O ja, der Rückzug aus der Welt ist wie ein Sterben
Zuerst schwitzte sie als Mitglied der italienischen Volleyball-Mannschaft. Jetzt betet sie im geschlossenen Kloster. Michela Amadori ist 25-jährig und trat kürzlich in Rom bei den unbeschuhten Karmelitinnen ein. Auch ein Leben.
(kreuz.net, Rom) Sie werde oft gefragt, wie sie den Ruf Gottes gespürt habe. Seit kurzem lebt Michela –
sie heißt jetzt Sr. Michela – als Postulantin mit zwanzig Klosterfrauen im Karmel des heiligen Josef
in Rom. Die Karmelitinnen bilden einen Orden, der in radikaler Trennung von der Welt lebt.
Auf die Frage
nach ihrer Berufung habe sie nie eine einfache Antwort gefunden. Und die Frage sei ihr oft gestellt worden.
Es sei wohl ein bißchen, wie wenn man sich verliebt. Was sie in sich fühle, sei so groß, daß man es
nicht in Worte fassen könne: „Niemand hat eine größere Liebe“, sagt Christus, „als wer sein Leben hingibt
für seine Freunde.“
In diese Liebe habe sie sich verliebt.
Sie habe für ihre Zukunft viele Pläne
gehabt. Ins Kloster eintreten, sei nicht dabei gewesen. Alles sei im Verborgenen geschehen, in der Tiefe
des Herzens, wo Gott alleine lebt und es keinem erlaubt ist einzutreten.
Eigentlich hätte sie gerne
irgendwo auf der Welt für die Missionen gearbeitet. Und plötzlich habe sie an die Türe eines geschlossenen
Klosters geklopft. Aber ihr Verlangen sei das gleiche geblieben: Gott zu lieben, die Brüder zu lieben,
aus ganzem Herzen.
Inzwischen lebt Michela hinter den Mauern und Gittern des römischen Karmels St. Joseph,
nicht weit entfernt vom Vatikan. Die Karmelitinnen leben in strikter Trennung von der Welt. Sie schreiben
kaum Briefe und telefonieren nicht, um mit den Menschen im Kontakt zu bleiben, sondern bevorzugen lieber
den direkten Weg: das Gebet.
Obwohl Sr. Michela mitten in Rom lebt, wird sie den Vatikan, die Peterskirche
oder den Papst nie sehen. Es sei denn, der Papst beschließt, die Klosterfrauen hinter ihren Mauern zu
besuchen.
Die dicken Mauern des Klosters und die schweren Metallabschrankungen in den Besuchszimmern
würden es ihr erlauben, zum Herzen Gottes vorzudringen und von dort zur ganzen Welt. O ja, der Rückzug
aus der Welt sei wie ein Sterben, aber ein Sterben aus Liebe.
Sie sei selber erstaunt, wie plötzlich
alles wie in einem neuen Lichte erscheint, das Leben, die Freude des auferstandenen Herrn.
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4 Lesermeinungen
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@Doritta Mit diesem Argument haben damals die franz. Revolutionäre die Klöster geschlossen. Mit dem
Effekt, dass schliesslich auch alle Spitalorden zerstört wurden und das Gesundheits- und Schulsystem
in Frankreich mit belegbaren Zahlen noch Jahrzehnte nach der Revolution desolater dastand als direkt vor
1789. Ich selbst habe durch das Gebet, verrichtet durch Nonnen in geschlossenen Klöstern, schon mehrmals
erfahren dürfen, dass „draussen“ Unmögliches und menschlich absolut Desaströses wieder in gute bahnen
gelenkt wurde. Dass Du diese beglückende Erfahrung NOCH nicht machen durftest, macht wohl den einzigen
wesentliche Unterschied unserer Meinung in dieser Frage.
Beneidenswert… Mich freut es wenn jemand berufen wird und so dem eigenen Leben einen schönen Sinn gibt.
@Doritta: Ich glaube das ist Ansichtssache. In der Welt in der wir leben versuchen wir immer jedes Tun
einem produktiven Sinn unterzuordnen. Somit ist natürlich ein abgeschottetes Leben mit nur einer Aufgabe
„Für Gott zu leben“ erst einmal nicht sehr produktiv. Aber genau betrachtet gibt es nichts produktiveres,
finde ich zumindest. @1+1=7: Das sehe ich genauso.
Antwort auf die erste Lesermeinung Na ja, ob das so schön ist, hinter Mauern zu leben… Dennoch wäre
eine Arbeit in der Kranken- oder Altenpflege produktiver und dient mehr der Menschheit.
O wie schön, eine gute Nachricht ist deswegen so selten. Die Artillerie hat wieder einen Rekruten mehr.
Herr, wir bitten dich: Sende weiter Arbeiter in deinen Weinberg.