Liturgie
Ärgernis: Meßtext ohne Wandlungsworte verwirrt die Gläubigen
Widersprüchliches aus dem Vatikan zu einem umstrittenen Eucharistischen Hochgebet ohne Wandlungsworte.
(kreuz.net, Rom) Die letzte Nummer der theologischen Zeitschrift „Divinitas“, die vom angesehenen Verlag der Vatikanischen Buchhandlung herausgegeben wird, behandelt die Frage des stark umstrittenen Eucharistischen Hochgebetes (griechisch: Anaphora) von Addai und Mari.

Das Eucharistische Hochgebet ist der zentrale Teil der heiligen Messe, der als Höhepunkt die Wandlungsworte „Nehmet und esset alle davon, dies ist mein Leib der für euch hingegeben wird“ und „Nehmet und trinket alle davon, dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird“ enthält.

Der Disput um das Eucharistische Hochgebet von Addai und Mari begann am 26. Oktober 2001. Damals beschlossen drei vatikanische Amtsstellen, der Rat für die Einheit der Christen, die Kongregation für die Ostkirchen und die Glaubenskongregation, die Interkommunion zwischen den von Rom getrennten Ostassyrern und den mit Rom unierten chaldäischen Katholiken zu erlauben. Die chaldäischen Katholiken zelebrieren die Heilige Messe im ostsyrischen Ritus und sind vor allem im heutigen Irak zuhause.

Die ökumenische Übereinkunft zwischen Katholiken und Ostassyrern hat einen Pferdefuß.

Durch die Ermöglichung der eucharistischen Gemeinschaft anerkennt Rom implizit auch die Gültigkeit der von den Ostassyrern verwendeten „Anaphora von Addai und Mari“. Dieses Eucharistische Hochgebet stößt aber zum Teil in der Kirche auf vehemente Ablehnung, weil es keine Wandlungsworte enthält. Diese sind nach der katholischen Lehre unabdingbar, damit die Opfergaben der heiligen Messe zum Leib und Blut Jesu Christi werden.

Die theologische Zeitschrift „Divinitas“ enthält in ihrer letzten Nummer sechs Artikel, die den Beschluß der drei römischen Amtsstellen mehr oder weniger gutheißen, und vier, die sie in Frage stellen.

Das Faktum, daß eine theologische Publikation aus dem Vatikan eine solche Entscheidung zur Diskussion stellt, ist an sich schon erstaunlich. Noch mehr erstaunt freilich, wie offen die Autoren auf die Blume verzichten, durch welche solche Kritiken in vatikanischen Kreisen gewöhnlich vorgebracht werden. Der bekannte deutsche Theologe David Berger (36), Herausgeber der theologischen Zeitschrift „Theologisches“ weist zum Beispiel ohne Umschweife nach, daß die Kirche keine Macht hat, ein Eucharistisches Hochgebet anzuerkennen, das keine Wandlungsworte enthält. Mit anderen Worten: Die nach der „Anaphora von Addai und Mari“ zelebrierte Messe ist ungültig.

Ganz ähnlich argumentiert Mons. Brunero Gherardini in seinem Artikel. Gherardini war viele Jahre Professor für Dogmatik an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom und ist der Chefredaktor von „Divinitas“.

Die offene Darlegung der Fakten ist nach Beobachtern auch darauf zurückzuführen, daß Prof. David Berger ein Laie ist und sich Mons. Brunero Gherardini bereits im fortgeschrittenen Alter befindet. Dadurch seien beide vor Repressalien des im Vatikan von Jahr zu Jahr mächtiger und einflußreicher werdenden links-progressiven Blocks geschützt. Angesichts der offenen Gesprächskultur in „Divinitas“ könne man – so eine Stimme aus dem Vatikan – schon jetzt gespannt sein, wer vom mächtigen Staatssekretariat als Nachfolger für den greisen Mons. Gherardini im Amt des Chefredaktors von „Divinitas“ ernannt werde.
      
10 Lesermeinungen
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#11   ecclesiasticus   21:46:16 | Montag, 9. Mai 2011
David Berger – damals
Ja, hier wird noch über David Berger gejubelt. Immerhin erstaunlich, dass das noch nicht gelöscht wurde. Denn jetzt wird ja sein Rauswurf bejubelt. Tempora mutantur.
@ Ottaviani: Sie scheinen also zu wissen, was bei den Assyrern von Priestermund zu -ohr im geheimen weitergegeben wurde. Faszinierend! :)
Die Einsetzungsworte überliefert bereits das NT in unterschiedlichen Fassungen. Es kann sich also nicht um magische Worte handeln. Auch bei den Byzantinern „wandeln“ nicht die Worte, sondern der Geist (Epiklese nach den Einsetzungsworten). Warum nict Vielfalt statt traditionalistischer Engstirnigkeit?
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#9   Dolfus   10:40:15 | Freitag, 3. Dezember 2004
Extra ecclesiam nulla salus
@FioreGraz
Das „extra ecclesiam nulla salus“ wurde von keinem einzigen Concil verworfen, es ist die gültige Lehre der Römisch-Katholischen Kirche, wie der neue Katechismus aus 1992 feststellt.
Wer aus eigener Schuld der Kirche Christi, die mit der Römisch-Katholischen Kirche identisch ist, nicht angehören will, kann nicht gerettet werden.
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#8   Pelagius   21:16:32 | Dienstag, 30. November 2004
Pelagius meint:
Bestimmt wird es über die widerspenstigen Divinitas-Autoren und ihren Anhang bald Schreibverbote, Lehrerlaubnisentzüge, vielleicht sogar Exkommunikationen regnen. So ist die Kirche bei ungläubigen Theologen ja immer verfahren.
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#7   FioreGraz   11:05:29 | Montag, 8. November 2004
Wow
@ottaviani
Damit wischt du sämtliche orthodoxe Traditionen vom Tisch. Und damit belebst du das alte „Extra ecclesiam nulla salus“ für die katholische Kriche als einzige Heilsbringerin wieder. Naja widersrpcht zwar dem VatII. aber wir wissen ja beide was du von ihm hälst.
LG
Firoe
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#6   ottaviani   07:50:51 | Montag, 8. November 2004
Tradition?
Man nahm bei den Altorientalen die sog Arkandisziplin so ernst daß es zwar wandlungsworte gab diese wurden aber nicht niedergeschrieben sondern von priester generation zu generation weitergegeben mit der zeit gingen sie dann verloren das war auch der grund warum den unierten chaldaerern sofort bei ihrer rückehr zur kirche auferkegt wurde die Wandlunf nieder zu schreiben somit ist das fehlen der wandlungsworte keine tradizion sondern schlamperei im überigen ist tradition außerhalb der wahren kirche= katholischen wertlos
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#5   FioreGraz   06:45:10 | Montag, 8. November 2004
Tja manche glauben ihre Wahrheit ist die richtige
Die Chaldäer (vormals Asyrische Kriche des Ostens bzw. Teil davon) benutzen das seit jeher. Es ist mal ein Anerkennen das es auch ander Traditionen gibt. Es stellt sich eher viel mehr die Frage welcher „Neunmalklug“ im Vatikan es wirklich wagt einer dementsprechend alten Tradition so einfach zu widersprechen und sie als ungültig zu erklären. Als nächstes wollen die noch die ganze Orthodoxie zu Häretikern erklären lassen.
LG
Fiore
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#4   Benedicta   13:29:59 | Sonntag, 7. November 2004
benedicta
immerhin ist es eine entscheidung des vatikans – die sollte man nicht so einfach in frage stellen.
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#3   Elisabeth   11:20:06 | Sonntag, 7. November 2004
Is ja gar schröcklich!
Hab gerade mal so mir anschauen wollen, was denn passiert, wenn man das Knöpfchen Redaktion alarmieren drückt,jemineh sofort schreien die Sirenen.
Na wenigstens,weiß ich jetzt wie das Teil funktioniert, befindet sich eh alles noch in der Probephase!wird mir also der Probealarm bestimmt verziehen,trotzdem Sorry!
Freundliche Grüße,
Elisabeth
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#2   Elisabeth   11:14:45 | Sonntag, 7. November 2004
Links-progressiver Block????????????
Wer oder was ist denn der im Artikel erwähnte Links-progressive Block?
Eine Vorstellung sonst noch existierender Blocks im kath.Headqater namens Vatican wäre doch bestimmt auch sehr interessant,auch im Hinblick auf ein irgendwann statt findenen Konklave,damit sich der Normalkathole dann auch entsprechend zurechtfindet in den Blocks,Fraktionen ud ähnlichen vatikanischen Meinungsstrukuturen.
Vielen Dank im Vorraus für diese Mühe!
Gruß,
Elisabeth
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#1   ottaviani   10:43:12 | Sonntag, 7. November 2004
die katastrophe
die durch diese Aprobation geschehen ist kann gar nicht groß genug bewertet werden
schon jetzt bezog sich zum beispiel der suspendierte prof hassenhüttel auf diese erlaubnis bei seiner verteitigung der von ihm durchgeführten interzellebration
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