Euthanasie
Letzte Chancen
Die Entfernung der Magensonde, welche die US-amerikanische Wachkomapatientin Terri Schiavo am Leben erhält, ist für heute Nachmittag angeordnet. Während Lebensschützer aus allen Teilen der USA nach Florida strömen, arbeiten auch die Rechtsanwälte.
(kreuz.net, St. Petersburg/Florida) Gestern Donnerstag, einen Tag vor Beginn der gerichtlich verordneten Aushungerung von Terri Schiavo, die seit 1990 im Wachkoma liegt, diskutierten Mitglieder des Lokalparlamentes des US-Bundesstaates Florida erneut über das Schicksal der 41jährigen Frau.

Frau Schiavo leidet seit ihrem Zusammenbruch im Jahre 1990 an einem schweren Gehirnschaden. Sie lebt seitdem in einem Pflegeheim auf dem Gebiet der Diözese St. Petersburg in Florida. Ab Freitag um 13.00 Uhr Ortszeit, soll sie auf Drängen ihres entfremdeten Ehemanns, der seit Jahren mit einer anderen Frau lebt und mit ihr Kinder gezeugt hat, vom Pflegepersonal dem Hungertod überlassen werden.

Doch noch sind nicht alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um Frau Schiavo vor dem Hungertod zu retten.

Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, ein Bruder des gegenwärtigen US-Präsidenten, hat einen neuen Gesetzesentwurf vorgelegt. Dieser würde die Vorenthaltung von Nahrung und Flüssigkeit bei Patienten in einem vegetativen Zustand verhindern, insofern diese nicht ausdrücklich den Wunsch geäußert haben, nicht künstlich ernährt zu werden.

Der Gesetzesentwurf wurde am Donnerstag dem US-amerikanischen Senat in Washington vorgelegt. Dieser hat genau einen Tag Zeit, die Version anzunehmen oder zu verwerfen.

Gouverneur Jeb Bush versucht nicht zum ersten Mal in letzter Minute, das Leben der Wachkomapatientin zu retten. Bereits im Jahr 2003 hat er, nachdem Frau Schiavo bereits sechs Tage lang Nahrung und Flüssigkeit verwehrt worden war, ein Gesetz verabschiedet, das anordnete, die Magensonde wieder zu installieren. „Wir sind dafür verantwortlich, etwas zu tun“, erklärte der Gouverneur: „Es bricht mein Herz, daß wir uns in einer Situation befinden, in der es möglich ist, daß diese Frau verhungern könnte.“

Ein weiterer Gesetzesparagraph könnte Terri Schiavo vor dem Tod retten. Er behandelt den Fall, daß sich die Familienangehörigen von Patienten, die sich nicht selber äußern können, über dessen Wünsche uneins sind.

Auch im US-Repräsentantenhaus eröffneten sich am Mittwoch neue Möglichkeiten, um die Entfernung der Magensonde zu stoppen. Ein dort verabschiedetes Gesetz könnte den Entscheid vertagen und dem Bundesgerichtshof der Vereinigten Staaten übergeben.

Währenddessen pilgern Lebensrechtler nach Florida, um vor dem Pflegeheim gegen die Tötung von Frau Schiavo zu demonstrieren.
      
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