19:13:17 | Samstag, 31. Januar 2009
In einem wahrhaft prophetischen Brief hat der altliberale Wiener Ex-Generalvikar darüber berichtet, wie leicht es für Altliberale in der römischen Kirchenbürokratie ist, Gehör und Zuspruch zu finden und sogar von Radio Vatikan interviewt zu werden.

Die altliberale Pfarrer-Initiative bei ‘Radio Vatikan’.
(kreuz.net) Am 19. November hat die altliberale österreichische
‘Pfarrer-Initiative’ – ein Grüppchen
von Priestern mit Ideen aus dem letzten Jahrhundert – auf ihrer Webseite einen Newsletter publiziert.
Der Verfasser des Textes ist der Pfarrer von Probstdorf und ehemalige Generalvikar der Erzdiözese Wien,
Monsignore Helmut Schüller.
Er berichtet von einem November-Rombesuch einer sechsköpfigen Delegation
seiner Gruppierung.
In Rom wurde – so Monsignore Schüller – das Gespräch mit vatikanischen Stellen
„über unsere Anliegen“ gesucht.
Mitglieder der Delegation waren neben Monsignore Schüller der notorische
Pater Udo Fischer ; der Pfarrer von Schwechat bei Wien, Hw. Gerald Gump; der Pfarrer von Buchkirchen bei
Wels und Kremsmünsterer Benediktinerpater Arno Jungreithmaier; der Pfarrer von Hadersdorf am Kamp in
der Diözese Wien, Hw. Franz Ofenböck, und der verheiratete griechisch-katholische Pfarrer der Wiener
Zentralpfarrei, Viktor Kurmanowytsch.
Bethlehemitische Zustände?Die Fixierung von Gesprächsterminen
erwies sich nach Angaben der Newsletter als sehr mühsam: „Wir hatten zunächst brieflich um Gesprächstermine
gebeten.“
Doch dann folgte eine Szene wie am Heiligen Abend.
Das vatikanische Staatssekretariat erklärte
sich zu keinem Gespräch bereit.
Die Liturgiekongregation verwies auf Arbeitsüberlastung infolge Weltbischofssynode
vom Oktober.
In der Kleruskongregation versprach man einen Rückruf, der nie erfolgte.
Der Päpstliche
Rat für die Laien erklärte sich für unzuständig, da die Angelegenheiten der Laien im Pfarreibereich
von der Kleruskongregation wahrgenommen würden.
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit
der Christen, Kardinal Walter Kasper, hätte das altliberale Grüppchen empfangen, war aber zu der Zeit
in Budapest. Dafür boten seine Mitarbeiter ein Gespräch an.
Lediglich der kürzlich ernannte Sekretär
der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria SJ, gab den Altliberalen einen Gesprächstermin. Doch
auch hier gab es Probleme: „Am Vorabend der Abreise fanden wir ein Email mit der Absage dieses Termins.“
Glückliche AltliberaleDarum entschlossen sich die Altliberalen, mit nur einem Termin in der Tasche
zu fahren und es bei den anderen Stellen „auf gut Glück“ zu versuchen.
Zum Glück hatte die Gruppe den
altliberalen Wiener Kardinal auf ihrer Seite: „Kardinal Schönborn, den ich schon vor längerem ersucht
hatte, uns behilflich zu sein, schaltete sich jetzt ein und bemühte sich telephonisch um einen Termin
in der Kleruskongregation“ – bezeugt Monsignore Schüller:
„Dort erfuhr er, daß das Staatssekretariat
allen Stellen ein Gespräch mit uns untersagt hatte.“
Doch der altliberale Kardinal ließ in seinem Bemühen
um die Altliberalen nicht locker: „Nach seinem weiteren Drängen ging die Sache bis zum Papst, der schließlich
verfügte, daß uns nur die Glaubenskongregation empfangen sollte.“
Die Gruppe erhielt einen Termin mit
dem Sekretär der Kongregation, Erzbischof Luis Ladaria.
Das Treffen fand am 12. November um 9.00 bis
10.30 Uhr im Amtssitz der Glaubenskongregation statt.
Der Sekretär und sein AdjutantDas Vorprogramm
bestritt Pater Hermann Geissler, ein aus Tirol stammender Mitarbeiter der Kongregation und Angehöriger
der in Bregenz beheimateten neokonservativen Gruppierung „Das Werk“.
Pater Geissler orientierte die Gruppe
über die Arbeitsweise der Kongregation.
Schließlich erschien der Sekretär der Glaubenskongregation,
Erzbischof Luis Ladaria, der den Präfekten, William Kardinal Levada, wegen eines Krankenhausaufenthaltes
entschuldigte.
Die Altliberalen begannen mit einem harmlosen Thema: das Anliegen pastoral überschaubarer
Pfarreien.
Der Erzbischof und sein Adjutant antworteten mit Unverbindlichem und Unkompetentem.
Verheirateter
Priester als trojanisches PferdDann folgte die unvermeidliche Forderung nach Abschaffung des Zölibates.
Dabei schob man den verheirateten griechisch-katholischen Pfarrer Kurmanowytsch vor. Er betonte etwas
wehleidig, daß man die verheirateten Priester – also ihn selber – nicht einer zweiten Klasse zuordnen
dürfe.
Die Vertreter der Glaubenskongregation krochen dieser Masche auf den Leim, ließen sich einschüchtern
und stimmten ihm zu.
Dann wies die altliberale Gruppe darauf hin, daß der Priestermangel die Sakramente
und den Pfarrseelsorger „tendenziell von den Menschen“ wegrückten.
Daß in Wahrheit die Menschen von
der Kirche weggerückt sind, die Gottesdienstes trotz immer größerer Seelsorgeräume immer leerer werden
und die Kirche immer mehr ein Koloß auf tönernen Füßen ist, hatte keiner den Mut zu sagen.
Dem Papst
vertrauenPater Geissler tröstete, daß der Pflichtzölibat von mehreren Bischofssynoden „als aufrecht
zu erhalten“ gesehen worden sei und die Altliberalen darauf vertrauen sollten, daß der Papst diesbezüglich
das Richtige tue.
Auch die immergrüne Frage nach einer Priesterinnen-Weihe wurde aufgekocht. Pater Geissler
erklärte tapfer, daß diese Sache von Papst Johannes Paul II. ein für allemal entschieden worden sei:
„Wir sollten daher dieses Thema nicht weiterverfolgen.“ Erzbischof Ladaria nickte.
Die Altliberalen liessen
sich nicht überzeugen: „Wir wiesen darauf hin, daß wir die Frage als für die Gemeinden weiterhin aktuell
und die bisherige Antwort des Lehramtes als den Menschen weithin nicht nachvollziehbar erleben.“
Dann
kam die Frage-Litanei auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, obwohl diese unter den wenigen,
noch praktizierenden Katholiken kaum noch eine Rolle spielen und es angebrachter gewesen wäre, über
das Verschwinden der kirchlichen Heirat zu brühten.
Nicht von Sünde reden?Erzbischof Ladaria hob
nach Angaben der ‘Newsletter’ hervor, daß den Betroffenen nicht gesagt werden solle, sie würden in „schwerer
Sünde“ leben, weil wir das von außen nicht beurteilen könnten.
Sie seien von den Sakramenten nur ausgeschlossen,
weil sie mit ihrer Lebensform im Widerspruch zur Lehre der Kirche stünden.
In ihrer Antwort verwiesen
die Altliberalen auf den – angeblichen – Umgang Jesu mit den „Verletzten und Ausgegrenzten“, auf das –
angebliche – Leiden an dieser Regelung – angeblich – gerade bei denen, die es ernst mit Glauben und Kirche
meinen, auf die Praxis der – schismatischen – Ostkirche, auf die – angeblich – verschiedenen Betrachtungsweisen
in verschiedenen Phasen der Kirchengeschichte, auf die – angeblich – große Zahl der Betroffenen. Zur
Sache wurde kaum geredet.
Befindlichkeiten statt InhalteAllerdings schien es dem Grüppchen auch eher
um Befindlichkeiten zu gehen: „Insgesamt verlief das fast eineinhalbstündige Gespräch in einer offenen
und freundlichen Atmosphäre“ – faßt Monsignore Schüller zufrieden zusammen:
„Unseren Anliegen wurde
ausdrücklich Respekt entgegenbracht und ehrliche Sorge um den Zukunftsweg der Kirche zugebilligt.“
Oder:
„Unserem Eindruck nach waren das offene Ansprechen der Themen und Probleme und die nachdrückliche Bezugnahme
dabei auf die pfarrpastorale Erfahrung für den Verlauf und die Atmosphäre des Gespräches sehr wichtig.“
Nach dem Treffen mit der Glaubenskongregation trafen sich die Gruppe mit zwei weiteren vatikanischen
Stellen, obwohl der Papst das ausdrücklich untersagt hatte.
Aufgrund dieser Umstände macht Monsignore
Schüller in seinem Newsletter keine Angaben über die Gesprächspartner.
Schließlich beeilte sich auch
das altliberale, deutschsprachige Radio Vatikan, ein Interview mit der Gruppe über das Gespräch in der
Glaubenskongregation auszustrahlen.
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