11:36:23 | Montag, 9. März 2009
Ein Darmstädter Pfarrer hat seiner Intoleranz der Piusbruderschaft gegenüber Luft gemacht. Allerdings hapert es noch ein bißchen bei der theologischen Argumentation.

Seminaristen der Piusbruderschaft singen den vom Zweiten Vatikanum gewünschten gregorianischen Choral.
© fsspx.info(kreuz.net) Die Aufhebung der Exkommunikation der vier „nicht katholischen, sondern lefebvrianischen »Bischöfe«“
verlangt ein klärendes Wort.
Das meinte kürzlich Hw. Thomas Krenski (47) – Pfarrer der Gemeinde St.
Ludwig in Darmstadt – in einer persönlichen Erklärung auf der Webseite seiner Pfarrei, die zum Bistum
Mainz gehört.
Eine neue SpracheIn seinen Ausführungen entdeckt der altliberale Geistliche Ausdrücke
wie „katholisch“, „Exkommunikation“, „Suspension“, „Häresie“ sowie die geballte Härte des Kirchenrechts.
All das ist zweifellos eine erfreuliche Entwicklung.
Es muß auch dankend hervorgehoben werden, daß
die Piusbruderschaft den Altliberalen als Übungsfeld dient, um diese Begriffe nach jahrzehntelanger Abstinenz
wieder auszuprobieren.
Nach Angaben von Hw. Krenski sind die gegenwärtig heftig verfolgten Altgläubigen
„politisch reaktionär“, „offensichtlich antijudaistisch“, „kirchenspalterisch“, „häretisch“, „im Gegensatz
zu den verbindlichen Lehren des Zweiten Vatikanums“, „
faschistoid“.
Man könnte fast meinen, daß Hw.
Krenski zuviel ‘kreuz.net’ gelesen hat.
Dennoch ist diese Aufzählung für den, dem die ökumenistische
Leer- und Schaumsprache der letzten Jahre bis zum Hals steht, wohltuend.
Der kleine UnterschiedIm weiteren
stellt Hw. Krenski fest, daß die Traditionalisten – im Sinne von Sankt Paulus – das bewahren, was ihnen
überliefert wurde. Doch das sei falsch: Tradition meine, in jedem Augenblick etwas Anderes zu sagen und
zu tun.
Für Hw. Krenski sind die Pius-Integristen keine Konservativen, sondern Traditionalisten: „Das
hat ganz und gar nichts miteinander zu tun.“
Dem Distriktoberen der Piusbruderschaft in Deutschland,
Pater Franz Schmidberger, nimmt es Hw. Krenski übel, daß er den Rücktritt seines Bischofs, Karl Kardinal
Lehmann, vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz mit folgenden Worten begleitet hat:
„Wir hegen keine
persönlichen Ressentiments gegen Kardinal Lehmann; aber wir danken Gott, daß er seinem Zerstörungswerk
an der Kirche in Deutschland ein Ende gesetzt hat.“
Persönlich betupftAuch mit dem europaweit größten
katholischen Portal ‘kreuz.net’ hat Hw. Krenski ein Hühnchen zu rupfen.
Er zitiert einen langen Abschnitt
aus einem
Artikel vom vergangenen August, in dem es um seine Darmstädter Pfarrei ging.
Der Artikel hat
des Pfarrers Eitelkeit offenbar schwer getroffen: „Wer will von mir verlangen mit Personen dieser Gesinnung
in kirchlicher Gemeinschaft zu leben?“ Die Antwort von seiten von ‘kreuz.net’ lautet: Niemand.
Kindlich
und treu fügt Hw. Krenski hinzu: „Wer meinen Bischof derart beschimpft, hat von mir keinen Funken Sympathie
zu erwarten.“
Wurzeln und ÄsteIm weiteren sucht Hw. Krenski Punkte, wo die Piusbruderschaft „in ausdrücklichem
Widerspruch zur Lehre der Kirche“ steht.
Das Zweite Vatikanum erinnere zum Beispiel „an unsere gemeinsamen
Wurzeln“ mit dem Judentum. Doch der Geistliche verwechselt die Wurzeln mit den Ästen – eine Unterscheidung,
die im Römerbrief von entscheidender Bedeutung ist.
Er wirft den Traditionalisten auch vor, „ausdrücklich
zur Bekehrung der Juden“ aufzurufen: Haben Jesus Christus, der Heilige Petrus, der Heilige Paulus oder
die Heilige Edith Stein etwas Anderes getan?
Einwandfreie FormulierungDen deutschen Distriktobere der
Piusbruderschaft verdächtigt Hw. Krenski, in seinem
Weihnachtsbrief an die deutschen Bischöfe erklärt
zu haben:
„Mit dem Kreuzestod Christi ist der Vorhang zerrissen, der Alte Bund abgeschafft. Damit aber
sind die Juden unserer Tage nicht nur nicht unsere Brüder im Glauben. Sie sind vielmehr des Gottesmordes
mitschuldig, solange sie sich nicht durch die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren.“
Doch
diese Formulierung ist einwandfrei.
Daß der Alte Bund abgeschafft – das heißt: erfüllt – ist, praktiziert
Hw. Krenski jeden Tag selber. Sonst müßte er sich an die dort – im Hinblick auf Christus – gemachten
Vorschriften halten.
Daß der Gottesmörder jener ist, der Christus von seinem Leben fernhält, hat der
Römische Katechismus des Konzils von Trient lange vor Pater Schmidberger in einem großartigen Abschnitt
gesagt – der freilich auch für Juden gilt.
Selber in die Häresie gefallenHw. Krenski macht sich ein
Zitat des Wiener Kardinals „Christoph von Schönborn“ zu eigen:
„Jeder Christ, der seinen Glauben ernst
nimmt, kann sich nur in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den jüdischen Wurzeln des Christentums verbeugen –
und vor den Menschen, die diese Wurzeln repräsentieren.“An diesem Punkt ist es unvermeidlich, Hw. Krenski
an eines seiner Lieblingswörter – „Häresie“ – zu erinnern.
Denn wie läßt sich die von ihm mit Zustimmung
zitierte Aussage des adligen Kardinals mit Bibelstellen wie den folgenden versöhnen:
• Nicht der ist
ein wahrer Jude, der es nur äußerlich ist, und die wahre Beschneidung ist nicht die, die nur äußerlich
am Fleisch vollzogen wird (Röm 2,28)
• Haben die Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben
bewiesen, daß alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde stehen (Röm 3,9).
• Es ist hier kein Unterschied
zwischen Juden und Griechen (Röm 9,24)
Den Heiligen Paulus und die vom Zweiten Vatikanum neu entdeckte
Heilige Schrift haben Hw. Krenski und sein Gewährsmann jedenfalls nicht auf ihrer Seite.
Keine Toleranz
Doch Hw. Krenski bleibt dabei: Die Integralisten – „so nennt man Menschen, die der Auffassung sind, sie
und nur sie besäßen die ganze Wahrheit“ – ziehen bis heute gegen das Lehramt und jede Form eines toleranten,
aufgeklärten und konziliaren Katholizismus zu Felde.
Schade eigentlich, daß „integral“ ein in unseren
Tagen so positiv besetzter Begriff ist.
Hw. Krenskis Ausführungen beweisen, daß auch bei ihm in Sachen
gepachteter Wahrheit, Aufgeklärtheit und Toleranz gewaltige Löcher klaffen.
„
Faschisten und Integralisten
sind per se unbelehrbar“ – sind das die Worte eines abgeklärten Aufgeklärten?
Zweischneidiges Konzil
Eines ist für Hw. Krenski jedenfalls klar: Die Piusbruderschaft muß das Zweite Vatikanum voll und ganz
anerkennen.
Merkt er, daß er mit dieser Aussage ein zweischneidiges Schwert in die Hand nimmt?
Denn
das meiste, was heute unter Ökumenismus, interreligiösem Dialog, liturgischen Experimenten, Handkommunion,
Volksaltar oder kirchlicher Demokratisierung gehandelt wird, hat im Zweiten Vatikanum keine Grundlage.
Wenn die Kirche heute somit wirklich zu Text und Buchstaben des Zweiten Vatikanums zurückkehren möchte,
dann wären die Pius-Integristen dem Zielpunkt wesentlich näher als Leute wie Hw. Krenski.
Darum soll
Hw. Krenski beim Wort genommen werden: „Ohne Anerkenntnis aller Beschlüsse und Erklärungen des Zweiten
Vatikanischen Konzils kann eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche nicht vollzogen und eine
Ausübung des bischöflichen Amtes nicht gestattet werden.“
Eine Reform der Kirche?Diese Aussage könnte
zur Ausgangsbasis einer Reform der Kirche werden. Man könnte damit in Deutschland beginnen.
Von abenteuerlichen
Interpretationen, wonach die konziliäre Bezeichnung der Kirche als „Sakrament des dreieinigen Gottes“
angeblich eine Auflösung der Hierarchie meint, müßte sich Hw. Krenski allerdings dann verabschieden.
Denn wenn es nach Hw. Krenski keine Hierarchie mehr gibt, ist nicht einzusehen, warum die Piusbruderschaft
dieser und ihren Beschlüssen gehorsam sein sollte.
Und wenn ihm das Wort „Communio“ – Gemeinschaft –
wirklich am Herzen liegt, dann muß er auch im Umgang mit der Piusbruderschaft zu einem neuen Ton und
zu einer neuen Haltung finden.
Es ist in der Tat einfach, mit den schönen Worten des Konzils um sich
zu hauen. Die Schwierigkeit besteht darin, sie in die Tat umzusetzen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.