Orthodoxie
Illegaler Patriarch?
Ein israelisches Gericht hat entschieden, daß die Wahl des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem im Jahre 2001 illegal gewesen ist.
(kreuz.net, Jerusalem) Die Skandale um die orthodoxe Gemeinschaft in Griechenland haben nun auch das Heilige Land erreicht. Ein Gericht in Jerusalem hat diesen Monat entschieden, daß die Wahl von Irenäus I. zum Patriarchen der Griechisch-Orthodoxen im Heiligen Land ungültig gewesen ist. Das berichtete die britische Tageszeitung „Financial Times“. Irenäus I. ist das gegenwärtige Oberhaupt der Griechisch-Orthodoxen im Heiligen Land.

Der Gerichtsentscheid bezieht sich auf die Wahl von Irenäus I. im Jahre 2001 durch eine 17-köpfige Synode. Irenäus I. gewann die Wahl mit sieben Stimmen. Seine Rivalen, die Erzbischöfe Cornelios und Timotheos, konnten jeweils fünf Stimmen auf sich vereinigen.

Die Klage gegen Irenäus I. wurde von einem griechisch-orthodoxen Palästinenser mit israelischem Paß eingebracht. Dieser zog die Wahl in Zweifel, weil die Wahl von Irenäus I. angeblich mit Hilfe von bekannten Kriminellen durchgesetzt worden war, die eigens von Griechenland angereist waren.

Unter ihnen soll sich auch Apostolos Vavilis befunden haben. Vavilis ist ein verurteilter Drogenhändler, der sich im Jahre 2001 nach Jerusalem begab, als er bereits von Interpol gesucht wurde. Er ist mittlerweile untergetaucht. In Griechenland bringen frühere Kontakte mit Vavilis gegenwärtig auch Christodoulos, den Erzbischof von Athen und ganz Griechenland in Schwierigkeiten.

In der Zwischenzeit hat der griechisch-orthodoxe Patriarch Irenäus gegen die Jerusalemer Gerichtsentscheidung Berufung eingelegt. Der Rechtsvertreter des Patriarchen ist Gilead Scher, einer der bekanntesten Rechtsanwälte in Israel. Solange die Sache in der Appellation ist, verbleibt Irenäus I. im Amt.

Erstinstanzliche Gerichte hatten noch angeordnet, daß Erzbischof Corneleos, der Stellvertreter des Patriarchen, neue Wahlen organisieren müsse. Die Mönche um Irenäus hatten Corneleos dagegen aufgefordert, von seinem Amt zurückzutreten. Corneleos lehnte ab.

In die gegenwärtige Krise im Jerusalemer Patriarchat der Griechisch-Orthodoxen hat sich jetzt auch die Regierung Griechenlands eingeschaltet. Sie sandte ihren Außenminister für dringliche Gespräche nach Jerusalem.

Die Wahl des 65-jährigen Irenäus vor drei Jahren stieß schnell auf Widerstand. Die rechts-nationalistische israelische Regierung unter Ariel Scharon lehnte die Wahl von Irenäus I. wegen seiner angeblich zu engen Beziehungen zum inzwischen verstorbenen Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Yassir Arafat, zunächst ab. Die Anerkennung erfolgte erst letztes Jahr.

Die Wahl des griechisch-orthodoxen Patriarchen muß nach geltendem Statut von Israel, Jordanien und den Palästinensischen Autonomiebehörden anerkannt werden.

Nach den Patriarchenwahlen im Jahr 2001 begannen griechische und palästinensische Staatsanwälte Behauptungen zu untersuchen, wonach der unterlegene Kandidat Timotheos einem palästinensischen Killer angeblich 186 Millionen Euro angeboten habe, um Irenäus umzubringen. Ein Geständnis des angeblichen Killers erwies sich aber als ein hinterlistiger Versuch, den Rivalen des Patriarchen zu diskreditieren.

Nach seiner Wahl ernannte der neue Patriarch Nicolaos Papadimas zum Finanzchef des Patriarchates in Jerusalem. Papadimas ist zusammen mit seiner israelischen Frau verschwunden, nachdem er mit der Klage konfrontiert worden war, daß in der Kasse des Patriarchates zwischen eine und sechs Millionen Euros fehlen.

Selbst als Premierminister Scharon den Patriarchen im letzten Jahr schließlich anerkannte, erwies sich das für Irenäus I. als ein Bumerang. Die ultrarechte Opposition im israelischen Parlament behauptete sofort, daß die Anerkennung eine Belohnung für Irenäus’ Rolle in der Affäre um die griechische Insel gewesen sein soll, in die Scharon und sein Sohn verstrickt gewesen sein sollen.

An der Wurzel der Krise im Heiligen Land sind auch langjährige Spannungen zwischen der aus Griechenland importierten griechisch-orthodoxen Hierarchie, die aus Mönchen besteht, und dem arabischsprechenden verheirateten niederen Klerus mit ihren Gläubigen.

Letztere klagen das Patriarchat an, Kirchenbesitz an die israelische Regierung und israelische Bauherren zu künstlich tiefen Preisen zu vermieten. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat im Heiligen Land ist neben der israelischen Regierung der größte Landbesitzer in Israel. Viele Landflächen an bester Baulage in Jerusalem sind im Besitz der Griechen. Auch der Boden, auf dem das israelische Parlament gebaut ist, gehört dem griechisch-orthodoxen Patriarchat.

Erst kürzlich hat es in Nazareth, einer arabischen Stadt im Norden von Israel, einen innerorthodoxen Konflikt gegeben. Einheimische Christen haben sich gegen Pläne des Patriarchates gewehrt, etwa 40 Hektar Land an israelische Bauherren zu vermieten. Es scheint, daß im Jerusalemer Patriarchat Bestechungsgelder angenommen wurden, um den Abschluß des Handels zu beschleunigen.
      
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