Ziemlich kahl – aber geht mit der Zeit
Die ‘Allgemeine Zeitung Mainz’ veröffentlichte einen Stimmungsbericht zum „Tag der offenen Kirche“ in Bingen bei Mainz. Besucher der neu renovierten Kapuzinerkirche meinten, daß man sich bald an den neuen Anblick gewöhnt haben werde.
(kreuz.net, Bingen) Die Pfarrgemeinde der ehemaligen Kapuzinerkirche St. Martin in Bingen, rund 30 km
westlich von Mainz, lebt seit Sonntag mit dem Ergebnis einer kürzlich zu Ende gebrachten Kirchenrenovation.
Eine Glasplatte dient als Altartisch und wird von dreizehn rostfarbenen Metallrohren gestützt.Das Altarbild ist in kräftigem Rot gehalten und zeigt eine barocke Jesusdarstellung. In Jesu Hintergrund ist eine moderne U-Bahn Umgebung zu beobachten. Für das Bild wurde das Foto einer Untergrundbahn, 1998 durch eine Frankfurter Fotografin aufgenommen, und ein Ölbild von Philippe de Champaigne aus dem Jahr 1655 per Computer übereinandergelagert.
Der Rest des renovierten Innenraumes der 350-Jahre alten Kapuzinerkirche glänzt offensichtlich durch Fantasielosigkeit: „Drumherum ist alles weiß“, beschreibt die ‘Allgemeine Zeitung Mainz’ den Zustand. Der Diözesanbischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, wird die Glasplatte mit dreizehn Rostrohren am 19. März einweihen.
Am sonntäglichen „Tag der offenen Kirche“ habe sich ein „nicht abreißender Strom von Neugierigen“ gezeigt. Die „Allgemeine“ befragte dabei die Besucher, welche die Kirche beschnupperten, nach ihren Eindrücken. Die Meinungsumfrage ist nicht repräsentativ.
Ein Ehepaar soll nach der Besichtigung der Binger Pfarrkirche gemeint haben, daß die Kirche früher recht dunkel gewesen sei: „Heute ist sie zwar sehr hell, aber auch ziemlich kahl.“ Doch eine Kirchengemeinde müsse mit der Zeit gehen. Man werde sich an das Moderne bald gewöhnt haben.
Ein anderer Besucher fand die „Synthese“ aus Gegenwart und Vergangenheit „eindrucksvoll gelungen“. Der farbintensive Dekor auf Glas beeindrucke ihn.
Eine radikale Lösung fand eine weitere Besucherin. Sie sei aus der Kirche ausgetreten und unterstütze mit dem gesparten Geld verschiedene Sozialprojekte. Zur neurenovierten Kirche meinte sie: „Hat den Binger Katholiken ihr drittes Gotteshaus während der Schließzeit wirklich gefehlt?“
Vor fast sieben Jahren, im Dezember 1998, rechnete man noch mit einer Umbauzeit von fünf Monaten. Die Renovation der Kapuzinerkirche begann schließlich im Sommer 2003 und wurde jetzt fertig.
Zwei Besucherinnen lobten das neue Gemeinschaftsgefühl, das in der Kirche durch die im Halbkreis angeordneten Kirchenbänke aufkomme. Dafür lasse der weit nach vorne gerückte Altar die Kirche kleiner erscheinen. Die beiden Damen sind zufrieden, obwohl man mit einer längeren Gewöhnungsphase rechnen müsse.
„Ich stelle mir Blumen, Kerzen und mehr Menschen in der Kirche vor. Dann ist die Renovierung doch sehr gelungen“, malt sich eine ältere Dame das Gesamtbild aus: ,,Junge Menschen kommen sicher lieber hierher als in so eine verschnörkelte Wieskirchen-Kopie.“
„Mein Eindruck war zunächst niederschmetternd“, meint ein Besucher aus Bingerbrück: „Aber je länger ich mich im Raum aufhalte, um so positiver wirkt die Renovierung auf mich.“ Seine Ehefrau empfindet das Altarbild dagegen als „zu modern“.
Sie würden beide persönlich eine andere Kirche für den Gottesdienst bevorzugen. Positiv bewerten sie, daß ein alter Holzaltar im Seitenschiff der Kirche die Rundum-Erneuerung überlebt habe.
Der Stadtpfarrer, Gerhard Choquet, bezeichente laut einem älteren Bericht die Symbiose als „gelungen“.
Die Umbaukosten beliefen sich nach Angaben des Bistums Mainz auf rund 350.000 Euro.
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