17:44:31 | Sonntag, 11. Januar 2009
Gegenwärtig rächt sich in Israel jene unverarbeitete Vergangenheit, vor der Persönlichkeiten wie der Physiker Albert Einstein oder die Philosophin Hanna Arendt schon im Jahr 1948 gewarnt haben. Der Originaltext.

Menachem Begin († 1992) bekam trotz Terroranschläge 1978 den Friedensnobelpreis
(kreuz.net) Zu den am meisten beunruhigenden politischen Phänomenen unserer Zeit gehört das Auftauchen
der „Freiheitspartei“ – Tnuat Hacherut – im neu geschaffenen Staat Israel.
Das ist eine politische Gruppierung,
die in Organisation, Methoden, politischer Philosophie und sozialen Aufrufen den Nationalsozialisten und
den faschistischen Parteien sehr ähnlich ist.
Sie bildete sich aus den Mitgliedern und Anhängern des
früheren ‘Irgun Zwai Leumi’ – der ‘Nationalen Militärischen Organisation’ – einer terroristischen, rechtsradikalen,
chauvinistischen Gruppierung in Palästina.
Die ‘Nationale Militärische Organisation’:
Eine terroristische,
rechtsradikale, chauvinistische Gruppierung in Palästina.
Der gegenwärtige USA-Besuch von Menachem
Begin – dem Führer dieser Partei – ist offensichtlich geplant worden, um den Eindruck zu vermitteln,
daß diese Partei bei den anstehenden israelischen Wahlen von den Amerikanern unterstützt wird und um
deren politische Verbindung mit konservativen zionistischen Elementen in den USA zu festigen.
Mehrere
landesweit bekannte Amerikaner haben ihre Namen hergegeben, Begins Besuch willkommen zu heißen.
Es ist
unvorstellbar, daß jene, die sich dem Faschismus in aller Welt widersetzen, der von Begin repräsentierten
Bewegung ihren Namen und ihre Unterstützung geben – es sei denn, daß sie über seine politische Vorgeschichte
und seine Absichten nicht korrekt informiert sind.
Die amerikanische Öffentlichkeit muß über Begins
Vorgeschichte, Ziele und Partei aufgeklärt werden, bevor durch finanzielle Zuwendungen und öffentliche
Bekundung zugunsten Begins in Palästina der Eindruck erweckt wird, daß ein großer Teil Amerikas faschistische
Elemente in Israel unterstützt und so ein irreparabler Schaden angerichtet wird.
Die öffentlichen Beteuerung
der Partei Begins können nicht als Anhaltspunkte dienen, um deren eigentlichen Charakter zu verstehen.
Heute spricht man dort von Freiheit, Demokratie und Anti-Imperialismus, wobei bis vor kurzem offen die
Doktrin eines faschistischen Staates gepredigt wurde.
Diese terroristische Partei verrät ihren wahren
Charakter in dem, was sie getan hat. Aus ihren früheren Handlungen können wir beurteilen, was man von
ihr in der Zukunft erwarten kann.
Erfahrungswert:
Aus ihren früheren Handlungen können wir beurteilen,
was man von ihr in der Zukunft erwarten kann.
Angriff auf ein arabisches DorfEin schockierendes Beispiel
war ihr Verhalten im arabischen Dorf von Deir Yassin.
Dieser Ort – abseits von der Hauptstraße gelegen
und von jüdischen Ländereien umgeben – beteiligte sich nicht an Kriegshandlungen. Es kämpfte sogar
gegen arabische Banden, die den Ort zu ihrem Stützpunkt machen wollten.
Am 9. April griffen Terrorbanden
das friedliche Dorf an, das kein militärisches Ziel darstellte. Sie töteten die meisten Bewohner – 240
Männer, Frauen und Kinder – und nahmen einige lebend als Gefangene für eine Parade durch die Straßen
Jerusalems mit.
Jüdischer Terror:
Am 9. April 1948 griffen Terrorbanden das friedliche Dorf an und töteten
die meisten Bewohner – 240 Männer, Frauen und Kinder.
Der größte Teil der jüdischen Gemeinschaft
war über diese Tat schockiert. Die ‘Jewish Agency’ entschuldigte sich in einem Telegramm bei König Abdullah
von Transjordanien.
Die Terroristen waren aber weit davon entfernt, sich ihrer Taten zu schämen. Sie
zeigten ihren Stolz auf dieses Massaker, machten es weitum bekannt und luden alle ausländische Korrespondenten
ein, die Leichenhaufen und die allgemeine Verwüstung im Dorf Deir Yassin zu besichtigen.
Der Vorfall
in Deir Yassin veranschaulicht den Charakter und die Taten dieser Freiheitspartei.
Sie predigte innerhalb
der jüdischen Gemeinschaft eine Mischung von Ultra-Nationalismus, religiösem Mystizismus und rassischer
Überlegenheit.
Wie andere faschistische Parteien wurden sie eingesetzt, um Streiks zu brechen. Die Partei
bemühte sich auch, freie Gewerkschaften zu zerstören. An ihrer Stelle wollten sie Vereinigungen nach
italienisch-faschistischen Modellen einrichten.
Während der letzten Jahre, die von sporadischer anti-britischer
Gewalt gekennzeichnet waren, hat die ‘Nationale Militärische Organisation’ und die ‘Stern-Bande’ eine
Terrorherrschaft in der jüdischen Gemeinschaft Palästinas ausgeübt: Lehrer wurden verprügelt, weil
sie sich gegen sie äußerten, Erwachsene erschossen, weil sie verhinderten, daß sich ihre Kinder ihnen
anschlossen.
Mit Gangstermethoden, Prügeln, eingeschlagenen Fenstern und weitflächigen Raubzügen schüchterten
die Terroristen die Bevölkerung ein und erpressten hohe Geldzahlungen.
Die Leute der ‘Freiheitspartei’
nahmen nicht an konstruktiven Aufbauarbeiten in Palästina teil. Sie erwarben kein Land, bauten keine
Siedlungen, sondern lenkten nur von den jüdischen Verteidigungsaktivitäten ab.
Ihre sehr herausgestrichenen
Bemühungen um die Einwanderung waren in Wahrheit winzig. Es ging ihnen mehr darum, faschistische Mitstreiter
ins Land zu schleusen.
Schon damals wenig Einsehen:
Es ist tragisch, daß die oberste Führung des US-Zionismus
sich weigert, Begins Bemühungen entgegenzutreten.
Die Diskrepanz zwischen den kühnen Behauptungen,
die Begin und seine Partei jetzt machen, und deren Vorgeschichte in Palästina deutet nicht auf eine gewöhnliche
politische Gruppierung.
Das sind unverkennbare Zeichen einer faschistischen Partei, für die Terrorismus –
gegen Juden, Araber und Briten – und Verdrehungen das Mittel, und ein „Führerstaat“ das Ziel sind.
Im
Licht dieser Überlegungen ist es notwendig, daß die Wahrheit über Begin und seine Bewegung in diesem
Land bekanntgemacht wird.
Es ist tragisch, daß die oberste Führung des amerikanischen Zionismus sich
weigert, Begins Bemühungen entgegenzutreten oder die eigenen Mitgliedern wenigstens auf die Gefahren
hinzuweisen, die sich aus einer Unterstützung Begins ergeben.
Die Unterzeichner greifen deshalb zu diesem
Mittel, einige herausragende Tatsachen über Begin und seine Partei öffentlich darzustellen.
Sie bitten
alle Betroffenen eindringlich, diese jüngste Erscheinungsform des Faschismus nicht zu unterstützen.
Unterzeichner
Isidore Abramowitz
Hannah Arendt
Abraham Brick
Rabbi Jessurun Cardozo
Albert Einstein
Herman Eisen
Hayim Fineman,
M. Gallen
H.H. Harris
Zelig S. Harris
Sidney Hook
Fred Karush
Bruria Kaufman
Irma L. Lindheim
Nachman Maisel
Seymour Melman
Myer D. Mendelson
Harry M.Oslinsky
Samuel Pitlick
Fritz
Rohrlich
Louis P. Rocker
Ruth Sagis
Itzhak Sankowsky
I.J. Shoenberg,
Samuel Shuman
M. Singer
Irma Wolfe
Stefan Wolfe
Der Originaltext wurde am 4. Dezember 1948 in der Tageszeitung ‘New York Times’ abgedruckt.
Menachem Begin war von Juni 1977 bis Oktober 1983 israelischer Ministerpräsident. Die israelische Regierungspartei
‘Kadima’ sammelt die politischen Erben von Menachem Begin.
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