kreuzmeldungen
Wie das Gute besteht + Rasanter Anstieg + Einhauen auf den sterbenden Löwen + Fall ins Leere + Der Denkfehler einer alltagsnahen Kirche
Wie das Gute besteht

Vatikan. Die Geburt Christi hat den Haß und das Böse besiegt. Das erklärte Papst Benedikt XVI. beim gestrigen Angelusgebet. Angesichts des Martyriums des Heiligen Stephanus stelle sich die Frage, ob sich das Gute gegen das Böse behaupten könne. Doch der Märtyrer selber gebe die Antwort: Er bittet für jene, die ihn töten, um Vergebung.

Rasanter Anstieg

Vereinigte Staaten. Ende 2008 erklärten vierzig Prozent der US-Amerikaner, sich über das Internet zu informieren. Das ergab eine Studie des US-Meinungsforschungsinstituts ‘Pew Research Center’. 2007 bezogen nur 24 Prozent der Bevölkerung ihre Informationen aus dem Netz. Damit überholen die Online-Medien die Tageszeitungen. Das Fernsehen ist bei den Älteren mit siebzig Prozent noch das beliebteste Medium. Bei den unter Dreißigjährigen informieren sich dagegen 59 Prozent über das Internet.

Einhauen auf den sterbenden Löwen

Deutschland. Der Vorstandschef der ‘Deutschen Bank’, Josef Ackermann, habe überzogene Renditeziele vorgegeben. Das erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Gemeinschaft, Landesbischof Wolfgang Huber, in der ‘Berliner Zeitung’ vom 24. Dezember. Das sei eine Form des Götzendienstes. Ein Sprecher der ‘Deutschen Bank’ nannte Hubers Worte in einer Stellungnahme vom Christtag eine „persönliche Attacke“.

Fall ins Leere

Großbritannien. In der anglikanischen Gemeinschaft wird die Zahl der bereits jetzt geringen Zahl der Kirchgänger innerhalb einer Generation um neunzig Prozent fallen. Das ergab eine Studie des britischen Forschungsinstituts ‘Christian Research’. Im Jahr 2050 werden an Sonntagen nur noch knapp 90.000 Anglikaner zum Gottesdienst erscheinen. Jetzt sind es knapp eine Million.

Der Denkfehler einer alltagsnahen Kirche

„In den vergangenen Jahrzehnten war von dem Anspruch der Kirche, auch mit den Mitteln der Architektur eine andere Welt, ein denkbares anderes Leben – metaphysisch als jenseitiges Heilsversprechen, ethisch als Handlungsanleitung für ein besseres Diesseits – vor Augen zu führen, nicht mehr allzuviel übrig geblieben: Kirchen sahen aus wie Sporthallen mit Turm und Altar, das Mobiliar konnte man wegräumen, und dieser übergroße Hang zum Praktischen und zur Alltagsnähe machte sich auch akustisch unschön bemerkbar. Bei Gottesdiensten, Hochzeiten und Konfirmationen wurde den Anwesenden ein verschämt um religiöse Mitteilungen ergänzter, gefühliger Pop in die Ohren geblasen, der die ganze Misere offenbarte, den Denkfehler einer Kirche, die sich so alltagsnah gab, daß man sie zum Schluß gar nicht mehr erkennen konnte. Die neuen Kirchenbauten zeigen, daß dem Sakralen alltagsweltferne Räume deutlich besser bekommen als der Mehrzweckhallenpop, durch den die Kirche mit einer Welt identisch werden wollte, die sich nach nichts so sehnte wie nach ihrem Gegenteil.“

Aus einem Artikel des Kunstkritikers Niklas Maak (36) in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ vom 24. Dezember.
      
6 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#6   Ultramontanus   00:52:17 | Sonntag, 28. Dezember 2008
Im Spiegel von letzter Woche
wird auch so getan, als ob sowas wie ein „Zusammenschluss“ im Gang wäre. Ich glaube eher nicht daran. Da muss man schon ziemlich naiv sein, um das zu glauben, aber der Abraham-Artikel ist glaub ich gut recherchiert. Kann man ja bald online nachlesen, wenn es jemand interessiert!
Redaktion benachrichtigen
#5   ignosti †   00:38:16 | Sonntag, 28. Dezember 2008
kritischer
Naiver geht es wirklich nicht mehr? Einem Oberrabiner auf dessen Feststellung, dass historisch das Judentum dem Christentum und Islam vorausgeht, damit zu antworten, dass es im Prolog des Johannes-Evangeliums heißt …
ignosti, sich schüttelnd vor lachen
Redaktion benachrichtigen
#4   kritischerbeobachter   14:50:19 | Samstag, 27. Dezember 2008
In den heutigen „kreuzmeldungen“ wird ein Denkfehler genannt.
Das bringt mich schnell zu einem Denkfehler, der in der Zukunft weiter sich zu etwas ausdehnen könnte, was revolutionäre Folgen haben könnte.
Spiegel Online brachte am 21.12.08 ein Interview mit dem israelischen Oberrabiner. Dort heißt es:
„Er plädiert für einen Zusammenschluss der Weltreligionen. Sie stammten ohnehin fast alle vom großen „Völker-Vater“ Abraham ab, so Metzger.“
Weiter heißt es im Interview:
„SPIEGEL ONLINE: Aber man hat den Eindruck, dass Juden sich als das Original sehen, während sie Christen und Muslime nur für eine Kopie halten.
Metzger: Aus historischer Sicht ist das auch so. Jesus war ein Jude. In der Folge kam das Christentum in die Welt und dann der Islam. Das war die historische Reihenfolge, nicht andersherum. Als Jesus in Jerusalem war, kannte er mit Sicherheit weder Kirche noch Messe. Er kannte nur Eines: den heiligen Tempel. Der Rest wurde erst von seinen Schülern entwickelt.“
Ist es nicht so, daß der Oberrabiner etwas übersieht?
Gerade in der Weihnachtsoktav kann nur auf den Johannes Prolog verwiesen werden.
Ich empfehle dringend die Lektüre von Joh 1,1-18.
Oder bedeutet es etwa, daß sich der Oberrabiner mit seinen Untergebenen zu Jesus Christus, dem Gottessohn bekennen wird?
Ansonsten ist die Idee des Herrn Metzger eine Wahnvorstellung. Eine „Einheitsreligion“ wie sie es sich Metzger vorstellt ist beseelt von dem Gedanken der Vorrangstellung des Judentums. – Quasi die Diktatur des Judentums über die monotheistischen Weltreligionen.
Redaktion benachrichtigen
#3   Pünktchen   11:34:18 | Samstag, 27. Dezember 2008
Das ist auch der Denkfehler des „Aggiornamento“:
Wir müssen uns dem Hier und Jetzt so weit angleichen, daß die Hiesigen und Jetzigen ihre Bedürfnisse nach Transzendenz schließlich nur noch in fernöstlichen Kulten, dem Islam oder in Rauschmitteln suchen! Die Kirche wird gar nicht mehr als Künderin und Garantin einer der Welt überlegenen (Joh 16, 33) und diese verwandelnden Botschaft wahrgenommen. Die „Verheutigung“ der Kirche wird von den Heutigen als ihre Prostitution durchschaut:
„In der Absicht der modernen Welt die Arme zu öffnen, öffnete ihr die Kirche die Beine.“ (Dávila)
Redaktion benachrichtigen
#2   matt   11:10:09 | Samstag, 27. Dezember 2008
populär heisst auch nicht unbedingt schnöder Alltag…
das ist mir ein bisschen zu schubladisierend. Eigentlich will ja auch die Pop-Musik den Menschen aus dem Alltag entrücken. Das alltägliche daran ist vielleicht, dass sie im öffentlichen Leben präsenter ist, was auch manchmal ärgerlich sein kann, z.B., wenn man beim Einkaufen mal Ruhe haben will und bedudelt bzw. emotionalisiert wird. In Läden wo laute Musik gespielt wird gehe ich daher garnicht rein. Ich gehe schließlich ins Kaufhaus und nicht in die Diskothek, jawoll!
Mir gefällt diese Wertung aber nicht, dass man hier alles ausser traditionalistischem Kirchenkult als profan abkanzelt. Das soll ja durchaus so bleiben wie es ist, das halte ich ja auch für richtig, denn diese Mischungen und Anbiederungen sind keineswegs schön, aber man muss ja nicht so abwertend über das andere reden. sondern eben diesen Kontrast erhalten und dann wird man ja sehen wonach sich die Menschen sehnen.
Redaktion benachrichtigen
#1   Ernst   11:02:08 | Samstag, 27. Dezember 2008
Weihnachtsansprache
Hier die Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten in deutscher Übersetzung:
…olitikglobal.blogspot.com/…tsansprache-von.html
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
kreuzmeldungenDer Unsterbliche ist sterblich + … kreuzmeldungenGeänderte Zeremonien + … kreuzmeldungenVielleicht ein Jahr später + … kreuzmeldungenFrüher noch ein Kritiker + … kreuzmeldungenPäpste und Astronomie + … kreuzmeldungenAuch Anliegen + … kreuzmeldungenEr wendet und dreht sich + … kreuzmeldungenDas Netz auswerfen + … kreuzmeldungenMehr Sorge um den Sinn + … kreuzmeldungenDichtes Programm + … kreuzmeldungenPointierte Aussage? + … kreuzmeldungenHeilig-Land-Reise fix + … kreuzmeldungenIm Haus eines Heiligen + … kreuzmeldungenAuch die Altgläubigen? + … kreuzmeldungenEnzyklika im Januar + …
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net