Vatikan
Hauptsache Haß
Was aus dem Vatikan kommt, kann man einfach unqualifiziert zusammenschimpfen. Eine Antwort aus Rom muß man nicht fürchten – und die Leute wissen sowieso nicht, wovon man redet.
Die Kolonnaden des italienischen Architekten Gian Lorenzo Bernini (†1680) auf dem Petersplatz
Die Kolonnaden des italienischen Architekten Gian Lorenzo Bernini († 1680) auf dem Petersplatz
© Flickr-Benutzer „vgm8383“, CC
(kreuz.net) Im vatikanischen Dokument ‘Dignitas personae’ zur Bioethik ist alles schlecht.

Zu diesem nuancierten Urteil kam der deutsche Journalist Tobias Kaufmann (32) am 12. Dezember in der Tageszeitung ‘Kölner Stadt-Anzeiger’.

Kaufmann ist stellvertretender Leiter der Online-Redaktion des Blattes.

Er gehört zur erzkonservativen und kapitalismushörigen Journalisten-Gruppierung „Achse des Guten“, welche die rechts-nationalistische Kanonenpolitik des abtretenden US-Präsidenten George W. Bush unterstützt.

Keine Differenzierungen

„Es wäre ein Fehler, sich mit säkularem Eifer immer gleich auf das offensichtlich Weltfremde in jedem neuen Schriftstück aus dem Vatikan zu stürzen“ – plustert sich Kaufmann hoch.

Nach einer langen Einleitung kommt er zu seinem Ausgangs-Axiom: Die Erklärung ‘Dignitas personae’ markiert für ihn „auf geradezu tragische Weise menschliches Versagen der katholischen Kirche“.

Kaufmann fügt hinzu – „auf moralischer und auf intellektueller Ebene.“ Damit wird klar, daß er auf Differenzierungen keinen Wert legt. Für ihn gibt es – wie für jeden Dämonisierer – nur schwarz oder weiß.

Seine weiteren Ausführungen stellt er unter den eskalierenden Titel: „Unmenschliche Ethik“.

Wer ist unwissenschaftlich?

Worum geht es? Hier die Antwort: „Daß die Kirchendenker nach wie vor an ihrer Überzeugung festhalten, schon ein befruchteter Zellhaufen sei menschliches Leben desselben Grades wie ein geborenes Kind, mag unwissenschaftlich erscheinen – es ist aber ihr gutes Recht.“

Nachfrage an den schimpfenden Kaufmann: Inwiefern mag diese Binsenwahrheit „unwissenschaftlich“ erscheinen?

Es ist sinnlos, von Kaufmann Argumente zu erwarten. Er schaukelt nur seinen Haß hoch – verbale Kanonenpolitik.

So fährt er weiter: „Auf diesem Dogma aber allgemeine Prinzipien wie Menschlichkeit aufzubauen und so durchzuexerzieren, daß am Ende der im Labor erfüllte Kinderwunsch zweier verheirateter, gläubiger Christen als lebensfeindlicher Akt hingestellt wird, ist grotesk. Oder, um es ungeschminkt zu sagen: Unmenschlich.“

Die Frage wiederholt sich: Inwiefern ist die Binsenwahrheit, daß mit der Befruchtung einer Einzelle der Chromosomensatz zustande kommt, der einen neuen Menschen definiert, ein „Dogma“?

Angst vor Argumenten

Der Vatikan trägt seine Urteil zu moralischen Sachfragen nie apodiktisch vor, sondern begründet Schritt um Schritt. Von Kaufmann muß das gleiche verlangt werden.

Andere mit Empörungsvokabular niederzuwalzen, ist weder „menschlich“, besonders „wissenschaftlich“, noch journalistisch akzeptabel.

Auch Schläge unter die Gürtellinie können Sachkompetenz nicht ersetzen: „Den polemischen Hinweis darauf, daß die Erkenntnisse über Ehe und Familie für die meisten Autoren solcher kirchlichen Erklärungen seit Jahrhunderten rein theoretischer Natur sind, könnte man sich sogar verkneifen, wenn er sich nicht so aufdrängte.“

Wachsen Priester und Päpste grundsätzlich in Waisenhäusern und nicht in Familien auf? Haben sie keinen Vater, Mutter Geschwister?

Journalismuskurs, erste Stunde: Es ist peinlich, zuerst anzumerken, daß man gewisse Dinge nicht sagen sollte, um es dann trotzdem zu tun.

Fehlende Genauigkeit

Mag sein, daß der Papst keine eigenen Kinder besitzt. Aber es ist auch eine Tatsache, daß Kaufmanns Potsdamer Studien in Politik, Geschichte und Sport ihn – unbeschadet seiner drei Töchter – nicht unbedingt dazu berufen, über ‘Dignitas personae’ zu theoretisieren.

Des Journalisten fehlende Kompetenz zeigt sich darin, daß er nicht imstande ist, das Dokument genau zu lesen.

Ein Beispiel? Kaufmann zitiert das Dokument, demzufolge ein Kind, das nur zur Welt kommt, weil seine liebenden Eltern den in diesem Punkt erfolglosen „personalen Akt“ dank moderner Medizin durch Labortechnik ergänzen konnten, auf eine inakzeptable Weise zustande gekommen sei.

Kaufmann hat hier das in ‘Dignitas personae’ verwendete Verb „ersetzen“ durch das Verb „ergänzen“ ausgetauscht.

Doch niemand im Vatikan hat etwas dagegen, daß der „personale Akt“ der Zeugung durch Labortechnik „ergänzt“ wird.

Ein Problem entsteht aber, wenn der eheliche Akt nicht ergänzt, sondern ersetzt wird.

Produkt einer Besamung

Ein so entstandener Mensch ist in einem personal-menschlichen Sinn nicht mehr das Kind seiner Eltern, sondern das technische Produkt eines Besamungsinstituts.

Mann und Frau sind dabei auswechselbare, passive Lieferanten von Genmaterial, die es nicht verdienen, Eltern genannt zu werden.

Der tobende Kaufmann läßt sich freilich nicht auf Argumente ein, sondern zieht es vor, ein gebrochenes Bein mit einem gebrochenen Arm zu vergleichen:

„Dabei besteht dieses Kind aus Eizelle und Spermium liebender Eltern mit ernsthaftem Kinderwunsch – ganz im Gegensatz zu so manchem Kind, das in zerrütteten Verhältnissen in einem personalen Akt gezeugt wurde, der mit allem zu tun hatte, nur nicht mit Liebe.“

Problem der Reichen

Man kann es in diesem Zusammenhang nicht häufig genug wiederholen.

Der Kinderwunsch, der in jedem Menschen steckt – ob verheiratet oder unverheiratet, fruchtbar oder unfruchtbar – ist ein großer und lobenswerter, aber trotzdem kein absoluter Wert.

Der Wunsch alleine legitimiert noch nicht die Zeugung eines Kindes, weil kein Mensch zum Wunschprodukt eines anderen degradiert werden darf.

Der Wunsch nach dem Kind ist zwar eine notwendige, aber kein hinreichende Bedingung für die Zeugung eines Menschen.

Darum ist es – um Kaufmanns Lieblingsvokabular zu verwenden – unmenschlich, Menschen auf unmenschliche Weise zu produzieren und dadurch das Kind um seine Eltern und die Eltern um ihre Elternschaft zu bringen.

Es ist unmenschlich, den menschlichen Kinderwunsch zu einem absoluten Gut hochzustilisieren, dem sich jedes andere Gut zu unterwerfen hat – ganz abgesehen davon, daß die Produktion von Menschen in Besamungsinstituten sowieso nur das Privileg einer winzigen reichen Oberschicht ist und bleiben wird.
      
7 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#8   Josef Preßlmayer   09:48:49 | Dienstag, 13. Januar 2009
Für ein künstlich gezeugtes Baby müssen üblicherweise mindestens zwei ihrer Geschwister sterben!
Das ist der wesentliche Grund, warum „In vitro-Fertilisation“ ein Verbrechen ist!
Aus Gründen der Kosten-Ökonomie werden nämlich in der Regel drei Menschen im Frühstadium eingepflanzt, da sich nicht immer alle entwickeln.
Entwicklen sich erfreulicherweise alle, werden auf Wunsch der Mutter oder auf ärztliche Empfehlung ein oder zwei durch eine Spritze ins Herz getötet.
Zuvor wird eine Reihe von Babys meist einem „Screening“ unterzogen, um „Desigener“-Babys zu gewinnen und unerwünschtes Ergbut auszuschalten.
Die „überzähligen“ Babys müssen in Österreich nach einem Jahr getötet werden. Anderswo dürfen sie in ihrem eisigem Schlaf weiterexistieren, bis auch sie getötet werden.
Aus ideologischer geistiger Einengung oder purer Einfältigkeit wollen oder können die Schreibtischtäter nicht erfassen, dass aus bio-ökonomischen Gründen ein Zeugungsakt nicht Kinder der Größe eines Erwachsenen zur Folge haben kann. Sie glauben, dem Menschen im frühen Entwicklungtsstadium das Menschsein absprechen zu können, obwohl diese alle physichen und psychischen Anlagen des erwachsenen Menschen besitzen und ihnen nur die Gnade beschieden sein muss, sich gemäß ihrem Genom entfalten zu dürfen.
Der bekehrte serbische Abtreiber Dr. Adasevic berichtete, dass die Baby-Selektion dem auswählenen Arzt, das größte Gefühl der Gottähnlichkeit verschafft!
Dem Christen ist in Jesu Nachfolge das Charisma geschenkt auch ohne leibliche Kinder seinen Lebenszweck zu erfüllen, göttliche Liebe weiter zu schenken!
Redaktion benachrichtigen
#7   Gunsenum   08:15:20 | Dienstag, 13. Januar 2009
Symbiose Kauffmann-Kreuz.net
Und wie genau unterscheiden sich nun die Vorgehen von Herrn Kauffmann und kreuz.net? Alles was aus Rom kommt, ist für eh nur böses Geschmier! So what?!
Redaktion benachrichtigen
#6   Terminator   18:21:23 | Montag, 12. Januar 2009
@Wiener
Homo ?????
Redaktion benachrichtigen
#4   clarissa colonia   16:08:10 | Montag, 12. Januar 2009
Redaktionsseitige Selbsterkenntnis (-kritik)?
„Andere mit Empörungsvokabular niederzuwalzen, ist weder „menschlich“, besonders „wissenschaftlich“, noch journalistisch akzeptabel.
Auch Schläge unter die Gürtellinie können Sachkompetenz nicht ersetzen …“
Redaktion benachrichtigen
#3   Prof Rempremmerding   14:34:23 | Montag, 12. Januar 2009
Wiener
Tuns doch lieber Ihren geliebten Umfallerkardinal weißwaschen, keiner kann ihnen das nachmachen!
Redaktion benachrichtigen
#2   wiener   14:31:35 | Montag, 12. Januar 2009
und ich dachte schon …
… dass +.net wieder einmal über sich selbst spricht …
aber nein: im artikel geht es ja um ideologisierte schwarz-weiß-maler.
wie konnte ich mich so täuschen?!?
Redaktion benachrichtigen
#1   Prof Rempremmerding   14:27:45 | Montag, 12. Januar 2009
Humanismus
Ein würdiger Vertreter des ehedem auserwählten Volkes, dieser Herr Kaufmann. Wie gut, daß Kirche und Judentum seit dem Konzil am Aufbau einer gerechteren neuen Weltordnung zusammenarbeiten!
Redaktion benachrichtigen
Es wurde eine Lesermeinung von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
VatikanWieviel Geld besitzt der Heilige Stuhl? VatikanDie römischen Damen sind verrückt nach ihm VatikanEine neue Popessa? VatikanWeniger Gestaltungsmöglichkeiten? VatikanSchwerer Konflikt beim päpstlichen Wachpersonal VatikanVerwirrte Begriffe VatikanKein Hinterstubengerücht VatikanBlinder Passagier im Vatikan rechtzeitig über Bord geworfen VatikanSchnüffeln in der päpstlichen Garderobe VatikanDer Vatikan lernt – wenigstens was die Form betrifft GlaubenskongregationHerumgeisterndes Personalgerücht Apostolische ExhortationAuthentischer Blödsinn Kardinal SodanoEr weigert sich, auszuziehen VatikanGott spricht auch Latein Apostolische ExhortationVatikanische Schlampereien
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net