18:31:39 | Montag, 5. Januar 2009
Zur Förderung der adventlichen Stimmung empfiehlt die Limburger Kirchenzeitung ein „Kochbuch mit Lutherrezepten“. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net) Die US-Werbeindustrie hat mit dem Weihnachtsmann eine belanglose
Ikone der Konsumwelt kreiert.
Seit etwa zehn Jahren machen auch die Deutschen mit. Sie hängen sich kitschige Weihnachtsmann-Plastikpuppen
ans Haus, die an Dachrinnen hochkraxeln oder auf Seilleitern fensterln.
Sogar in katholischen Gegenden
hat der Heilige Nikolaus angesichts des Eindringens der Konsumfigur ‘Weihnachtsmann’ kaum noch Chancen.
Die Entwicklung bleibt hier allerdings nicht stehen. Kirchenfeindliche Toleranz-Atheisten sind bereits
dabei, die Namen der christlichen Feste auszumerzen.
In der englischen Stadt Oxford hat die Stadtverwaltung
„Christmas“ bereits durch die Bezeichnung „Winter Light Festival“ ersetzt.
Dem blassen Zeitgeist-Christentum fehlt die Kraft, die Uminterpretierung von Advents- und
Weihnachtszeit im öffentlichen Raum zu beeinflussen.
Nicht einmal gegen
blasphemische Verdrehungen von
Advents- und Weihnachtssymbole vermag es sich noch aufzuraffen.
Die Kirche ist an diesem Zustand nicht
unschuldig. Denn sie hat an der Auflösung des Christentums kräftig mitgearbeitet.
Von Kanzeln, Kirchenzeitungen
und Katecheten hört man über die Bedeutung des Advents wenig.
Die Ankündigungen des Heilands durch
die Propheten, der Ruf zur Umkehr, das hoffende Bangen des auserwählten Volkes auf den Messias, die Sehnsucht
der Christen nach Erlösung aus der erbsündlichen Menschennatur – all das ist in der gegenwärtigen kirchlichen
Verkündigung kaum ein Thema.
Man vergleiche dazu die Kraft der alten Kirchenlieder:
„Wo bleibst du,
Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? Hier leiden wir die größte Not, vor Augen
steht der ew’ge Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.“ – so der deutsche
Jesuitendichter Friedrich von Spee († 1635).
Wie heruntergekommen die kirchliche Besinnung auf den Advent
ist, zeigt ein Blick in den identen Mantelteil der Kirchenzeitungen von zehn nord- und ostdeutschen Bistümern.
Von der Adventsbotschaft sind noch einige harmlose Tips zur Lebenshilfe übriggeblieben:
Die „ruhige
Regelmäßigkeit“ – so ist der adventliche Hauptartikel überschrieben – „Meditation und geistige Entspannung
verändern die Struktur des menschlichen Gehirns positiv.“
Ein „Kochbuch mit Lutherrezepten“ könnte
ebenfalls zur adventlichen Stimmung beitragen – empfiehlt die Kirchenzeitung auf Seite 6.
Wer Probleme
mit „Liebe, Sexualität und Schwangerschaft“ hat, wird neuerdings bei ‘Donum vitae’ online beraten – direkt
unter dem Lutherkochbuch.
Den Hauptartikel des Limburger Teils der Kirchenzeitung über eine Fahrt von
Jugendliche nach Taizé ist tiefsinnig überschrieben mit: „Einfach nur abschalten“.
Zu einer Ausstellung
von Weihnachtskrippen im Frankfurter Kirchenladen heißt es: „Krippen sollen auch provozieren.“
Als Lesetip
wird „Luthers Leben in Wort und Bild“ empfohlen, darunter die Kolumne „Ein evangelischer Heiliger“ – aus
einem Vortrag des evangelischen Ratsvorsitzenden „Bischof Wolfgang Huber“.
Nicht besser steht es um das
Weihnachtsfest. Auch davon wissen katholische Schüler praktisch nichts.
Das Kind in der Krippe kennen
sie gerade noch – aber ob sie wüßten, daß die flankierenden Figuren „Maria“ und „Joseph“ heißen –
oder daß das Kind in der Krippe der Heiland, Herr und Erlöser ist?
Vor einigen Jahren wurde bei einer
schulischen Vorführstunde eines Referendars in einer hessischen Stadt die Hirtengeschichte behandelt.
Dabei empfahl die Ausbildnerin, die Hirten beim Lerntransfer als damalige „Randgruppe“ auf heutige zu
übertragen.
Die Weihnachtsgeschichte sollte somit als – billige – Hinführung zu Sozialarbeit gelesen
werden.
Wenn dazu noch eine provokative Krippenausstellung oder die Jubiläums-Performance: „mariamaria –
a tribute to our mother“ aus der Frankfurter Pfarrei ‘Mutter vom guten Rat’ kommt, ist der Brei fertig.
Er wird von einer Kirche angerührt, die an ihre eigene Botschaft selber nicht mehr recht glaubt und
deshalb einstimmt in die geistliche Bedürfnislosigkeit der satten und dem Zorn Gottes ausgelieferten
Welt der Reichen.
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Atzmon 23:01:55 | Sonntag, 25. Dezember 2011
#28
Sirilo 23:04:36 | Montag, 5. Januar 2009
#27
Galatea 23:01:50 | Montag, 5. Januar 2009
#11
matt 19:47:58 | Montag, 5. Januar 2009
#10
Doriano 19:43:53 | Montag, 5. Januar 2009
#6
wiener 19:09:02 | Montag, 5. Januar 2009
#5
Navon 19:06:32 | Montag, 5. Januar 2009
#2
iustus 18:51:06 | Montag, 5. Januar 2009