Dekan spaltet – Pfarrer klagt vor dem Diözesangericht
Bischof Wolfgang Haas regierte in Chur, als der junge Priester Rudolf Nussbaumer in den frühen 90er Jahren zum Pfarrer einer Innerschweizer Landgemeinde gewählt wurde. Seit jenem Tage macht der dortige Dekan dem Pfarrer das Leben schwer. Jetzt hat Pfarrer Nussbaumer die Nase voll.
(kreuz.net, Steinen) Ende Februar kündigte der Pfarrer von Steinen, Rudolf Nussbaumer, an, daß er sich
die Provokationen seines Dekans, Dr. Guido Schnellmann, nicht mehr länger gefallen lassen wolle.
Die
Situation ist kompliziert. Dr. Schnellmann ist zwar Dekan, er war aber nie Pfarrer, sondern Mathematikprofessor
am nahegelegenen ehemals katholischen Kollegium in Schwyz. Privat wohnt Dekan Schnellmann in Steinen.
Seit dem ersten Tag der Ernennung Nussbaumers zum Pfarrer seiner Wohngemeinde im Jahre 1992 hat der Dekan
nichts unversucht gelassen, um dem jungen Priester das Leben schwer zu machen.
Mit einer Gruppe von Anti-Haas-Streitern
zog er sich in die Kapelle einer örtlichen Sprachheilschule zurück. Dort ist der Dekan und nichtresidierende
Kanonikus der Kathedrale in Chur seit den frühen 90er Jahren der selbsternannte Pfarrer einer Splittergruppe.
Damit spaltet er die Pfarrei Steinen aktiv.
Jahrelang fand sich Pfarrer Nussbaumer mit dem unhaltbaren
Zustand ab. Jetzt hat er die Nase voll. Ende Februar reichte er als Pfarrer von Steinen beim Offizialat
der Diözese Chur Klage gegen seinen Dekan ein. Grund: massive Amtsbehinderung. Pfarrer Nussbaumer will
ein Verbot der spaltenden seelsorglichen und liturgischen Tätigkeiten von Dekan und Domherr Schnellmann
in seiner Pfarrei erwirken.
Vor dem Kirchenrecht ist Schnellmanns Verhalten ein schwerwiegender Tatbestand.
Das Kirchenrecht verordnet nämlich, daß in ein und derselben Pfarrei nur ein Pfarrer oder Leiter sein
darf.
„Der Bischof weiß, daß er verpflichtet ist, Ordnung zu schaffen“, so der Pfarrer. Weil das bisher
nicht geschehen ist, geht eine Kopie der Klage auch an den Nuntius in Bern und an die zuständigen Kongregationen
in Rom. Falls die Sache in Chur nicht kirchenrechtlich korrekt gelöst wird, will Pfarrer Nussbaumer die
Klage direkt nach Rom weiterziehen. Bisher habe er bereits mehrmals mit dem Bischof gesprochen, erklärte
Pfarrer Nussbaumer. Der Bischof sei zwar freundlich, aber untätig.
Der gegenwärtige Bischof von Chur
ist Mons. Amédée Grab (75). Mons. Grab ist auch Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz und
Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen. Im vergangenen Februar hat der Papst den Rücktritt,
den der Bischof mit dem Erreichen des 75. Lebensjahres vorlegte, abgelehnt.
„13 Jahre lang ist genug
gelitten“, meint Pfarrer Nussbaumer zu den Zuständen in seiner Gemeinde. Er sei nicht bereit, das widerrechtliche
Agieren des Dekans noch länger hinzunehmen. Die Mehrheit der Steiner hätte ihn demokratisch gewählt.
Er sei gemäß Kirchenrecht auf unbestimmte Zeit als Pfarrer eingesetzt.
Zu Beginn seiner Tätigkeit
entließ Pfarrer Nussbaumer einige Katecheten, die sich ihm und der Lehre der Kirche offen und massiv
widersetzten. Anhänger der damaligen Anti-Bischof-Haas-Partei stellten die Entpflichteten privat an und
organisierten in der Pfarrei einen privaten Religionsunterricht. Bis zum heutigen Tag werden in der Sprachheilschule
der Kreuzschwestern Religionsstunden und liturgische Feiern abgehalten.
Die Vorwürfe von Pfarrer Nussbaumer
gegen den rebellischen Dekan wiegen schwer. Praktische Unterstützung habe dieser sogar von Weihbischof
Paul Vollmar erhalten. Mons. Vollmar war als Weihbischof der Diözese Chur ein offener Gegner seines Vorgesetzten,
Bischof Haas, und wirkte bis vor kurzem als Generalvikar für die Innerschweiz.
Mons. Vollmar hat – so
Pfarrer Nussbaumer – mit der Splittergruppe des Dekans kollaboriert und in der Sprachheilschule sogar
Firmungen vorgenommen. Es gebe dort auch Taufen, ohne daß der Pfarrer informiert würde. Mehrere Personen
seien aus der Kirche ausgetreten und zur sogenannten „Basisgemeinde“ von Dekan Schnellmann – so die Selbstbezeichnung
des Grüppchens – übergelaufen.
Zum letzten Eklat kam es am 8. Februar diesen Jahres, als in der Pfarrei
Herr Vital Meyer aus dem Leben schied. Der Verstorbene hatte sich eine Abdankungsfeier mit Dekan Schnellmann
als Prediger gewünscht. Pfarrer Nussbaumer verweigerte dem Spaltungsdekan den Zugang zur Pfarrkirche.
Schließlich bemühte sich der Dekan um die Räumlichkeiten eines benachbarten Klosters und hielt die
Abdankung dort.
Dr. Martin Kopp, der Nachfolger von Weihbischof Vollmar im Amt des Generalvikars für
die Innerschweiz, bedauert den jüngsten Vorfall in Steinen. Bei der Beerdigung von Vital Meyer wäre
nichts anderes maßgebend gewesen als der Wille des Verstorbenen, ließ er verlauten. Das Ausmaß, das
der Konflikt angenommen habe, nütze niemandem, sondern schade der Kirchgemeinde und der Seelsorge.
Daß
Generalvikar Kopp dem abtrünnigen Dekan zuhilfe eilt, überrascht nicht. Kopp und Schnellmann haben jahrelang
Seite an Seite gekämpft: als verbissene Feinde ihres ehemaligen verhaßen Diözesanbischofs Wolfgang
Haas.
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4 Lesermeinungen
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AUFERSTEHUNGSFEIER Für eine „Auferstehungsfeier“ ist es völlig korrekt dass ein Pfarrer den Zugang zur
Kirche verweigert. Wer so weit ab ist vom Glauben, dass er solche Begriffe verwendet sollte sichb erstmal
einen Katechismus zulegen. Einfach nur widerlich.
Dekan spalter Pfarrei – Teil 2 Teil 2 Diese Inkonsequenz ist es was uns so aufregt. Hätte der Pfarrer
nämlich gasagt, die Kirche mache er nicht frei, egal welcher Pfarrer kommt, dann wäre die Sache auch
für uns klar gewesen. Wenn er aber sagt, jeder andere Pfarrer nur nicht der Dekan, dann wird hier auf
der letzte Wille eines Christen nicht erfüllt, weil der Ortspfarrer nicht über seinen Schatten springen
konnte und einfach stur an seinem „Recht“ festhält. Ein Recht, ist ein Recht. Man kann es ausüben, oder
aber aus christlicher Nächstenliebe kann man darauf auch verzichten. Es hätte dem Ortspfarrer keine
Zacke aus seiner Krone geschlagen. Ganz sicher nicht.Eines haben wir inzwischen festgestellt. Unter den
Anhängern des Ortspfarrers gibts es Gesellen, mit denen ist nicht zu spassen. Gegen mich ist eine annonyme
Morddrohung eingegangen und meine Mutter wurde mit annonymen Briefen übelst beleidigt. Die Absender sind
zu feige sich uns direkt zu stellen. Wahrscheinlich wissen sie wohl, dass der Pfarrer hier wohl einen
Fehler gemacht hat und wir sollen nun gefälligst ruhig sein. Ganz zum Schluss sei noch dieses gesagt:
Von all den kirchlichen Behörden, Amtsträgern und und und… es hat sich nicht eine einzige mit uns
in Verbindung gesetzt um einmal beide Seiten anzuhören. Der Pfarreirat von Steinen, hat sich hinter den
Ortspfarrer gestellt, dies obwohl diese Behörde niemals mit uns ein Wort gewechselt hat. So eine Meinung
kann niemal objektiv sein, wird aber trotzdem veröffentlicht.
Dekan spaltet Pfarrei – Ihr Artikal vom 18.3.2005 Teil 1 Mein Name ist Stefan Meyer und ich bin der Sohn
des in Ihrem obigen Artikel genannten verstorbenen Vital Meyer. Bedauerlicherweise veröffentlichen Sie
einen Artikel und geben eine Meinung ab zu einem Thema wo Sie anscheinend nicht zu 100% recherchiert haben
um was es überhaupt in dieser Angelegenheit ging. Mit dem seit Jahren anhaltenden „Krach“zwischen den
beiden Geistlichen Nussbaumer und Schnellmann, hatte und hat weder mein Vater noch meine Familie etwas
zu tun und … es interessiert uns auch nicht. Fakt ist, mein Vater hatte den letzten Wunsch dass Herrn
Dekan Guido Schnellmann seine Auferstehungsfeier halten sollte, und zwar in der Pfarrkirche Steinen, die
Gemeinde in der er jahrelang lebte und liebte und für die er sehr viel gemacht hat. Sie müssen sich
vorstellen, da stirbt der Gatte und Vater und Sie „müssen“ alle amtlichen und kirchlichen Sachen erledigen,
und wenn Sie dann in der Pfarrstube sitzen müssen Sie an diesem Tag noch streiten…und das mit dem Seelsorger.
Und das nur, weil der Ortspfarrer den gewünschten Dekan nicht alleine in „seiner“ Kirche haben will.
Dieser Ortspfarrer sagte uns am Anfang des Gespräches, es sei seine Pflicht und sein Recht die Auferstehungsfeier
zu halten. Später im Gespräch sagte er uns dann aber jedoch sinngemäss wir sollen einen anderen Pfarrer
bringen und dann können wir die Kirche haben.