St. Pölten
Sind aller guten Dinge drei?
Nachdem Bischof Klaus Küng von St. Pölten letzten Freitag die Namen der neuen Leitung seines Priesterseminars vorstellte, scheint jetzt auch der neue Spiritual kurz vor seiner Ernennung zu stehen.
(kreuz.net, St. Pölten) Nach dem unrühmlichen Ende von Bischof Krenn ist die Diözese Sankt Pölten im Begriff, unter der Leitung ihres neuen Opus-Dei-Bischofs eine scharfe Kurve nach links zu drehen. Bischof Küng hat sich bisher als treuer Willensvollstrecker der mächtigen progressiven Koalition erwiesen, die in den letztjährigen Wirren von St. Pölten einen vernichtenden Sieg davongetragen hat.

Nachdem die Ernennung der neuen linksgerichteten Seminarleitung ohne nennenswerte Proteste über die Bühne gegangen ist, scheint sich nun der Bischof ein Herz zu fassen und auch die dritte Position im Seminar, mit einem Kandidaten der Linken zu besetzen.

Neuer Spiritual im Priesterseminar von St. Pölten soll Pater Columban Luser OSB werden. Pater Luser ist Konventuale der großen Benediktinerabtei Göttweig unweit von St. Pölten. Zum selben Kloster gehört auch der berühmte Pater Udo Fischer, der jahrelang im offenen und öffentlichen Konflikt mit Diözesanbischof Krenn lebte und erst kürzlich vom neuen Diözesanbischof rehabilitiert wurde.

Das Herkunftskloster von Pater Columban Luser ist zugleich auch jene Abtei, in die der ehemalige Erzbischof von Wien, Hans-Hermann Kardinal Groer, damals noch Wiener Diözesanpriester, mit einer Gruppe von Gefolgsleuten aus der Legion Mariens eintrat.

Die Legion Mariens ist eine in Irland vom Laien Frank Duff gegründete Apostolatsgruppe, die in der Zeit von Kardinal Groer in Österreich sehr bedeutsam war und viele Berufungen hervorbrachte. Die Legion organisiert sich innerhalb der Pfarreien und arbeitet zusammen mit dem Diözesanklerus für die Verbreitung des katholischen Glaubens.

In der Folge des Eintritts der Groer-Gruppe erlebte das Stift Göttweig einen großen Zulauf an Berufungen. Pater Groer wurde kurze Zeit später von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Wien und später zum Kardinal ernannt. In den 90er Jahren wurde der Kardinal immer lauter mit Beschuldigungen konfrontiert, die ihm sexuelles Fehlverhalten seinen Zöglingen gegenüber vorwarfen. Der Kardinal räumte schließlich seinen Stuhl und lebte bis zu seinem Tod zurückgezogen im Zisterzienserinnenkloster Marienfeld bei Maria Roggendorf knapp 100 Kilometer nordöstlich von St. Pölten.

Seit dem Skandal um die Person von Kardinal Groer begann der Haussegen im Stift Göttweig immer schiefer zu hängen. Viele Mönche verließen das Kloster oder richteten sich theologisch neu aus. Hohe Wellen warf der Abt von Göttweig, als er während einer Fernsehdiskussion mit Bischof Krenn im Österreichischen Rundfunk, höchstpersönlich ein Telefax ins Studio schickte, auf dem er seinen Diözesanbischof zum Rücktritt aufforderte.

Pater Columban ist ein Teil der Vergangenheit des Benediktinerklosters Göttweig. Der Pater galt früher als sehr fromm und war als Priester sehr in der Legion Mariens engagiert. Für die Legion nahm er viele Mühen auf sich. Kardinal Groer schätzte ihn sehr. Als Groer geistlicher Leiter der Legion war, ernannte er Pater Columban zu seinem Sekretär. Später wurde Pater Columban selber der geistliche Leiter des Senatus der Legion Mariens in Österreich. Der „Senatus“ ist das oberste Leitungsgremium der Legion Mariens in einem Land.

Die Anschuldigungen gegen Kardinal Groer ließen viele Göttweiger Patres, die früher treueste Weggefährten des Erzbischofs gewesen waren, umfallen. Der bekannteste von ihnen ist der Pfarrer und linkskatholische Publizist Pater Udo Fischer, der in seinen frommen Tagen der einzige Benediktiner war, der auf der Wiener Universität im schlichten Mönchshabit einherschritt.

Im Sog des Groer-Skandals scheint auch Pater Columban das Lager gewechselt zu haben. Formell hat er sich zwar nie von der Legion getrennt, aber seit Längerem übt er in ihr keine Funktionen mehr aus. Pater Columban machte aus seiner Gegnerschaft gegen Bischof Krenn kein Geheimnis, auch wenn er sich nicht so ausdrucksstark äußerte wie sein Mitbruder Pater Udo Fischer.

Gegenwärtig ist Pater Columban der Leiter des Exerzitienhauses seines Heimatklosters. Vermutlich wurde seine neue Funktion im Priesterseminar deshalb nicht zusammen mit der Ernennung des neuen Regens und Subregens von St. Pölten bekanntgegeben, weil der Bischof die Freistellung des Paters durch seinen Abt abwarten muß.
      
13 Lesermeinungen
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#13   Marcel   16:09:01 | Montag, 11. April 2005
Das „Opus Dei“ ist sehr umstritten
Dies muß noch nichts heißen, naturgemäß.
Aber man kann, so man möchte, seltsame Sachen erfahren über den Gründer und auch den Zustand des heutigen „Ordens“. Und einige Vorwürfe kann man nicht einfach beiseiteschieben.
Es hat eine gewisse Ironie, daß ich dies schreibe, weil ich mich einst sehr vom Opus-Dei-Gründer angezogen fühlte (wie auch vom verstorbenen Papst). Um ein Haar wäre ich Laienmitglied beim Opus Dei geworden, doch das Schicksal (Gottes) hielt mich davon ab. Heute bin ich dankbar dafür.
Ich weiß, es gibt überall weiße und schwarze Schafe. Man darf also nichts verallgemeinern.
Der Gründer des Opus Dei, Josémaria Escriva de Balaguer, wurde am 6. Oktober 2002 heiliggesprochen. Eine Gruppe ehemaliger Opus-Mitglieder wandte sich vor dem 6. Oktober 2002 mit einem offenen Brief – im folgenden dokumentiert www.fsspx.info/mbonline/print.php?show=109 – an den Papst, um ihren Bedenken gegen diese Heiligsprechung Ausdruck zu verleihen.
PS: Kennt jemand noch eine andere Quelle, die diesen Brief bestätigt? Um was für Mitglieder handelte es sich hierbei?
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#12   chato †   10:56:16 | Sonntag, 13. März 2005
www.opusdei.org
Thomas ist voll zuzustimmen.
Hier scheinen Etliche nur deshalb Viel zu schreiben, weil sie total unbelastet sind von Wissen über das Subjekt ihrer Einlassungen.
Schreibt man über etwas, egal welcher Art, sollte man darüber zumindest überschlägige Information haben. In jedem Fall aber vermerken, dass man nichts weiß und nur von dritter Seite Vages darüber hörte – das völlig falsch sein kann (wie in den Beiträgen der Kritiker unten)
Nachzulesen ist das Wichtigste zu Opus Dei unter
www.opusdei.org
und vielen anderen Seiten
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#11   thomas   10:24:58 | Sonntag, 13. März 2005
verwunderlich
Mehr als verwunderlich ist es, wie leichtfertig manche Leute mit ihren Urteilen und Verurteilungen um sich schmeissen. Wie kann man nur so kleingeistig auf das Opus Dei schimpfen, das sich immer in allem an die Anweisungen des Lehramts gehalten hat?
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#10   Sulpicius   16:33:05 | Freitag, 11. März 2005
@Tradiland
Sehr guter Kommentar zum „Opus Dei“. In meinem Bistum beispielsweise muß sich die OD-Klerisei laut eigener Anordnung regionalgemäß kleiden: sprich: im Normalfall Oratorianer-Kragen bis Krawatte. Die Devise: nur nicht auffallen! Die Tradition über Bord werfen!
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#9   Stimme aus dem Tradiland   13:13:04 | Freitag, 11. März 2005
Was die kirchenpolitische Aufgabe des Opus Dei?
Eckpfeiler gegen die Tradition zu sein, d.h. die Leute davon abzuhalten, der wirklichen Tradition zu folgen. In Wahrheit war das Opus Dei immer schon angepaßt, unter Franco halt an Franco, seither an Juan Carlos und die Demokratie, sonst halt überall gegenüber der jeweiligen Macht. OD ist ökumentisch, modernistisch und laizistisch und entspricht damit voll und ganz dem Hauptstrom der Konzilsgedächtniskirche.
Die kirchenpolitischen Angriffe gegen OD sind so gesehen nur Spiegelfechtereien. In der Peterskirche in Wien-Innere Stadt gibt es keine lateinische NOM-Messe mehr, nur noch die deutsche (man darf annehmen: Auch die Handkommunion wird gegeben, auch auf den Volksaltar wurde nicht vergessen). Schon vor einigen Jahren hätte mich ein OD-Priester an die „ARGE Schöpfungsverantwortung“ (dies aufgrund meiner Vorbildung) vermittelt, das ökumenistisch-modernistische Selbstdarstellungsforum der Frau Isolde Schönstein, deren prominentester Dauergast in den erlauchten Räumen des erzbischöflichen Palais zu Wien der sogenannte „Bischof“ Herwig Sturm von der Evangelischen Gemeinschaft A.B. ist.
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#8   Sulpicius   14:32:46 | Donnerstag, 10. März 2005
:-)))
>>>der beschwichtigungshofrat von st. pölten
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#7   ottaviani   14:14:18 | Donnerstag, 10. März 2005
der beschwichtigungshofrat von st. pölten
wird ja sehen wie lange er ruhe haben wird von der progressistischen meute
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#6   Sulpicius   14:01:12 | Donnerstag, 10. März 2005
Schon der Name „Opus Dei“…
… ist anmaßend. Das wahre Opus Dei ist die göttliche Liturgie der Kirche, wie der Hl.Benedikt sagt.
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#5   Catholicus   11:33:01 | Donnerstag, 10. März 2005
Es geht um den katholischen Glauben, nicht um „links“ oder „rechts“
Das entscheidende Kriterium für die Neubestellung von Mitarbeitern in der Diözese St. Pölten ist nicht, ob sich eine bestimmte kirchliche Richtung und Gruppe durchsetzt („die Linken“, „die Rechten“ – wer sind sie?), sondern ob die Neubestellten gemeinsam mit dem Bischof für den katholischen Glauben eintreten werden oder nicht. Dass Bischof Küng ein wirklich katholischer Bischof ist, steht für mich außer Zweifel. Sein Ziel ist es nicht, die Diözese umzuformen zu einer „linken Diözese“ (wie von manchen unterstellt), sondern sie in der Einheit des katholischen Glaubens zu erneuern. Dabei werden alle gebraucht: ehemalige Mitarbeiter des Altbischofs ebenso wie sogenannte „Kirchenrebellen“ a la Pater Udo Fischer, wenn sie sich nur in Einheit mit dem Bischof auf das gemeinsame katholische Anliegen verständigen können. Dass das nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, dafür sollen wir beten! Proteste wie von manchen angeregt und vom anonymen kreuz.net gefördert, bringen überhaupt nichts, sondern tragen dazu bei, das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des verantwortlichen Bischofs wie der Kirche insgesamt zu erschüttern. Jeder, der sich für den katholischen Glauben einsetzt, hat in Bischof Küng einen wirklichen Mitstreiter, der im Rahmen seiner bischöflichen Verantwortung die dafür nötige Unterstützung geben wird.
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#4   Sulpicius   11:16:06 | Donnerstag, 10. März 2005
@GerdEric
„Links“ und „rechts“ sind politische Kategorien, die auf die Kirche nicht angewendet werden können, obschon es alltäglich geschieht. Entweder man ist katholisch oder man ist es nicht.
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#3   muntu   11:10:23 | Donnerstag, 10. März 2005
„ohne nennenswerte Proteste“
Mit der neuen Bestellung der Regenten des Priesterseminars sind wirklich keine „nennenswerte“ Proteste gefolgt. Man sollte vielleicht vor Augen halten, dass viele, die Bischof Krenn stets die Treue gehalten haben mundtot und irgendwo verbannt worden sind. Die Zukunft mancher Priesterseminaristen steht nun am Spiel. Dass diese stillschweigend die Bestellung neuer Regenten hingenommen haben, sagt vieles aus. Es herrscht Ungewissheit und Angst. Dass ein „Opus Dei“ Bischof linksgerichtete Priester ins Seminar bestellt, bleibt ein Mysterium. Vielleicht sollte kreuz.net Protest einlegen!
Manche werden aus Angst weiter schweigen…
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#2   GerdEric   11:02:28 | Donnerstag, 10. März 2005
Opus Dei Links???
es ist schon echt gewagt,
den Opus Dei als links zu bezeichnen,
wenn man bedenkt,
dass deren Gründer ein Franco naher Zeitgenosse war…
und Franco war wohl alles andere als links.
Wie weit rechts stehen dann die Anderen,
wenn Opus Dei links steht…
Wenn andere konservativ sind,
dann wäre der passendere Ausdruck eher „reformiert“…
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#1   Sulpicius   10:48:37 | Donnerstag, 10. März 2005
Tja…
… im Grunde genommmen ist „Opus Dei“ links, denn die Mitglieder sind keine traditionellen Katholiken, also nicht konservativ im eigentlichen Sinn.
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