Liturgie
Eine endlose Folge von Worten
Späte Einsichten? Der altliberale Erzbischof von Brüssel hat kürzlich in Würzburg erstaunliche Dinge über die Liturgie gesagt.
Kardinal Danneels im Kreis von belgischen Bischöfen.
Kardinal Danneels im Kreis von belgischen Bischöfen.
© Carolus, CC
(kreuz.net, Würzburg) Liturgie steht nicht im Einklang mit dem Leben – sie steht dazu vielmehr in dialektischer Beziehung.

Das erklärte der Erzbischof von Brüssel, Godfried Kardinal Danneels (75), am Donnerstag abend, dem 4. Dezember, in Würzburg nach Angaben der Pressestelle des Ordinariates.

Der Kardinal hielt in Würzburg einen Dankgottesdienst mit Ortsbischof Friedhelm Hofmann und einen Festvortrag zum 45. Jubiläum der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums.

Der Vortrag im Anschluß an den Gottesdienst bildete den Auftakt zu einem Symposium.

Die Veranstaltung wurde vom Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Universität Würzburg und vom Liturgiereferat des Bistums Würzburg organisiert.

Kardinal Danneels erklärte in seinem Vortrag, daß nach Einführung der Landessprache im Gottesdienst und der stärkeren Einbindung der Gläubigen in die Abläufe die Verständlichkeit der Liturgie stark von externen Faktoren abhänge.

Darum forderte er, „unsere Beziehung zu Gott, unseren Glauben und unseren Lebensstil auf den Prüfstand zu stellen.“

Liturgische Feiern seien oft zu kurz und ließen keinen Raum für Verinnerlichung: „Der Mangel an Stille macht die Liturgie zu einer unendlichen Folge von Worten.“

Weiter kritisierte Danneels die Verzweckung der Liturgie zum reinen Kommunikationsmedium.

Liturgie sei zwar Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens, könne dieses aber nicht ersetzen.

Man gehe sonntags nicht in die Kirche, um irgendwelche Informationen nach Hause zu nehmen: „Die Einführung thematischer Sonntage und thematischer Feiern hat keine Zukunft, außer daß sie den Tod der Liturgie heraufbeschwören.“

Außerhalb des Glaubens bleibe jede Liturgie unverständlich und unzugänglich.

Ein gewisses Maß an Wiederholung und Monotonie sei auch in der Liturgie notwendig: „Komplexere Zusammenhänge lassen ihre wirkliche Bedeutung nur langsam zu Tage treten.“

Eine gottesdienstliche Handlung, die zum Ort individuellen Ausdrucks persönlicher Gefühle gemacht werde, vernichte jede Möglichkeit zur gemeinsamen Feier.

Deswegen komme der Person des „Vorstehers“ besondere Bedeutung zu: „Er ist das lebendige Vehikel für etwas, das nicht in seiner Macht liegt. Er ist deshalb weder Roboter noch Schauspieler, er ist der Diener.“

Eine gute Liturgie spreche die unterschiedlichen Sinne an. Kardinal Danneels kritisierte, daß der Weihrauch nur noch selten verwendet werde.
      
15 Lesermeinungen
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#15   Samurai   15:50:41 | Dienstag, 30. Dezember 2008
@ Marcelus
Kennen Sie „Die Heilige Messe“ von Kardinal Lustiger?
Das Buch ist empfehlenswert, denn er geht darin auf die Symbolik und tiefere Bedeutung der Liturgie ein und zwar an Hand der Liturgie der – na? – richtig! nach(!)konziliaren Liturgie.
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#14   Gotthard   00:36:13 | Dienstag, 30. Dezember 2008
@marcelus
wieder durch die kanonisierte Römische Messe ersetzt wird.
kannst Du mir bitte mal erklären, was dieser traditionelle Wort-Typus „kanonisierte“ römische Messe bedeuten soll?
In meinem beschränkten theologischen Verstehenshorizont heißt „kanonisiert“ heiliggesprochen … und das wird von Menschen ausgesagt, aber nicht von Handlungen.
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#13   ignosti †   00:26:32 | Dienstag, 30. Dezember 2008
ach marcelsus
das von einem, der überzeugt ist, dass unsere Erde innen hohl ist, dort eine Sonne über wunderbare Landschaften, Tiere und andere Lebewesen strahlt.
Für mich bist du absolut ernst zu nehmen! Deine Religion, deine Vorlieben an Ritualen, einfach alles…
ignosti, lächelnd
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#12   Marcelus   00:17:18 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Die Neue Messe ist ein unwürdiges Spektakel und hat das katholische Frömmigkeitsleben
fast völlig vernichtet.
Es ist nur eine Frage bis diese von wahren Katholiken, die an die Dogmen des Konzils von Trient glauben, über Bord geworfen wird und wieder durch die kanonisierte Römische Messe ersetzt wird.
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#11   ignosti †   00:13:01 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Das Volk und besonders die Geistlichen müssen Buße (Askese) tun.
Auf, auf!
ignosti, amüsiert
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#10   pneumat   20:57:48 | Montag, 29. Dezember 2008
Späte Einsichten
…komme der Person des „Vorstehers“ besondere Bedeutung zu: „Er ist das lebendige Vehikel für etwas, das nicht in seiner Macht liegt. Er ist deshalb weder Roboter noch Schauspieler, er ist der Diener.“
Man fragt sich, warum die Menschen überhaupt noch die geistig ausgehöhlten RK-Gottesdienste besuchen. Vielleicht aus Verzweiflung, Nostalgie und Erinnerung an die seligen Zeiten, als diese Orte – die Kirchen – noch geistige Kraft ausstrahlten. Der Glaube ohne die Anstrengung – ständiges Gebet, Fasten, Entsagung, Gebote halten, Bußetränen etc. mit einem Wort väterliche Askese – lockt an sich keinen Hl. Geist und bleibt – wie es in der RKK zu beobachten ist – Betrieb reiner formalistischer Natur. Insbesondere die geistlosen Geistlichen, die an nichts glauben, sind wie eine Pest für die nötige Spiritualität in der Liturgie. Die liturgische Form allein ist nicht entscheidend, wenn die Geistlichen (und Ordensbrüder) ihre Nächte nicht im Gebet mit Tränen der Reue verbringen: 2Ki 20:5 Kehre um und sage Hiskia, dem Fürsten meines Volkes: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Sie bleiben nur bloße Beamten neben ihren vermeintlichen Gottesdiensten, die bloß ein Theater ist. Das Volk und besonders die Geistlichen müssen Buße (Askese) tun. Nur das kann die RK-Kirche noch retten.
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#9   HeinrichvonOfterdingen   12:09:46 | Montag, 29. Dezember 2008
Lieber Iustus,
wo Sie recht haben, da haben Sie allerdings recht. Selten genug.
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#8   r.ruhrgebietler   12:01:23 | Montag, 29. Dezember 2008
dialektischer Vogel?
Godfried Kardinal Danneels ist wohl nicht auf der Höhe! Was sollen die lieben Engel im Himmel denn mal erst sagen! oh, nö… heute mal keine Lust Halleluja zu singen… mir ist fad… immer nur Gott anbeten, das ist aber sehr monoton… Anbetung ist Käse und langweilig… Demut ist nur von den lauen Menschen erfunden…
tickt der Godfried Kardinal Danneels noch ganz sauber???
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#7   iustus   12:00:44 | Montag, 29. Dezember 2008
@Heinrich
Es ist gute, uralte katholische Lehre, dass es selbst in der Sterbestunde nicht zu spät ist, sich zu bekehren. Das gilt für Kardinäle genauso wie für Sie!
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#6   HeinrichvonOfterdingen   11:55:52 | Montag, 29. Dezember 2008
Lieber iustus, lieber Confiteor,
Der Umstand, dass diese Ausführungen auf beide Formen bezogen werden können, zeigt, dass es keinen Widerspruch gibt zwischen der älteren und der neueren Form.
… von bestechender Logik. Selten so einen Schwachsinn gelesen.
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#5   Confiteor   11:41:19 | Montag, 29. Dezember 2008
@ iustus
Das sehe ich ncht viel anders als Sie… :)3 :)3 :)3
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#4   HeinrichvonOfterdingen   11:38:40 | Montag, 29. Dezember 2008
Lieber Confiteor,
so ist das wenn Alzheimer die Hirne seniler Kardinäle beschleicht. Er bedauert nun, dass das kaputt ist, was er und seinesgleichen zerstört haben. Für seine Bekehrung langt es allerdings nicht. Was bleibt ist fruchtloses Dummgeschwätz ohne jede Wirkung.
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#3   iustus   11:34:48 | Montag, 29. Dezember 2008
@Confiteor
Der Umstand, dass diese Ausführungen auf beide Formen bezogen werden können, zeigt, dass es keinen Widerspruch gibt zwischen der älteren und der neueren Form.
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#2   Siegfried   11:15:19 | Montag, 29. Dezember 2008
Liturgische Erkenntnisse
Diese kardinalen Erkenntnisse hatten die ungebildeten aber tiefgläubigen Laien seit Anfang der 70iger Jahre des letzten Jahrhundert.
Haben die gläubigen Laien ihre Empfindung mitgeteilt, so wurden sie ganz schnell aus der heimatlichen Pfarrei gemobbt.
Nach der Einführung des NOVUS Ordo sind plötzlich Tanten in der Kirche hervorgetreten, die vorher bei keiner Liturgie gesehen wurden, evtl. bei Prozessionen am Straßenrand. Diese Damen hatten ihre Erkenntnis, sie seinen Spätberufene, es gab lauter neue Wortschöpfungen. Heute gibt es in der Kirche KoKiMütter, das sind Mütter in der Vorbereitung der Kommunuionkinder. Die Ermüdung für die Besucher wird auch heute immer noch sehr intensiv betrieben.
Mit diesen HelferInnen & Helfern im kirchlichen Laiendienst haben die geistlichen Herren dann zerstört was zu zerstören möglich war und die Kirche entleert. Gesundschrumpfen war das Heilmittel, wir schrumpfen noch weiter. :-] :-D :-( :-[ :-# :-# :-# :-! >:) :-! >:) Wir heilen uns selbst nicht mehr.
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#1   Confiteor   11:08:03 | Montag, 29. Dezember 2008
Ein ernstzunehmender Vortrag
des Brüsseler Kardinals, aber er bietet keine Breitseite für die altmessianische Messe, sondern bezieht sich auf die reguläre Liturgie der heiligen Kirche.
Wer glaubt, daraus sein trübes Süppchen zugunsten der außerrdentlichen Liturgie köcheln zu können irrt …
:(3 :-) :(3
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