Drei Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte im Bistum Fulda sehen es als ihre Pflicht an, schwerwiegenden Bedenken zu geplanten Strukturveränderungen im Rahmen des „Pastoralen Prozesses im Bistum Fulda“ kundzutun.
(kreuz.net, Fulda) Unter Berufung auf Kanon 212 des katholischen Kirchenrechtes haben sich die Pfarrgemeinde-
und Verwaltungsräte aus Geismar, Spahl und Ketten gegen die angekündigten Strukturveränderungen im
Bistum Fulda zu Wort gemeldet. Fulda ist im Bundesland Hessen in der Mitte Deutschlands. Die drei Ortschaften
Geismar, Spahl und Ketten gehören politisch zur Gemeinde Rockenstuhl. Rockenstuhl befindet sich rund
30 Kilometer nordöstlich von Fulda.
Die sechs Pfarreigremien gehen zusammen mit ihrem Pfarrer Uwe Winkel
davon aus, daß die von der Diözesanleitung gewollten Pastoralverbünde nicht notwendig sind, um den
veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Rahmenbedingungen zu begegnen.
Dagegen könne die Einführung
von Pastoralverbünden längerfristig zur praktischen Auflösung des pfarrlichen Lebens führen. Selbst
wenn die zahlreichen Pfarreien eines Pastoralverbundes formal bestehen blieben und dem Pastoralverbundsleiter
als gemeinsamen Pfarrer anvertraut würden, erschiene doch der notwendige Kontakt zu diesem als völlig
unzureichend. Denn der Pastoralverbundsleiter sei zukünftig durch sehr viele Verwaltungsaufgaben und
Sitzungen in Beschlag genommen, meinen die Basisvertreter.
Die Seelsorge hingegen würde nach den Planungen
weitestgehend von einigen Priestern und Diakonen oder haupt- und ehrenamtlichen Laien pfarreiübergreifend
betrieben werden: „Eine Pfarrei wird auf Dauer aber nur dann bestehen, wenn sie einem Pfarrer als ihrem
eigenen Hirten anvertraut wird, der auch tatsächlich in der Lage ist sie zu betreuen“, heißt es im Text
der Beschwerdeführer.
Für die Einrichtung von Pastoralverbünden bestehe keine zwingende Notwendigkeit.
Der zur Begründung von Pastoralverbünden angeführte Priestermangel sei nicht in dem dargestellten Ausmaß
vorhanden, solange es bistumsweit etliche Pfarrer gibt, die relativ kleine Pfarreien haben, so die Gremienvertreter
weiter. Man könne sich auch immer noch leisten, in einer Pfarrkirche sonntags mehrere Meßfeiern anzusetzen,
die relativ schlecht besucht seien. Außerdem wünsche man sich offensichtlich nicht, daß ausländische
Priester ins Bistum kommen, obwohl der Papst empfohlen hat, Hilfe von außen anzunehmen, wenn es an Priestern
mangelt. Schließlich sollen Pfarrer, die das siebzigste Lebensjahr erreicht haben, zukünftig gezwungen
werden, in den Ruhestand zu treten.
Das zur Begründung der Strukturänderungen angeführte Argument,
daß die Kooperation der Geistlichen untereinander, sowie zwischen Geistlichen und Laien und zwischen
den Gemeinden notwendig sei, stößt auf großes Unverständnis. Weit über die Pfarrei- und Dekanatsgrenzen
hinaus habe man sich in der Vergangenheit um eine gedeihliche Zusammenarbeit bemüht.
„Warum verspricht
man sich von einer stärker reglementierten oder vielleicht sogar erzwungenen Zusammenarbeit eine Verbesserung
des kirchlichen Lebens? Ist nicht gerade die Erfahrung von Druck und Zwang durch die Kirchengeschichte
negativ belegt? Was ist der wahre Hintergrund der beabsichtigten Veränderungen?“ So lauten einige Fragen,
die nicht nur in den pfarrlichen Räten aus Geismar, Spahl und Ketten gestellt werden.
In den drei Pfarreien
ist man durchaus der Meinung, daß notwendige Veränderungen im ganzen Bistum auch innerhalb der herkömmlichen
Strukturen – Regionaldekanate, Dekanate, Pfarreien – stattfinden können. Es brauche dazu keine Pastoralverbünde
mit zusätzlichen Gremien wie einem Pastoralverbundsrat und einer Pastoralen Dienstgemeinschaft.
Die
kirchlichen Gremienvertreter aus der Gemeinde Rockenstuhl haben zusammen mit ihrem Pfarrer auch konkrete,
noch ausbaufähige Vorschläge für eine gemeinsame Zukunft:
Bistumsweit müßten Geistliche und hauptamtliche
Laien besser auf die Pfarrgemeinden aufgeteilt werden. Gleichzeitig sollte man über die Einstellung geeigneter
ausländischer Priester mit guten Sprachkenntnissen nachdenken, denn weltweit nehme die Zahl der Priester
zu. Wo an Sonn- und Feiertagen im Pfarreigebiet mehrere Messen schlecht besucht sind, sollte man Gottesdienste
gegebenenfalls zusammenlegen. Wo das kirchliche Leben sehr rückläufig oder schon fast zum Erliegen gekommen
sei, könne man auch Pfarreigrenzen verändern und Pfarreien zu Filialgemeinden umwandeln, wie das zum
Beispiel im Bistum Erfurt geschehen ist.
Die Bürokratie sei abzubauen und neue Gremien und Sitzungen
seien ebenfalls nicht notwendig. Dafür solle mehr Wert auf die Seelsorge der Pfarrer richten. Die Zukunft
der Kirche sei mit einem stärkeren Gottvertrauen anzugehen, auch hinsichtlich der Priesterberufungen.
Ein größeres Vertrauen solle auch in die freiwillige – und nicht erzwungene – Zusammenarbeit auf allen
Ebenen gelegt werden.
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