Alte Messe
Nach dem Konzil waren die Katholiken plötzlich wie alle anderen
Aufgrund der Säuglinge und Kleinkinder, deren Kreischen die lateinischen Gesänge und Gebete des Priester übertönt, dürfte das Durchschnittsalter unter zwanzig liegen.
In Großbritannien sind die Bischöfe fortwährend bestrebt, die Freigabe des Alten Ritus zu hintertreiben.
In Großbritannien sind die Bischöfe fortwährend bestrebt, die Freigabe des Alten Ritus zu hintertreiben.
(kreuz.net, London) England erlebt nach Angaben der ‘Latin Mass Society’ gegenwärtig eine Renaissance der Alten Messe.

Das berichtete Gina Thomas (51), die England-Korrespondentin der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’, in einem Artikel vom 29. Oktober.

Als Beispiel nennt Frau Thomas das Little Oratory – eine Kapelle in London – die sich jeweils am Sonntag für die Alte Messe überbordend füllt:

„Aufgrund der Säuglinge und Kleinkinder, deren Kreischen den Priester übertönt, dürfte das Durchschnittsalter unter zwanzig liegen.“

Dennoch ist der Jubel der englischen Traditionalisten über das Motu Proprio des Papstes nach Angaben von Frau Thomas getrübt.

Denn die britischen Bischöfe sind fortwährend bestrebt, die Freigabe des Alten Ritus zu hintertreiben.

Alte Messe am 1. Januar 2008 in London
Schuldbekenntnis: ConfiteorDie Lesung findet beim Levitierten Hochamt nicht am Altar statt.Verlesung des Evangeliums auf der linken Seite des Presbyteriums.

Bischöfe mauern

Mit dem Beispiel der USA vor Augen, wo die Ernennung einiger „traditionsfester Bischöfe“ die Vormacht der liberalen Hierarchie angeblich geschwächt hätten, würden die britischen Bischöfe Geschlossenheit beweisen, um den Status quo zu wahren – mythologisiert Frau Thomas mit Berufung auf einen „Eingeweihten“.

Als Symbol des Widerstandes der britischen Bischöfe nennt Frau Thomas deren demonstrative Abwesenheit, als Kurienkardinal Dario Castillón Hoyos im Sommer als erster Kardinal seit fast vierzig Jahren in der Kathedrale von Westminster ein Pontifikalamt im Alten Ritus zelebrierte:

„Bezeichnend sind auch die gewundenen legalistischen Erläuterungen, welche liberale Diözesanbischöfe zum »scheinbaren Rückschritt« des Papstes verteilen, um der Verbreitung des Alten Ritus entgegenzuwirken“- so Frau Thomas:

„Einige von ihnen haben offenbar nicht begriffen, daß sich das Apostolische Schreiben Benedikts XVI. nicht zur Interpretation anbietet, sondern Gesetz ist“ – ist Frau Thomas überzeugt.

Mit Berufung auf einen Priester erklärt sie, daß britische Geistliche – trotz Motu Proprio – immer noch Repressalien fürchten müssen, wenn sie die Alte Messe lesen.

Sie zitiert Damian Thompson, den Chefredakteur der Wochenzeitung ‘The Catholic Herald’, der von einem innerkirchlichen Bürgerkrieg gesprochen hat.

„Wir werden die Bedürfnisse aller berücksichtigen“

Frau Thomas erinnert daran, daß die Briten bereits vor der Liturgiereform für die Erhaltung des Alten Ritus kämpften. Sie nennt das Beispiel des britischen Konvertiten und Schriftstellers Evelyn Waugh († 1966).

Dieser fragte John Kardinal Heenan († 1975) von Westminster im August 1964, ob es zu viel verlangt wäre, allen Pfarrgemeinden zu befehlen, zwei Messen zu halten, »eine ‘Pop’ für die Jungen und eine ‘Trad’ für die Alten«.

Die Antwort des Kardinals: Er solle nicht verzagen, „wir werden die Bedürfnisse aller berücksichtigen.“

Waugh hatte für den am grünen Tisch zusammengeschusterten Neuen Ritus kein Musikgehör: „Sie zerstören alles, was nach außen hin anziehend war an meiner Kirche“ – beklagte er sich im Februar 1965 bei der britischen Schriftstellerin Nancy Mitford († 1973).

Erschreckende Verantwortung

Dann erinnert Frau Thomas an den offenen Brief, mit dem eine Gruppe von britischen Intellektuellen Papst Paul VI. im Jahr 1971 auf die „erschreckende Verantwortung“ des Heiligen Stuhls hinwies, „mit der dieser in der Geschichte des menschlichen Geistes konfrontiert wäre, wenn er sich weigerte, der traditionellen Messe das Überleben zu erlauben, auch wenn dieses Überleben mit anderen liturgischen Formen einhergehen würde“.

Unter den Unterzeichnern waren Ungläubige und Nicht-Katholiken.

Frau Thomas weist darauf hin, daß das Absurde an der ganzen Diskussion darin besteht, daß die Indulte sich auf einen Zustand bezogen, der formal gar nicht bestand:

„Denn wie die Traditionalisten stets betonen, ist der Alte Ritus nie formal abgeschafft worden.“

Elitäres Bedürfnis nach Anderssein

In der britischen Debatte kommt im Zusammenhang mit dem Motu Proprio eine Komponente hinzu, die wohl auf die durch Jahrhunderte der Diskriminierung geprägte Identität der hiesigen Katholiken zurückzuführen ist: „ein elitäres Bedürfnis nach dem Anderssein“ – deutet Frau Thomas.

Sie zitiert Evelyn Waughs von Theologie durchdrungenem Roman „Wiedersehen mit Brideshead“.

Dort sagt die atheistische Erzählerfigur Charles Ryder zu seinem adligen Freund Sebastian Flyte, daß die Katholiken genauso zu sein schienen wie andere Menschen:

„Mein lieber Charles“, entgegnet der charmante Adelige, der vor dem erdrückenden römischen Glauben seiner Mutter in den Alkohol flüchtet: „Das ist genau, was sie nicht sind – vor allem in diesem Land, wo es so wenige gibt.“

Auf dem Dach des herrschaftlichen Familiensitzes in der Sonne liegend, erklärt Sebastian dem Außenstehenden, daß die englischen Katholiken eine völlig andere Weltanschauung haben: „Alles, was ihnen wichtig ist, unterscheidet sie von den anderen. Sie versuchen es so weit wie möglich zu verbergen, aber es kommt ständig zum Vorschein.“

Nationalgeschichtliche Wurzeln

Frau Thomas weist darauf hin, daß sich die Verhältnisse geändert haben, „seit Waugh den elegischen Abgesang auf eine Welt schrieb, die der traditionsliebende Misanthrop für todgeweiht hielt.“

Sie zitiert die bekannte britische Anthropologin Mary Douglas († 2007), die in den 70er Jahren „wehmütig“ festgestellt habe, daß „die englischen Katholiken nun so sind wie alle anderen“.

Für die Traditionalisten sei dieser Befund ein Stachel: „Der gewisse intellektuelle und gesellschaftliche Exklusivitätsanspruch, der den Liebhabern der Alten Messe in Deutschland und anderen Ländern vielleicht zu Unrecht unterstellt wird, hat in England nationalgeschichtliche Wurzeln.“
      
13 Lesermeinungen
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#13   Stephanus   22:59:04 | Donnerstag, 6. November 2008
Dachte nicht an Walter, vielmehr an
mathematische Formeln von Quatraten, vom Vielfachen usw.
und ich hatte einmal die Realzahlen der gegenwärtigen Weltkirche ausgeklammert (nur kurz) weil mir diese nicht aussagekräftig genug sind.
Wir brauchen keinen Walter Ulbricht um mit oder ohne Unterlagen feststellen zu können, daß sich im alten Europa die Zahlen der einsatzfähigen Priester und Ordensleute im freien Fall befinden.
Und hier vor allem die Zahl der Priester die noch den ganzen katholischen Glauben vertreten.
Daher auch das Ausklammern. Denn wir treffen vor allem in der sogenannten dritten Welt, wo die sogenannte junge Kirche daheim ist, sehr sehr oft auf Theologen, die wohl alles Mögliche vertreten nur nicht mehr den ganzen Katholischen Glauben wie wir ihn im Glaubensbekenntnis bezeugen.
Dazu kommen die neuesten Zahlen: allein in Deutschland wieder mehr als 150 neue Möglichkeiten die Messe aller Zeiten erleben zu dürfen.
Und es werden Tag für Tag mehr!
Wir brauchen im günstigsten Fall nicht mal 30 Jahre um fast alle Zahlen umkehren zu können.
G O T T sei Dank !!!
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#12   stimme der vernunft †   15:36:43 | Donnerstag, 6. November 2008
@Stephanus
Das Durchschnittsalter der Tradis, nicht nur in England, liegt in vielen Gemeinden unter 20 Jahren.
Das glaub ich gerne.
Die Frage ist halt, wieviele von den Kindern überhaupt noch irgendeine Kirche besuchen, wenn sie erst mal alleine entscheiden können, ob sie da hingehen oder nicht.
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#11   Beweihräucherer †   02:46:20 | Donnerstag, 6. November 2008
Breaking News: 10 000 geschafft
im Jahrhundert-Kreuz.net-Thread
www.kreuz.net/article.7703.html
o^/ o^/ o^/
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#10   clarissa colonia   02:17:31 | Donnerstag, 6. November 2008
Werter Stephanus,
Sie vertreten ja einen recht ausgedehnten Generationsbegriff: Derzeit ca. 410.000 katholische Priester (lt. Annuario Pontificio) gegenüber knapp 500 der fraternitas (lt. dt. Homepage). Haben Sie daher einen Beitrag in Memoriam Walter Ulbricht (zur Wirtschaftsleistung der DDR gegenüber der Westdeutschlands) beabsichtigt: „Überholen ohne einzuholen“?
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#9   Stephanus   01:58:48 | Donnerstag, 6. November 2008
Gotthard macht heute einen auf Geschichte,
weil es auch zu peinlich ist, daß plötzlich von Dritten bestätigt wird, was viele User hier im net schon immer wußten:
Das Durchschnittsalter der Tradis, nicht nur in England, liegt in vielen Gemeinden unter 20 Jahren.
Und damit haben diese gegenüber all den Gotthards dieser antikatholischen Welt einen glasklaren biologischen Vorteil.
Allein die Piusbrüder erreichen bei den nächsten Weihehandlungen die stattliche Anzahl von 500 geweihten Priestern und mehr!
Dazu kommen dann noch die Seminaristen, Brüder, Schwestern usw.
In den anderen Vereinigungen sieht es ebenfalls gut aus und so kann man sich an den Fingern abzählen, wann die sogenannten Amtskirchlichen Pfarrstellen welche vakant sind, von diesen glaubenstreuen eifrigen Priestern übernommen werden müssen.
Der sogenannten Amtskirche, so sie sich noch katholisch schimpft wird gar keine andere Wahl bleiben.
Sie hat dazu keine weitere Generation mehr Zeit.
Und täte daher gut daran, sich vermehrt mit all jenen auseinanderzusetzen welche voll des Glaubens an die noch all zu oft verschlossenen Kirchentüren klopfen.
Bald jährt sich wieder die Herbergssuche einer durch und durch gläubigen Familie. Von ihr haben wir gelernt, nicht zu verzweifeln, wenn wir immer und immer wieder abgewiesen werden.
Von ihr haben wir aber auch den Mut gelehrt bekommen, nie zu verzagen und immer und immer wieder anzuklopfen…
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#8   Gotthard   20:03:45 | Mittwoch, 5. November 2008
ein Blick in die Tradition
Am ‘Ende des 4. Jahrhunderts wurde in Rom die Liturgie noch in Griechisch gefeiert.
Ein Text aus der damaligen Zeit fordert die Einführung der Landessprache – also des Lateinischen – in den Gottesdienst:
Grundsätzlich gehören Fremdsprachen nicht in den Gottesdienst – in Bezug auf 1 Kor 14,16. Der Hauptzweck des kultischen Ortes, die erbauliche Förderung der Gemeinde, wird durch die Verwendung der Fremdsprache vereitelt. Dies führt die Trennung der Gläubigen herbei, nicht ihre Einheit, die doch im Gottesdienst zum Ausdruck kommen soll.
Die Fremdsprache macht es der Gemeinde unmöglich, das „Amen“ nach der benedictio zu sprechen. Wenn der Sprecher sie gar nur mechanisch verwendet, ohne sie zu verstehen, ist sie auch für ihn selbst wertlos.
Die Fremdsprache verhüllt, wie es im heidnischen Gottesdienst üblich ist, den Inhalt des liturgischen Wortes, all wenn Ungläubige und nicht Gläubige die Zuhörer wären.
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#7   LandorganistII   15:21:07 | Mittwoch, 5. November 2008
.chen…
Ganz und gar nicht, handelt es sich dabei doch um einen neugotischen Gebäudekomplex! Das große Oratorium entspricht der Größe einer Dorfkirche, ich hab nicht gezählt, schätze aber mal so vielleicht 150 Plätze. Und das ist doch für weltstädtische Verhältnisse noch immer recht bescheiden.
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#6   Pünktchen   14:35:15 | Mittwoch, 5. November 2008
LandoII
Da sind Sie jetzt aber wieder auf die Nase gefallen!
Vor kurzem hatte ich nämlich auf den Artikel in der FAZ hingewiesen! Und Leser Moguntinus wußte zu berichten:
Vielen Dank für den Text aus der FAZ! Ich fand ihn besonders interessant, da ich oft in England bin und dort in die „alte“ Messe gehe – dort erlebe ich genau das, was hier beschrieben ist. Mittlerweile ist die Messe nicht mehr in der „Little Oratory“ sondern in der großen Oratory. Morgens um 9 Uhr jeden Sonntag
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#5   Franz Kappes   14:05:29 | Mittwoch, 5. November 2008
Die Elite übernimmt Verantwortung
Es wird Zeit, dass die Elite wieder geistige Verantwortung übernimmt. ^-^
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#4   LandorganistII   13:57:54 | Mittwoch, 5. November 2008
Interessant
ich habe vor kurzer Zeit das „Little Oratory“ durch Zufall besichtigen können. Da passen höchstens 25-30 Leute rein! Das zu füllen dürfte in London wohl ein Kinderspiel sein. Also, +net, mal etwas mehr Bescheidenheit, bitte!
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#3   HBR   11:13:35 | Mittwoch, 5. November 2008
England erlebt eine Renaisance der nostalgischen Messe?
Wieso berichtet +.net so ausführlich über Anglikaner? Ich dachte, die wären nicht katholisch? Oder sind die etwa inzwischen uniert?
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#2   Beweihräucherer †   11:08:53 | Mittwoch, 5. November 2008
Congratulations, Barack Obama, …
from www.kreuz.net, California (USA)!
We are so happy!!!!!!!
Praise our God for this President!!!!
o^/
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#1   Tridentinus   10:33:54 | Mittwoch, 5. November 2008
Ich sollte wieder öfters
die FAZ lesen!
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Es wurden 2 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
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