Bildung
Latein ist nicht nur in der Kirche verboten
Die Liturgiereformer sind nicht die einzigen, die ihr Heil in der Verwendung einer Kindersprache für Erwachsene suchen.
In Großbritannien sollen Ausdrücke wie "vice versa", "pro rata" oder "via" nicht mehr benützt werden.
In Großbritannien sollen Ausdrücke wie „vice versa“, „pro rata“ oder „via“ nicht mehr benützt werden.
© Abstractions Art, CC
(kreuz.net) Eine Anzahl von Ortsräten in Großbritannien haben ihren Mitarbeitern verboten, lateinische Wörter und Wendungen zu benützen. Der Grund: Diese könnten die Leute verwirren.

Das berichtete der ‘Britische Rundfunk’ am Montag.

Die britischen Ortsräte sind Teil der Regionalverwaltung und widmen sich der Bereitstellung bestimmter Dienstleistungen.

In Zukunft sollen Ausdrücke wie „vice versa“, „pro rata“ oder „via“ weder mündlich noch schriftlich verwendet werden.

Einige Ortsräte haben die lateinische Sprache als „elitistisch“ und „diskriminatorisch“ bezeichnet – vor allem für Einwohner, bei denen Englisch nicht die Muttersprache ist.

Der Ortsrat von Bournemouth – eine Küstenstadt in Südengland – hat sogar eine Liste von 18 lateinischen Wendungen zusammengestellt und die Mitarbeiter aufgefordert, diese in amtlichen Mitteilungen nicht mehr zu gebrauchen.

Ein Sprecher des Ortsrates versuchte, die Maßnahme zu relativieren: „Wir empfehlen, diese Ausdrücke nicht zu verwenden, besonders wenn sich ein Schreiben an Leute richtet, deren erste Sprache nicht Englisch ist.“

Allerdings führt ein vom Ortsrat zusammengestellter „Leitfaden für einfache Sprache“ Latein unter der Überschrift „Zu vermeiden“ auf.

Andere Ortsräte haben Ausdrücke wie „QED“, „ad hoc“, „bona fide“, „ad lib“ oder „quid pro quo“ verboten.

Die Bestimmungen haben Latinisten in Rage versetzt.

Professor Mary Beard von der Universität Cambridge erklärte, daß die Maßnahmen ein sprachliches Äquivalent zur ethnischen Säuberung seien.

Dagegen wurden die Anordnungen von der Gruppierung „Kampagne für einfaches Englisch“ begrüßt. Sie erklärte, daß Beamte die lateinischen Ausdrücke nur verwenden würden, um sich wichtig zu machen.

Ein Sprecher der Vereinigung erklärte, daß das Verbot in Zukunft verhindern werde, daß Leute die lateinische Abkürzung „e.g.“ – exempli gratia = zum Beispiel – mit dem englischen Wort für Ei – „egg“ verwechselten.
      
17 Lesermeinungen
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#17   Beweihräucherer †   11:11:18 | Mittwoch, 5. November 2008
Congratulations, Barack Obama, …
from www.kreuz.net, California (USA)!
We are so happy!!!!!!!
Praise our God for this President!!!!
o^/
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#16   clarissa colonia   21:27:24 | Dienstag, 4. November 2008
Werter Vineta,
noch interessanter wäre Ihre Zuschrift in lateinischer Sprache gewesen – es gibt ja sogar (auch von dieser Seite aus verlinkt) höchst lesenswerte Nachrichten darin.
Soweit ich diesen Artikel aber verstanden habe (sicher kann man sich in dieser Beziehung hier indes nie sein), geht es doch nur um amtliche Schreiben, d.h. um Schreiben staatlicher Organe, in denen bestimmte Formulierungen nicht mehr gebraucht werden sollen. Niemand, zumindest lt. ggw. Kenntnisstand, verbietet also einem Privatmann den Gebrauch derselben – sogar in Schreiben an staatliche Organe.
Und nur zum Zwecke der Erweiterung meiner privaten Kenntnisse: Wann ist in der Kirche die Verwendung der lateinischen Sprache von wem verboten worden? Gibt es da kirchenamtliche Verfügungen oder Dokumente? Wann und wo sind diese publiziert worden?
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#15   HeinrichvonOfterdingen   21:23:23 | Dienstag, 4. November 2008
Elitär ist das Englische, das das
Cymraeg Bretonisch Kornisch
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#14   Vineta   21:04:34 | Dienstag, 4. November 2008
Worum es in dem obigen Artikel eigentlich geht:
1) Wenn in England Stadt-und Gemeinderäte lateinische Restbestände als elitär und diskriminierend denunzieren und darangehen, sie auszumerzen – so treten sie damit in die Fußstapfen der Liturgiereformer der Römischen Kirche, die schon vor 40 Jahren die lateinische Sprache aus dem Gottesdienst und kirchlichen Leben verdrängten in einem Anfall von modernistischem Wahn, von dem sie sich Befreitsein von der Tradition , Fortschritt und mehr Attraktivität und Akzeptanz bei den einfachen Gläubigen versprachen. Die Folgen – leere Kirchen – hat man sich dabei nicht vorstellen können.
2) Alle Lateinhasser, die damals und die jetzt in England, sitzen einem gewaltigen Irrtum auf: Sie meinen, Latein sei mausetot und überholt. Doch Latein lebt weiter, ist nie überholt, steckt mehr oder weniger in allen europäischen Sprachen, ist Grundlage jeglicher sprachlichen Bildung.
Und es verbindet mit den Ursprüngen der Christenheit im Römischen Reich, mit der 2000 jährigen christlich-abendländischen Kultur und mit dem Mittelpunkt der Christenheit, Rom. In jüngster Zeit scheint das vielen wieder aufzugehen, denn das Interesse für Latein wächst, die Nachfrage nach Lateinstunden nimmt zu. Lateinlehrer fehlen, werden dringend gesucht.
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#13   HBR   20:11:43 | Dienstag, 4. November 2008
@Fragender
Die Altgläubigen lieben es halt, wenn Latein verwendet wird. Das ist ein Teil ihrer Nostalgie. In der praxis wird Latein nicht gebraucht. Auch nicht in der Liturgie. Wobei ich die Sprache nicht schlecht finde. Aber in der alltäglichen Liturgie ist sie doch eher fehl am Platze, es sei denn in einzelnen Liedern…
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#12   Fragender   19:33:29 | Dienstag, 4. November 2008
Danke, kreuz.net
Die Liturgiereformer sind nicht die einzigen, die ihr Heil in der Verwendung einer Kindersprache für Erwachsene suchen.
Wahnsinn… dann ist also Latein im Unterschied zu englisch, deutsch und vermutlich allen lebenden Sprachen die einzige „Erwachsenensprache“ ?!?!? Das wusste ich nicht- welch Bildungslücke!
Man lernt nie aus- wie gut, daß es diese kirchenfeindliche Homepage gibt!
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#11   Samurai   19:10:44 | Dienstag, 4. November 2008
Werter Burgorus…
so usus (!) scheint Latein in der „Umgangssprache“ nicht zu sein, wie sie behaupten, ist aber auch nicht schlimm, denn bei einigen Beispielen ist allgemein bekannt, was gemeint ist, aber bei den im Bericht genannten ist es vielen Zeitgenossen nicht bekannt.
Nebenbei:
Schreiben Sie, wenn Sie in einem Briefkopf das Datum angeben … 2008 oder AD 2008?
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#10   Burgorus   18:24:02 | Dienstag, 4. November 2008
@Amanda: Und was ist mit dem &-Zeichen?
Zunächst: Tatsächlich! „and the other way round“ kommt beim Googlen immerhin 371 000 mal vor, „and vice versa“ allerdings 14 Millionen mal, ist also etwa 40 mal so häufig. Scheinen doch die meisten Latein besser zu können als Englisch. Da wird jetzt dann die große Mehrheit diskriminiert!
Nächste Frage: Das &-Zeichen ist ja ein „Et“ in Schreibschrift. Da nun „Et“ (= „und“) lateinisch ist, ist klar, dass dieses Zeichen nicht mehr verwendet werden darf. Bin gespannt, wie das „And“-Zeichen aussehen wird.
Es gibt aber Zeitschriften, die dieses Zeichen heute noch bei Literaturangaben als Verbindung zwischen vorletztem und letztem Autor verweden (oder auch bei „& al.“ für „et alii“ („und die anderen“). Werden diese Zeitschriften dann verboten, bis sie ein neues Zeichen erfunden haben?
Sollte man für „et al.“ jetzt schon „a. oth.“ oder Ähnliches schreiben?
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#9   Amanda   17:50:28 | Dienstag, 4. November 2008
@Burgorus
Statt „vice versa“ vielleicht „…and the other way round“? Es wäre aber eine unnötige Wortinflation.
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#8   Samurai   17:40:15 | Dienstag, 4. November 2008
@ Sirilo
Gute Idee, die da in England im Kommen zu sein scheint.
Mit Verlaub, Latein war auc früher – im Mittelater – allenfalls eine Angelegenheit des Klerus.
Warum aber im 21.Jahrhundert lateinische Begriffe und Redewendungen in englischen Schriftstücken sinnvoll sein sollen, leuchtet mir aúch nicht ein.
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#7   Sirilo   16:09:30 | Dienstag, 4. November 2008
Ortsräte?
Wieder einmal eine der eigenwilligen Wortschöpfungen der Kreuz.net-Redaktion. Auf Deutsch heißt „local council“ aber nun mal „Gemeinderat“. Für Latein kämpfen und nicht mal Deutsch können, das paßt nicht zusammen!
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#6   Burgorus   15:40:52 | Dienstag, 4. November 2008
Ich armer non-native English writer
Auf das e.g. kann ich ja noch verzichten (schreib ich halt „for example“ aus), ich hätte aber nicht gewusst, dass es für das „umgekehrt“ noch ein anderes Wort als „vice versa“ gibt. „… and vice versa“ („… und umgekehrt“) hört man doch ganz oft. Wie muss ich das jetzt in Zukunft nennen?
Dann schrieb ich mal „prima facie“ („auf den ersten Blick“); das hat bis jetzt kein Reviewer beanstandet. Muss ich da jetzt „at the first view“ oder sowas schreiben?
Um zu kritisieren, dass man sich eine zu testende Hypothese nicht nach Erhebung der Daten überlegen soll, die Hypothese also nicht erst „nachträglich“ formulieren sollte, sagte mir ein Oxford-Student den Fachausdruck „post festum“ für „nachträglich“. Darf ich das jetzt auch nicht mehr benutzen?
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#5   freddie schenk   14:40:33 | Dienstag, 4. November 2008
Kardinal Lehmann im Krankenhaus operiert
Mainz (ddp-hes). Der Mainzer Bischof Karl Lehmann liegt im Krankenhaus. Der 72-jährige Kardinal wurde am Montagabend wegen akuter Schmerzen in die Klinik eingeliefert und noch am selben Abend am Darm operiert, wie ein Bistumssprecher am Dienstag in Mainz mitteilte. Nach Auskunft der Ärzte sei die Operation gut verlaufen und der Bischof wohlauf. In den kommenden Wochen werde Lehmann keine Termine wahrnehmen, um sich von dem Eingriff zu erholen.
Erst im Juli war Lehmann nach einem Zusammenbruch während eines Gottesdienstes ins Krankenhaus gebracht worden. Im Februar hatte der Kardinal aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz der Deutschen Bischofkonferenz aufgegeben, nachdem er im Dezember 2007 aufgrund von Herz-Rhythmus-Störungen stationär behandelt werden musste.
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#4   noch ein Landorganist   14:14:18 | Dienstag, 4. November 2008
Globale Dummheit
Sie erklärte, daß Beamte die lateinischen Ausdrücke nur verwenden würden, um sich wichtig zu machen.
Und in allen anderen Ländern der Welt benutzen die Wichtigtuer englische Ausdrücke. Da können die fremdsprachenfaulen Briten ruhig ein paar Vokabeln Latein vertragen.
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#3   Freinsberg   13:37:49 | Dienstag, 4. November 2008
Die Engländer/innen
können das Latein ja nicht mal richtig aussprechen… :-|
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#2   Pünktchen   13:27:15 | Dienstag, 4. November 2008
Gleichzeitig bemühen sich
einige (u.a. der Erzbischof von Canterbury) um die Einführung der Scharia. Wetten, daß es bald amtliche Dokumente in Arabisch gibt in GB !!??
Der Zug in die Dhimmitude de.wikipedia.org/wiki/Dhimma hat volle Fahrt aufgenommen!
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#1   Amanda   13:12:27 | Dienstag, 4. November 2008
Man traut den Leuten
offenbar keine Intelligenz mehr zu – ein Armutszeugnis.
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Es wurden 2 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
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