Ein Priester erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Ordensmann, der ihn in seiner Jugendzeit sexuell mißbraucht haben soll. Das Problem: Die Gebeine des angeblichen Kinderschänders ruhen mittlerweile unter der Erde.
(kreuz.net, Altoona-Johnstown) Vor kurzem hat ein US-amerikanischer Priester seine eigene Diözese vor
Gericht verklagt. Er sei als Teenager von einem inzwischen verstorbenen Franziskaner des Dritten Ordens
mißbraucht worden. Der Ordensmann sei sein Lehrer am Gymnasium gewesen. Der beschuldigte Priester ist
am 19. März 2003 verstorben.
Vikar John Nesbella behauptet in der Anklageschrift, daß die unzüchtigen
Handlungen vor 25 Jahren geschehen seien, als er selber 16 Jahre alt war. Das berichtete eine in Pittsburgh
erscheinende Tageszeitung.
Pittsburg befindet sich ungefähr 500 Kilometer westlich von Neu York.
In
einer Stellungnahme äußerte sich Mons. Joseph Adamec, der verklagte gegenwärtige Diözesanbischof von
Altoona-Johnstown zur Klage seines Priesters. Es sei in gewisser Weise problematisch, sich einen Priester
als Kläger gegen die eigene Diözese und gegen den eigenen Bischof vorzustellen.
„Die Tatsache, daß
der Beschuldigte verstorben ist, mache es praktisch unmöglich, die Behauptungen des Priesters zu überprüfen“,
erklärte der Bischof weiter.
In den Vereinigten Staaten haben mehrere Dutzend Priester in der Vergangenheit
erklärt, in ihrer Jugend von Geistlichen mißbraucht worden zu sein. Es ist äußerst selten, daß Priester
deswegen ihre eigene Kirche verklagen.
Vikar Nesbella wurde erst am 11. Mai 2002 zum Priester geweiht
und war bisher in verschiedenen Pfarreien im Dienst. Im vergangenen Februar wurde er von seinem Diözesanbischof
suspendiert.
Bischof Adamec erklärte, daß er sich wegen der Anschuldigungen mit Vikar Nesbella getroffen
habe, obwohl er selber in der Anklageschrift als Angeklagter aufgeführt sei. Der Bischof erklärte auch,
daß er es bedauere, daß der Vikar seine Vorwürfe nicht früher erhoben habe.
Das Verhältnis zwischen
dem als ultraliberal geltenden Bischof Adamec und seinem eher konservative Positionen vertretenden Vikar
scheint schon länger angespannt gewesen zu sein. Vikar Nesbella hat sich in der Vergangenheit sehr für
das Lebensrecht der Ungeborenen eingesetzt und die Ehe gegen homosexuelle Angriffe verteidigt.
Im November
2003 forderte der Bischof den Vikar auf, die Verteilung einer Aufklärungsbroschüre über die homosexuelle
Unzucht einzustellen. Nach Ansicht des Bischofs waren die in der Schrift gezeigten Bilder zu eindeutig.
Vikar Nesbella hat auch verschiedentlich Demonstrationen für das Lebensrecht der Ungeborenen angeführt.
Erst im vergangenen Mai erklärte sich die Diözese Altoona-Johnstown bereit, umgerechnet 2.9 Millionen
Euro Schadenersatz an 21 Leute zu zahlen, die erklärt hatten, in der Vergangenheit von Priestern mißbraucht
worden zu sein.
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