18:22:53 | Donnerstag, 25. Dezember 2008
Der Erzbischof von Köln wird heute 75 Jahre alt. Der charmante Plauderer ist ein beliebter Gast bei den Medienunternehmern. Auf einen Hund wird er noch warten müssen. Pressesplitter.

William Bouguereau († 1905)
Glaubensstark und kompromißlos„Politiker und Kirchenvertreter hoben die Glaubensstärke, Gradlinigkeit
und Kompromißlosigkeit des Kardinals hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den Erzbischof
als einen Christen, »der seine geistlichen wie politischen Anliegen in der Welt beharrlich verfolgt und
seine Überzeugungen kraftvoll zu untermauern und darzulegen versteht«.“
Aus einem Bericht der deutschen
‘Katholische Nachrichtenagentur’.Zum Gebet verdonnert„All zu oft klingelt es nicht. Aber wenn die
Kölner nicht zu ihm kommen, dann kommt der Kardinal zu ihnen. Kürzlich ging er noch durch die Innenstadt,
da rief ihm jemand aus einer Gruppe von Jugendlichen ein spöttisches »Lasset uns beten« zu. Schon eilte
die Eminenz herbei und verkündete: »Ihr wollt beten? Aber gern!« Anschließend gab es noch den Segen
dazu, wobei sich zwei der Jugendlichen gar bekreuzigten. In Köln sitzt der Katholizismus noch tief.“
Aus einem Bericht des Nachrichtensenders ‘N-TV’.Schmerzliches DatumKölner ‘Domradio’: War das für
Sie als Kind ‘ne schöne Sache, zusammen mit dem Christkind Geburtstag zu feiern.
Kardinal Meisner: Nein.
Denn als Kind hat man andere Gründe, wie man Geburtstage bewertet. Ich bekam natürlich auf den Weihnachtstisch
die gleichen Geschenke wie meine anderen [drei] Brüder. Das mußten die Eltern um der Gerechtigkeit willen
tun, damit es keinen Streit gab. Aber die anderen hatten im Laufe des Jahres noch einmal ein Fest gehabt,
wo sie Gäste einladen konnten, und etwas geschenkt bekamen. Und ich hatte nur einmal Weihnachten mit
den anderen Brüdern zusammen und die gleiche Gabe für sie. Das habe ich ein wenig schmerzlich empfunden.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner im Gespräch mit dem Kölner ‘Domradio’.Der interessanteste von
allen„Wer an Joachim Meisner denkt, hat schnell dieses Bild vor Augen: mehr Kirchenfürst denn Seelsorger;
den Zeigefinger empört gegen Politiker gereckt, die es mit dem ‘C’ nicht ernst genug nehmen; ein Prediger,
der gegen Abtreibung und Homo-Ehe wettert; ein Erzbischof, der Widerspruch mit Versetzung oder Suspendierung
ahndet. Doch es gibt auch ein anderes Bild: das eines charmanten Plauderers; eines Hirten, der seine Trauer
nicht verbirgt, wenn wieder ein Priester sein Amt aus persönlichen Gründen aufgegeben hat, und der sich
freut, wenn es ihm gelungen ist, eine Ehe zu retten. Am 25. Dezember feiert Kardinal Meisner seinen 75.Geburtstag.
Er polarisiert wie kein Zweiter und ist doch zugleich die interessanteste Erscheinung unter den rund siebzig
deutschen Bischöfen.“
Aus einem Bericht von Gernot Facius in der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’.
Vorerst keinen HundExpress: „Sie haben gesagt, daß Sie sich einen Hund anschaffen werden, wenn Sie
einmal in Pension gehen. Werden Sie sich den Hundewunsch jetzt früher erfüllen – und: Gibt es eine Hunderasse,
die Sie favorisieren?“
Kardinal Meisner: „ Nein, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber
das hat ja jetzt auch Zeit. Auf jeden Fall wird es kein Schoßhund werden, denn ich will mich bewegen.
Aber der Papst hat mich ja gebeten, bis auf weiteres weiterzumachen. Und das bedeutet eben auch viel Arbeit.
Deshalb habe ich gar keine Zeit für einen Hund, solange ich im Amt bin.“
Kardinal Meisner im Interview
mit der Kölner Boulevardzeitung ‘Express’.Auf der Suche nach einem Skandal„In den Redaktionsstuben
der Republik klopft man mit Akribie seine Sätze ab, weil sie einen Aufreger enthalten könnten, der für
eine Empörungswelle gut wäre. Vielleicht ein heikler Nazi-Vergleich? Der Begriff von der entarteten
Kunst gar? Oder ein Satz, der die Worte Sünde und Homosexualität enthält? Geht das Skandal-Erkennungsprogramm
in den Köpfen der Redakteure leer aus, wandert der Text womöglich gleich in den Papierkorb. Schlägt
es an, huschen wenig später Eilmeldungen über Monitore. »Ich wundere mich manchmal selber, was dann
für eine Aufregung entsteht«, sagte Meisner kürzlich. »Aber ich habe noch nie etwas aus Feigheit verschwiegen,
und deshalb kann ich gut schlafen, wenn ich beschimpft werde.«“
Christoph Lumme in der regionalen Zeitung
‘Westdeutsche Zeitung’.Noch gut im zweistelligen BereichKölnische Rundschau: Einen anderen Ausgleich
brauchen Sie nicht?
Kardinal Meisner: Ich gehe jeden Tag eine ganze Stunde lang im Garten des Erzbischöflichen
Hauses mit Nordic-Walking-Stöcken spazieren. Auch wenn es spät wird und mein Sekretär meint, ich solle
mich doch jetzt ausruhen. Am liebsten mache ich das aber mittags. Ich komme dabei sehr gut zum Nachdenken,
danach bin ich erst mal erschöpft und gehe unter die kalte Dusche.
Kölnische Rundschau: Und Sie sind
fit?Kardinal Meisner: „Ich war gerade beim Arzt zum Durchchecken, der sagte: Alles in Ordnung! Mein
einziges Gesundheitsproblem ist mein Gewicht. Wenn ich im Urlaub war, komme ich normal schmal zurück,
und dann nehme ich wieder zu […]. Da bin ich froh, dass ich mit meinem Gewicht noch gut im zweistelligen
Bereich liege.“
Kardinal Meisner im Interview mit der Regionalzeitung ‘Kölnische Rundschau’.
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