Pius XII.
Eine Freude und ein Zeitverlust
Es wäre ein großer Irrtum zu glauben, daß die bayrische Weihnacht erst mit dem gegenwärtigen Papst Einzug in den Vatikan gehalten hat.
Weihnachtsdarstellung in einer Bibel aus dem 12. Jahrhundert.
Weihnachtsdarstellung in einer Bibel aus dem 12. Jahrhundert.
(kreuz.net) Schwester Pascalina Lehnert († 1983) – Haushälterin von Papst Pius XII. – pflegte für ihren Dienstherrn bayerische Weihnachten in den Vatikan zu zaubern.

Das berichtete die Autorin Martha Schad in der Monatszeitschrift ‘Vatikan-Magazin’.

Martha Schad (69) stammt aus München und ist lutherischen Bekenntnisses. Sie studierte in Augsburg Geschichte und Kunstgeschichte.

Im Jahr 2007 veröffentlichte sie eine Biographie von Schwester Pascalina mit dem Titel „Gottes mächtige Dienerin“. Darin werden auch die Weihnachtsbräuche am Hof von Pius XII. erwähnt.

Schon als Kardinal Eugenio Pacelli vatikanischer Staatssekretär war, ließ seine Haushälterin an jeder Weihnacht einen prächtigen Christbaum aus München nach Rom transportieren. Der Baum reichte vom Boden bis zur Decke.

Die Weihnachtsgeschenke gab es aber – wie damals üblich – erst am Dreikönigstag.

Schwester Pascalina Lehnert ein halbes Jahr vor ihrem Tod
Schwester Pascalina Lehnert ein halbes Jahr vor ihrem Tod
Schöne deutsche Weihnachten für seine Eminenz

Schwester Pascalina wollte, „daß seine Eminenz hier in Rom die schönste deutsche Weihnacht – die er so gerne hatte – nicht vermissen brauchte“ – zitiert Frau Schad die Haushälterin des Kardinalsstaatssekretärs:

„In der Heiligen Nacht kommen die Verwandten Seiner Eminenz – der Bruder Seiner Eminenz mit seinen drei Söhnen und die beiden Schwestern Seiner Eminenz mit den Männern und Kindern.

Nach den zwei heiligen Messen – die dritte ist am Morgen in San Pietro, Pontifikalamt – führt Seine Eminenz alle zum festlich geschmückten Baum, vor dem wir drei Schwestern ‘Stille Nacht’ sangen. Seine Eminenz hilft uns.


[Neben Schwester Pascalina sangen ihre Mitschwestern, die Köchin Schwester Ewaldis und die Schneiderin Schwester Maria Konrada]

Unter dem Baum liegt ein allerliebstes Jesulein und darum herum einige Kleinigkeiten für die Angehörigen Seiner Eminenz.

Auch die Hausdiener wurden beschert. Die Angehörigen Seiner Eminenz hatten eine große Freude am Christbaum und fragten mich schon zwei Monate vor Weihnachten ob es auch wieder einen Christbaum gäbe.

Die Heilige Nacht bei Eminenz ist allen eine besondere Freude und sie erklären Seiner Eminenz, daß sie sich das ganze Jahr darauf freuten.“


Ein römischer Monsignore fand es im Gespräch mit Schwester Pascalina schade, daß der Christbaum nicht öffentlich auf dem Petersplatz stand, wo ihn viele Menschen hätten sehen und bewundern können.

Die päpstliche Zeit ist kostbar

Frau Schad beschreibt, wie sich die Weihnachtsfeiern im Krieg änderten.

In der Heiligen Nacht 1944 standen Soldaten aus aller Welt Seite an Seite friedlich im Petersdom. Die nach dem Willen der Politiker verfeindeten Soldaten sangen in ihren Sprachen – Italienisch, Polnisch, Französisch, Englisch und Deutsch – Weihnachtslieder.

Am Weihnachtsmorgen 1944 beschenkte Pius XII. arme Kinder in Rom. Der Heilige Vater ließ 12.000 Pakete verteilen. Einen Teil brachte der Papst persönlich zu den Kindern.

Schwester Pascalina organisierte auch Hilfspakete für die von den Nationalsozialisten in Italien eingerichteten Arbeitslager.

Eines Abends sagte die energische Schwester: „Man könnte schon meinen, ich allein hätte zu tun auf dieser Welt.“

In der Nachkriegszeit organisierte sie mit Spendengeldern aus den USA riesige Hilfstransporte unter anderem für das Erzbistum München.

An den damaligen Münchner Erzbischof, Michael Kardinal Faulhaber († 1952), schickte sie zu Weihnachten unter anderem Hunderte Paar Schuhe für die Seminaristen, sowie schwarzen Stoff, Futtermaterial, Fäden und Knöpfe für Priestersoutanen.

An einem späteren Weihnachten wollte das Diplomatische Corps, daß Pius XII. die Heilige Messe liest und 200 Kommunionen spendet: „Das ließen wir einfach nicht zu und so ist Ihm eine Mühe erspart geblieben“ – bestimmte Schwester Pascalina.

Die Verwandten des Papstes durften jeweils am Nachmittag des Weihnachtsfestes kommen. Das war für Pius XII. – nach den Worten von Schwester Pascalina – zugleich eine Freude und ein „Zeitverlust“.
      
11 Lesermeinungen
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#11   Jörg Guttenberger, Köln   13:25:27 | Montag, 29. Dezember 2008
Kardinal von Faulhaber
ist richtig. Kardinal von Faulhaber ist noch zur Zeit der Monarchie Bischof von Speyer, das bis 1918 zu Bayern gehörte, geworden. Im königlichen Bayern waren sämtliche regierenden Bischöfe (nicht: Weihbischöfe)adelig. Ein Bischof aus bürgerlicher Familie wurde anläßlich seiner Weihe bzw. Inthronisierung in den persönlichen Adelsstand (also nicht Erbadel) erhoben, das hatten (regierende) Bischöfe und 4-Sterne-Generäle gemeinsam.
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#10   Confiteor   17:58:25 | Freitag, 26. Dezember 2008
Die mögen vorhanden sein
nachdem Weihnachten ja auch kurz vor Neujahr ist. Aber gut drei Wochen von Nikolaus bis Weihnachten ist verd…t lang. Das war meine Befürchtung…
Nichts für ungut, Benedikt!
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#9   Benedikt   17:55:32 | Freitag, 26. Dezember 2008
@ Confiteor
Da die Leute nach Weihnachten auch noch Geld für Böller haben vertraue ich da mal auf die haushälterischen Fähigkeiten der Menschen.
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#8   Confiteor   13:16:33 | Freitag, 26. Dezember 2008
Da kann ich Dir
nur beipflichten, Benedikt.
Aber mit der Einschränkung, wenn die Leute am 6. Dezember schon das ganze Geld ausgegeben haben, wie wollen sie dann den Monat finanziell überstehen.
Es sei denn, Sie begnügen sich morgens mit Manna und abends mit Wacheln, den restlichen Dezember über…!
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#7   Großwildjäger   13:16:01 | Freitag, 26. Dezember 2008
Ultra,
den Weihnachtsmann gab es schon im 19. Jahrhundert. Aber Coca-Cola hat diese Symbolfigur ab 1931 für die Werbung benutzt und damit wahrscheinlich zu einer weiteren Verbreitung beigetragen!
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#6   Ultramontanus   13:10:52 | Freitag, 26. Dezember 2008
Ist der „Weihnatchtsmann“
nicht eine Erfindung von CocaCola? Habe ich mal gehört.
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#5   Benedikt   13:09:29 | Freitag, 26. Dezember 2008
@ Philister
Danke Dr. Luther!
Also mir wäre es lieber, wenn der 6. Dezember jetzt der Höhpunkt des Kommerzes wäre und man Weihnachten in Ruhe feiern könnte.
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#4   kreuzchorsänger †   00:29:22 | Freitag, 26. Dezember 2008
Hallo, ihr liewe Leud!!!!!!!!!!!!!!!!
Es läude die Glogge!!!!!!!
Die Aves hawwe die 16 000!!!!!!!!!!!
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#3   Marcelus   20:50:00 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Erfolgreich war Dr. Luthers Reform nur bei den Deutschen,
aber in den USA jedenfalls nicht, wo St. Nikolaus zwar jetzt am Hl. Abend die Geschenke bringt, und nicht an seinem Festtag, aber dafür bei allen Christen jeder Konfession, und zwar in der Amtskleidung des Weihnachtsmannes,
und als dieser gewinnt er auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung.
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#2   Philister †   20:43:33 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Danke Dr. Luther!
:)3 :)3 :)3
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#1   Marcelus   18:10:09 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Weihnachtsgeschenke erst am Dreikönigsfesttag, dem Fest der Epiphanie Christi,
das mag wahrscheinlich im damaligen Rom üblich gewesen sein,
aber damit ist wahrscheinlich nicht die Tradition des damaligen Bayern und anderer deutscher Länder gemeint,
denn zu dieser Zeit war die Gesschenkebescherung doch sicherlich am selben Tag üblich wie zur heutigen Zeit: am Heiligen Abend.
Historisch gesehen verdanken wir den Heiligen Abend als Geschenketag durch das Christkind Dr. Luther und dem Protestantismus, der St. Nikolaus als Geschenkebringer abschaffen wollte.
Vor Dr. Luthers Brauchtumsreform, die letztlich auch die Katholiken übernahmen, erhielt man Geschenke durch St. Nikolaus entweder am St. Nikolaustag, dem 6. Dezember, an dem heute noch beschenkt wird, oder, was die Kinder betrifft, am Fest der Unschuldigen Kinder, gleichfalls im Namen des hl. Nikolaus.
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