14:43:27 | Dienstag, 30. Dezember 2008
Ohne Schleimtaktik: Kürzlich hat der Bischof von Basel zwei ihn interviewende Journalisten souverän und gnadenlos an die Wand gespielt.

Die Webseite des Bistums Basel druckte das Interview in der ‘Sonntagszeitung’ nach.
(kreuz.net) Er glaubte als Kind lang ans Christkind. Das erklärte der Bischof von Basel, Mons. Kurt Koch,
in einem Interview mit der scharf kirchenfeindlichen Schweizer ‘Sonntagszeitung’.
Seine zwei Gesprächspartner
waren die beiden Journalisten Sebastian Ramspeck und Jean François Tanda (34). Beide stehen im Sold des
in Zürich ansässigen antikirchlichen Medienunternehmens ‘Tamedia’, dem unter anderem die ‘Sonntagszeitung’
gehört.
Im Interview erzählte der Bischof auch, daß er als Kind an Weihnachten zweimal krank war:
„Einmal hatte ich eine Hirnhautentzündung, ein Jahr später Scharlach.“
Die ganze Familie mußte deswegen
in Quarantäne: „Die schöne Eisenbähnleruniform, die ich geschenkt bekommen hatte, durfte ich nicht
auspacken. Die mußte auch in Quarantäne.“
Berufswunsch: Sankt NikolausSchon als Erstklässler wollte
der spätere Bischof Priester werden. Zuvor war sein Berufswunsch Sankt Nikolaus.
Der Bischof gibt auch
den Grund für seine frühe Priesterberufung: „Das lag an unserem Pfarrer – ein hervorragender Priester.“
Für diesen Geistlichen habe er „einigen Blödsinn“ gemacht: „Ich bin zur Überzeugung gelangt: Je größer
die Sünden sind, desto mehr Freude hat der Pfarrer. Deshalb hab ich alles Mögliche gebeichtet, Ehebruch
inklusive.“
Den Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Papst und seinem Vorgänger formuliert der Bischof
prägnant: „Johannes Paul II. war ein Papst zum Anschauen, Papst Benedikt XVI. ist mehr ein Papst zum
Zuhören.“
Jeder Mensch hat seine DogmenDann versuchen die beiden Journalisten, den Bischof in eine
angebliche Front zwischen den weltkirchlichen Dogmen und verständnislosen Schweizer Katholiken zu drängen.
Doch Mons. Koch pariert geschickt: „Ich sehe diesen Kontrast so nicht. Gilbert Chesterton schrieb: »Jeder
Mensch hat Dogmen, der Unterschied besteht nur darin, daß die einen es wissen und die anderen nicht.«“
Als typisch Schweizerische Dogmen bezeichnet der Bischof die Frage der Neutralität. Oder: „Daß wir
denken, die Schweizer seien am fünften Tag der biblischen Schöpfungsgeschichte erschaffen worden – und
alle anderen Völker erst am sechsten.“
Dann wird Mons. Koch auf die Wirtschaftskrise angesprochen. Er
ist davon nicht überrascht: „Weil ich nie an das Dogma des selbstregulierenden Marktes geglaubt habe.“
Der Bischof oder seine Diözese haben in der Krise kein Geld verloren. Mons. Koch besitzt keine Wertpapiere.
Wäre er ein US-Amerikaner, hätte er einen Mix zwischen Barack Obamas und John McCain gewählt.
Obama
habe eine gute soziale Ader: „Aber seine Einstellung zum menschlichen Leben scheint mir äußerst problematisch.“
Das übliche RitualDann versuchen die Journalisten anzugreifen: Warum sich die Schweizerische Bischofskonferenz
nicht über Waffenexporte äußere – fragen sie.
Wieder ist der Bischof schlagfertig: „Die Schweizer
Bischofskonferenz hat klare Kriterien, wozu sie Stellung nimmt und wozu nicht. Wir äußern uns oft, aber
wenn es nicht um den Zölibat geht, interessieren sich die Medien nicht sehr dafür.“
Der Bischof wird
auch auf einen Bericht der kirchenfeindlichen Züricher Tageszeitung ‘Tages-Anzeiger’ angesprochen, wonach
im Bistum Basel geschiedene Männer zu Priestern geweiht würden.
Auch hier schneidet Mons Koch kurz:
„Das ist mittlerweile ein Ritual: Eine Woche vor einem Fest erscheint ein reißerischer, faktenarmer Artikel
auf der Frontseite des ‘Tages-Anzeigers’, auf den sich dann alle stürzen. Dieses Ritual mache ich nicht
mehr mit.“
Die Kirche habe den Menschen immer wieder einen Neubeginn ermöglicht: „Die Öffentlichkeit
wirft uns oft Unbarmherzigkeit vor, und wenn wir barmherzig, für einen Neubeginn offen sind, macht man
daraus einen großen Aufschrei.“
Was zuerst kommt, weiß er nichtAuch den Sinn des Zölibates formuliert
Mons. Koch prägnant: „Wenn jemand auf Ehe und Familie verzichtet, kann man davon ausgehen, daß er Priester
aus Berufung ist – und nicht, weil er einen Job braucht.“
Zur Frauenfrage erklärt er: „Abgesehen von
der Weihe gibt es überhaupt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau in der Kirche.“
Und auf die Frage,
wann die „erste Päpstin“ gewählt werde: „Dies ist so ungewiß wie die Frage, wann die Schweiz ganz zu
Europa gehören will.“
Was zuerst komme, wisse er nicht: „Vielleicht sogar das Erste.“
Die Frauen-Frage
ist – so der Bischof – in den westlichen Gesellschaften ein virulentes Problem: „Aber man muß das auch
weltkirchlich sehen, wo andere Fragen virulenter sind, etwa Armutsbekämpfung oder totalitäre Regimes.“
Der Bischof weist auch darauf hin, daß jene Kirchen, welche die Frauenordination eingeführt haben,
gespalten sind – „die anglikanische, die christkatholische – bei uns wäre das auch so.“
Weltmeister
im Zuspätkommen?In der Schweiz sei das Frauenstimmrecht sehr, sehr spät gekommen – erklärt der Bischof:
„Da haben sich die Schweizer viel Zeit gelassen, aber bei der Kirche kann es nicht schnell genug gehen.“
Die Kirche sei Weltmeisterin im Zuspätkommen – unterstellt die ‘Sonntagszeitung’: „1944 lobte der Papst
erstmals die Demokratie, 1965 wurde die Religionsfreiheit gebilligt, 1992 Galileo Galilei rehabilitiert.“
Doch wieder ist Mons. Koch schnell: „Die katholische Kirche lernt langsamer als andere, aber sie macht
dafür nicht alle Fehler mit. Andere Kirchen öffnen sich dem Zeitgeist – und verfallen ihm.“
Als Beispiel
nennt er die Anfälligkeit der evangelischen Kirchen für den Nationalsozialismus.
Ein Hauptgrund war –
so Mons. Koch – die große Verflechtung der Lutheraner mit dem Staat.
Nicht unfehlbar?Auch „viele“
Katholiken seien vom Kampf der Nationalsozialisten gegen die russischen Bolschewisten begeistert gewesen:
„Nur hielt hier der Papst dagegen: »Sagen Sie den Nationalsozialisten, sie selber sind auch Bolschewisten«.“
Hier haken die beiden Journalisten ein: „Es brauchte die Autorität des Kirchenführers, um dem Volksführer
entgegen zu treten?“ – provozieren sie.
Erneut ist der Bischof ist nicht um eine Antwort verlegen: „Ich
weiß nicht, ob die katholische Kirche so autoritär ist wie der Tamedia-Konzern“ – kontert er.
Da die
beiden Journalisten keine Kritik an den undurchsichtigen Machtstrukturen ihres Großunternehmens zulassen
dürfen, werden sie sofort apologetisch: „Unser Konzernchef ist nicht unfehlbar.“
Doch der Bischof treibt
sie gnadenlos in die Enge: „Gewisse Journalisten sind so unfehlbar, wie es der Papst nicht einmal in seinen
Träumen ist.“
Sprachlose GesprächspartnerDann klärt er die beiden Konzern-Journalisten über die
katholische Lehre auf: „Der Papst ist übrigens nur unfehlbar, wenn er in Glaubensfragen ex officio entscheidet.
Das ist bislang zwei Mal geschehen, 1854 und 1950.“
An dieser Stelle ändern die beiden sprachlosen Zeitungsleute
eilig das Thema.
Vor dem Islam fürchtet sich der Bischof nicht: „Die Gefahr ist nicht die Stärke des
Islams, sondern die Schwäche des Christentums.“ Auch von Minarettverboten hält er nichts.
Die Muslime
hätten in Europa auch nicht Angst vor dem Christentum, sondern vor einer völlig gottlosen Gesellschaft:
Heute werde um die muslimischen Symbole gekämpft, morgen vielleicht um die christlichen: „Es kann die
Zeit kommen, in der ich keinen violetten Pileolus mehr tragen darf. Sondern nur noch eine Sennenkappe.“
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