Kommentar
Leichen für „Dummies“ – Dummes über Leichen
Neues aus der Unfallforschung: „In Graz wurden Leichen für Autotests verwendet. Was sagen Ethiker und Juristen dazu?“, schreibt das „Presse Feuilleton“ am letzten Samstag. Christian Kopetzky, der Leiter des Institutes, sieht im Sinne des Strafgesetzbuches – Störung der Totenruhe – kein großes Problem. Von Peter Hödelmoser.
Ein evangelischer Theologe äußert sich im Artikel: „Aus ethischer Sicht wäre ein pietätvoller Umgang gewünscht, aber Pauschalurteile sind nicht gerechtfertigt.“ Auch die Anzahl der verwendeten Leichen sei unterschiedlich zu betrachten.

Prosit.

Gott sei Dank sind wir noch am Leben. Stellen Sie sich vor, Sie wären tot.

Zur selben Zeit, da sich Ihre Verwandten pietätvoll am Ortsfriedhof von Ihrem Sarg, der mit Friedhofserde gefüllt ist, verabschieden, sitzen Sie eingepfercht in einen gelb-schwarzen Kunststoffkombi im Cockpit eines Fahrzeugs, das mit 120km/h gegen einen Betonklotz gesteuert wird.

Der Krach des knautschenden Bleches stört nach Strafgesetzbuch §190 Ihre Totenruhe nicht.

Nachdem Sie von den Technikern im Labor aus dem Blechsalat befreit worden sind, stellt ein Team an Ärzten fest, was alles kaputt gegangen ist: Alles da, bis auf die linke Gesichtshälfte. Na dann kann nichts schief gehen, beim Umgang – dem pietätvollen – mit den Leichen.

Auf Seite 39 des „Presse Feuilleton“ ein Kommentar von Thomas Kramar:

„Ob von Würmern gefressen oder in Wracks zerrissen, ist ethisch gesehen egal. Richten wir unsere Sensibilität lieber auf belebte Körper. Viele haben es nötig.“

Ja, Herr Kramar, ein gefährliches Wort.

Wie lange soll es noch dauern, bis an Säuglingen – belebte Körper – geforscht werden darf.
Wer hindert die Forschung daran?

Ein Gesetz?

Da sowieso willkürlich straffrei gestellt wird, unterfuttert von positiv gesatztem Schwachsinn?

Nein, Herr Kramar, es ist ethisch gesehen nicht egal. Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst. Wir haben es nötig.

Wer Tote an die Wand schleudert, wird das bald auch mit den Lebenden tun.
      
8 Lesermeinungen
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#8   Sulpicius   13:02:39 | Dienstag, 22. März 2005
@Warum nicht?
Sie müssen ja keine Pazifisten sein. Sag mal, GerdEric, hast Du nur Stroh im Kopf? Wir wissen jetzt, daß Du die katholische Kirche nicht liebst. Hast Du eigentlich keine Arbeit, daß Du hier ständig Deinen Kram massenweise verzapfen kannst?
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#7   GerdEric   08:30:27 | Dienstag, 22. März 2005
Wie ist das eigentlich,
wieder ausserhalb des Friedhofes beerdigt werden
und Totgeburten verbuddelt werden?
Oder habe ich das falsch in Erinnerung…
Und werden Priester wieder Opfern von Hinrichtungen zur Seite stehen und tatsächlich dem System wieder Scheinheilgkeit geben?
Werden Bischöfe wieder zur Waffe greifen und selbst das Handwerk von Feldherren führen?
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#6   FioreGraz   07:04:01 | Dienstag, 22. März 2005
Heiße Luft
Die ersten „Dummies“ in der Autoindustrie waren Leichen, damals hatte man keine andere Möglichkeit, aus deren Erkentnissen etnwickelte man die heutigen Puppen. Nun ist aber diese Technik mehr als veraltet, und heute werden mehr und andere Erkentnisse benötigt also führt das so schlimm es auch klingt wieder zur „alten“ Methode der Grundlagenforschung. Und die Kriche sagt eindeutig das Leichen für das Wohl der Menschen sehr wohl von der Wissenschaft benutzt werden können. Wieso schreit keiner bei „sezierkursen“ auf der Uni auf, oder Meidikamententests…Was ist schlimmer 10 Leichen an der Wand oder Tote und Verletzte durch nicht verbesserte Sicherheismängel die man vielleicht bei verbesserten Puppen in Zukunft bei Tetsts auschschliesen könnte? Nebenher das diese Crashpuppen nicht nur in Autotests eingesetzt werden.
LG
Fiore
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#5   Yersinia   05:07:46 | Dienstag, 22. März 2005
@athanasius: welche Experimente werden da gemacht?
ist immer interessant, wie die Dinge tatsächlich ausschauen.
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#4   Athanasius   01:40:18 | Dienstag, 22. März 2005
Dieses AutomobilBeispiel ist Kinderspiel im
Vergleich zum Experiment mit Abtreibungsbabys und Kinderleichen.
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#3   Marcel   21:29:28 | Montag, 21. März 2005
Grauslig
Das ist grauslig.
Alles wird der Technik und der Wissenschaft geopfert. Alles. Dies ist er neue Götze. „Zum Wohle der Menschheit“… „Wo man hobelt, fallen Späne“.
Pfui Deibel.
Demnächst werden wieder Lampenschirme draus gemacht. :-(
Andererseits… Massentendenz geht in Richtung Einäschern (und vermehrt anonym „beisetzen“), also vielleicht gibt es bald gar keine mehr…
Das wirklich Schlimme ist es, daß die römisch-katholische Kirche seit dem verhängnisvollen Vatikanum-II, das sie lähmt und zerstört, immer seltener den Mut findet, solches zu ächten. Weil das Dogma des Glaubens nicht mehr da ist, wie schon in Fatima gewarnt wurde.
Nur den Betern kann es noch gelingen, die Welt zu retten.
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#2   Yersinia   20:11:33 | Montag, 21. März 2005
die nämlichen Leichen wurden nicht „in Wracks zerrissen“
sondern auf einem Schlitten wurde mit max. 15 km/h ein Aufprall von hinten simuliert – die selben Versuche wurden auch mit lebenden Personen durchgeführt; man braucht nur die Berichte zu lesen. Und den Menschen der „westlichen Hemisphäre“ möchte ich sehen, der nicht schon von Versuchen mit Toten profitiert hat. Manche Themen eignen sich nicht wirklich dazu, „skandalisiert“ zu werden.
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#1   Grebert   19:55:15 | Montag, 21. März 2005
Ohne Leichen keine Medizin!
Wissen Sie, daß die meisten medizinischen Erkenntnisse der letzten 200 Jahre der Sektion von Leichen zu verdanken ist? Wenn Sie – egal wo – operiert werden, geht das nur, weil man an Leichen die Anatomie des Menschen erforscht hat.
Würden Sie es tatsächlich bevorzugen, wenn man an einer Blinddarmentzündung sterben müßte, wie noch vor ein paar hundert Jahren? Oder wenn die Medizinstudenten die Operationen nicht vorher an Leichen üben dürften?
Wenn die Körperspender eingewilligt haben und ein möglichst pietätvoller Umgang mit der Leiche stattfindet, ist Forschung an und mittels Leichen ethisch vertretbar, zumal damit überhaupt ermöglicht wird, Menschenleben zu retten.
Es darf jedoch nicht sein, daß Leute zur Körperspende gezwungen oder gedrängt werden. Außerdem muß außer Frage stehen, lebende Menschen zu solcher Forschung zu mißbrauchen.
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