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Samstag, 19. März 2005 14:38
Condoleezza Rice und die Abtreibung
Die US-Außenministerin Condoleezza Rice, die Tochter eines presbyterianischen Predigers, hat sich Anfang der Woche einem Interview der Tageszeitung „The Washington Times“ gestellt. Dabei ging es auch um die Abtreibung. Sie sei zutiefst religiös und gemäßigt abtreibungsfreundlich. Auszüge.
(kreuz.net, Washington) Die US-Außenministerin Condoleezza Rice meint, daß wir „in ziemlich außerordentlichen Zeiten“ leben, weil die USA den Willen gezeigt hätten, die Führung zu übernehmen und Präsident Bush während der letzten vier Jahre „schwierige Dinge“ an die Hand genommen hat. Nach einer langen Unterhaltung über außenpolitische Themen kommt das Gespräch auch auf die Abtreibung:

– Frage: Die Leute verstehen Ihre außenpolitischen Positionen. Aber es gibt einige Verwirrung über Ihre innenpolitischen Überzeugungen. Ich habe zum Beispiel letztes Jahr mit dem früheren US-Außenminister Colin Powel geredet. Er erklärte, daß er die Kinderabtreibung befürworte usw. Ich befragte das Internet zum Thema ‘Condi Rice und die Abtreibung’ und fand nur dunkle, widersprüchliche Information. Könnten Sie Licht in diese Fragen bringen? Sind Sie pro-life? Sind Sie für die Abtreibung? Was denken Sie über die Abtreibung?

Condoleezza Rice: Sie erinnern sich vielleicht an das Jahr 2000, als ich den Präsidenten im Wahlkampf unterstützte. Damals sagte ich, daß ich in der Abtreibungsfrage freiheitlich orientiert bin. Ich meine damit, daß ich mich in dieser Frage um die Rolle bemüht habe, welche die Regierung einnehmen sollte. Ich bin eine starke Verfechterin des Entscheides der Eltern. Ich bin eine starke Verfechterin eines Verbotes der Spätabtreibung. Das sind alles Dinge, die – wie ich denke – die Menschen in einem Konsens zusammenbringen. Das ist, wie ich glaube, der Ort, wo wir sein sollten. Ich habe mich gelegentlich selber als gemäßigt abtreibungsfreundlich bezeichnet.

Das ist der Ausdruck, dem ich häufiger begegnet bin.

Condoleezza Rice: Ja, gemäßigt abtreibungsfreundlich. Das bedeutet das folgende. Ich glaube, daß es viele Themen gibt, über die wir ein Einvernehmen erzielen können. Das ist der Ort, wo ich sein möchte. Ich bin ganz der Meinung des Präsidenten, daß wir das Leben respektieren müssen und daß wir eine Kultur benötigen, die das Leben respektiert. Dieser Punkt sollte nicht häufig zur Diskussion gestellt werden, weil wir eine Kultur brauchen, die sagt: „Wer will eine Abtreibung? Wer will eine Tochter, eine Freundin oder ein Schwester haben, die durch so etwas hindurchgehen muß?“ Darum glaube ich, daß der Präsident in dieser Frage genau am richtigen Ort steht. Wir müssen die Kultur des Lebens respektieren und wir müssen versuchen, die Leute dazu zu bringen, das Leben zu respektieren und die Kinderabtreibung zu einer Möglichkeit zu machen, die so selten wie möglich ist.

– Frage: Der einzige Grund, warum ich dieses Thema angesprochen habe ist, weil es eine Denkrichtung gibt, die sagt, daß kein konservativer Republikaner zum Präsidenten gewählt werden kann, der nicht stark pro-life ist. Ich weiß, daß Sie nichts bestätigt oder ausgeschlossen haben, aber…

Condoleezza Rice: Ich habe nicht die Absicht, gewählt zu werden.

Aber es hört sich an, als ob Sie nicht den Wunsch hegen, die Gesetze zu ändern, die jetzt die Kinderabtreibung erlauben…

Condoleezza Rice: Ich verwende nicht mein ganzes Leben, um über solche Fragen nachzudenken. Sie wissen, daß ich meine Zeit damit zubringe, über Fragen der Außenpolitik nachzudenken. Aber Sie wissen, daß ich eine zutiefst religiöse Person bin. Darum sind diese außerordentlich schwierigen moralischen Themen von meinen Standpunkt aus, wo wir Fragen der Technik und der Verlängerung des Lebens und das Faktum, daß sehr sehr junge Babies in der Lage sind heute zu überleben – sehr kleine Babies sind in der Lage zu überleben… – das sind wichtige moralische Fragen. Was wir – meiner Meinung nach – haben sollten, ist eine Bundesregierung, die ihre Ansichten nicht der einen oder anderen Seite aufzwingt. So bin ich zum Beispiel mit denen einverstanden, die eine Finanzierung der Kinderabtreibung durch die Bundesregierung ablehnen, weil ich der Ansicht bin, daß jene, die eine starke moralische Überzeugung besitzen, nicht gezwungen werden sollten, die Kinderabtreibung zu bezahlen.

– Frage: Sie haben ihren tiefen religiösen Glauben erwähnt. Wir haben kürzlich den Präsidenten interviewt. Er sprach über seinen Glauben und wie dieser die Erfüllung seiner Pflichten beeinflußt. Könnten sie uns sagen, wie Ihr Glaube einen Einfluß auf Ihre Aufgabe als Außenministerin ausübt?

Condoleezza Rice: Mein Glaube ist Teil von allem, was ich tue. Er ist ein Teil von dem, was ich bin. Er ist nicht etwas, das sich außerhalb von dem befindet, was ich tue, weil er ein Teil von dem ist, was ich bin. Das Gebet ist für mich sehr wichtig und ein Glaube daß man, wenn man darum bittet, geführt wird. Das bedeutet nicht, daß ich glaube, daß Gott mir sagen wird, was ich in der Frage des iranischen Nuklearproblems tun soll. Ich sehe die Dinge nicht so. Aber ich glaube sehr stark, daß – wenn man eine Person des Gebetes und des Glaubens ist – dies eine Hilfe ist, um uns, unvollkommene Menschen, die sich mit sehr schwierigen und folgenschweren Fragen auseinanderzusetzen haben, zu führen.

Wenn ich als Amerikanerin in der Welt zu anderen spreche, besonders zu Leuten, die durch einen Demokratisierungsprozeß gehen, wäre ich die erste, die sagen würde, daß ich glaube, daß Amerika es richtig macht, weil man dort seine Religion frei leben kann, wie immer man es sich wünscht. Man kann sich auch entscheiden, nicht religiös zu sein, wenn man das wünscht. Man kann sich entscheiden zu glauben oder man kann sich entscheiden nicht zu glauben. Das ist der Genius des amerikanischen Systems, daß jemand, der so tief religiös ist wie ich, genauso sehr ein voll anerkannter und respektierter Amerikaner ist wie jemand, der an nichts glaubt. So kann ich von der Sicht des Glaubens und meiner persönlichen Umstände aus sprechen, aber ich kann auch von der Perspektive eines Amerikaners sprechen. Ich glaube, wir haben hier die richtige Balance erreicht.

Ihre Garderobe hat einigen Staub aufgewirbelt. Ich sehe, daß sie eine Militärjacke tragen. Ihr Thema ist militärisch. Wieviel Aufmerksamkeit widmen Sie dem, was sie tragen. Die frühere Außenministerin Madeleine Albright sagte einmal, daß sie ihren Körper beneidet.

(Gelächter)

Condoleezza Rice: Es war mir kalt. Ich liebe Kleider. Ich habe sie immer geliebt. Als ich fünf Jahre alt war, pflegte mein armer Vater am Samstag seine Sonntagspredigt vorzubereiten – er war ein presbyterianischer Prediger. Meine Mutter und ich gingen einkaufen. Einkaufen ist lustig.
4 Lesermeinungen:
Sonntag, 20. März 2005 18:41
GerdEric: Sulpicius
da brauche ich bei Dir dann wohl keine Angst haben…

)
Sonntag, 20. März 2005 18:28
Sulpicius: GerdEric…
… und seine Christenphobie. ))
Samstag, 19. März 2005 21:20
GerdEric: Christen
die zu Krieg aufrufen
sind nicht anders…
Samstag, 19. März 2005 20:05
Marcel: Evangelisches Chaos
Wieder so ein trauriger Fall der evangelischen Christen: es kann jeder sich seine Lehre zusammenbauen, wie er möchte (und bei den Katholiken ist es auch schon so).
So erlebt man es, dass in ein und derselben Familie die einen mit der Bibel die Abtreibung rechtfertigen, und die anderen den Lebensschutz.
So geht es mit den von der Kirche abgespaltenen Konfessionen: sie atomisieren.

Eine „tief religiöse Frau“, die „mäßig abtreibungsfreundlich“ ist. Das ist genauso pervers wie wenn der Ex-Präsident Clinton erklärt, dass seine Beführwortung der Abtreibung eine Frucht seines Gebetes sei, denn schließlich wolle er nur glückliche Kinder in den USA haben…

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