11:23:59 | Samstag, 27. Dezember 2008
Pünktlich zu Weihnachten wollte der ‘Welt’-Journalist Hans Markus Thomsen alte kirchenfeindliche Märchen aufkochen. Dabei hat er sich zünftig die Zunge verbrannt.

Geburtskirche in Bethlehem.
(kreuz.net) Am 23. Dezember teilte die deutsche Tageszeitung ‘Welt’ ihren Lesern mit, „warum Maria wohl
keine Jungfrau war“. Der Artikel stammte von dem Journalisten Hans Markus Thomsen.
Thomsen gibt sich
großspurig: Nach einer „genauen Lektüre“ der Weihnachtsgeschichte des Lukas müsse man „mit ein paar
Legenden aufräumen – zum Beispiel damit, daß Maria Jungfrau war“ – trompetet er.
Das ganze sei ein –
Zitat – „Übersetzungsfehler“. Joseph sei „offenbar doch“ der Vater Jesu gewesen. Dazu beruft sich Thomsen
auf „unseren kritischen Verstand“ – wendet ihn aber im weiteren nicht an.
Dann wird’s peinlichSeine
Ausführungen über Joseph und Maria beginnt er mit einer happigen Peinlichkeit:
„Wer waren diese beiden,
die sich aufmachten in die Stadt Bethlehem in Galiläa?“ – schreibt er.
Bethlehem befindet sich – eine
Binsenwahrheit – in Judäa.
Halbgebildet erklärt Thomsen dann, daß Joseph und Maria wegen einer „Steuerschätzung“
unterwegs waren.
Diese Schätzung habe aber nicht die ganze Welt, sondern nur die Provinzen Judäa und
Samaria betroffen: „Galiläa aber, wohin die beiden zogen, gerade nicht, weil Galiläa gar nicht zum Römischen
Reich gehörte.“
Womit endgültig klar ist, daß Märchenerzähler Thomsen nicht weiß, wo sich Bethlehem
befindet und somit von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.
Im weiteren geht es ihm um die Jungfrauengeburt.
Kein heftiger StreitDarüber hätten sich „Generationen von Theologen“ bis heute heftig gestritten.
In Wahrheit kann diesbezüglich von Streit keine Rede sein. Nicht einmal die Reformatoren haben die Jungfrauengeburt
in Zweifel gezogen. Es hat dazu über Jahrhunderte überhaupt keine Auseinandersetzung gegeben – auch
weil der biblische Befund dazu so solide ist.
Halbgebildet und anmaßend fährt Thomsen in seinem dümmlichen
Trompetenkonzert weiter.
Dem Evangelisten Matthäus seien „zwei Fehler“ unterlaufen, die dem – von ihm
herbeigeredeten – „Streit um die Jungfrauengeburt jede Grundlage entzogen hätten“.
Den ersten „Fehler“
sieht Thomsen im Jesaja-Zitat, das Mt 1,23 erwähnt: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn
gebären und man wird ihm den Namen Immanuel geben.“
Der griechische Text des Matthäus zitiert die alte
griechische Übersetzung des Alten Testaments, die für Jungfrau, daß Wort „parthénos“ verwendet. Das
hebräische Wort lautet „almah“.
Theologische AngebereienDieses bedeute – so Thomsen – „junge Frau“
und sei im Griechischen „versehentlich“ mit „parthénos“ übersetzt worden, erklärt Thompsen, der nicht
weiß, wo Bethlehem liegt, angeberisch.
Damit gebe es also keinen Grund mehr, sich auf diese Verheißung
zu berufen.
Doch der selbsternannten Alttestamentler urteilt voreilig. Denn weil es für das Althebräische
keine muttersprachlichen Sprecher gibt, ist es oft schwierig, das Bedeutungsfeld eines Wortes genau zu
bestimmen.
Im Falle des Wortes „almah“ verschärft sich die Problematik, weil der Ausdruck im ganzen
Alten Testament ganze dreimal vorkommt.
Darum sind Übersetzungen – vor allem wenn sie alt sind und von
muttersprachlichen Autoren angefertigt wurden – für die Bestimmung von Wortbedeutungen von höchster
Autorität.
In Jesaja geht es um die JungfräulichkeitEs ist völlig unwissenschaftlich, in diesem
Fall – ohne schwerwiegende Gründe – von einem „Versehen“ zu sprechen.
Außerdem: Ob „almah“ mit „junge
Frau“, „Tochter“ oder „Jungfrau“ übersetzt wird – im altorientalischen Kulturkreis ist immer davon auszugehen,
daß in allen drei Fällen von Jungfrauen die Rede ist.
Auch das in Jesaja angekündigte Zeichen, wäre
kein solches – sondern nur ein alltägliches Ereignis – wenn die „almah“, von der die Rede ist, keine
Jungfrau wäre.
Ihre Jungfräulichkeit ist gerade der Kern der Verheißung.
Auf die gleiche billige
Weise handelt Thomsen auch den Stammbaum Jesu im Matthäus-Evangelium ab. Dieser beweise, daß nicht Maria,
sondern Joseph von David abstamme.
Wieder falsch.
Nur sechs Aussprüche?Der Stammbaum belegt vielmehr,
daß Joseph
auch von David abstammt – und Christus somit auch von der rechtlichen Seite von davidischer
Abstimmung war.
Außerdem gibt es die solide frühkirchliche Tradition, daß Maria eine Verwandte des
Joseph war und sich ihre Familie ebenfalls auf David zurückführte.
Im weiteren fällt Möchtegern-Exeget
Thomsen mit der ihm eigenen Kompetenz über die Muttergottes her.
Von ihr seien in den Evangelien nur
„sechs Aussprüche“ überliefert. Thomsen will damit beweisen, daß Maria in der Bibel bedeutungslos sei.
Der dritte – Zitat – „Ausspruch“ ist nach Thomsen das „Magnifikat“ – immerhin ein Text von zehn Versen –
eine der längsten neutestamentlichen Verlautbarungen, die nicht von Christus stammen.
Billige Schutzbehauptung
Weil das Magnifikat Thomsens These pulversiert, beeilt er sich hinzuzufügen: „Das ihr in den Mund gelegt
worden ist.“
Das ist eine billige Schutzbehauptung, für die er kein einziges Argument beibringt.
Maria
sei beim Heiligen Paulus mit keinem Wort erwähnt – fährt er weiter: Sie sei eine einfache jüdische
Frau und Mutter gewesen, die ihre letzten Tage wohl unauffällig beim Apostel Johannes verbracht habe.
Doch das Magnifikat bricht den Thomsen’schen Thesen das Genick:
„Siehe, von nun an preisen mich selig
alle Geschlechter“ – heißt es dort: Mit unauffällig und bedeutungslos war wohl nichts.
Die kirchliche
Marienverehrung ist im Lukasevangelium solide biblisch begründet.
Daß die Kirche die Muttergottes nachträglich
„zur Lichtgestalt erhoben“ habe – so Thomsen – hört sich an wie die Aussage eines Theologiestudenten
im ersten Semester, der bei den Vorlesungen zu viel aus dem Fenster geschaut hat.
Darum fällt das Urteil,
das Thomsen gegen die Muttergottes ausspricht, auf ihn selber zurück:
Trotz der antikirchlichen Dogmen
des 19. Jahrhunderts, die Thomsen halb verstanden hat und unverdaut nachbetet, ist sein Artikel – im Licht
der menschlichen Vernunft betrachtet – erledigt.
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