09:16:56 | Donnerstag, 12. März 2009
Meinungsvielfalt wird nur in der einen Richtung, nämlich der progressiven, gefordert, während gegenüber den Altgläubigen nicht einmal jene Öffnung akzeptiert wird, die der Papst vorgenommen hat.

(kreuz.net, Basel) Gestern Mittwoch veröffentlichte Bischof Kurt Koch von Basel Ausführungen über das
Zweite Vatikanum und die Piusbruderschaft.
Der Bischof freut sich, daß sich Schweizer Gläubige in jüngster
Zeit so deutlich auf das Lehramt der Kirche berufen haben. Das Zweite Vatikanum sei mit großem Lob versehen
worden – stellt er fest.
Als Beispiele nennt Mons. Koch eine kirchenfeindliche
Petition für die Anerkennung
des Zweiten Vatikanums und eine altliberale
Demonstration in Luzern.
Ferner zitiert der Bischof das Editorial
der altliberalen ‘Zeitung der Theologiekurse’.
Dort wurde die Frage gestellt, ob es „entgegen aller katholischen
Lehrtradition“ nunmehr möglich werden solle, in der Kirche „ein Konzil und dessen Beschlüsse ausdrücklich
abzulehnen“.
Sogar der bis anhin geächtete Kirchenbann wird ins Spiel gebracht: Ein solches Verhalten
habe „bis anhin unweigerlich die Exkommunikation nach sich“ gezogen.
Kommentar von Bischof Koch: „Über
soviel Lehramtstreue kann man sich eigentlich nur freuen.“
Keiner steht
vorbehaltlos zum KonzilGleichzeitig wundert sich der Bischof, warum diese Forderungen immer nur an andere
gerichtet werden – an die Piusbruderschaft, an die Bischöfe und vor allem an den Papst.
Darum fordert
Mons. Koch, bei sich selber zu beginnen:
„Wer kann dann von sich behaupten, er stehe ‘uneingeschränkt’
und ohne Reserve hinter dem Zweiten Vatikanischen Konzil?“
Haben diejenigen, die dies so lautstark fordern,
keine Fragen an das vergangene Konzil?
Ich könnte mich jedenfalls davon nicht ausnehmen. Denn auch für
mich gibt es in den Texten des Konzils problematische Punkte, die vertieft angegangen werden müßten.
Dann erwähnt Mons. Koch die altliberale Theorie, wonach man nicht den Text, sondern einen angeblichen
„Geist des Konzils“ zu beachten habe.
Dazu erklärt Mons. Koch, daß das Zweite Vatikanum wie eine Stopfgans
behandelt wird. Es würden in es beliebig Wünsche, Vorstellungen und Postulate hineingelegt.
Es gibt
21 KonzileSchließlich kommt der Bischof zum Kern der Sache. Wenn es zum Katholizismus gehöre, die
Beschlüsse eines Konzils anzunehmen, stelle sich sofort die Frage:
„Gilt dies nur für das Zweite Vatikanische
Konzil, oder gilt es nicht auch von allen anderen Konzilien?
Müßte dann nicht auch ein Katholik exkommuniziert
werden, der das Erste Vatikanische Konzil ablehnt?
Wie steht es mit den altkirchlichen Konzilien, die
das Menschsein und Gottsein Jesu Christi gelehrt haben?
Wie steht es mit dem Trienter Konzil, das die
Spendung der Sakramente eindeutig an die Priesterweihe gebunden hat?
Ist es nicht einseitig, nur die
Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils, und zwar ‘uneingeschränkt’, zu fordern?
Denn der Katholik
ist verpflichtet, alle Ökumenischen Konzilien seit Beginn der Kirche anzunehmen.“Derselbe Glaube wie
auf Trient?Ferner behauptet Bischof Koch, daß Altgläubige und Altliberale das Zweite Vatikanum gleich
Kardinal Ratzinger in seiner Autobiographie
„Ich war bestürzt über das Verbot des alten Missale, denn
etwas Derartiges hat es in der ganzen Liturgiegeschichte nie gegeben […]. Das nunmehr erlassene Verbot
des Missale, das alle Jahrhunderte hindurch seit den Sakramentaren der alten Kirche kontinuierlich gewachsen
war, hat einen Bruch in die Liturgiegeschichte getragen, dessen Folgen nur tragisch sein konnten […].
Man brach das alte Gebäude ab und baute ein anderes.“
beurteilten und als Bruch mit der Tradition betrachteten.
Damit bestätigt sich für den Bischof die alte Redewendung „les extrèmes se touchent“ – die Extreme
berühren sich. Gemäß seiner Erfahrung fügt er hinzu: „et se battent“ – und schlagen sich.
Papst Benedikt
XVI. glaube dagegen an eine „Hermeneutik der Reform“.
So habe er in seinem
Begleitschreiben an die Bischöfe
zum Motu Proprio betont: „In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch.“
Benedikt XVI. wolle Altgläubige und Altliberale zum Konzil zurückrufen und so eine Versöhnung der
höchst polarisierten Kirche in einer angeblich gesunden Mitte versuchen.
Wenigstens so behandeln wie
die AltkatholikenDer Bischof erinnert ferner an die Altkatholiken. Die Gruppe spaltete sich nach dem
Ersten Vatikanischen Konzil 1870 ab, weil sie den Primat des Papstes leugnet.
Während der jüngsten
Haßkampagne gegen die Kirche bewarben die Altkatholiken ihre Gemeinschaft mit Zeitungsinseraten.
Bischof
Koch sieht dahinter die Devise: „Der anderen Kirche geht es schlecht, also ist dies eine gute Chance,
für uns zu werben.“
Trotzdem sieht er den Dialog mit den Altkatholiken positiv.
Eine Annährung zwischen
den beiden Gemeinschaften hätte angeblich gedeihen können, weil man sich gegenseitig Zeit gegeben habe:
„Müßten wir nicht aus dieser geschichtlichen Erfahrung lernen und der Piusbruderschaft auch Zeit lassen,
um jenen geduldigen Dialog zu beginnen, wie ihn Papst Benedikt XVI. gewünscht hat?“
Nulltoleranz für
den Dialog mit der PiusbruderschaftMan dürfe auf die Piusbruderschaft nicht mit Höchstanforderungen
zugehen. Sonst habe der Dialog keine Chance.
Mons. Koch will die Fragen, welche die Bruderschaft an das
Konzil stellt, ernst nehmen – „ohne das zur Disposition zu stellen, was nicht verhandelbar ist“.
„Sollte
man einen Dialog nur deshalb nicht beginnen, weil die Ausgangsbedingungen schlecht sind?“
Der Bischof
kann nicht verstehen, daß man gegen den Papst und die Piusbruderschaft „für Meinungsvielfalt und Dialog
innerhalb der Kirche“ demonstriert und gleichzeitig der Bruderschaft jeden Dialog verweigert:
„Muß man
dies so verstehen, daß Meinungsvielfalt nur in der einen Richtung, nämlich der progressiven, gefordert
wird, während gegenüber der traditionellen Seite nicht einmal jene Öffnung akzeptiert wird, die der
Papst vorgenommen hat?“
Mons. Koch hat den Eindruck, daß das Wort „Dialog“ gegenüber Altgläubigen
Nulltoleranz bedeutet und gegenüber den Altliberalen „anything goes“ – erlaubt ist, was gefällt.
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