Kinderabtreibung
Kurzlebige Bischofserklärung
Noch am Montag bezeichnete der Erzbischof von Westminster (London) die britischen Sozialisten von Tony Blair als eine unwählbare Partei. Ein wortreiches Dementi folgte auf dem Fuß. Jetzt betont der Kardinal, daß er alle gelobt habe.
(kreuz.net, London) Seit Montag ist der Erzbischof von Westminister, Cormac Kardinal Murphy-O’Connor, in den britischen Schlagzeilen. Grund: Er hat die Aussagen des konservativen Oppositionsführers Michael Howard zur Kinderabtreibung gelobt. Tapfer erklärte der Kardinal, daß die Arbeiterpartei von Tony Blair aufgrund ihrer radikalen Positionen in der Frage der Kinderabtreibung unwählbar sei.

Abtreibungsfreundliche Medienorgane und der Ministerpräsident ihrer Majestät, Tony Blair, übten daraufhin scharfe Kritik an den Aussagen des Kardinals. Die Kinderabtreibung solle nicht zu einem Wahlkampfthema gemacht werden.

Ob soviel Widerstand war im Pressebüro des Kardinals bald ein Dementi zur Hand.

Ab sofort meint Kardinal Murphy-O’Connor, daß er die konservative Partei natürlich „absolut nicht“ unterstütze. Die britischen Bischöfe und er würden nicht für eine Seite Partei ergreifen. Er finde es lediglich gut, wenn die Katholiken bei Wahlen wichtige moralische Themen bedenken würden.

Solche Themen gäbe es viele. Gewiß sei der Lebensschutzbereich – Abtreibung, Euthanasie und Stammzellenforschung – von Bedeutung. Mit der Erkenntnis, daß die Lebensqualität für die Armen oder der Respekt vor den Rechten und der Würde von Einwanderern ja auch „Lebensschutzthemen“ seien – weil sie schließlich auch die Würde der menschlichen Person betreffen – versucht der Kardinal jetzt seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Der Kirchenfürst weist darauf hin, daß er in seiner Stellungnahme am Montag das Lob nicht einseitig verteilt habe. Als er die Aussagen des Oppositionsführers Michael Howard zur Verschärfung des Kinderabtreibungsgesetzes gepriesen habe, seien auch die Initiativen der Regierung gegen den Schuldenberg und die Armut mit Blumen bedient worden. Seine Botschaft an die politischen Parteien sei: „Bitte, nehmt die moralischen Themen ernst, wenn ihr eure Parteiprogramme aufsetzt.“

Moralische Überlegungen würden das Gemeinwohl betreffen. Darüber könne er als Religionsvertreter nicht schweigen, weil das Evangelium nicht schweige: „Das ist ein Punkt, wo sich Religion und Politik berühren.“

Die britischen Bischöfe würden die Katholiken vor einer Wahl immer auf verschiedene Themengebiete hinweisen. Dabei seien sie sich bewußt, daß Wahlen nur selten aufgrund einer einzigen Frage entschieden werden könnten.

In der Frage der Abtreibung vertrete keine der großen Parteien eine angemessene Position. Trotzdem sei er froh, das Thema der Kinderabtreibung breit diskutiert zu wissen.

„Die Leute sehen, daß einfach zu viele Abtreibungen durchgeführt werden, daß es zu leicht ist, ein Kind abzutreiben, und daß Abtreibungen deutlich zu spät stattfinden. Ich hoffe, daß diese Problematik von unseren Politikern aufgegriffen wird.“ Im gleichen Atemzug hofft der Erzbischof, daß Migranten und Flüchtlinge keine politischen Spielbälle würden: „Ich hoffe, daß unsere Gefängnisse wirkliche Stätten der Rehabilitation werden und ich hoffe, daß die Sorge um unsere Erde und ihre Zukunft in den Parteiprogrammen hoch eingestuft wird.“

Er wünsche sich, daß die bevorstehenden britischen Parlamentswahlen im großen Bereich der Moral ausgetragen würden. „Ich sage den Leuten nicht, welche Partei sie wählen sollen. Aber ich ersuche die Parteien, die Stimme der Kirche zu hören, wenn die Parteiprogramme verfaßt werden.“
      
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