser“! einen guten Allerseelen-Tag!
Eine rühmliche Ausnahme stellt der große Papst Johannes Paul II. dar, der immer und überall seine Stimme für die ungeborenen Kinder erhob und vom „Holocaust des ungeborenen Lebens“ sprach.
Dieser überragende Kirchenmann mit seiner grandiosen Enzyklika „Evangelium vitae“ ist der Zehrgrund aus dem ich meine Kraft für den Kampf gegen die „Fristenlösungs“-Befürworter in der Kirche schöpfe.
Heute, nur 13 Jahre nach dem Erscheinen dieser heilenden weil wahrhaftigen Ezyklika, verwerfen die allermeisten Bischöfe und Kardinäle seine Anweisung, sich solchen Tötungs-Gesetzen zu widersetzen.
Die Feministen-Netzwerke innerhalb der Kirche, welche die „Fristenlösung“ befürworten und die Bischöfe fest im Griff haben, haben das Sagen und vor deren Schelte zittern diese treulosen Stellvertreter Chisti auf Erden.
Auf den Friedhöfen, die ich gestern wie jedes Jahr besucht habe, häufen sich die Grabsteine, die mit einem X bezeichnet sind, um demnächst entsorgt zu werden.
Ende des Jahrhunderts werden die Christen nur mehr eine sterbende Restbevölkerung darstellen. Ein Großteil ihrer Grabsteine wird verschwunden sein.
Doch wen kümmert das heute?
„Wir änderten uns nicht!“ werden vielleicht künftige Historiker als Selbstbekenntnis und Ursache der Baby-Ausrottung feststellen.
Aus der Wurzel der Gottlosigkeit wuchs die Lust- und Kosum-Gier als Lebenszweck. Das Zerstückeln der eigenen Kinder im Mutterleib auf Verlangen hat man als „Fortschritt“ und „Frauenrecht“ gepriesen.
Jesus, Maria hilf!
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#2   derLeser   09:56:07 | Samstag, 1. November 2008
Preßlmayr
Christliche Priester und Gläubige werden immer wieder Opfer mörderischer Fanatiker. Doch wie reagieren die „christlichen“ Kirchenoberen und Politiker?
studieren sie mal kurz die Geschichte. Wann waren die Kurialbonzen die letzten 200 jahre auf Seiten verfolgter Gläubiger und nicht auf staatlichem + zeitgeistlichem Arschkriecherkurs. Egal ob im Kommunismus, im Nationalsozialismus usw, man sochte stets den Kompromiss mit der faktischen Macht. Damit sollte endgültig Schluss gemacht werden. Immer nur wenige so wie derzeit Bischof Laun oder früher ein Galen…
Wünsche ein schönes Allerheiligenfest.
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#1   Josef Preßlmayer   06:24:14 | Samstag, 1. November 2008
„Und wir änderten uns nicht!“
Christliche Priester und Gläubige werden immer wieder Opfer mörderischer Fanatiker. Doch wie reagieren die „christlichen“ Kirchenoberen und Politiker?
Wenn überhaupt, dann lau und zahnlos!
Wie sollten die Bischöfe und Staatsmänner auch anders reagieren, wenn sie selbst ihre eigenen unerwünschten Landsleute im Mutterleib millionenfach den Lohn-Schlächtern überliefern!
Was sind da schon ein paar Priester da und dort, einige Dutzend Gläubige und zehntausende Vertriebene dagegen!
Man kann ja auch, wie der Wiener Kardinal Schönborn, gelegentlich leise an die Brust klopfen, wie im März in Jerusalem geschehen und bedauern:
„daß Europa in den letzten vierzig Jahren dreimal nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt habe:
Das erste Mal im Jahr 1968 – wir feiern jetzt vierzig Jahre – durch das Ablehnen von Humanae vitae. Das zweite Mal im Jahr 1975, als die Abtreibungsgesetze Europa überschwemmt haben. Und das dritte Mal: Gerade gestern habe ich die Nachricht bekommen, daß in Österreich die Regierung der »homosexuellen Ehe« zuzustimmen plant.“
„Wenn wir die Konsequenzen dieses »Nein« zum Leben gekannt hätten, hätten wir niemals »Nein« zu Humanae vitae gesagt“ – insistiert der Kardinal: „Aber wir hatten keinen Mut.“
„Uns hat in den letzten vierzig Jahren der Mut zum »Ja zum Leben« gefehlt. Möge uns der Herr den Mangel an Mut verzeihen“.
Der Kardinal macht es sich leicht: um Verzeihung bitten, aber sich nicht ändern und weiterhin Babys durch Aktion Leben-Beratungsscheine hinrichten!
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