Liturgie
Ist die Witwe von Mao Tsetung das Vorbild?
Was zeigt sich, wenn bei den hohen kirchlichen Feiertagen aus Sakristeischränken barocke Baßgeigen oder ihnen nachempfundene Stücke aus der Zeit nach 1900 ausgegraben werden? Ein Kommentar.
Der gregorianische Choral erklingt zur Ehre Gottes.
Der gregorianische Choral erklingt zur Ehre Gottes.
(kreuz.net) Kürzlich hielt sich der Hauptschriftleiter der Zeitschrift ‘Gottesdienst’, Eduard Nagel, zurecht an der häufig benützen Formulierung „Heilige Messe zum Gedenken an X. Y.“ auf.

Nagel weist darauf hin, daß die Messe im Gedächtnis an den Heiland zelebriert wird – und nicht im Gedenken an irgendeinen Verstorbenen.

Bedenken hat Nagel auch, wenn die während der Messe aufgeführte Kirchenmusik in Pfarrbriefen anpriesen wird: „Ist dieses Konzert mit liturgischer Begleitung die Botschaft, welche die Kirche zum Feiertag als ihr Proprium beizutragen hat?“ – fragt er.

In der Beurteilung der Kirchenmusik geht er noch einen Schritt weiter:

„Wenn es wahr ist, daß Außenstehende die Kirche vor allem in ihrer Liturgie wahrnehmen, was bedeutet es dann, wenn vielerorts das mehrstimmige Kirchenmusikrepertoire an hohen Feiertagen noch nicht die Schwelle zum 20. Jahrhundert erreicht hat?“

Die offensichtliche Antwort – die Nagel allerdings nicht einfällt: Das bedeutet, daß die Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts fast immer unhörbar, nervig oder einfach schlecht ist.

In ihr geht es eben nicht um Glauben, sondern (nur) um die Reflexion zeitgenössischer Befindlichkeiten oder um eine Musik-Ideologie, der ohne Rücksicht auf andere Anliegen gehuldigt wird.

Insofern ist Nagel zuzustimmen: „Ein unbefangener Beobachter mag daraus schließen, daß es eben seither kaum mehr entsprechend hochwertige Kompositionen für die Liturgie gegeben hat.“

Das unbefangene Beobachten führt in der Tat und häufig zur Erkenntnis, daß der Kaiser keine Kleider anhat.

Nagel geht noch weiter: „Was zeigt sich, wenn bei solchen Gelegenheiten aus Sakristeischränken barocke »Baßgeigen« oder ihnen nachempfundene Stücke aus der Zeit nach 1900 ausgegraben werden?“

(Nagels Baßgeigen-Polemik unterschlägt, daß Priester in zahllosen Pfarreien sogar an Weihnachten und Ostern überhaupt keine Kasel mehr tragen.)

Mit seiner Antwort trifft Nagel wiederum den Nagel auf den Kopf: „Wohl nichts anderes, als daß seither Entstandenes von geringerer Qualität ist.“

Doch dann plumpst er in ein hartes non sequitur: „So signalisiert die Kirche akustisch und visuell, wo sie ihr Heil sucht: im Gestern.“

Nagels Denkfehler ist schwer. Denn er wechselt unbemerkt von der Kategorie der Qualität, zu der „Schönheit“ gehört, auf die Kategorie der Quantität, welche „Zeit“ umfaßt.

Die Kirche, die sich nicht als Produkt des Augenblicks versteht, kann sich nur mit dem ewig Schönen, Guten und Wahren, das kein Gestern, Heute oder Morgen kennt, zufriedengeben.

Würde vielleicht ein zeitgenössischer Musiker, der noch ganz bei Trost ist, es wagen, Wolfgang Amadeus Mozart als Musiker „von gestern“ zu bezeichnen?

Wäre es etwa ein ernstzunehmendes Argument gegen die Bibel, daß sie „vor dem Konzil“ geschrieben wurde?

Deshalb kommt Nagels Schlußfolgerung der Welt der Witwe von Mao Tsetung und der chinesischen Kulturrevolution bedrohlich nahe:

„Doch wen zieht das an? Wohl am ehesten Menschen, die selber mit der Gegenwart nicht zurechtkommen und für die Zukunft schwarz sehen.“

Natürlich wird es immer Menschen geben, welche die Qualität von Kunst und Kultur nur anhand des Zeigerstandes ihrer Armbanduhr beurteilen können.

Es stimmt auch, daß sich die nachkonziliären Kultrevolutionäre aus der Reihe dieser Primitivlinge rekrutierten.

Eine andere Frage ist aber, ob man solche Bilderstürmer und Kulturbanausen zum Maß aller Dinge machen will.

Nagel gibt sich siegessicher: „Es bedarf keiner Sinusstudie, um zu ahnen, warum die Kirche mit ihren wichtigsten Angeboten nur noch einen schmalen Ausschnitt aus dem Spektrum der Bevölkerung erreicht“ – triumphiert er:

„Für viele andere ist einfach nichts dabei, wofür hinzugehen sich lohnen würde.“

Die Verwendung des marktorientierten Wortes „Angebot“ verrät ihn.

In der Tat. Wenn die Liturgie nicht mehr als ein „Angebot“ auf dem Markt der Freizeitunterhaltung ist, dürfte sie gemeinsam mit Mozart und anderen gegen die Marktführer Fressen, Vögeln und Betriebsausflug schlechte Chancen haben.

Doch je mehr sich das „Angebot“ an Gott richtet und an seiner Schönheit Maßstab nimmt, desto mehr wird Er dafür Sorge tragen, daß seine kleine Herde, die aber nicht von der Welt ist, gesammelt wird.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Googler   19:49:07 | Donnerstag, 1. Januar 2009
kirchenmusik
die Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts, gerade die avantgardistische Musik aus Frankreich ist genial. Man muss sogar sagen, dass Olivier Messiean der größte und bedeutendste katholische Komponist war, vergleichbar mit Bach. Nur hat diese Musik nichts mit berieseln zu tun, man kann sie nicht einfach nur oberflächlich „hören“, wie es die Leute meinen, bei einem Bach zu können. Diese Musik muss man verstehen, man muss sich einarbeiten und sich einführen lassen in eine Mystik durch diese Musik. Bei Bach ist das nicht anders. Die Symbolik die er gebraucht, die verbindung von Kreuz und Krippe zum beispiel, oder die Zahlensymbolik, die seine Stücke aufweisen, sind von derart großer Genialität, dass sie kaum ein Mensch erfassen kann. Beides ist also im engeren Sinne kaum Musik für Laien, weil sie diese nur schwer verstehen können. Auführungspraktisch geben sich diese beiden epochen fasst nichts, ein schwerer Bach ist genauso Arbeitintensiv wie ein schwerer Messiean. Bach ist absolut harmonisch, Messiean nicht. Messiean will auch ganz andere Dinge erzählen.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass keiner, der keine Ahnung hat, über Kirchenmusik, sei es Bach oder Messiean Gerüchte verbreiten sollte –.-
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#9   Marcelus   21:49:57 | Dienstag, 30. Dezember 2008
@Theologicus Haereticus: Was hat der Papst mit der Kirchensteuer der Römisch-Katholischen Kirche
zu tun?
Der Römische Papst ist das Universale Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche,
und der hat für die ehemaligen Kirchensteuerpflichtländer BRD, CH und Österreich festgelegt, daß keine Kirchensteuerpflicht mehr besteht, daß heißt jeder römische Katholik in diesen Staaten ist frei sich beim Staat als römischer Katholik abzumelden, um keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen.
Das zuständige päpstliche Dokument ist publiziert auf KatholischeDokumente.de.tl, das man bei Anfrage der örtlichen Kirchenautorität in der BRD, der CH und Österreich vorlegt, um zu erklären, daß man auch als Kirchensteuernichtzahler vollwertiges Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche bleibt, deren oberste Instanz der Papst ist und nicht etwa der Vorsitzende einer Nationalen Bischofskonferenz.
Ihr Interesse für die Römisch-Katholische Religion kann nur gefördert werden, denn auch Sie werden nur in den Himmel kommen können, wenn Sie sich der Römisch-Katholischen Kirche (wieder) anschließen, der Sie ja als Häretiker nicht mehr angehören, nachdem Sie sich lieber mit den biblisch prophezeiten Irrlehrern umgeben, die Ihren Ohren schmeicheln.
Leider führt Ihr Weg so direkt in die Hölle.
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#8   katharina1963   16:07:52 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Allwissend…
Es ist immer beruhigend zu lesen, mit wieviel Distanz, Sachkenntnis und Überblick sich die Autoren ihren wirklich schwierigen Themen nähern (wenn sie sie denn finden)!
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#7   Theologicus Haereticus   16:04:12 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Marcelus – Sie verzapfen ausgemachten Blödsinn!
Was hat der Papst mit der Kirchensteuer bei uns zu tun?
Die staatlichen Bestimmungen gehen ihn doch nichts an, und er wird sich auch niemals einmischen.
Im übrigen stinkt Ihre und anderer Sabbelei über Liturgie- und Kirchenzerstörer langsam zum Himmel.
Ein von Ihnen genanntes „Päpstliches Dokument“ konnte ich per Internet auch nicht finden.
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#6   Marcelus   14:01:30 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Den Liturgie- und Kirchenzerstörern muss der Geldhahn zugedreht werden,
am besten durch einen Austritt aus der staatlichen Kirchensteuerzahlergemeinschaft,
nämlich dann, wenn man auch tatsächlich ein römisch-katholischer Gläubiger ist.
Papst Benedikt XVI. hat Gott sei Dank die Kirchensteuerpflicht, für die drei Kirchensteuerländer BRD, CH und Österreich, die es betrifft, ausdrücklich aufgehoben:
siehe das päpstliche Dokument auf www.KatholischeDokumente.de.tl, das man der örtlichen Kirchenautorität auf Anfrage vorlegt.
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#5   Amanda   13:06:34 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Zu diesem Text nur soviel –
:)3 :(3 … und meine vollste Zustimmung!
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#4   Fischer   12:36:38 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Kaspar, Melchior oder sogar Balthasar?
Nein, so heiße ich nicht. Außerdem hat das Purgatorium (- wenn nichts Schlimeres – ) vermutlich noch keinen Internetanschluß. Ach, wie gut daß niemand weiß …
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#3   Tridentinus   12:24:04 | Dienstag, 30. Dezember 2008
@Fischer
Sie heißen aber nicht Balthasar mit Vornamen, oder?
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#2   Fischer   12:17:53 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Verfallsdatum
Wahrscheinlich wäre es im Sinne Herrn Nagels, wenn für alle kirchlichen Gewänder, Geräte, aber auch Texte etc. ein Verfallsdatum festgelegt würde. Die kirchenamtliche Vergabe dieses Datums könnte das Liturgische Institut in Trier übernehmen. Oder ist diese Institution dafür schon zu alt?
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#1   Pünktchen   11:38:36 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Das „Aggiornamento“ (Verheutigung) beruht auf einem Denkfehler
„In den vergangenen Jahrzehnten war von dem Anspruch der Kirche, auch mit den Mitteln der Architektur eine andere Welt, ein denkbares anderes Leben – metaphysisch als jenseitiges Heilsversprechen, ethisch als Handlungsanleitung für ein besseres Diesseits – vor Augen zu führen, nicht mehr allzuviel übrig geblieben: Kirchen sahen aus wie Sporthallen mit Turm und Altar, das Mobiliar konnte man wegräumen, und dieser übergroße Hang zum Praktischen und zur Alltagsnähe machte sich auch akustisch unschön bemerkbar. Bei Gottesdiensten, Hochzeiten und Konfirmationen wurde den Anwesenden ein verschämt um religiöse Mitteilungen ergänzter, gefühliger Pop in die Ohren geblasen, der die ganze Misere offenbarte, den Denkfehler einer Kirche, die sich so alltagsnah gab, daß man sie zum Schluß gar nicht mehr erkennen konnte. Die neuen Kirchenbauten zeigen, daß dem Sakralen alltagsweltferne Räume deutlich besser bekommen als der Mehrzweckhallenpop, durch den die Kirche mit einer Welt identisch werden wollte, die sich nach nichts so sehnte wie nach ihrem Gegenteil.“
so www.kreuz.net/article.8397.html der 36jährige FAZ-Redakteur Niklas Maak !
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