12:54:43 | Mittwoch, 16. März 2005
Ein israelisches Gericht hat entschieden, daß die Wahl des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem im Jahre 2001 illegal gewesen ist.
(kreuz.net, Jerusalem) Die Skandale um die orthodoxe Gemeinschaft in Griechenland haben nun auch das Heilige
Land erreicht. Ein Gericht in Jerusalem hat diesen Monat entschieden, daß die Wahl von Irenäus I. zum
Patriarchen der Griechisch-Orthodoxen im Heiligen Land ungültig gewesen ist. Das berichtete die britische
Tageszeitung „Financial Times“. Irenäus I. ist das gegenwärtige Oberhaupt der Griechisch-Orthodoxen
im Heiligen Land.
Der Gerichtsentscheid bezieht sich auf die Wahl von Irenäus I. im Jahre 2001 durch
eine 17-köpfige Synode. Irenäus I. gewann die Wahl mit sieben Stimmen. Seine Rivalen, die Erzbischöfe
Cornelios und Timotheos, konnten jeweils fünf Stimmen auf sich vereinigen.
Die Klage gegen Irenäus
I. wurde von einem griechisch-orthodoxen Palästinenser mit israelischem Paß eingebracht. Dieser zog
die Wahl in Zweifel, weil die Wahl von Irenäus I. angeblich mit Hilfe von bekannten Kriminellen durchgesetzt
worden war, die eigens von Griechenland angereist waren.
Unter ihnen soll sich auch Apostolos Vavilis
befunden haben. Vavilis ist ein verurteilter Drogenhändler, der sich im Jahre 2001 nach Jerusalem begab,
als er bereits von Interpol gesucht wurde. Er ist mittlerweile untergetaucht. In Griechenland bringen
frühere Kontakte mit Vavilis gegenwärtig auch Christodoulos,
den Erzbischof von Athen und ganz Griechenland
in Schwierigkeiten.
In der Zwischenzeit hat der griechisch-orthodoxe Patriarch Irenäus gegen die Jerusalemer
Gerichtsentscheidung Berufung eingelegt. Der Rechtsvertreter des Patriarchen ist Gilead Scher, einer der
bekanntesten Rechtsanwälte in Israel. Solange die Sache in der Appellation ist, verbleibt Irenäus I.
im Amt.
Erstinstanzliche Gerichte hatten noch angeordnet, daß Erzbischof Corneleos, der Stellvertreter
des Patriarchen, neue Wahlen organisieren müsse. Die Mönche um Irenäus hatten Corneleos dagegen aufgefordert,
von seinem Amt zurückzutreten. Corneleos lehnte ab.
In die gegenwärtige Krise im Jerusalemer Patriarchat
der Griechisch-Orthodoxen hat sich jetzt auch die Regierung Griechenlands eingeschaltet. Sie sandte ihren
Außenminister für dringliche Gespräche nach Jerusalem.
Die Wahl des 65-jährigen Irenäus vor drei
Jahren stieß schnell auf Widerstand. Die rechts-nationalistische israelische Regierung unter Ariel Scharon
lehnte die Wahl von Irenäus I. wegen seiner angeblich zu engen Beziehungen zum inzwischen verstorbenen
Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Yassir Arafat, zunächst ab. Die Anerkennung erfolgte
erst letztes Jahr.
Die Wahl des griechisch-orthodoxen Patriarchen muß nach geltendem Statut von Israel,
Jordanien und den Palästinensischen Autonomiebehörden anerkannt werden.
Nach den Patriarchenwahlen
im Jahr 2001 begannen griechische und palästinensische Staatsanwälte Behauptungen zu untersuchen, wonach
der unterlegene Kandidat Timotheos einem palästinensischen Killer angeblich 186 Millionen Euro angeboten
habe, um Irenäus umzubringen. Ein Geständnis des angeblichen Killers erwies sich aber als ein hinterlistiger
Versuch, den Rivalen des Patriarchen zu diskreditieren.
Nach seiner Wahl ernannte der neue Patriarch
Nicolaos Papadimas zum Finanzchef des Patriarchates in Jerusalem. Papadimas ist zusammen mit seiner israelischen
Frau verschwunden, nachdem er mit der Klage konfrontiert worden war, daß in der Kasse des Patriarchates
zwischen eine und sechs Millionen Euros fehlen.
Selbst als Premierminister Scharon den Patriarchen im
letzten Jahr schließlich anerkannte, erwies sich das für Irenäus I. als ein Bumerang. Die ultrarechte
Opposition im israelischen Parlament behauptete sofort, daß die Anerkennung eine Belohnung für Irenäus’
Rolle in der Affäre um die griechische Insel gewesen sein soll, in die Scharon und sein Sohn verstrickt
gewesen sein sollen.
An der Wurzel der Krise im Heiligen Land sind auch langjährige Spannungen zwischen
der aus Griechenland importierten griechisch-orthodoxen Hierarchie, die aus Mönchen besteht, und dem
arabischsprechenden verheirateten niederen Klerus mit ihren Gläubigen.
Letztere klagen das Patriarchat
an, Kirchenbesitz an die israelische Regierung und israelische Bauherren zu künstlich tiefen Preisen
zu vermieten. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat im Heiligen Land ist neben der israelischen Regierung
der größte Landbesitzer in Israel. Viele Landflächen an bester Baulage in Jerusalem sind im Besitz
der Griechen. Auch der Boden, auf dem das israelische Parlament gebaut ist, gehört dem griechisch-orthodoxen
Patriarchat.
Erst kürzlich hat es in Nazareth, einer arabischen Stadt im Norden von Israel, einen innerorthodoxen
Konflikt gegeben. Einheimische Christen haben sich gegen Pläne des Patriarchates gewehrt, etwa 40 Hektar
Land an israelische Bauherren zu vermieten. Es scheint, daß im Jerusalemer Patriarchat Bestechungsgelder
angenommen wurden, um den Abschluß des Handels zu beschleunigen.
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