00:02:48 | Samstag, 19. März 2005
Die letzte Intervention durch den US-Kongreß scheitert kläglich: Die Magensonde von Terri Schiavo wurde zum dritten Mal in der Prozeßgeschichte entfernt.
(kreuz.net, Florida) Am Freitag abend, mitteleuropäische Zeit, wurde die Magensonde von Frau Terri Schiavo
entfernt. Das ließ der Euthanasieanwalt von Michael Schiavo, des entfremdeten Ehegatten von Terri, gegenüber
amerikanischen Medien verlauten. Auch die Familie der Todgeweihten veröffentlichte eine Stellungnahme
auf der Internetseite
terrisfight.org.
Sofern niemand einschreitet, wird Terri in ein bis zwei Wochen
verhungert sein. Terri ist mit Ausnahme des Ernährungsschlauches auf keine lebensrettenden Maßnahmen
angewiesen. Ihre Eltern wurden – entsprechend dem richterlichen Beschluß – gebeten, den Raum während
der Entfernung der Magensonde zu verlassen.
Im letzten Moment versuchte der US-Kongreß den Hinrichtungsprozeß
der im Wachkoma liegende Patientin zu verhindern. Terri Schiavo wurde als offizielle Zeugin vor einen
Ausschuß geladen. Der Versuch erwirkte nur eine Stunde Aufschub. Solche Fünf-vor-Zwölf Aktionen könnten,
so der zuständige Richter, jahrelange Prozesse nicht aufheben. „Ich sehe keinen Grund, warum sich der
US-Kongreß einmischt.“
Am Donnerstag nachmittag äußerte sich George W. Bush zugunsten von Frau Schiavo.
„Jene, deren Leben von der Barmherzigkeit anderer abhängt, bedürfen unserer besonderen Pflege und Anteilnahme“,
erklärte er. Präsident Bush ist der Bruder des Gouverneurs von Florida, Jeb Bush, der bis zuletzt um
Terris Leben kämpfen will.
Obwohl die Magensonde entfernt ist, meinte ein Vertreter der Euthanasielobby
in der Tageszeigung ‘Miami Herald Newspaper’, daß die Schlacht noch nicht gewonnen sei. „Es ist verfrüht
zu glauben, daß das Ding gedreht oder die Sache zuende gebracht ist.“
Die Magensonde wurde bereits zweimal
entfernt und innerhalb weniger Tage wieder eingesetzt.
Im folgenden eine Zeittafel mit den wesentlichen
Ereignissen:25. Februar 1990: Terri Schiavo, geborene Schindler, erleidet einen Zusammenbruch. Sie ist
26 Jahre alt.
November 1992: Der entfremdete Ehemann, Michael Schiavo, gewinnt einen Prozeß gegen Terris
Ärzte wegen Falschdiagnosen. Es werden ihm 700.000 Dollar (rund 500.000 Euro) für die Pflege seiner
Frau und 300.000 Dollar (rund 200.000 Euro) für ihn selbst zugesprochen.
29. Juli 1993: Terris Eltern,
Robert und Maria Schindler, reichen Klage gegen die rechtliche Vormundschaft von Michael Schiavo ein.
Der Fall wird zugunsten des Ehemannes entschieden.
Mai 1998: Herr Schiavo reicht ein Gesuch ein, die
Magensonde seiner Frau entfernen zu dürfen.
11. Februar 2000: Der zuständige Richter, George Greer,
urteilt zugunsten des Ehemannes.
20. April 2001: Terris Eltern erwirken einen Aufschub, um Berufung einlegen
zu können.
23. April 2001: Der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates Florida lehnt ab.
24. April
2001: Die Magensonde wird entfernt.
26. April 2001: Richter Greer entscheidet, daß die Magensonde wieder
eingesetzt werden muß.
22. November 2002: Nach mehreren Anhörungen urteilt Richter Greer, daß es sehr
zweifelhaft sei, ob Terri eine Hoffnung auf Besserung habe. Darum sei die Magensonde am 3. Januar zu entfernen.
13. Dezember 2002: Richter Greer gewährt einen Aufschub, um weitere Berufungsverfahren zu ermöglichen.
6. Juni 2003: Der Oberste Gerichtshof von Florida bestätigt die ursprüngliche Entscheidung von Richter
Greer, die Magensonde zu entfernen.
26. August 2003: Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, ersucht das
Gericht, einen anderen Rechtsvertreter für Frau Schiavo zu ernennen. Das Gericht handelt nicht.
17.
September 2003: Richter Greer setzt den 15. Oktober als neuen Termin für die Entfernung der Magensonde
fest.
22. September 2003: Terris Eltern wenden sich an das Bundesgericht in Florida.
15. Oktober 2003:
Die Ärzte entfernen die Magensonde.
21. Oktober 2003: Gouverneur Jeb Bush erwirkt ein Gesetz, das es
ihm erlaubt, Ärzten die Ernährung von Terri zu befehlen. Das Gesetz wurde als ‘Terri Gesetz’ bekannt.
22. Oktober 2003: Die Ärzte verabreichen Terri Flüssigkeit und schließen am nächsten Morgen den Ernährungsschlauch
wieder an.
30. Oktober 2003: Michael Schiavo wendet sich an den Obersten Gerichtshof von Florida, um
das ‘Terri Gesetz’ außer Kraft zu setzen.
6. Mai 2004: Ein Landesgericht bezeichnet das ‘Terri Gesetz’
als verfassungswidrig.
23. September 2004: Der Oberste Gerichtshof von Florida setzt das ‘Terri Gesetz’
außer Kraft.
1. Dezember 2004: Gouverneur Jeb Bush bittet das Oberste Gericht um eine erneute Anhörung.
25. Januar 2005: Der Oberste Gerichtshof lehnt den Antrag von Jeb Bush, das gefällte Urteil zu revidieren,
ab.
23. Februar 2005: Richter Greer gewährt einen weiteren Aufschub, um weitere Appellationen der Schiavos
zu hören.
25. Februar 2005: Ein dreiwöchiger Aufschub wird erwirkt – nach den Worten des Richters soll
es der letzte sein.
16. März 2005: Michael Schiavo lehnt 1 Million Dollar ab, die ihm von einem Amerikaner
für das Leben seiner Frau geboten werden. Angeblich soll er bereits ähnliche Angebote im Wert von 10
Millionen Dollar erhalten haben.
17. März 2005: Gouverneur Jeb Bush legt einen neuen Gesetzesentwurf
vor – ‘Terri Gesetz 2’ – wonach Patienten Nahrung und Flüssigkeit nicht vorenthalten werden darf, sofern
diese nicht ausdrücklich mitteilten, nicht künstlich ernährt werden zu wollen.
18. März 2005: Der
US-Kongreß lädt Terri Schiavo als Zeugin vor. Richter Greer ignoriert die Einladung und ordnet an, die
Magensonde zu entfernen.
Ein Hinrichtungskommando entfernt die Magensonde und leitet den Hungertod für
Terri Schiavo ein.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.