Kinderabtreibung
Spätabtreibungen: Der Kardinal lobt den Oppositionsführer
Die britischen Medien fragen sich gegenwärtig, ob die Kinderabtreibung in ihrem Land eine ähnlich wichtige Rolle spielen wird wie in den USA. Der Erzbischof von Westminster begrüßt, daß die Tötung von Kindern im Mutterleib endlich öffentlich zur Sprache kommt.
(kreuz.net, London) Der Parteichef der oppositionellen Konservativen, Michael Howard, forderte in einem Interview mit dem britischen Magazin „Cosmopolitan“ eine Verschärfung des Kinderabtreibungsgesetzes.

Spätabtreibungen aus medizinischen Gründen seien, so Howard, in Wahrheit Abtreibungen auf Verlangen der Frau. Angesichts der steigenden Zahl von Spätabtreibungen würde er eine Herabsetzung der Tötungsfrist auf 20 Wochen begrüßen: „Ich glaube, daß die Abtreibung für jeden zugänglich sein sollte, aber die gesetzlichen Bestimmungen sollten geändert werden.“

Der Erzbischof von Westminster (London), Cormac Kardinal Murphy O’Connor, unterstützte am Montag Howards Erklärung. Die Kinderabtreibung werde nach Meinung des Kardinals bei den bevorstehenden Wahlen eine wichtige Rolle spielen. Die Arbeiterpartei sei aufgrund ihrer Befürwortung der Kinderabtreibung für die sechs Millionen Katholiken im Land nicht wählbar. Der Termin für die nächsten Parlamentswahlen steht noch nicht fest. Medienspekulationen sprechen vom 5. Mai.

Der gegenwärtige Premierminister, Tony Blair, machte – ebenfalls in einem Gespräch mit dem Magazin „Cosmopolitan“ – deutlich, daß seine sozialistische Arbeiterpartei Frauen, die ihre Kinder töten wollen, „nicht kriminalisieren“ werde und nicht daran denke, an der gegenwärtigen Tötungspraxis etwas zu ändern. Toni Blairs Frau bezeichnet sich selbst als praktizierende Katholikin. Dem Premierminister werden selber Sympathien für den Katholizismus nachgesagt.

Er sei erfreut – meinte Kardinal Murphy O’Connor – daß die Abtreibungsthematik im Vorfeld der Wahlen diskutiert würde. Die Äußerungen Howards begrüße der Kirchenfürst als Schritt in die richtige Richtung. Seine Position sei, die Abtreibung absolut zu ächten.

„Es gab früher die Vorstellung, daß Katholiken die Arbeiterpartei wählen, weil sie zur Arbeiterklasse gehörten. Ich bin mir nicht sicher, ob das auch heute noch wahr ist.“

Die britischen Medien stellen bereits die Frage, ob es in Großbritannien zu einem ähnlichen Wahlkampf kommen könnte wie in den USA. Dort verloren die Demokraten mit dem Abtreibungsbefürworter John Kerry, der selber katholisch ist, viele katholische Stimmen, weil die Abtreibung zum Wahlkampfthema schlechthin lanciert wurde.

„Manchmal meinen die Leute“ – so der Kardinal – „daß Religion und Politik nichts miteinander zu tun haben und sich auch nicht in die Quere kommen sollen, da es in der Religion um die Liebe zu Gott und zum Nächsten gehe. Es ist genau im zweiten Punkt, wo sich Religion und Politik treffen.“

Britische Lebensschützer veröffentlichten in der lokalen Presse auch kritische Stellungnahmen zu den Aussagen des Führers der britischen Konservativen. Howard lasse darüber keine Zweifel, daß er die Kinderabtreibung wolle und für gut finde. Damit könne auch bei den Konservativen von einer lebensbejahrenden Einstellung keine Rede sein. Es sei nicht einzusehen, warum Kinder, die jünger sind als 20 Wochen, kein Lebensrecht haben.

Letztes Jahr wurden in Großbritannien laut Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 180.000 Abtreibungen durchgeführt. Knapp ein Prozent der Kinder wurden zwischen ihrer 22. und 24. Lebenswoche umgebracht.

1990 wurde in Großbritannien die Tötungsfrist für die sogenannte soziale Indikation von 28 auf 24 Wochen verkürzt.

Foto: © Life Issues Institute
      
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