12:31:20 | Donnerstag, 29. Januar 2009
Jede Ausgabe der vatikanischen Tageszeitung ‘Osservatore Romano’ trägt unter dem Zeitungskopf die Aufschrift „suum quique“ – jedem das seine. Von Sedisvakantisten-Pater Rolf Hermann Lingen, Dorsten.

Zeitungskopf des ‘Osservatore Romano’
(kreuz.net) Die deutsche Einzelhandelskette ‘Tschibo’ und der Mineralölkonzern ‘Esso’ haben mit ihrem
Kaffee-Werbespruch „Jedem den Seinen“ einen peinlichen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Der Vorwurf:
„Jedem den Seinen“ erinnere an den von den Nationalsozialisten verwendeten Spruch „Jedem das Seine“.
In den Medien wurde Empörung zelebriert.
So bezeichnete Salomon Korn – Vizepräsident des Zentralrats
der Juden in Deutschland – die Kaffee-Werbung als „nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit“ oder gar
als Beispiel für „totale Geschichtsunkenntnis“.
In Wahrheit sind aber Äußerungen wie jene Korns eine
nicht zu überbietendes Beispiel für totale Geschichtsunkenntnis.
Manche weisen darauf hin, daß die
Nationalsozialisten den Spruch „Jedem das Seine“ über dem Eingangstor des Konzentrationslagers Buchenwald
angebracht hätten.
Das stimmt. Aber dadurch wird „Jedem das Seine“ trotzdem kein Spruch der Nationalsozialisten.
Wenn Herr Hans Müller den kompletten „Faust“ rezitiert, abschreibt und in Buchform verteilt, bleibt
der „Faust“ dennoch ein Werk von Johann Wolfgang von Goethe († 1832).
Selbst wenn ein Nationalsozialist
den Satz des Pythagoras († 490 vor Chr.) wiederholt, wird dieser Satz dadurch weder unwahr noch unmoralisch.
Die Aussage „Jedem das Seine“ – auf Lateinisch: „suum cuique“ – geht als Grundsatz auf das antike Griechenland
zurück.
In der Politeia stellte der griechische Philosoph Platon († 348 vor Chr.) fest, daß Gerechtigkeit
besteht, „wenn man das Seine tut und nicht vielerlei Dinge treibt“.
In dem politischen und juristischen
Sinne ‘Jedem das Seine zuteilen’ wird die Formel unter anderem von dem römischen Staatsmann Cicero († 43
vor Chr.) verwendet.
Der große Sozialethiker Heinrich Rommen, der 1933 wegen Veröffentlichung von Literatur
gegen die Nationalsozialisten von der Gestapo verhaftet wurde, schreibt in seinem Standardwerk „Der Staat
in der katholischen Gedankenwelt“ aus dem Jahr 1935:
„Gewisse Grundsätze sind allerdings so einleuchtend,
die Werte und Güter, von denen sie sprechen, wie die Einheit des sittlichen Bewußtseins der Menschheit
beweist, so unmittelbar erkennbar, daß sie als evident gelten müssen.
Zum Beispiel, daß das Rechte
zu tun, das Unrechte zu unterlassen sei; daß jedem das Seine gebühre.“
Zwar würden diese Sätze zunächst
etwas formal und fast inhaltsleer erscheinen. Sie besagten aber, „daß es Handlungen gibt, die lediglich
auf Grund positiver Satzung als Unrecht erscheinen“.
Von daher leuchtet es ein, daß jegliche Hetze gegen
das Prinzip „Jedem das Seine“ oder gegen davon abgeleitete Formulierungen aufs schärfste zu verurteilen
ist.
Zugleich belegt der praktisch unwidersprochen gebliebene und oft nachgeplapperte Protest gegen „Jedem
das Seine“ eine eklatante Bildungskrise, wenn nicht gar direkte Miß-Bildung.
Denn wie unbestreitbar
feststeht, ist „Jedem das Seine“ ein Satz von absolut existentieller Bedeutung, der obendrein unmittelbar
einsichtig ist.
Eine solche unerlässliche Stütze jeder gesunden Gesellschaft nicht nur nicht zu kennen,
sondern auch noch zu verurteilen, ist mehr als nur ein Symptom der PISA-Katastrophe.
Sie verrät vielmehr
schwere Probleme in der sittlichen Struktur des Volkes.
Da die Konzerne Tchibo und Esso durch die Medienhetze
geschädigt wurden, sollten sie rechtliche Schritte prüfen – zumindest gegen die Hauptagitatoren.
Eine
solche Verunglimpfung jeglichen gerechten Denkens sollte nicht folgenlos bleiben, zumal dies nicht das
erstemal ist, daß Werbung mit „Jedem das Seine“ zu medialem Aufschrei, Werbungsstop und Entschuldigungen
seitens der entsprechenden Firmen geführt hat.
Tchibo und Esso sollten sich gegen die peinliche Geschichtsunkenntnis
durchsetzen und einen längst überfälligen Beitrag zum öffentlichen Frieden leisten.
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Tiqvah 04:06:28 | Freitag, 30. Januar 2009
#21
Tiqvah 19:39:39 | Donnerstag, 29. Januar 2009
#19
Tiqvah 16:23:16 | Donnerstag, 29. Januar 2009
#15
pamino 13:45:22 | Donnerstag, 29. Januar 2009
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Tiqvah 13:29:39 | Donnerstag, 29. Januar 2009
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Sefirot 13:17:04 | Donnerstag, 29. Januar 2009
#8
Tiqvah 13:13:30 | Donnerstag, 29. Januar 2009
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Tiqvah 12:54:13 | Donnerstag, 29. Januar 2009
#1
Tiqvah 12:41:03 | Donnerstag, 29. Januar 2009