Heiliges Land
Man muß auch ein Kind einer Vergewaltigung anerkennen
Die Palästinenser sind die Nachkommen der alten Judäer. Es ist an der Zeit, daß sich auch die katholische Kirche von einer rassistischen Vorstellung des Judentums löst.
Palästinenser und orthodoxe stehen Seite an Seite
Palästinenser und orthodoxe stehen Seite an Seite
© Matthew Bradley, CC
(kreuz.net) „Der Charakter der jüdischen Nation wurde 1871 in Deutschland durch Heinrich Graetz, den bedeutendsten jüdischen Historiker des 19. Jahrhunderts, geprägt.“

Das erklärte der Tel Aviver Historiker Shlomo Sand Anfang Dezember vor der schweizerischen-jüdischen Zeitung ‘Tacheles’.

Sand hat kürzlich das Buch „Wann und wie das jüdische Volk erfunden wurde“ publiziert.

Der Historiker stammt aus einem kommunistischen Elternhaus. Sein Vater wurde zu den Klängen der „Internationale“ zu Grabe getragen.

Vorbild für das Graetz-Modell war nach Sand der ethnozentrische deutsche Nationalismus von Heinrich von Treitschke († 1896).

Schlomo Sand
Schlomo Sand
© Schlomo Sand
Die Juden sind ein Volk

Dagegen ist das Judentum nach Sand eine religiös-kulturelle Definition. Er hat nichts gegen eine Bezeichnung der Juden als Volk – „solange diese persönliche Phantasie keine negativen Folgen für die Umgebung hat – also Abschottung, Haß und Rassismus.“

In seinem Buch habe er nichts Neues beschrieben, sondern nur bekanntes Wissen neu geordnet:

Die Vertreibung der Juden ins babylonische Exil habe nie stattgefunden – wiederholt Sand die dekadente historische Exegese eines dekadenten Christentums.

Er befürwortet aber nationale Mythen, wenn sie die anderen umarmen und nicht abweisen.

Israel solle die Verantwortung für das palästinensische Flüchtlingsproblem anerkennen und eine begrenzte Rückkehr erlauben.

Aber er ist gegen ein generelles Rückkehrrecht der Palästinenser nach Israel – „weil es die kulturelle Existenz der Israeli gefährden würde.“

Ein freies Einreiserecht für Juden

Allerdings will Sand auch das „Rückkehrrecht“ für Juden abschaffen: „Israel soll nur noch den Juden Schutz bieten, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, und aufhören, Staat aller Juden der Welt zu sein, sondern ein Staat aller Israeli – Juden wie Araber, so wie Deutschland der Staat aller Deutschen ist, nicht der Christen.“

Sand wuchs zusammen mit Arabern in Jaffo bei Tel Aviv auf: „Ich lebte in Jaffo mit den Arabern ausgezeichnet zusammen.“

Aber: „Wir Juden waren die Hausherren, die Araber lebten in einem kleinen, erbärmlichen Ghetto, völlig abgeschnitten von der arabischen Kultur“.

Die Katastrophe der einheimischen Araber

In Jaffo begriff Sand die Katastrophe der Vertreibung der Palästinenser durch die Juden nach dem Zweiten Weltkrieg.

Für den Historiker ist die Religion die dominante hohe Kultur der Menschheit: „Die religiöse Identität wird die nationale überleben.“

Daher glaube er nicht, Juden oder das Judentum zu verletzen, wenn er sage, die Juden seien keine Nation, sondern eine Religionsgemeinschaft:

„Ich persönlich bin nicht religiös, mein Vater war auch säkular, aber ich bin gegenüber der Religion empathischer als mein Vater es war.“

Gleichzeitig beklagt sich Sand, in einem Staat zu leben, der ihm religiöse Gesetze aufzwinge: „Daher bin ich sehr empfindlich: Ich werde in Israel niemals eine Kopfbedeckung tragen!“

Weil es keine Trennung zwischen Staat und Religion gebe, werde er in Israel auch nie eine Synagoge betreten.

Eine missionarische Religion

In seinem Buch unterstreicht Sand, daß das Judentum früher eine missionarische Religion war. Er bezieht sich dabei auf römische Quellen und auf den Talmud:

„Das Judentum war vom zweiten Jahrhundert vor Christus bis zum zweiten Jahrhundert nach Christus die erste Religion, zu der man konvertieren konnte. Das ist eine Tatsache.“

Gleichzeitig war Jerusalem nach Angaben von Sand eine kosmopolitische Stadt und das Judentum pluralistisch und offen für hellenistischen Einfluß: „Ohne diese Konversionen gäbe es heute etwa so viele Juden wie Samariter, schreiben Sie, nämlich tausend.“

Sand bezeichnet sich als ein Ungläubiger. Dennoch würde er es begrüßen, wenn die jüdische Reformbewegung in den USA zu ihren nicht-nationalistischen Wurzeln zurückkehren würde:

„Diese waren nicht zionistisch, dafür aber humanistisch und offen, wie die deutschen Reformjuden.“

Die Palästinenser sind unterdrückte Juden

Sand fordert auch eine Annäherung zwischen Juden und Muslimen: „Die orthodoxen Juden jedoch pochen immer wieder auf die biologische Komponente der jüdischen Identität.“

Die Chance, daß die Palästinenser die Nachfolger der alten Judäer sind, „ist größer als die, daß die israelischen Juden es sind“ – zitiert Sand ein Buch des späteren Staatsgründers David Ben Gurion († 1973) und des zweiten Präsidenten Jitzchak Ben Tzwi († 1963) aus dem Jahr 1918.

Der Historiker bezeichnet es als „größte Ironie der Geschichte“, daß sich seit 120 Jahren die zionistischen Nachfahren der im Kaukasus lebenden Slawen und Chasaren – ein Turkvolk – die palästinensischen Nachfahren der Israeliten bekämpfen.

Sands Buch erregte in Israel viel Aufsehen: „Ich wurde sogar in die Siedlungen eingeladen, um über das Buch zu sprechen.“ Doch das lehnte er ab: „In diese Gebiete fahre ich nur auf Einladung von Palästinensern.“

Kürzlich sprach er an einer Universität in Ostjerusalem. Dabei entwickelte sich eine heftige Diskussion: „Denn ich sprach von einem neuen israelischen Gebilde, das sowohl vom Zionismus als auch von arabischen Nationalisten abgelehnt wird.“

Sands Fazit: „Man muß auch ein Kind einer Vergewaltigung anerkennen.“

Juden wünschen kein Zusammenleben

Sein Ideal ist ein Zusammenleben von Juden und Arabern zwischen Jordan und Mittelmeer: „Aber das ist unrealistisch, weil die allermeisten Israeli dies ablehnen.“

Der Historiker spricht dem Staat Israel das Existenzrecht nicht ab: „Ich will nur, daß Israel sich nicht mehr als jüdischer Staat definiert.“

Er bevorzugt das britische Modell: eine jüdische Hegemonie mit einer weitgehenden Autonomie der palästinensischen Israeli: „Ansonsten befürchte ich ein »Kosovo in Galiläa«.“

Es brauche ein Umdenken in der israelischen Politik: „Ohne eine solche Wende wird Israel nicht mehr existieren.“
      
3 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#3   Gunsenum   22:01:13 | Sonntag, 28. Dezember 2008
Die Ritter!
Zu Grünwald im Isartal,
Glaubt es mir, es war einmal,
Da ham edle Ritter g’haust,
Denen hat’s vor gar nix graust.
Jo so woarns, jo so woarns,
jo so woarns die oidn Rittersleit,
Jo so woarns, jo so woarns, die oidn Rittersleit.
Und der Ritter Kunibert,
der hat so ein langes Schwert,
wenn es ihm beim Reiten stört,
setzt sich verkehrt aufs Pferd,
Jo so woarns…
Und das Ritterfräulein Stasi
hot am Arsch a Wasserblasi
doch das kam vom Keuschheitsgürtel,
den trug sie am hintern Viertel.
Jo so woarns…
Auf der grünen Ritterwiese
macht ein Ritter pieße, pieße
plötzlich flog ein Stein, o Schreck
und das schöne Ding war weg.
Jo so woarns…
Wenn die Ritter lange ritten,
habn sie sich oft aufgeritten,
Ach der Wolf tat gar so weh,
dann schrien sie oft Herrjemine.
Jo so woarns…
Ging ein Ritter mal auf Reisen,
Legt’ er seine Frau in Eisen,
Doch der Knappe Friederich,
Der hatte einen Diederich.
Jo so woarns…
Redaktion benachrichtigen
#2   Botschafter   21:12:00 | Sonntag, 28. Dezember 2008
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Immer wieder diese wissenschaftlichen (selbstherrlichen) Konklusionen…warten bis der Nächste das Gegenteil „beweist“ um wiederum seine (vorgegebenen) Schlüsse zu ziehen.
Redaktion benachrichtigen
#1   Toter Alter Mann   15:03:42 | Sonntag, 28. Dezember 2008
Palästinenser und Israelis
Es wäre wirlich schön, wenn Palästinenser und Israelis friedlich zusammenleben würden. :-)
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Heiliges LandFrieden für alle – mit einer Ausnahme Heiliges LandNoch mehr jüdische Schikanen gegen Christen in Bethlehem Heiliges LandIsraelische Schikanen gegen die Kirche Heiliges LandWann und wie wurde das jüdische Volk erfunden? Heiliges LandProteste gegen den jüdischen Apartheid-Staat Heiliges LandDa mischt noch ein Land im kaukasischen Krieg mit Heiliges LandFlucht nach Deutschland? Heiliges LandVerratenes Vertrauen Naher OstenWo bleibt die Entschuldigung? Heiliges LandWie ein Hund im Zwinger Holocaust-GedenktagDer Nuntius boykottiert Heiliges Land„Wir haben Jesus getötet, wir werden auch euch umbringen“ Heiliges LandDer nächste Krieg ist vorprogrammiert Heiliges LandAus den Särgen floß eine schwärzliche Sauce Heiliges LandDroht im Nahen Osten eine Dolchstoßlegende?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net