Orthodoxie
Stürmische Vereidigung
Am Samstag ist der ehemalige Außenminister Karolos Papoulias als neuer griechischer Staatspräsident vereidigt worden. Das traditionelle Gebet, das die Vereidigung des Sozialisten begleitete, verlief nicht nach Protokoll.
(kreuz.net, Athen) Im Februar wurde der sozialistische Abgeordnete Karolos Papoulias mit 279 der 300 Parlamentsabgeordneten zum Staatsoberhaupt der griechischen Republik gewählt. Die Vereidigung fand gestern Samstag in Athen statt. Sie beginnt traditionellerweise mit einem Gebet, das vom orthodoxen Erzbischof von Athen und ganz Griechenland gesprochen wird. Christodoulos, der gegenwärtige Amtsinhaber, hatte kaum damit begonnen, als sieben Abgeordnete der kleinen Linkspartei ‘Synaspismos’ demonstrativ den Plenarsaal verließen.

Auch die Sozialistische Partei (Pasok) des neuen Präsidenten und die Kommunisten zeigten dem Erzbischof ihre offene Ablehnung. Während sich die Abgeordneten üblicherweise bei der Ankunft des Erzbischofs erheben, blieben die Vertreter der kirchenfeindlichen Linksparteien sitzen.

Mit Paoulias (75), der in der nordwestgriechischen Stadt Ioannina geboren wurde, übernimmt erstmals ein Sozialist das höchste Staatsamt Griechenlands. Der Sozialist war Ende Dezember vom konservativen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis vorgeschlagen worden. Der griechische Staatspräsident bekleidet eine vorwiegend repräsentative Funktion.

Schon länger fordern die griechischen Linksparteien wegen der Skandale, welche die orthodoxe Kirche des Landes gegenwärtig erschüttern, eine Trennung von Kirche und Staat.

Im Vergleich zu vielen europäischen Staaten sind Kirche und Staat in Griechenland sehr eng verwoben. Im Vorjahr wurde die griechische Regierung einbezogen, um einen Streit zwischen dem Erzbischof von Athen, Christodoulos, und dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus, beizulegen. Der Patriarch von Konstantinopel hatte den Erzbischof von Athen in dieser Sache sogar vorübergehend exkommuniziert.

Die Skandale um Erzbischof Christodoulos beziehen sich beispielsweise auf den Priester Jakovos Jossakis. Jossakis wird beschuldigt, sich von Richtern milde Strafen für Drogenhändler erkauft zu haben. Christodoulos hat behauptet, den Priester Jossakis nur flüchtig zu kennen. Jossakis hat aber seinem Erzbischof bei rund einem Duzend Richtern Audienzen erwirkt.

Der Erzbischof von Athen soll auch mit dem über Interpol wegen Drogen- und Waffenhandel gesuchten Apostolos Vavilis in Kontakt gestanden sein. Das Patriarchat von Jerusalem erklärte sogar, daß Christodoulos seinen Freund Vavilis beauftragt hätte, die letzte Wahl des Patriarchen von Jerusalem zu beeinflussen.

Bisher hat der Erzbischof von Athen Rücktrittsforderungen, welche Kleriker, Politker und Journalisten an in gerichtet haben abgelehnt: „Sollten jene, die mich attackieren, glauben, daß ich gehen werde, haben sie sich geirrt. Ich lasse mir den Mund nicht verbieten.“

Die griechische Presse veröffentlichte mittlerweile verschiedene Verschwörungstheorien. So meinte der Bischof von Kalavryta, Ambrosius: „Es gibt einen unsichtbaren Finger, der nicht auf unseren Erzbischof, sondern auf unsere nationale Sicherheit zielt.“ Kalavryta ist ein bekannter griechischer Wintersportort auf der Halbinsel Peloponnes im Süden Griechenlands.

Ambrosius meinte, daß der israelische Geheimdienst Mossad hinter der gegenwärtigen Verschwörung stehe. Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem sei nämlich ein bedeutender Grundeigentümer. Mit der Kampagne wolle man sein Ansehen beschädigen. Bis vor kurzem war Bischof Ambrosius noch ein Kritiker von Christodoulos.
      
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