14:21:13 | Montag, 12. Januar 2009
Was aus dem Vatikan kommt, kann man einfach unqualifiziert zusammenschimpfen. Eine Antwort aus Rom muß man nicht fürchten – und die Leute wissen sowieso nicht, wovon man redet.
(kreuz.net) Im vatikanischen Dokument
‘Dignitas personae’ zur Bioethik ist alles schlecht.
Zu diesem
nuancierten Urteil kam der deutsche Journalist
Tobias Kaufmann (32) am 12. Dezember in der Tageszeitung
‘Kölner Stadt-Anzeiger’.
Kaufmann ist stellvertretender Leiter der Online-Redaktion des Blattes.
Er
gehört zur erzkonservativen und kapitalismushörigen Journalisten-Gruppierung „Achse des Guten“, welche
die rechts-nationalistische Kanonenpolitik des abtretenden US-Präsidenten George W. Bush unterstützt.
Keine Differenzierungen„Es wäre ein Fehler, sich mit säkularem Eifer immer gleich auf das offensichtlich
Weltfremde in jedem neuen Schriftstück aus dem Vatikan zu stürzen“ – plustert sich Kaufmann hoch.
Nach
einer langen Einleitung kommt er zu seinem Ausgangs-Axiom: Die Erklärung ‘Dignitas personae’ markiert
für ihn „auf geradezu tragische Weise menschliches Versagen der katholischen Kirche“.
Kaufmann fügt
hinzu – „auf moralischer und auf intellektueller Ebene.“ Damit wird klar, daß er auf Differenzierungen
keinen Wert legt. Für ihn gibt es – wie für jeden Dämonisierer – nur schwarz oder weiß.
Seine weiteren
Ausführungen stellt er unter den eskalierenden Titel: „Unmenschliche Ethik“.
Wer ist unwissenschaftlich?
Worum geht es? Hier die Antwort: „Daß die Kirchendenker nach wie vor an ihrer Überzeugung festhalten,
schon ein befruchteter Zellhaufen sei menschliches Leben desselben Grades wie ein geborenes Kind, mag
unwissenschaftlich erscheinen – es ist aber ihr gutes Recht.“
Nachfrage an den schimpfenden Kaufmann:
Inwiefern mag diese Binsenwahrheit „unwissenschaftlich“ erscheinen?
Es ist sinnlos, von Kaufmann Argumente
zu erwarten. Er schaukelt nur seinen Haß hoch – verbale Kanonenpolitik.
So fährt er weiter: „Auf diesem
Dogma aber allgemeine Prinzipien wie Menschlichkeit aufzubauen und so durchzuexerzieren, daß am Ende
der im Labor erfüllte Kinderwunsch zweier verheirateter, gläubiger Christen als lebensfeindlicher Akt
hingestellt wird, ist grotesk. Oder, um es ungeschminkt zu sagen: Unmenschlich.“
Die Frage wiederholt
sich: Inwiefern ist die Binsenwahrheit, daß mit der Befruchtung einer Einzelle der Chromosomensatz zustande
kommt, der einen neuen Menschen definiert, ein „Dogma“?
Angst vor ArgumentenDer Vatikan trägt seine
Urteil zu moralischen Sachfragen nie apodiktisch vor, sondern begründet Schritt um Schritt. Von Kaufmann
muß das gleiche verlangt werden.
Andere mit Empörungsvokabular niederzuwalzen, ist weder „menschlich“,
besonders „wissenschaftlich“, noch journalistisch akzeptabel.
Auch Schläge unter die Gürtellinie können
Sachkompetenz nicht ersetzen: „Den polemischen Hinweis darauf, daß die Erkenntnisse über Ehe und Familie
für die meisten Autoren solcher kirchlichen Erklärungen seit Jahrhunderten rein theoretischer Natur
sind, könnte man sich sogar verkneifen, wenn er sich nicht so aufdrängte.“
Wachsen Priester und Päpste
grundsätzlich in Waisenhäusern und nicht in Familien auf? Haben sie keinen Vater, Mutter Geschwister?
Journalismuskurs, erste Stunde: Es ist peinlich, zuerst anzumerken, daß man gewisse Dinge nicht sagen
sollte, um es dann trotzdem zu tun.
Fehlende GenauigkeitMag sein, daß der Papst keine eigenen Kinder
besitzt. Aber es ist auch eine Tatsache, daß Kaufmanns Potsdamer Studien in Politik, Geschichte und Sport
ihn – unbeschadet seiner drei Töchter – nicht unbedingt dazu berufen, über ‘Dignitas personae’ zu theoretisieren.
Des Journalisten fehlende Kompetenz zeigt sich darin, daß er nicht imstande ist, das Dokument genau
zu lesen.
Ein Beispiel? Kaufmann zitiert das Dokument, demzufolge ein Kind, das nur zur Welt kommt, weil
seine liebenden Eltern den in diesem Punkt erfolglosen „personalen Akt“ dank moderner Medizin durch Labortechnik
ergänzen konnten, auf eine inakzeptable Weise zustande gekommen sei.
Kaufmann hat hier das in ‘Dignitas
personae’ verwendete Verb „ersetzen“ durch das Verb „ergänzen“ ausgetauscht.
Doch niemand im Vatikan
hat etwas dagegen, daß der „personale Akt“ der Zeugung durch Labortechnik „ergänzt“ wird.
Ein Problem
entsteht aber, wenn der eheliche Akt nicht ergänzt, sondern ersetzt wird.
Produkt einer BesamungEin
so entstandener Mensch ist in einem personal-menschlichen Sinn nicht mehr das Kind seiner Eltern, sondern
das technische Produkt eines Besamungsinstituts.
Mann und Frau sind dabei auswechselbare, passive Lieferanten
von Genmaterial, die es nicht verdienen, Eltern genannt zu werden.
Der tobende Kaufmann läßt sich freilich
nicht auf Argumente ein, sondern zieht es vor, ein gebrochenes Bein mit einem gebrochenen Arm zu vergleichen:
„Dabei besteht dieses Kind aus Eizelle und Spermium liebender Eltern mit ernsthaftem Kinderwunsch – ganz
im Gegensatz zu so manchem Kind, das in zerrütteten Verhältnissen in einem personalen Akt gezeugt wurde,
der mit allem zu tun hatte, nur nicht mit Liebe.“
Problem der ReichenMan kann es in diesem Zusammenhang
nicht häufig genug wiederholen.
Der Kinderwunsch, der in jedem Menschen steckt – ob verheiratet oder
unverheiratet, fruchtbar oder unfruchtbar – ist ein großer und lobenswerter, aber trotzdem kein absoluter
Wert.
Der Wunsch alleine legitimiert noch nicht die Zeugung eines Kindes, weil kein Mensch zum Wunschprodukt
eines anderen degradiert werden darf.
Der Wunsch nach dem Kind ist zwar eine notwendige, aber kein hinreichende
Bedingung für die Zeugung eines Menschen.
Darum ist es – um Kaufmanns Lieblingsvokabular zu verwenden –
unmenschlich, Menschen auf unmenschliche Weise zu produzieren und dadurch das Kind um seine Eltern und
die Eltern um ihre Elternschaft zu bringen.
Es ist unmenschlich, den menschlichen Kinderwunsch zu einem
absoluten Gut hochzustilisieren, dem sich jedes andere Gut zu unterwerfen hat – ganz abgesehen davon,
daß die Produktion von Menschen in Besamungsinstituten sowieso nur das Privileg einer winzigen reichen
Oberschicht ist und bleiben wird.
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