14:32:23 | Sonntag, 25. Januar 2009
Ein Geistlicher der Petrusbruderschaft erinnert sich: Pater Franz Schmidberger bezeichnete die Verhandlungen mit Rom noch einige Tage vor den Bischofsweihen als Geschenk der Muttergottes von Fatima.

Pater Franz Schmidberger, Distriktsoberer der Piusbruderschaft in Deutschland.
(kreuz.net) Er verdankt den Ignatianischen Exerzitien bei der Piusbruderschaft viel.
Das erklärte der
aus dem Saarland stammende Pater Engelbert Recktenwald am 23. Januar in einem Artikel für das ‘Portal
zur katholischen Geisteswelt’. Der Geistliche gehört zur altgläubigen Priesterbruderschaft Sankt Petrus.
Die ersten Exerzitien machte er im Alter von 17 Jahren, die zweiten ein Jahr später – „und zwar bei
Pater Franz Schmidberger, der mich durch seinen Seeleneifer beeindruckte.“
Der Pater erinnert sich auch
an den offiziellen schulischen Religionsunterricht, „in dem der Glaube systematisch zerstört wurde“.
Nur vorübergehend?Der verantwortliche Bischof von Trier habe über die
Quelle dieser verderblichen
Lehren jahrzehntelang seine schützende Hand gehalten.
„Damit war für mich klar, daß ein Studium im
diözesanen Priesterseminar nicht in Frage käme“- erklärt Pater Recktenwald:
„Meine Entscheidung zum
Eintritt in Zaitzkofen beruhte auf der Überzeugung, daß die Differenzen mit Rom vorübergehender Natur
seien.“
Die Sanktionen gegen Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991) habe er für „schreiendes Unrecht“ gehalten.
Daß sich die Piusbruderschaft einmal weigern würde, die römische Gerechtigkeit anzunehmen, „und sich
vom Opfer zum Täter wandeln würde, war damals für mich kaum absehbar.“
Pater Recktenwald wurde im
Jahr 1985 von Erzbischof Lefebvre zum Priester geweiht.
Schleichender WandelIm Jahr 1988 verließ er
die Bruderschaft – die damals „eine andere war als jene, der ich mich 1979 angeschlossen hatte.“
Der
Wandel sei schleichend gekommen: „Als die Kritik am Papst nicht nur schärfer, sondern in einzelnen Punkten
sachlich unzutreffend und damit ungerecht wurde, sah ich mich im Gewissen genötigt, beim Erzbischof schriftlich
dagegen zu protestieren.“
Man habe ihn darauf vom Priesterseminar, wo er unterrichtete, ins Priorat von
Stuttgart versetzt: „Damit hatte ich gerechnet, auch wenn ich es nicht gewünscht hatte.“
Pater Recktenwald
trägt seinen damaligen Oberen keinen Groll nach: „Als Pater Schmidberger mir als Begründung angab, ich
hätte nicht den Geist des Erzbischofs und könne ihn deshalb nicht den Seminaristen vermitteln, mußte
ich ihm recht geben.“
Kein HardlinerEr hält Pater Schmidberger auch nicht für einen Hardliner, der
Mons. Lefebvfre dazu gebracht hat, die Einigung mit Rom vom 5. Mai 1988 platzen zu lassen: „Das Gegenteil
ist der Fall.“
Pater Schmidberger habe die Verhandlungen mit Rom befürwortet und die Aufrichtigkeit
des damaligen Kardinals Joseph Ratzingers verteidigt.
Er habe die Verhandlungen noch einige Tage vor
den Bischofsweihen als Geschenk der Muttergottes von Fatima bezeichnet. Der Pater sei dann „mit ins Schisma“
gegangen, „weil er dem Erzbischof blind vertraute.“
Dagegen habe er – Pater Recktenwald – das blinde
Gottvertrauen vorgezogen. Die ruhige und klare Gewißheit in der Frage habe ihn nie verlassen.
Jetzt
betet er für eine Rückkehr der Piusbruderschaft und warnt vor der Fortsetzung ihres Weges.
Häretisches
Konzil?Als Beweis dafür, wie sehr sich die Piusbruderschaft „verrannt habe“, zitiert er aus einem Interview
des lefebvristischen Bischofs Bernard Tissier de Mallerais, das am 10. Dezember 2008 auf der deutschsprachigen
Website der Piusbruderschaft veröffentlicht wurde.
Auf die Frage, welche Herausforderungen die Priesterbruderschaft
und ihre Gläubigen in den nächsten Jahren annehmen müßten, antwortete Mons. Tissier:
„Zuallererst
unser Durchhalten in der Zurückweisung der Irrlehren des Zweiten Vatikanischen Konzils, zweitens unsere
Stärke im Ablehnen jeder ‘Versöhnung’ mit dem besetzten Rom.“
Der Vorwurf der Häresie an das Zweite
Vatikanum sei neu, erklärt Pater Recktenwald: „Zu meiner Zeit wurde das von Pater Schmidberger noch ausdrücklich
abgelehnt.“
Melken oder SchlachtenIm selben Interview spreche Mons. Tissier auch „von schwerwiegenden
Irrlehren von Papst Benedikt XVI.“
Fazit von Pater Recktenwald: „Wenn er von dieser Kirche getrennt bleiben
will, ist dies nur eine andere Umschreibung des schismatischen Tatbestandes.“
Man könne nicht gleichzeitig
„das Schisma“ leugnen und die Trennung befürworten. Das sei ein Versuch, die Kuh gleichzeitig zu melken
und zu schlachten.
Löst Rom alle Probleme?Seine Frage: „Ob wenigstens seitens der Piusbruderschaft
die verletzende Kritik und die Beschädigung der päpstlichen Autorität aufhören wird?“
„Der Kampf
um den Glauben ist seit meiner Jugend zum Thema meines Lebens geworden“ – bekennt Pater Recktenwald. Heute
stehe der innerste Kern des Glaubens auf dem Spiel, der Glaube an die Gottheit Christi.
Mit seinem Jesusbuch,
das die Wurzel der heutigen Glaubenskrise anpacke, habe der Papst angeblich mehr zur Stärkung des Glaubens
beigetragen als die Piusbruderschaft mit all ihrer Polemik gegen den Papst.
Nicht Abkapselung sei das
Gebot der Stunde, sondern Vernetzung im Dienst der Neuevangelisierung.
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