Schweiz
„Ich weiß nicht, ob die Kirche so autoritär ist wie euer Medien-Konzern“
Ohne Schleimtaktik: Kürzlich hat der Bischof von Basel zwei ihn interviewende Journalisten souverän und gnadenlos an die Wand gespielt.
Die Webseite des Bistums Basel druckte das Interview in der 'Sonntagszeitung' nach.
Die Webseite des Bistums Basel druckte das Interview in der ‘Sonntagszeitung’ nach.
(kreuz.net) Er glaubte als Kind lang ans Christkind. Das erklärte der Bischof von Basel, Mons. Kurt Koch, in einem Interview mit der scharf kirchenfeindlichen Schweizer ‘Sonntagszeitung’.

Seine zwei Gesprächspartner waren die beiden Journalisten Sebastian Ramspeck und Jean François Tanda (34). Beide stehen im Sold des in Zürich ansässigen antikirchlichen Medienunternehmens ‘Tamedia’, dem unter anderem die ‘Sonntagszeitung’ gehört.

Im Interview erzählte der Bischof auch, daß er als Kind an Weihnachten zweimal krank war: „Einmal hatte ich eine Hirnhautentzündung, ein Jahr später Scharlach.“

Die ganze Familie mußte deswegen in Quarantäne: „Die schöne Eisenbähnleruniform, die ich geschenkt bekommen hatte, durfte ich nicht auspacken. Die mußte auch in Quarantäne.“

Berufswunsch: Sankt Nikolaus

Schon als Erstklässler wollte der spätere Bischof Priester werden. Zuvor war sein Berufswunsch Sankt Nikolaus.

Der Bischof gibt auch den Grund für seine frühe Priesterberufung: „Das lag an unserem Pfarrer – ein hervorragender Priester.“

Für diesen Geistlichen habe er „einigen Blödsinn“ gemacht: „Ich bin zur Überzeugung gelangt: Je größer die Sünden sind, desto mehr Freude hat der Pfarrer. Deshalb hab ich alles Mögliche gebeichtet, Ehebruch inklusive.“

Den Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Papst und seinem Vorgänger formuliert der Bischof prägnant: „Johannes Paul II. war ein Papst zum Anschauen, Papst Benedikt XVI. ist mehr ein Papst zum Zuhören.“

Jeder Mensch hat seine Dogmen

Dann versuchen die beiden Journalisten, den Bischof in eine angebliche Front zwischen den weltkirchlichen Dogmen und verständnislosen Schweizer Katholiken zu drängen.

Doch Mons. Koch pariert geschickt: „Ich sehe diesen Kontrast so nicht. Gilbert Chesterton schrieb: »Jeder Mensch hat Dogmen, der Unterschied besteht nur darin, daß die einen es wissen und die anderen nicht.«“

Als typisch Schweizerische Dogmen bezeichnet der Bischof die Frage der Neutralität. Oder: „Daß wir denken, die Schweizer seien am fünften Tag der biblischen Schöpfungsgeschichte erschaffen worden – und alle anderen Völker erst am sechsten.“

Dann wird Mons. Koch auf die Wirtschaftskrise angesprochen. Er ist davon nicht überrascht: „Weil ich nie an das Dogma des selbstregulierenden Marktes geglaubt habe.“

Der Bischof oder seine Diözese haben in der Krise kein Geld verloren. Mons. Koch besitzt keine Wertpapiere.

Wäre er ein US-Amerikaner, hätte er einen Mix zwischen Barack Obamas und John McCain gewählt.

Obama habe eine gute soziale Ader: „Aber seine Einstellung zum menschlichen Leben scheint mir äußerst problematisch.“

Das übliche Ritual

Dann versuchen die Journalisten anzugreifen: Warum sich die Schweizerische Bischofskonferenz nicht über Waffenexporte äußere – fragen sie.

Wieder ist der Bischof schlagfertig: „Die Schweizer Bischofskonferenz hat klare Kriterien, wozu sie Stellung nimmt und wozu nicht. Wir äußern uns oft, aber wenn es nicht um den Zölibat geht, interessieren sich die Medien nicht sehr dafür.“

Der Bischof wird auch auf einen Bericht der kirchenfeindlichen Züricher Tageszeitung ‘Tages-Anzeiger’ angesprochen, wonach im Bistum Basel geschiedene Männer zu Priestern geweiht würden.

Auch hier schneidet Mons Koch kurz: „Das ist mittlerweile ein Ritual: Eine Woche vor einem Fest erscheint ein reißerischer, faktenarmer Artikel auf der Frontseite des ‘Tages-Anzeigers’, auf den sich dann alle stürzen. Dieses Ritual mache ich nicht mehr mit.“

Die Kirche habe den Menschen immer wieder einen Neubeginn ermöglicht: „Die Öffentlichkeit wirft uns oft Unbarmherzigkeit vor, und wenn wir barmherzig, für einen Neubeginn offen sind, macht man daraus einen großen Aufschrei.“

Was zuerst kommt, weiß er nicht

Auch den Sinn des Zölibates formuliert Mons. Koch prägnant: „Wenn jemand auf Ehe und Familie verzichtet, kann man davon ausgehen, daß er Priester aus Berufung ist – und nicht, weil er einen Job braucht.“

Zur Frauenfrage erklärt er: „Abgesehen von der Weihe gibt es überhaupt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau in der Kirche.“

Und auf die Frage, wann die „erste Päpstin“ gewählt werde: „Dies ist so ungewiß wie die Frage, wann die Schweiz ganz zu Europa gehören will.“

Was zuerst komme, wisse er nicht: „Vielleicht sogar das Erste.“

Die Frauen-Frage ist – so der Bischof – in den westlichen Gesellschaften ein virulentes Problem: „Aber man muß das auch weltkirchlich sehen, wo andere Fragen virulenter sind, etwa Armutsbekämpfung oder totalitäre Regimes.“

Der Bischof weist auch darauf hin, daß jene Kirchen, welche die Frauenordination eingeführt haben, gespalten sind – „die anglikanische, die christkatholische – bei uns wäre das auch so.“

Weltmeister im Zuspätkommen?

In der Schweiz sei das Frauenstimmrecht sehr, sehr spät gekommen – erklärt der Bischof: „Da haben sich die Schweizer viel Zeit gelassen, aber bei der Kirche kann es nicht schnell genug gehen.“

Die Kirche sei Weltmeisterin im Zuspätkommen – unterstellt die ‘Sonntagszeitung’: „1944 lobte der Papst erstmals die Demokratie, 1965 wurde die Religionsfreiheit gebilligt, 1992 Galileo Galilei rehabilitiert.“

Doch wieder ist Mons. Koch schnell: „Die katholische Kirche lernt langsamer als andere, aber sie macht dafür nicht alle Fehler mit. Andere Kirchen öffnen sich dem Zeitgeist – und verfallen ihm.“

Als Beispiel nennt er die Anfälligkeit der evangelischen Kirchen für den Nationalsozialismus.

Ein Hauptgrund war – so Mons. Koch – die große Verflechtung der Lutheraner mit dem Staat.

Nicht unfehlbar?

Auch „viele“ Katholiken seien vom Kampf der Nationalsozialisten gegen die russischen Bolschewisten begeistert gewesen: „Nur hielt hier der Papst dagegen: »Sagen Sie den Nationalsozialisten, sie selber sind auch Bolschewisten«.“

Hier haken die beiden Journalisten ein: „Es brauchte die Autorität des Kirchenführers, um dem Volksführer entgegen zu treten?“ – provozieren sie.

Erneut ist der Bischof ist nicht um eine Antwort verlegen: „Ich weiß nicht, ob die katholische Kirche so autoritär ist wie der Tamedia-Konzern“ – kontert er.

Da die beiden Journalisten keine Kritik an den undurchsichtigen Machtstrukturen ihres Großunternehmens zulassen dürfen, werden sie sofort apologetisch: „Unser Konzernchef ist nicht unfehlbar.“

Doch der Bischof treibt sie gnadenlos in die Enge: „Gewisse Journalisten sind so unfehlbar, wie es der Papst nicht einmal in seinen Träumen ist.“

Sprachlose Gesprächspartner

Dann klärt er die beiden Konzern-Journalisten über die katholische Lehre auf: „Der Papst ist übrigens nur unfehlbar, wenn er in Glaubensfragen ex officio entscheidet. Das ist bislang zwei Mal geschehen, 1854 und 1950.“

An dieser Stelle ändern die beiden sprachlosen Zeitungsleute eilig das Thema.

Vor dem Islam fürchtet sich der Bischof nicht: „Die Gefahr ist nicht die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums.“ Auch von Minarettverboten hält er nichts.

Die Muslime hätten in Europa auch nicht Angst vor dem Christentum, sondern vor einer völlig gottlosen Gesellschaft:

Heute werde um die muslimischen Symbole gekämpft, morgen vielleicht um die christlichen: „Es kann die Zeit kommen, in der ich keinen violetten Pileolus mehr tragen darf. Sondern nur noch eine Sennenkappe.“
      
7 Lesermeinungen
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#7   MartinBieger   12:18:47 | Mittwoch, 7. Januar 2009
Fast die Gsamte Masse
in userem Sonnesystem steckt ja in der Sonne.
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#6   Arkanum/kreuts.net †   12:15:38 | Mittwoch, 7. Januar 2009
… wobei der gemeinsame Schwerpunkt
von Erde und Sonne innerhalb der Sonnenmasse liegt; so enorm ist der Masseunterschied.
Das gilt sinngemäß auch für alle anderen Planeten unseres Sonnensystems mit Ausnahme des Jupiter.
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#5   Friedrich Spee   12:14:23 | Mittwoch, 7. Januar 2009
Borgorus: Unwichtig.
Es war einfach unrecht, Menschen wegen einer Meinung zu irgendwas zu verurteilen, und wäre sie (also die Meinung) noch so falsch gewesen.
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#4   Burgorus   12:07:01 | Mittwoch, 7. Januar 2009
Galilei rehabilitiert?
Die Kirche sei Weltmeisterin im Zuspätkommen – unterstellt die ‘Sonntagszeitung’: „1944 lobte der Papst erstmals die Demokratie, 1965 wurde die Religionsfreiheit gebilligt, 1992 Galileo Galilei rehabilitiert.“
Die ‘Sonntagszeitung’ hat mal wieder keine Ahnung, denn
Galilei ist nie rehabilitiert worden, wie Segre in seinem Artikel
A ‘rehabilitation’ that has never taken place. Endeavour, Volume 23, Number 1, 1999 , pp. 20-23(4) www.ingentaconnect.com/…23/00000001/art01185 nachgewiesen hat. Wofür hätte er den rehabilitiert werden sollen? Die Wissenschaftstheorie hat doch längst festgestellt, dass im Streit Bellarmin (Dass die Sonne stillsteht und die Erde sich dreht, dürfe man nur als Hypothese formulieren, solange sie nicht bewiesen ist) gegen Galilei (Dass die Sonne stillsteht und die Erde sich dreht, ist „durchaus wahr“) Bellarmin der Sieger war. Seine Argumentation war, im Gegensatz zu der Galileis, wissenschaftstheoretisch einwandfrei.
(Eine Zusatzinformation für Interessierte: Die Erde dreht sich zwar um die Sonne, genauer: um den gemeinsamen Schwerpunkt von Sonne und Erde, die Sonne steht aber nicht still, sie dreht sich ebenfalls um diesen Schwerpunkt, von sonstigen Drehungen innerhalb oder mit der Galaxie Milchstraße ganz zu schweigen.)
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#3   Franz Kappes   11:37:10 | Freitag, 2. Januar 2009
@Vox e luce
Es gab mal Zeiten, in denen die Kirche eine größere Rolle spielte. Die Autorität schwand mit dem Verlust der Unmündigkeit des Menschen.
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#2   Vox e luce   16:28:21 | Dienstag, 30. Dezember 2008

Die Frauen-Frage ist – so der Bischof – in den westlichen Gesellschaften ein virulentes Problem: „Aber man muß das auch weltkirchlich sehen, wo andere Fragen virulenter sind, etwa Armutsbekämpfung oder totalitäre Regimes.“
Gut, dass es jemand sagt, denn genau diese Letztgenannten Probleme müssen als erstes die Probleme der Kirche sein. Wem nützt es denn, wenn man zu einer Zeit von immer leerer werdenden Kirchen über die Einführung des Frauenpriestertums diskutiert? Das betrifft doch nur einen verschwindend kleinen Zirkel von echten Cracks.
Vor dem Islam fürchtet sich der Bischof nicht: „Die Gefahr ist nicht die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums.“ Auch von Minarettverboten hält er nichts.
So siehts aus. Die Gottvergessenheit war zu jeder Zeit der Quell allen Übels!
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#1   Franz Kappes   15:55:28 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Niemand wird gezwungen
Kirche ist kein Zwang.
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