11:28:39 | Samstag, 17. Januar 2009
Sie halten Kinder und Koffer in ihren Händen, hilflos, während die Granaten um sie herum nieder regnen. Von Gideon Levy.

Tote Araber im Gazastreifen
(kreuz.net) Jemand muß diese galoppierende Verrücktheit aufhalten. Sofort. Es scheint, daß das Kabinett
noch nicht über die „dritte Etappe“ des Krieges entscheiden hat.
Der israelische Abgesandte Amos Gilad
diskutiert in Kairo eine Feuerpause. Das Ende der Kämpfe scheint nahe. Aber das ist alles irreführend.
Die Straßen von Gaza schauten gestern aus wie Schlachtfelder mitten in der „dritten Phase“ – und noch
schlimmer.
Arrogant ignoriert Israel den Beschluß des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die zu
einer Feuerpause aufrufen, und beschießt das UNO-Quartier in Gaza mit Granaten, um seine wahren Gefühle
dieser Institution gegenüber zu zeigen.
Notlieferungen für die Bevölkerung von Gaza gehen in dem brennenden
Warenlager in Flammen auf.
Dicker schwarzer Rauch steigt von den brennenden Mehlsäcken und Benzinreserven
auf und bedeckt die Straßen.
In den Straßen laufen die Menschen in Panik in alle Richtungen. Sie halten
Kinder und Koffern in ihren Händen, hilflos, während die Granaten um sie herum nieder regnen.
Keiner
in den diplomatischen Säulenhallen beeilt sich, diesen Unglücklichen zu helfen, die nicht wissen, wohin
sie rennen sollen.
Die Handvoll Journalisten, die trotz der von Israel auferlegten empörenden Medienblockade
versuchen, über die Ereignisse zu berichten, sind auch in Gefahr.
Die israelische Armee beschoß am
Donnerstag das Mediengebäude in Gaza mit Granaten. Jetzt befinden sich die Journalisten alle in einem
Büro – in gleicher Weise verängstigt und entsetzt wie der Rest der Bewohner der verbrannten Stadt.
Die arabischen Korrespondenten des ‘Britischen Rundfunks’ schwören aufgebracht und aufgeschreckt mit
heiserer Stimme, daß niemand von dem Gebäude oder in dessen Nähe geschossen hat.
Gleichzeitig wird
in unseren Fernsehstudios gejubelt.
Ist dieser Krieg eine „Korrektur-Erfahrung“ – fragt der israelische
Journalist Rafi Reshef (51), der von diesen Kämpfen auf diabolische Weise entzückt zu sein scheint.
Der Minister für Infrastruktur, Benjamin Ben Eliezer, erklärte ihm darauf, daß die israelische Armee
und die Luftwaffe große Leistungen vollbracht hätten.
Natürlich fragt niemand, was an diesen Leistungen
so groß ist, außer Tod, Zerstörung und Tausende Opfer in Gaza und die Raketen, die weiterhin auf Be’er
Sheva fallen – was jede „Leistungen“ unterminieren.
In der Lobby eines Luxushotels – in deren Hintergrund
der Horror von Gaza übertragen wird – erklärt Aussenministerin Tzipi Livni mit unerträglicher Arroganz,
daß die Angriffe aufhören werden, „wenn immer Israel entscheidet“ auf der Basis einer „täglichen Auswertung
der Situation“.
Der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der neben ihr steht, bricht das Protokoll und kritisiert
Israel mit ungewöhnlicher Schärfe wegen des Angriffs auf das UNO-Lager an.
So sieht Israel – deren
Panzer in den brennenden Strassen von Gaza stehen – jetzt vor der Welt aus.
Immer mehr Menschen, die
für nichts und wieder nichts getötet werden. Zehntausende neuer Flüchtlinge. Eine in erschreckender
Weise hochnäsige Aussenministerin und ein wachsender Ruf von Verurteilung und Abscheu aus der ganzen
Welt.
Ob wir irgend etwas in diesem Krieg erreicht haben oder nicht: Jetzt zeigen sich nur Blutdurst
und Rachengier, zusammen mit der verzweifelten Sehnsucht nach dem „Siegesschuß“ auf dem Rücken von Hunderten
und Tausenden miserabler Zivilisten.
Diese Sehnsucht wird sich nie erfüllen, auch wenn noch – wie am
Donnerstag – hundert Tötungen von Hamas-Anführern gelingen.
Alle, die diesen Krieg unterstützten und
all jene, die ihm widersprachen, sollten sich jetzt im Ruf vereinen: Genug.
Der Artikel erschein am 16.
Januar in der Tel Aviver Tageszeitung ‘Haaretz’.
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#22
HBR 00:28:05 | Sonntag, 18. Januar 2009
#20
Galatea 21:25:09 | Samstag, 17. Januar 2009
#15
matt3 17:51:45 | Samstag, 17. Januar 2009