Deutschland
Noch ein Christkind
Der Erzbischof von Köln wird heute 75 Jahre alt. Der charmante Plauderer ist ein beliebter Gast bei den Medienunternehmern. Auf einen Hund wird er noch warten müssen. Pressesplitter.
William Bouguereau († 1905)
William Bouguereau († 1905)
Glaubensstark und kompromißlos

„Politiker und Kirchenvertreter hoben die Glaubensstärke, Gradlinigkeit und Kompromißlosigkeit des Kardinals hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den Erzbischof als einen Christen, »der seine geistlichen wie politischen Anliegen in der Welt beharrlich verfolgt und seine Überzeugungen kraftvoll zu untermauern und darzulegen versteht«.“

Aus einem Bericht der deutschen ‘Katholische Nachrichtenagentur’.

Zum Gebet verdonnert

„All zu oft klingelt es nicht. Aber wenn die Kölner nicht zu ihm kommen, dann kommt der Kardinal zu ihnen. Kürzlich ging er noch durch die Innenstadt, da rief ihm jemand aus einer Gruppe von Jugendlichen ein spöttisches »Lasset uns beten« zu. Schon eilte die Eminenz herbei und verkündete: »Ihr wollt beten? Aber gern!« Anschließend gab es noch den Segen dazu, wobei sich zwei der Jugendlichen gar bekreuzigten. In Köln sitzt der Katholizismus noch tief.“

Aus einem Bericht des Nachrichtensenders ‘N-TV’.

Schmerzliches Datum

Kölner ‘Domradio’: War das für Sie als Kind ‘ne schöne Sache, zusammen mit dem Christkind Geburtstag zu feiern.

Kardinal Meisner: Nein. Denn als Kind hat man andere Gründe, wie man Geburtstage bewertet. Ich bekam natürlich auf den Weihnachtstisch die gleichen Geschenke wie meine anderen [drei] Brüder. Das mußten die Eltern um der Gerechtigkeit willen tun, damit es keinen Streit gab. Aber die anderen hatten im Laufe des Jahres noch einmal ein Fest gehabt, wo sie Gäste einladen konnten, und etwas geschenkt bekamen. Und ich hatte nur einmal Weihnachten mit den anderen Brüdern zusammen und die gleiche Gabe für sie. Das habe ich ein wenig schmerzlich empfunden.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner im Gespräch mit dem Kölner ‘Domradio’.

Der interessanteste von allen

„Wer an Joachim Meisner denkt, hat schnell dieses Bild vor Augen: mehr Kirchenfürst denn Seelsorger; den Zeigefinger empört gegen Politiker gereckt, die es mit dem ‘C’ nicht ernst genug nehmen; ein Prediger, der gegen Abtreibung und Homo-Ehe wettert; ein Erzbischof, der Widerspruch mit Versetzung oder Suspendierung ahndet. Doch es gibt auch ein anderes Bild: das eines charmanten Plauderers; eines Hirten, der seine Trauer nicht verbirgt, wenn wieder ein Priester sein Amt aus persönlichen Gründen aufgegeben hat, und der sich freut, wenn es ihm gelungen ist, eine Ehe zu retten. Am 25. Dezember feiert Kardinal Meisner seinen 75.Geburtstag. Er polarisiert wie kein Zweiter und ist doch zugleich die interessanteste Erscheinung unter den rund siebzig deutschen Bischöfen.“

Aus einem Bericht von Gernot Facius in der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’.

Vorerst keinen Hund

Express: „Sie haben gesagt, daß Sie sich einen Hund anschaffen werden, wenn Sie einmal in Pension gehen. Werden Sie sich den Hundewunsch jetzt früher erfüllen – und: Gibt es eine Hunderasse, die Sie favorisieren?“

Kardinal Meisner: „ Nein, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber das hat ja jetzt auch Zeit. Auf jeden Fall wird es kein Schoßhund werden, denn ich will mich bewegen. Aber der Papst hat mich ja gebeten, bis auf weiteres weiterzumachen. Und das bedeutet eben auch viel Arbeit. Deshalb habe ich gar keine Zeit für einen Hund, solange ich im Amt bin.“

Kardinal Meisner im Interview mit der Kölner Boulevardzeitung ‘Express’.

Auf der Suche nach einem Skandal

„In den Redaktionsstuben der Republik klopft man mit Akribie seine Sätze ab, weil sie einen Aufreger enthalten könnten, der für eine Empörungswelle gut wäre. Vielleicht ein heikler Nazi-Vergleich? Der Begriff von der entarteten Kunst gar? Oder ein Satz, der die Worte Sünde und Homosexualität enthält? Geht das Skandal-Erkennungsprogramm in den Köpfen der Redakteure leer aus, wandert der Text womöglich gleich in den Papierkorb. Schlägt es an, huschen wenig später Eilmeldungen über Monitore. »Ich wundere mich manchmal selber, was dann für eine Aufregung entsteht«, sagte Meisner kürzlich. »Aber ich habe noch nie etwas aus Feigheit verschwiegen, und deshalb kann ich gut schlafen, wenn ich beschimpft werde.«“

Christoph Lumme in der regionalen Zeitung ‘Westdeutsche Zeitung’.

Noch gut im zweistelligen Bereich

Kölnische Rundschau: Einen anderen Ausgleich brauchen Sie nicht?

Kardinal Meisner: Ich gehe jeden Tag eine ganze Stunde lang im Garten des Erzbischöflichen Hauses mit Nordic-Walking-Stöcken spazieren. Auch wenn es spät wird und mein Sekretär meint, ich solle mich doch jetzt ausruhen. Am liebsten mache ich das aber mittags. Ich komme dabei sehr gut zum Nachdenken, danach bin ich erst mal erschöpft und gehe unter die kalte Dusche.

Kölnische Rundschau: Und Sie sind fit?

Kardinal Meisner: „Ich war gerade beim Arzt zum Durchchecken, der sagte: Alles in Ordnung! Mein einziges Gesundheitsproblem ist mein Gewicht. Wenn ich im Urlaub war, komme ich normal schmal zurück, und dann nehme ich wieder zu […]. Da bin ich froh, dass ich mit meinem Gewicht noch gut im zweistelligen Bereich liege.“

Kardinal Meisner im Interview mit der Regionalzeitung ‘Kölnische Rundschau’.
      
4 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#4   kreuzchorsänger †   00:28:29 | Freitag, 26. Dezember 2008
Hallo, ihr liewe Leud!!!!!!!!!!!!!!!!
Es läude die Glogge!!!!!
Die Aves hawwe die 16 000 !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Redaktion benachrichtigen
#3   Galatea   23:12:09 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Danke, kreuz.net, für die …
… wunderschönen Bilder zum Christfest.
Redaktion benachrichtigen
#2   Croustades   20:51:02 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Ist doch klar ;-)
Alles böse, böse , böse ;-)
Redaktion benachrichtigen
#1   Philister †   20:42:58 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Und was sagt hetz.net?????
?????????????????????????????????
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
DeutschlandKirche als neue Form des Atheismus Kardinal Meisner bleibtRetourkutsche des Papstes? Bistum AachenToll: In Zypern spricht er über Toleranz Kardinal LehmannHeiligsprechung zu Lebzeiten DeutschlandDie Schlußfolgerung entspricht nicht der Wirklichkeit DeutschlandDas Schlußlicht Deutschland„Kaum Bedarf“ Bistum LimburgBefehlsausgabe an den Bischof DeutschlandAusscheren lohnt sich DeutschlandDer Schöpfer und sein Geschöpf DeutschlandReden ist nur Silber DeutschlandAus der Not eine Tugend herbeigeredet DeutschlandHaben bayerische Bischöfe gedroht? Erzbischof ThissenGewerkschafts-Kundgebung mit erzbischöflicher Katechese DeutschlandWas ist los mit Kardinal Lehmann?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net