Befreiungstheologie
Altliberal gleich neukonservativ?
Jüngst reiste ein deutscher Bischof nach Lima, um sich ein Ehrendoktorat abzuholen. Dabei war ein Theologe anwesend, den man bei diesem Anlaß nie erwartet hätte – oder vielleicht doch?
Der Dominikanerpater Gustavo Gutierrez kam eigens von den USA nach Peru, um bei der Verleihung des Ehrendoktorrates für Bischof Gerhard Ludwig Müller dabeizusein.
Der Dominikanerpater Gustavo Gutierrez kam eigens von den USA nach Peru, um bei der Verleihung des Ehrendoktorrates für Bischof Gerhard Ludwig Müller dabeizusein.
© Bischöfliche Pressestelle Regensburg
(kreuz.net) Der altliberale Gründer der sogenannten Befreiungstheologie, Pater Gustavo Gutierrez (80), reiste eigens aus den USA in die peruanische Hauptstadt Lima.

Der Grund: Er wollte dabei sein, als die Päpstliche Katholische Universität in Lima dem neokonservativen Bischof von Regensburg, Mons. Gerhard Ludwig Müller, die Ehrendoktorwürde verlieh.

Pater Gutierrez gehört zur Professorenschaft der Katholischen Universität. Erst kürzlich trat der ehemalige Diözesanpriester dem Orden der Dominikaner bei. Beobachter erklärten sich den Schritt damit, daß Pater Gutierrez der Jurisdiktion des Opus-Dei-Erzbischofs von Lima entkommen wollte.

Die aktuelle Ausgabe der Regensburger Sonntagszeitung hat jetzt ein Interview mit Pater Gutierrez veröffentlicht.

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Bischof Gerhard Ludwig Müller sei „in erster Linie ein bedeutungsvoller Tag für die Institution, welche die Ehrendoktorwürde vergibt“ – erklärte der Theologe dabei:

„Es ist also ein großer Tag für die Päpstliche Katholische Universität von Peru hier in Lima.“

Wer eine solche Auszeichnung vergebe, der erhalte auch etwas, in diesem Fall etwas ganz Besonderes, denn es geht um die Persönlichkeit von Bischof Gerhard Ludwig Müller: „Und der hat schließlich auch vieles zu geben.“

Pater Gutierrez erinnert daran, daß Bischof Müller in den vergangenen zwanzig Jahren nicht 16mal nach Peru gekommen sei, um Ferien zu machen und sich zu erholen: „Er war stets mit den Menschen und bei den Menschen, um ihren Glauben zu stärken.“

Diese vielen reichen Erfahrungen hätten sich sehr deutlich in der Rede bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde niedergeschlagen. „Natürlich war darin auch eine ganze Menge an Überlegungen und Reflexionen enthalten, welche die Theologie der Befreiung an sich betreffen.“

Der Befreiungstheologe war auch beeindruckt, wie tief die Kenntnisse von Mons. Müller über Peru und die Peruaner sind.

Er erhofft sich jetzt, daß vieles von dem, was „Gerhard Ludwig“ vor allem gegen Ende seiner Rede über die Gerechtigkeit und die wirtschaftlichen Zusammenhänge in der Welt gesagt hat, gehört und verstanden werde:

„Wir leben in einer Zeit, in der verrückte neoliberale wirtschaftliche Theorien und Handlungsweisen vorherrschen.“

Die Worte des Bischofs seien von der vorrangigen Option für die Armen ausgegangen.

Die bischöfliche Rede über sein Verhältnis zur Befreiungstheologie sei mit großer Freude aufgenommen worden: „Mich freut das auch ganz persönlich sehr.“

Der altliberale Befreiungstheologe ist hell begeistert: „Uns verbindet eine alte Freundschaft. Nun freue ich mich, dass wir beide, Bischof Gerhard Ludwig und ich, zur Päpstlichen Katholischen Universität von Peru gehören.“
      
14 Lesermeinungen
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#14   SignumSalutis †   17:51:47 | Dienstag, 16. Dezember 2008
Cato-
@ Cato
Die „crux“ bei „kreuz“-net liegt darin: niemand legt von vorn herein dar, wann jemand „neokonservativ“ oder „altliberal“ oder was auch immer ist. Ein Minimum an fairnes dem Leser gegenüber wäre davielleicht ein Glossar, das das Verständnis erleichtert. Ansonsten wird hier mit Kampfbegriffen herumgeschleudert, dass es eine Wonne ist. „Altliberal“ – das klingt schon doll! Auch, wenn sich dahinter alles oder nichts verbergen kann.
Und denken Sie, dass Pater Lingen, JoBerens und Elijahuhu sich hier einigen könnten, was „orthodox“ ist? Wenn es einem nicht mehr in den Kram passt, was die Kirche lehrt, macht man halt unter irgendwelchen Vorwürfen seinen eigenen Laden auf und schreibt darüber „Katholisch sind nur wir!“ …
SignSal
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#13   Cato   05:39:40 | Samstag, 13. Dezember 2008
@SignumSalutis
Vom Grundsatz her sind Bezeichnungen wie liberal und konservativ in Hinblick auf den kirchlichen Raum von vornherein obsolet. Liberal, progressiv, konservativ bezeichnen politisch – ideologische Positionen die in der Folge der Aufklärung des 18. Jh. entstanden sind.
Um den kirchlichen Raum zu vermessen, erscheint es eher sinnvoll von orthodox oder heterodox zu sprechen, wobei aus katholischer Perspektive der Maßstab das Magisterium Perti sein muss.
Insofern ist auch die Verwendung des Begriffes „neokonservativ“ für Bewegungen wie Regnum Christi oder für das Opus Dei immer verwirrend, wie er häufig auf kreuz.net Anwendung findet. Auch wenn damit ein intuitives Verständnis hinsichtlich kirchlicher Positionen verbunden sein mag.
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#12   Benedikt   00:19:46 | Samstag, 13. Dezember 2008
Nie erwartet?
Es wäre eher merkwürdig gewesen, wenn Gutierrez nicht dagewesen wäre.
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#11   SignumSalutis †   22:44:29 | Freitag, 12. Dezember 2008
Liberal? Lieber Aal?
Gutierrez ist und war kein liberaler Theologe. Be-Frei-ungs-Theologie setzt sich von liberaler Theolgie immer schon ab, sowenig Küng (liberal, läßt sich auch schon mal gerne von der Deutschen Bank einladen) mit Metz (politisch, „links“, hätte damit nix am Hut) auf einen Nenner kommt. Insbesondere der (wirtschaftliche) Neo-Liberalismus ist eine Art Hauptgegner der meisten Formen von Befreiungstheolgie, deren politisch bevorzugtes Programm von gemäßigt sozial orientierten Vorstellungen bis zu einer Art christlichem Sozialismus rechen.
So kommt es immer wieder auch in der Theologie zu Allianzen von „konservativ“ und „links“ gegen die „liberale Mitte“, die pragmatisch und wirtschaftsnah ist (z. B. in der Begegnung Metz-Ratzinger in Ahaus vor einigen Jahren): Man ist sich einig, dass Mystik ein Hauptmotor christlichen Lebens und Handels sein muss und wieder werden soll (wie dies geschieht, sicher wieder unterschielicher Auffasung); und dass dem menschlichen Handeln und Wirtschaften Grenzen gesetzt werden sollen – für die einen nach traditionellem naturrechtlichem Verständnis – für die anderen als neuzeitliche linke Gesellschaftskritik, die dann in den konkreten Forderungen oft nicht weit auseinanderliegen (als ich nach den großen Bankenpleiten im Herbst eine Predigt auf dem konservativen Sender Radio Horeb hörte zum Thema Finanzwirtschaft, dachte ich, das spricht ein echter Befreiungstheologe …).
Ketz.net nimmt leider solche Unterscheidungen nicht war.
SignSal
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#10   Marcelus   19:55:57 | Freitag, 12. Dezember 2008
@Experte Romulus: Was die US-Republikaner betrifft
stimmt die Aussage ungebrochen.
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#9   Romulus   19:52:15 | Freitag, 12. Dezember 2008
So ein Stümper
„Wir leben in einer Zeit, in der verrückte neoliberale wirtschaftliche Theorien und Handlungsweisen vorherrschen.“
So ein Blödmann! Wann hat der das letzte Mal Nachrichten gesehen, dieser „Experte“? Das Gegenteil ist der Fall. Er wird es schon noch kapieren!
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#8   Later Pingen   18:42:17 | Freitag, 12. Dezember 2008
Hw. Lingen hat mit Joberens nichts zu tun
Grüß Gott,
da hier offenbar mal wieder Angriffe und Verläumdungen gegen den Ruf meines hochverehrten Mitbruders Hw. Pater Lingen gemacht werden, will ich darauf hinweisen, daß Hw. Lingen mit Joberens gar nichts gemein hat. Es wäre auch sehr befrendlich, wenn Herr Pater Lingen sich die Positionen einer der Kirche entfremdeten Seele wie Berens zu Eigen machen würde.
Ich appeliere an alle katholischen Schreiber hier, für Joberens zu beten, auf daß er den Weg zur Wahrheit finden möge
Christus vincit!
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#7   kritischerbeobachter   17:24:20 | Freitag, 12. Dezember 2008
@ theophilus89
Also im Falle einer Eremitenberufung hat Bischof Müller gezeigt, zu was er wirklich in der Lage ist.
Eine eremitische Berufung – bzw. Zulassung zur Profess nach can. 603 CIC – hat der Müller-Bischof jedenfalls verhindert bzw. zunichtegemacht. – Demnach ein „Berufungs-Vernichter“? – Oder?
Soviel zu dem von Ihnen emporgehobenen „Berufungs-Förderer“ G.L. Müller.
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#6   catharina   17:03:12 | Freitag, 12. Dezember 2008
Sollte es der Redaktion entgangen sein,
daß sich der Befreiungstheologe vor nicht allzu langer Zeit ausdrücklich von den neomarxistischen Irrwegen distanziert hat, die er früher gegangen ist?
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#5   Beatus Theophilus_89   16:54:40 | Freitag, 12. Dezember 2008
support for gerhard ludwig bishop of the diocese of Regensburg!
Wer hat was gegen Gerdl?
Seit den Missbrauchsvorwürfen eines seiner minderbemittelten und unseligen geistlichen Brüdern haben wir ja nichts anderes zu tun als Ihn zu kritisieren!
Ist das etwa fein, was er für die Berufung junger Leute getan hat?
Leute, der tut wenigstens als einziger Bischof Deutschlands für Berufungen! versteht das nicht Falsch.
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#4   walderer   16:50:47 | Freitag, 12. Dezember 2008
ich habe den gerhard ludwig…
…schon wiederholt für den friedensnobelpreis vorgeschlagen. was dieser heiligmässige bischof schon an einsatz für den frieden in seiner diözese und darüber hinaus geleistet hat, passt auf keine kuhhaut. weiter so gerhard ludwig, du wirst es noch mal ganz weit bringen…
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#3   kritischerbeobachter   16:43:37 | Freitag, 12. Dezember 2008
„Altliberal gleich neukonservativ“
So überschreibt die kreuz.net-Reaktion diesen Artikel.
Ich verweise auf einen ganz besonderen Thread, der auf einen Artikel von kreuz.net zurückgeht und dem Sedisvakantisten Lignen gewidmet ist.
Man könnte diesen auch bezeichnen:
Lingen und Berens = Hand in Hand.
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#2   Sirilo   16:28:05 | Freitag, 12. Dezember 2008
Peruvianer
Hat es sich noch nicht bis zur Kreuz.net-Redaktion herumgesprochen, daß die Einwohner von Peru auf Deutsch „Peruaner“ heißen?
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#1   Gotthard   16:27:56 | Freitag, 12. Dezember 2008
Befreiungstheologie
die Befreiungstheologie wird wieder eine besondere Bedeutung gewinnen … Ungerechtigkeit und Ausbeutung sind leider immer noch nicht überwunden und nehmen zu.
Gerechtigkeit ist die große Botschaft der Propheten bis zu Johannes dem Täufer!
Das Magnifikat preist die Größe unseres gerechten Gottes.
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