13:52:18 | Samstag, 13. Dezember 2008
Den vatikanischen Ökumenikern sind die unierten östlichen Kirchen ein Dorn im Auge. Vielen von ihnen wäre es lieber, sie würde gar nicht existieren. Doch jetzt ist das Maß voll.

Kirche der syro-malabarischen Katholiken in Kerala
(kreuz.net, Neu Delhi) Die syro-malabarischen Katholiken in Indien haben „jeden Glauben und alle Hoffnung“
aufgegeben, vom Vatikan gerecht behandelt zu werden.
Das erklärte der syro-malabarische Bischof Gregory
Karotemprel (75) von Rajkot in Kerala nach einer Meldung der katholischen Nachrichtenagentur ‘Ucan’ vom
19. November.
Kerala ist ein Bundesstaat an der Malabarküste im Südwesten Indiens mit einer Fläche
von 39.000 Quadratkilometer und 33 Millionen Einwohnern.
Die Syro-Malabaren bilden eine mit Rom unierte
Ostkirche, die den Thomas-Christen zuzurechnen ist.
Gerechtigkeit von Rom?„Unsere Kirche hat in den
letzten 42 Jahren seit dem Zweiten Vatikanum geduldig auf Gerechtigkeit vom Heiligen Stuhl gewartet“ –
erklärte Mons. Karotemprel weiter.
Er sprach während eines theologischen Seminars in Neu Delhi zum
Thema „Die kirchliche Sendung der syro-malabarischen Kirche“.
Dabei ging es auch um die syro-malabarische
Forderung nach Jurisdiktion außerhalb des Bundesstaates Kerala, wo diese Kirche historisch beheimatet
ist.
Seine Kirche haben den Vatikan – so Mons. Karotemprel – immer wieder um eine indienweite Jurisdiktion
gebeten – vor allem seit 1992, als die Syro-Malabaren eine Kirche sui juris – das heißt: mit Selbstverwaltung –
wurden.
Seitdem hat die syro-malabarische Synode das Recht, Diözesen zu schaffen und Bischöfe zu ernennen –
allerdings nur in Kerala.
Denn der Vatikan behielt sich damals das Recht vor, die Administration der
syro-malabarischen Diözesen außerhalb von Kerala zu bestimmen. Folglich sind diese Diözesen lateinischen
Erzbischöfen unterstellt.
Abscheuliche SituationDoch jetzt ist dem Bischof der Geduldsfaden gerissen:
„Zu unserem großen Entsetzen und Leiden hat unsere Bischofssynode aus dem Vatikan nicht einmal eine einzelne
Zeile Antwort erhalten – weder positiv noch negativ.“
Das vatikanische Schweigen hat nach Angaben des
Bischof eine „abscheuliche Situation“ geschaffen, welche die Glaubwürdigkeit des Heiligen Stuhles in
Frage stellt.
Er beschuldigte auch einige lateinische Bischöfe, die vatikanischen Kongregationen und
den Nuntius in Neu Delhi zu beeinflussen, um eine Indienweite Jurisdiktion seiner Kirche zu verhindern.
Von den 160 Diözesen in Indien gehören 128 zum lateinischen und 26 zum syro-malabarischen Ritus.
Außerhalb
des südindischen Bundesstaates Kerala gibt es zehn syro-malabarische Diözesen. 3.5 Millionen der 17
Millionen katholischen Inder gehören zu diesem Ritus.
Der lateinische Ritus wurde im 15. Jahrhundert
von europäischen Missionaren in Indien eingeführt.
Kirchliche KolonialisierungMons. Karotemprel erklärte,
daß die syro-malabarischen Katholiken die „kirchliche Kolonisierung Indiens“ durch – sogenannt – lateinische
Bischöfe nicht länger tolerieren können.
Der Prälat glaubt, daß der Vatikan die Schlüssel in der
Hand hält, um die Dispute zwischen lateinischen und syro-malabarischen Bischöfen in Indien zu regeln.
Er berichtete aber, daß seine Leute sich die Frage stellen, ob das „schuldhafte Schweigen“ des Vatikan
„ein weiteres kirchliches Gesetz erfordert, um festzulegen, was recht und gerecht ist.“
Der Bischof glaubt,
daß eine vatikanische Ablehnung der syro-malabarischen Forderungen diesen in Widerspruch zu seinen eigenen
Lehre bringen würde. Dagegen würde eine positive Antwort einen „sehr starken Widerstand“ von seiten
der lateinischen Bischöfe heraufbeschwören.
Solche „Spiele“ benötigten einen „Schlußpfiff“ – fügte
er hinzu.
Absurde Bedingungen des VatikanBischof Karotemprel bedauert die neue vatikanische Forderung,
wonach zwei Drittel der lateinischen Bischöfe in Indien einer Ausweitung der syro-malabarischen Jurisdiktion
zustimmen müßten.
Da die meisten lateinischen Bischöfe die Forderung ablehnten, sei die vatikanische
Forderung „absurd“.
Der Prälat betonte, daß die Kirche für Wahrheit und Gerechtigkeit einstehe, diese
Werte aber „in ihrer internen Administration total leugnet“.
Syro-malabarische Migranten in lateinischen
Diözesen würden ihre juridischen Rechte kennen und hätten von der vatikanischen Haltung „die Nase voll“.
Dennoch anerkannte der Bischof, daß seine 2000 Jahre alte Kirche „nie vom Stuhl Petri getrennt“ war.
Er beteuerte „eine kindliche Liebe und Gehorsam gegenüber dem Heiligen Vater Papst Benedikt XVI.“
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Heggi 16:20:11 | Samstag, 13. Dezember 2008
#4
Funke 16:12:27 | Samstag, 13. Dezember 2008